Kein Vergessen: Todesopfer rechter Gewalt in Mecklenburg-Vorpommern

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Der 2. NSU/Rechter Terror-Untersuchungsausschuss Mecklenburg-Vorpommern fand sich schon im Dezember 2025 zu seiner vorerst letzten öffentlichen Sitzung zusammen. Dort sagten drei Sachverständige aus, über deren Aussagen wir in drei Ausgaben unseres Newsletters berichteten. Im Januar ging es an dieser Stelle um die Aussage des Sachverständigen Holger Bachmann-Wulf zum rassistischen Brandanschlag von Lübeck am 18. Januar 1996. In dieser Ausgabe geht es nun um die Aussage von Robert Schiedewitz. Schiedewitz ist Vertreter von LOBBI, der Beratungsstelle für Betroffene rechter Gewalt in Mecklenburg-Vorpommern. Im Mittelpunkt seiner Aussage stand die große Recherche von LOBBI zu Todesopfern rechter Gewalt in Mecklenburg-Vorpommern. Nur fünf Todesopfer sind im Nordosten staatlicherseits trotz wiederholter Prüfung anerkannt, LOBBI geht aber inzwischen von mindestens 15 Toten durch rechte Gewalt aus:

Dragomir Christinel, Boris Morawetz, Olaf Jeschke, Horst Diedrich, Horst Genz, Horst Meyer, Klaus-Dieter Gerecke, Jürgen Seifert, Norbert Plath, Eckhard Rütz, Mohamed Belhadj, Klaus Dieter Lehmann, Wolfgang Hühr, Mehmet Turgut, Karl-Heinz Lieckfeldt.

Zusätzlich zählt LOBBI auf der eigens eingerichteten Homepage vier Verdachtsfälle und vier ungeklärte Fälle. Zwei Todesopfer rechter Gewalt konnten erst durch die Recherchen von LOBBI überhaupt benannt werden.

Der Sachverständige drängte im Untersuchungsausschuss auf eine offizielle Anerkennung der Todesopfer und – Vorbildern aus Berlin und Brandenburg folgend – weitere Studien des Landes zum Thema. In Berlin und Brandenburg wurden unter anderem zivilgesellschaftliche Organisationen mit einbezogen, anstatt die „immer gleichen Akten mit ein paar anderen Stellschrauben zu betrachten“. Rechte Motive seien in diesen Studien auch breiter betrachtet und so beispielsweise als begleitend und eskalierend für Taten mit einbezogen worden.

Bei einer Anerkennung gehe es um Fehlerkultur, diese stelle keinen Gesichtsverlust dar. Im Gegenteil, die eigenen Unzulänglichkeit aufzuarbeiten sei auch eine Frage der Professionalität, so Schiedewitz. Auch für Betroffene und Angehörige sei eine solche Anerkennung essentiell wichtig, berichtete er aus dem Arbeitsalltag der Beratungsstelle.

Im kommenden Newsletter werden wir auf weitere Aspekte der Anhörungen von Sachverständigen im Untersuchungsausschuss Mecklenburg-Vorpommern eingehen.

Auf unserer Homepage findet ihr unsere Berichte und Hintergründe zum 2. NSU /Rechter Terror-Untersuchungsausschuss in Mecklenburg-Vorpommern.

Dieser Kurzbericht erschien zuerst in unserem monatlichen Newsletter „Aufklären und Einmischen“. Ihr wollt auf dem Laufenden bleiben? Hier den Newsletter abonnieren!

(Text:ck, Redaktion: scs)