Wir melden uns einmal im Monat mit unserem Newsletter „Aufklären & Einmischen“ bei euch. Passend zum Titel des Newsletters findet ihr im ersten Teil – Aufklären – Berichte zu unserer Arbeit. Außerdem werfen wir einen Blick auf aktuelle Ereignisse im Themenfeld rechter Terror und seine Aufarbeitung. Im zweiten Teil des Newsletters wird es praktisch: Einmischen. Wir sammeln für euch aktuelle Termine beispielsweise für Veranstaltungen, Kundgebungen und Demonstrationen, an denen ihr euch beteiligen könnt. Hier könnt ihr euch für den Newsletter anmelden.
Wenn ihr genauer wissen wollt, was euch erwartet, könnt ihr hier die Januar-Ausgabe des Newsletters in der Webversion nachlesen. (Aus technischen Gründen wird der Newsletter hier grafisch leicht abweichend von der Mail-Version dargestellt.)

Hallo zur ersten Ausgabe unseres monatlichen NSU-Watch-Newsletters „Aufklären und Einmischen“ im Jahr 2026!
Vorweg eine Information in eigener Sache: Im neuen Jahr gibt es bei NSU-Watch eine Veränderung. Aus organisatorischen Gründen sind wir seit dem 1. Januar 2026 beim Verein Büro für Text und Aktion e.V. aus Berlin angesiedelt. Auch der neue Verein ist als gemeinnützig anerkannt. Unser bisheriger Trägerverein apabiz e.V. bleibt weiter wichtiger Teil des NSU-Watch-Netzwerks.
Spenden für NSU-Watch bitte nur noch auf unser neues Konto bei Büro für Text und Aktion e.V. Die Kontoinformationen findet ihr auf unserer Spendenseite. Bitte stellt auch Daueraufträge auf dieses Konto um. Mit eurer Unterstützung ist es uns unter anderem möglich, diesen monatlichen Newsletter zu versenden oder aktuell den 2. NSU-Prozess in Dresden gegen Susann Eminger an jedem Prozesstag zu besuchen und Berichte darüber anzufertigen.
Vielen Dank für eure Unterstützung!
In Dresden sagten an den letzten beiden Prozesstagen im Dezember unter anderem Zeug*innen aus dem Umfeld der Emingers und aus der Nachbarschaft des NSU-Kerntrios aus. Dabei zeigte sich – wie im ersten NSU-Prozess – Zwickauer Normalität. Ein Zeuge sprach von „einer ganz normalen Familie“, als er nach den Emingers gefragt wurde. Mit der Frage nach der politischen Einstellung konnten die meisten nichts anfangen, man habe sich nicht über Politik unterhalten. Durch Vorhalte aus früheren Vernehmungen wurde klar, dass zumindest zwei der Zeug*innen eine „stramm rechte“ Haltung sehr wohl erkannten und diese auch teilten. Da die Fragen der Richterin aber dennoch nicht in die Tiefe gingen, kamen die Umfeldzeug*innen mit ihren Lügen wohl davon, schreiben wir in unserem ersten Beitrag im Januar-Newsletter.
In zwei Beiträgen gedenken wir Françoise Makodila Landu, Christine Makodila, Miya Makodila, Christelle Makodila Nsimba, Legrand Makodila Mbongo, Jean-Daniel Makodil Kosia, Monique Maiamba Bunga, Nsuzana Bunga, Sylvio Bruno Comlan Amoussou und Rabia El Omari, die vor 30 Jahren, am 18. Januar 1996, in Lübeck ermordet wurden. Wir blicken zurück auf die Sitzung des Untersuchungsausschusses in Mecklenburg-Vorpommern am 1. Dezember, in der ein Sachverständiger u.a. zu den vier Tatverdächtigen aus Grevesmühlen in Mecklenburg-Vorpommern gehört wurde. Der Abgeordnete Michael Noetzel (Linksfraktion) forderte danach eine Wiederaufnahme der Ermittlungen. Außerdem dokumentieren wir die Pressemitteilung der Initiative Hafenstraße 1996 zur Kampagne „Zeit zu reden“, die sie auf Social Media und im öffentlichen Raum durchführt. Außerdem möchten wir euch auf die Veröffentlichung von „Das soll Gerechtigkeit sein? Die Tötung von Mouhamed Lamine Dramé” aufmerksam machen. Es handelt sich um eine „solidarische Gegendarstellung“ des Solidaritätskreises Mouhamed Lamine Dramé und von Courtwatch Köln zum Prozess zum Tod von Mouhamed Lamine Dramé, der vor rund einem Jahr mit Freisprüchen für die beteiligten Polizist*innen endete.
