Antwortsuche auf die Frage „Was heißt das für uns – jetzt und später?“ von Mandy Boulgarides

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von Mandy Boulgarides

wurde am 15. Juni 2005 in seinem Schlüsseldienst in vom ermordet. Das Bild zeigt den Tatort nach 2011. (c) NSU-Watch

Vor 10 Jahren enttarnte der NSU sich selbst. Vor 10 Jahren haben wir Familien endlich erfahren, wer uns geliebte und geschätzte Freunde und Familienmitglieder genommen hat und vor allem auch warum:

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An dieser Tatsache gibt es nichts zu beschönigen, zu entschuldigen oder zu beschwichtigen.

Diese letzten 10 Jahre waren für alle Hinterbliebenen, Angehörigen und die Unterstützenden mehr als aufwühlend. Es war belastend und zum Teil auch beleidigend. Es waren auch 10 Jahre, in denen wir in die Beweispflicht genommen wurden, um nachzuweisen, dass mehr als nur drei Personen die Schuld an der kaltblütigen und menschenverachtenden Ermordung von 10 unschuldigen Menschen tragen. 10 Jahre, in denen Bündnisse wie NSU-Watch und unermüdliche Angehörige Antworten verlangen und bis heute für die lückenlose Aufklärung einstehen.

Was haben uns die letzten 10 Jahre gezeigt? Unser Rechtsstaat hat noch viel zu lernen und sollte sich dessen endlich bewusst werden! Die ganzen Morde und Anschläge stehen in keinerlei Verhältnis zu den lächerlichen Urteilen.

Was bedeuten die Kämpfe der letzten 10 Jahre für unsere Zukunft? Nicht einfach alles hinzunehmen, wie es ist? Weiter zu kämpfen? Weiter zu fordern? Für mich, Mandy Boulgarides, meine Familie und unsere Unterstützenden steht nach 10 Jahren fest:

Dies ist ein bedeutender Moment der deutschen Nachkriegszeit. Wir zeigen Deutschland, dass jeder das Recht haben muss lückenlose Aufklärung zu erhalten.

Ich will, dass alle Personen die mit dem NSU-Terror und dem ganzen Komplex in Verbindung stehen dafür zur Verantwortung gezogen werden.

Ich wünsche mir, dass Menschen keine Angst haben, für ihre Rechte oder die ihrer verstorbenen Angehörigen zu kämpfen und Fragen laut in die Gesellschaft zu schreien.

Schlussendlich haben diese 10 Jahre aber auch einen Wandel in der Gesellschaft gezeigt. Ich blicke optimistisch auf ein Miteinander und Augenhöhe. Und eines kann ich mit absoluter Gewissheit sagen: Wir werden nicht aufhören zu fragen. Es wird endlich Zeit für klärende Antworten.

Danke.