Vier Tatverdächtige aus Mecklenburg-Vorpommern: Der Brandanschlag von Lübeck vor 30 Jahren.

0

Zur letzten Sitzung des 2. NSU/Rechter Terror-Untersuchungsausschusses Mecklenburg-Vorpommern war am 1. Dezember der Sachverständige Holger Bachmann-Wulf geladen. Thema der Befragung war der Brandanschlag auf eine Geflüchtetenunterkunft in der Lübecker Hafenstraße vor 30 Jahren. Bachmann-Wulf beschrieb, wie es in den Morgenstunden des 18. Januar 1996 brannte, er nannte die Namen der Ermordeten: Françoise Makodila Landu, Christine Makodila, Miya Makodila, Christelle Makodila Nsimba, Legrand Makodila Mbongo, Jean-Daniel Makodil Kosia, Monique Maiamba Bunga, Nsuzana Bunga, Sylvio Bruno Comlan Amoussou und Rabia El Omari konnten nicht gerettet werden. 39 weitere Menschen wurden schwer verletzt.

Der Sachverständige bedankte sich, dass der Ausschuss sich dieses Themas annimmt.Während der Aussage Bachmann-Wulfs wurde schnell klar, warum ein Ausschuss zu rechtem Terror im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern genau der richtige Ort ist, um über den Brandanschlag im Nachbarland Schleswig-Holstein zu sprechen. Kurze Zeit nach dem Anschlag rückten vier junge Männer aus dem 40 Kilometer entfernten Grevesmühlen (Mecklenburg-Vorpommern) in den Fokus der Ermittlungen. Bei dreien sei ein rechtsextremer Hintergrund schnell nachweisbar gewesen, so der Sachverständige. Sie trugen außerdem für Brandstifter typische Spuren an Augenbrauen und Wimpern.

Ausführlich stellte Bachmann-Wulf Zeug*innenaussagen zu diesen Fakten dar und sprach auch über Geständnisse, die zumindest einer der vier Männer geäußert hatte. Er berichtete, wie die Ermittlungen gegen die vier Grevesmühlener trotzdem eingestellt wurden. Stattdessen wurde ein Bewohner des Hauses verhaftet, saß sechs Monate in Untersuchungshaft, wurde zweimal vor Gericht gestellt und zweimal freigesprochen. Bachmann-Wulf: „Damit ist der Kriminalfall Hafenstraße bis zum heutigen Tag unaufgeklärt.“

Die Abgeordneten insbesondere von Linksfraktion und Grünen fragten ausführlich nach den Hintergründen der Tatverdächtigen, dabei hielten sie aus Akten u.a. zu einem Geständnis vor, das einer der Verdächtigen in Haft wegen einer anderen Sache gegenüber dem Leiter der JVA gemacht hatte. Der „Spiegel“ hatte ein Interview mit einem der Tatverdächtigen geführt, in dem dieser die Tat erneut gestand.

Das Erstaunen, dass trotz Geständnissen und Hinweisen auf die Täterschaft der Vier die Ermittlungen eingestellt wurden, war an diesem Tag im Ausschuss spürbar. Gefragt, welche Hoffnungen er für weitere Aufklärung habe, antwortete Bachmann-Wulf, er habe nicht viel Hoffnung, aber Tage wie dieser im Untersuchungsausschuss seien wichtig. Er erhoffe sich durch die Öffentlichkeit, dass möglicherweise Täter oder Emittler*innen ihr Schweigen brechen könnten. Der Forderung nach einem Untersuchungsaussschuss in Schleswig-Holstein, die zum Beispiel die Initiative Hafenstraße 1996 erhebt, schloss sich der Zeuge nicht direkt an, „aber wenn man Antworten will, muss man Fragen stellen“.

Erfahrt mehr in der Episode der Web-Doku-Reihe des VBRG „Gegen Uns“ zum Brandanschlag von Lübeck.

Dieser Kurzbericht erschien zuerst in unserem monatlichen Newsletter „Aufklären und Einmischen“. Ihr wollt auf dem Laufenden bleiben? Hier den Newsletter abonnieren!

(Text:ck, Redaktion: scs)