Wir gedenken im Januar Oury Jalloh, der am vor 21 Jahren in Dessau ermordet wurde. Wir gedenken Corinna Tartarotti, die am 7. Januar 1984 in München bei einem Anschlag der Gruppe Ludwig so schwer verletzt wurde, dass sie drei Monate später verstarb. Beteiligt euch an den Gedenk- und Erinnungsveranstaltungen!
Die Termine findet ihr wie immer am Ende des Newsletters.
Kein Schlussstrich!
Eure Antifaschist*innen von NSU-Watch
Unser Newsletter ist kostenlos und wird es auch bleiben. Für unsere Arbeit sind wir aber auf eure Unterstützung angewiesen. Mehr dazu findet ihr auf unserer Spendenseite!

Lügen und Verharmlosungen durch das Umfeld der Emingers im 2. NSU-Prozess
In der Zeit zwischen der ersten Ladung von Beate Zschäpe im 2. NSU-Prozess Anfang Dezember und ihrer erneuten Ladung am 29. Januar wird die Verhandlung in Dresden mit anderen Zeug*innenaussagen fortgesetzt. Vor Gericht mussten am 17. und 18. Dezember Menschen aus dem Umfeld des Ehepaars Eminger erscheinen, die mit diesem befreundet sind oder waren. Sie gaben durchweg wortkarg und meist widerwillig an, sich nicht gut zu erinnern und mit den Emingers nicht oder kaum über den NSU, die Hausdurchsuchungen oder die Inhaftierung André Emingers gesprochen zu haben. Alle Zeug*innen wurden gefragt, ob sie in der Wohnung der Emingers waren und dort die große Schwarze Sonne über dem Ehebett oder im Wohnzimmer die Zeichnung, die die NSU-Täter Mundlos und Böhnhardt zeigt, gesehen haben. Keiner will etwas bemerkt haben.Das Tattoo auf André Emingers Bauch, auf dem „Die Jew Die“ über einem SS-Totenkopf stand, wurde angeblich von den meisten nicht wahrgenommen. Die Zeugin Doreen B. wiegelte ab, sie habe nicht genau geguckt und das müsse „jeder selbst wissen“. Eine rechte Gesinnung habe sie jedenfalls nicht feststellen können. Sie sei wegen der Kinder und der Hunde mit Susann Eminger befreundet. Diese sei offen, quirlig und laut, man könne sich auf sie verlassen. Über die Durchsuchung bei den Emingers, die Inhaftierung von André Eminger und den NSU-Prozess hätten sie „wahrscheinlich mal“ oder auch nie gesprochen, gab die Zeugin auf das Drängen der Vorsitzenden Richterin Herberger und der Bundesanwaltschaft an.
Der Elan zur Nachfrage verließ die Prozessbeteiligten allerdings nach dieser ersten am 17.12. gehörten Zeugin. Die Zeugin Susanne H. gab an: „Über Politik haben wir nie gesprochen. Liegt vielleicht auch an mir, weil interessiert mich nicht.“ Über die Inhaftierung André Emingers habe man ebenfalls nicht gesprochen: „Was soll ich da reden, habe es ja gesehen?“ Diese Angaben wurden letztlich so stehen gelassen. Von der Zeugin H. gibt es ein Foto von einem Fest, auf dem neben ihr unter anderem Susann Eminger und auch Beate Zschäpe zu sehen sind. Das Foto wurde im Brandschutt der letzten Wohnung des NSU-Kerntrios gefunden. H. sagte zu dem Foto, das sei das einzige Mal gewesen, dass sie Zschäpe gesehen habe: „Die saß mit am Tisch, war mit Frau Eminger da.“ Zschäpe sei ihr damals als „Susann“ vorgestellt worden. In die Tiefe ging es auch hier in der Befragung nicht.
Der nächste Zeuge, Markus P., war ebenfalls Nachbar der Emingers, mit denen es laut Zeuge eine „Bekanntschaft“ gegeben habe. P. sprach von gemeinsamen musikalischen Interessen mit den Emingers. Laut eigener Aussage betrieb er ein Online-Magazin über Heavy Metal, das sich dagegen gewandt habe, dass die Metal-Szene von der „politisch extremen Szene, egal ob von links oder von rechts unterwandert“ wird. André und Susann Eminger habe er auf Festivals in der Region getroffen und sie hätten am Metal-„Stammtisch“ des Zeugen teilgenommen. Obwohl P. angab, wegen gesundheitlicher Probleme keine gute Erinnerung zu haben, konnte er sich noch an relativ viel erinnern. Doch auch er gab immer wieder an, sich nicht zu erinnern und nicht mit den Emingers über den NSU geredet zu haben. Der Zeuge fuhr Susann Eminger einmal nach München zur Untersuchungshaftanstalt, in der ihr Mann einsaß, und besuchte diesen zusammen mit ihr. Er wisse aber nicht mehr, was man auf Hin- und Rückfahrt besprochen habe, so P.
Als fünfter und letzter Zeuge des Verhandlungstages am 17.12. sagte der Lebensgefährte von B., Manuel W., aus. Auch er sprach zunächst davon, dass er mit den Emingers vor allem wegen der Kinder Zeit verbracht hätte. Gefragt nach der politischen Gesinnung der Emingers antwortete W.: „Neutral“. Das gelte auch für ihn selbst. Er habe mit André Eminger nach 2011 nie über die Vorwürfe gegen diesen gesprochen. Von der Durchsuchung habe er aus den Medien erfahren. Die Vorsitzende Richterin erinnerte den Zeugen an seine Wahrheitspflicht und drohte mit einem Verfahren wegen Falschaussage: Der Zeuge habe 2012 in seiner polizeilichen Vernehmung angegeben: „Der André war stramm rechts (…) und ich teile in gewisser Hinsicht die rechte Gesinnung.“ W. antwortete, er erinnere sich nicht mehr, was er 2012 bei der Polizei ausgesagt habe. Während seine Lebensgefährtin B. aussagte, sie hätte nach der Durchsuchung Ende 2011 mit Emingers nichts mehr zu tun gehabt, gab W. an, sie beide hätten bis 2016 Kontakt gehabt.Der Zeuge Michael W., der am 18.12. gehört wurde, machte ähnliche Angaben. Er habe keine politisch „extreme Ausrichtung“ der Emingers erkannt. Er habe zwar André Emingers Tätowierungen gesehen, ihm aber geglaubt, dass das der Vergangenheit angehöre. Die Richterin hielt W. seine Aussagen bei der Polizei von 2012 vor: „Die politische Haltung war schon klar“. W. habe diese, so seine frühere Aussage weiter, interessant gefunden, eine Diskussion sei „möglich gewesen“. Nach dem Vorhalt fragte Richterin Herberger dann aber nicht weiter nach diesem Widerspruch und hakte auch nicht nach, was das eigentlich heißen solle. Auch dieser Zeuge wurde letztlich mit seiner Angabe, bei den Emingers handele es sich um „eine ganz normale Familie“, vom Senat ziehen gelassen.
Insgesamt stellt sich die Frage, warum diese Zeug*innen überhaupt geladen werden, wenn sie dann nicht gründlich und nachdrücklich befragt werden.
In unserem Buch zum ersten NSU-Prozess, „Aufklären und Einmischen Der NSU-Komplex und der Münchener Prozess“, schrieben wir über Zeug*innen aus dem Umfeld des NSU: „Beim Verweis vieler Szene-Zeug*innen auf ihre eigene ‚Normalität’ handelt es sich jedoch nicht bloß um eine Notlüge, um den Versuch, von sich selbst abzulenken und die eigene Rolle kleinzureden. Der Verweis auf Normalität reflektiert vermutlich oft die Selbstwahrnehmung – um nicht zu sagen: das Selbstbewusstsein – der Generation, der das NSU-Kerntrio sowie die meisten Nazi-Zeug*innen im NSU-Prozess angehören. Diese Zeug*innen nehmen sich nicht nur selbst als ‚normal‘ wahr, in einem gewissen Sinne sind sie es tatsächlich. An vielen Orten – nicht nur, aber häufiger in Ostdeutschland – gab es in den 1990er Jahren eine rechte Hegemonie.“ Das dürfte auch für die Nachbarschaft der Emingers in Zwickau gelten.
Vier Tatverdächtige aus Mecklenburg-Vorpommern: Der Brandanschlag von Lübeck vor 30 Jahren.
Zur letzten Sitzung des 2. NSU/Rechter Terror-Untersuchungsausschusses Mecklenburg-Vorpommern war am 1. Dezember der Sachverständige Holger Bachmann-Wulf geladen. Thema der Befragung war der Brandanschlag auf eine Geflüchtetenunterkunft in der Lübecker Hafenstraße vor 30 Jahren. Bachmann-Wulf beschrieb, wie es in den Morgenstunden des 18. Januar 1996 brannte, er nannte die Namen der Ermordeten: Françoise Makodila Landu, Christine Makodila, Miya Makodila, Christelle Makodila Nsimba, Legrand Makodila Mbongo, Jean-Daniel Makodil Kosia, Monique Maiamba Bunga, Nsuzana Bunga, Sylvio Bruno Comlan Amoussou und Rabia El Omari konnten nicht gerettet werden. 39 weitere Menschen wurden schwer verletzt. Der Sachverständige bedankte sich, dass der Ausschuss sich dieses Themas annimmt.Während der Aussage Bachmann-Wulfs wurde schnell klar, warum ein Ausschuss zu rechtem Terror im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern genau der richtige Ort ist, um über den Brandanschlag im Nachbarland Schleswig-Holstein zu sprechen. Kurze Zeit nach dem Anschlag rückten vier junge Männer aus dem 40 Kilometer entfernten Grevesmühlen (Mecklenburg-Vorpommern) in den Fokus der Ermittlungen. Bei dreien sei ein rechtsextremer Hintergrund schnell nachweisbar gewesen, so der Sachverständige. Sie trugen außerdem für Brandstifter typische Spuren an Augenbrauen und Wimpern. Ausführlich stellte Bachmann-Wulf Zeug*i
nnenaussagen zu diesen Fakten dar und sprach auch über Geständnisse, die zumindest einer der vier Männer geäußert hatte. Er berichtete, wie die Ermittlungen gegen die vier Grevesmühlener trotzdem eingestellt wurden. Stattdessen wurde ein Bewohner des Hauses verhaftet, saß sechs Monate in Untersuchungshaft, wurde zweimal vor Gericht gestellt und zweimal freigesprochen. Bachmann-Wulf: „Damit ist der Kriminalfall Hafenstraße bis zum heutigen Tag unaufgeklärt.“
Die Abgeordneten insbesondere von Linksfraktion und Grünen fragten ausführlich nach den Hintergründen der Tatverdächtigen, dabei hielten sie aus Akten u.a. zu einem Geständnis vor, das einer der Verdächtigen in Haft wegen einer anderen Sache gegenüber dem Leiter der JVA gemacht hatte. Der „Spiegel“ hatte ein Interview mit einem der Tatverdächtigen geführt, in dem dieser die Tat erneut gestand.
Das Erstaunen, dass trotz Geständnissen und Hinweisen auf die Täterschaft der Vier die Ermittlungen eingestellt wurden, war an diesem Tag im Ausschuss spürbar. Gefragt, welche Hoffnungen er für weitere Aufklärung habe, antwortete Bachmann-Wulf, er habe nicht viel Hoffnung, aber Tage wie dieser im Untersuchungsausschuss seien wichtig. Er erhoffe sich durch die Öffentlichkeit, dass möglicherweise Täter oder Emittler*innen ihr Schweigen brechen könnten. Der Forderung nach einem Untersuchungsaussschuss in Schleswig-Holstein, die zum Beispiel die Initiative Hafenstraße 1996 erhebt, schloss sich der Zeuge nicht direkt an, „aber wenn man Antworten will, muss man Fragen stellen“.
Erfahrt mehr in der Episode der Web-Doku-Reihe des VBRG „Gegen Uns“ zum Brandanschlag von Lübeck.
Auf unserer Homepage findet ihr unsere Berichte und Hintergründe zum 2. NSU/Rechter Terror Untersuchungsausschuss in Mecklenburg-Vorpommern.Untersuchungsausschuss in Mecklenburg-Vorpommern.
Aktuelles aus dem Themenbereich Rechter Terror und Antifaschismus
+++ Pressemitteilung der Initiative Hafenstraße ’96 +++
+++ 30 Jahre unaufgeklärter rassistischer Brandanschlag in Lübeck +++ 10 Menschen starben +++ Gedenkinitiative sagt, das war Mord +++ Zeugenaufruf soll Tat aufklären +++ Kampagnen-Start mit Werbetafeln sucht nach Hinweisen zur Tat +++Die Initiative Hafenstraße 96 startet die norddeutschlandweite Kampagne #zeitzureden. Ziel der Kampagne ist es, zur Aufklärung des Brandanschlags in der Lübecker Hafenstraße 52 vom 18. Januar 1996 beizutragen – dem bis heute tödlichsten Brandanschlag in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.
„Mit der Kampagne #zeitzureden sollen Menschen erreicht werden, die über Wissen zum Brandanschlag oder zu den Tätern verfügen – Wissen, das bei den damaligen Ermittlungen entweder nicht bekannt war oder nicht berücksichtigt wurde.“ sagt die Initiative.
Zur Tat: In der Nacht vom 18. Januar 1996 brannte die Unterkunft für Geflüchtete in der Hafenstraße 52. Zehn Menschen kamen ums Leben, darunter sieben Kinder. 39 weitere Menschen wurden verletzt, viele von ihnen schwer. Bis heute ist der Anschlag nicht aufgeklärt.
Ermittlungsverfahren gegen vier Neonazis aus Grevesmühlen wurden eingestellt, obwohl zahlreiche Hinweise auf ihre Tatbeteiligung vorlagen. Ein weiterer Versuch, im Jahr 2000 eine Anklage zu erheben, blieb ebenfalls erfolglos. Stattdessen geriet ein Überlebender des Brandes ins Visier der Ermittlungen – ein rassistisch geprägter Ermittlungsansatz, der vor Gericht in zwei Instanzen zu einem Freispruch führte. Die mutmaßlich Verantwortlichen sind bis heute auf freiem Fuß. Einer von ihnen hat die Brandlegung mehrfach gestanden.
„Das darf nicht das Ende der Geschichte sein“, erklärt die Initiative Hafenstraße 96.
Die Initiative ruft dazu auf, Hinweise, Erinnerungen oder Beobachtungen per E-Mail an zeitzureden@hafenstrasse96.org zu senden.
„Die Hoffnung ist, dass durch neue Hinweise erneut Ermittlungen aufgenommen und der Mord an zehn Menschen doch noch aufgeklärt werden kann“ so eine Sprecherin der Initiative. Um auf die Kampagne aufmerksam zu machen, wurden an unterschiedlichen Orten in Norddeutschland großflächige Transparente und Plakatwände angebracht. Diese stellen unter anderem folgende Fragen:
- Weißt du etwas zur Brandnacht vom 18. Januar 1996 in Lübeck?
- Erinnerst du dich an Ereignisse dieser Nacht?
- Hast du etwas gesehen oder gehört, aber niemand hat dir zugehört?
- Kennst du Menschen, die damals beteiligt waren oder über die Tat gesprochen haben?
- Warst du Teil von Polizei, Justiz, Stadtverwaltung oder Politik und hast erlebt, dass Aussagen nicht ernst genommen, Spuren nicht verfolgt oder Beweise ignoriert wurden?
- Möchtest du nicht länger schweigen?
„Die Täter tragen Verantwortung – für den Tod von zehn Menschen, für das anhaltende Leid der Überlebenden und der Angehörigen. Bis heute gibt es keine Antworten und keine Gerechtigkeit. 30 Jahre nach der Tat verjährt der Tatbestand der Brandlegung mit Todesfolge. Mord jedoch verjährt nicht“, sagt die Sprecherin anschließend.
Es ist Zeit, das Schweigen zu brechen. Es ist Zeit zu reden.
Termine für das Gedenken an den rassistischen Brandanschlag von Lübeck findet ihr auf der Homepage der Initiative und bei den Terminen in diesem Newsletter.
“Das soll Gerechtigkeit sein? Die Tötung von Mouhamed Lamine Dramé.” – Eine solidarische Gegendarstellung.

Ein Jahr danach veröffentlichen der Solidaritätskreis Mouhamed Lamine Dramé Dortmundund Court Watch Köln eine solidarische Gegendarstellung.
Das Buch “Das soll Gerechtigkeit sein?” dokumentiert den Gerichtsprozess als Teil eines Systems, das staatliche Gewalt verschleiert und legitimiert. Es versammelt Interviews mit Sidy und Lassana Dramé, Beiträge von verschiedenen Solidaritätskreisen, Protokolle von solidarischen Prozessbeobachter:innen, Interviews mit Zeug:innen, der Nebenklageanwältin und der Gruppe CAT-911, die Alternativen zum polizeilichen Notruf aufbaut.
„Der Prozess hat gezeigt: Es gibt keine Gerechtigkeit vor Gericht. Mit dieser Gegendarstellung wollen wir die Geschichte von Mouhamed verbreiten und Aufklärung und Gerechtigkeit jenseits von Strafe und Gerichtsprozessen suchen.“

Wir erinnern an den NSU-Anschlag in der Kölner Probsteigasse am 19. Januar 2001
Am 19. Januar 2001 explodierte in einem Geschäft in der Probsteigasse in Köln eine vom NSU platzierte Bombe. Die Tochter des Inhabers wurde bei dem rassistischen Anschlag lebensgefährlich verletzt.Ende Dezember 2000 deponierte der NSU eine Sprengfalle in Form einer Stollendose in dem Geschäft in der Kölner Probsteigasse. Diese explodierte am 19. Januar 2001, als die Tochter des Ladeninhabers die Dose öffnete. Die Überlebende des Anschlags in der Probsteigasse sagte am 118. Verhandlungstag des ersten NSU-Prozesses aus. Sie berichtete, der Korb mit der Geschenkdose sei in der Weihnachtszeit abgegeben worden.

Im NSU-Prozess war André Eminger angeklagt, Beihilfe zu diesem rassistischen Anschlag geleistet zu haben. Das Gericht in München sprach ihn 2018 dafür frei. Im Dezember 2021 wies der Bundesgerichtshof die Revision der Bundesanwaltschaft gegen das Urteil gegen den NSU-Unterstützer ab. Damit ist eine weitere Gelegenheit verpasst, im Zusammenhang mit dem Anschlag in der Probsteigasse für Aufklärung zu sorgen. Die Nebenklage-Vertreterin der Familie, Rechtsanwältin Edith Lunnebach, sagte dazu: „Wenn von Anfang an Fehler passieren, die nicht hätten passieren dürfen, dann kommt am Ende etwas raus, was man nicht unter dem Stichwort ‚ein gerechtes Urteil‘ zusammenfassen kann.“
Trotz des Prozesses in München und der Untersuchung der Aufklärungs- und Polizeiarbeit u.a. durch den Parlamentarischen NSU-Untersuchungssausschuss in NRW sind Fragen zur Täterschaft und zur Verantwortung für die mehr als defizitäre Aufklärung und Ermittlungsarbeit von Behörden und Justiz offen geblieben.
Wir gedenken Corinna Tartarotti
In der Öffentlichkeit sind die Taten der „Gruppe Ludwig“, denen in Italien und in Deutschland insgesamt 15 Menschen zum Opfer fielen, kaum bekannt. Auch in München selbst war der Anschlag vom 7. Januar 1984 weitgehend vergessen.Dies hat sich in den letzten Jahren geändert. Seit 2019 organisiert die Antisexistische Aktion München jedes Jahr eine Gedenkkundgebung. Zum 40. Jahrestag hat die Stadt München die Organisation des Gedenkens übernommen.
Die Geschichte des rechten Terrors ist noch nicht vollständig geschrieben. Das zeigt das späte Gedenken an Corinna Tartarotti. Und es zeigt: Erinnern und aktives Gedenken an Opfer rechten Terrors sind kein Selbstzweck. Es geht darum, die Opfer dem Vergessen zu entreißen und Kontinuität und Aktualität rechten Terrors sowie des dahinter stehenden Denkens aufzuzeigen.
Am 7. Januar um 18 Uhr findet am Tatort in der Schillerstraße 11a eine Gedenkkundgebung statt.
+++ Termine +++
7., 8., 14. und 29. Januar, Dresden: Prozesstage im 2. NSU-Prozess. 7. und 14. Januar, 9:30 Uhr, Landgericht Dresden, 8. und 29. Januar, 9 Uhr, OLG-Außenstelle Hammerweg 26. 29. Januar: Weitere Ladung von Beate Zschäpe. Mehr Infos hier.
7. Januar, Dessau: Gedenkdemonstration zum 21. Todestag von Oury Jalloh. 14 Uhr, Bahnhof Dessau. Mehr Infos hier.8. Januar, Lübeck: Film „Tot in Lübeck.“ 18 Uhr, Kino KiKo. Mehr Infos hier.
13. Januar, Karlsruhe: Prozessbeobachtung des Urteils des Bundesgerichtshof zum Mord an Mahdi ben Nacer. 10 Uhr, Rintheimer Querallee 11. Mehr Infos hier.
17. Januar, Lübeck: Demonstration zum 30. Jahrestag des Brandanschlags von Lübeck „Gedenken und Anklagen“. 12 Uhr, Markt Lübeck. Mehr Infos hier.
18. Januar, Lübeck: Gedenkveranstaltung zum 30. Jahrestag des rassistischen Brandanschlag von Lübeck am 18. Januar 1996. 12 Uhr, Gedenkort Hafenstraße Ecke Konstinstraße. Mehr Infos hier.
18. und 30. Januar, Lübeck: Theaterstück Hafenstraße. Rechercheprojekt von Helge Schmidt. Theater Lübeck. Mehr Infos hier.
26. Januar, Köln: Dear Esther – Liebe Esther. Film- und Lieder-Abend zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz und in Gedenken an Esther Bejarano und ihren Einsatz für eine bessere Welt! 19 Uhr, Raum für alle. Mehr Infos hier.29. Januar, Rostock: Stören, Stoppen, Sabotieren. Antifaschistische Praxen rund um europaweite Neonaziaufmärsche. 19 Uhr, Café Median. Mehr Infos hier.
Bis 29. Januar, Hemau: Ausstellung „Rechtsterrorismus: Verschwörung und Selbstermächtigung 1945 bis heute“. Zehentstadel Hemau. Mehr Infos hier.Bis 8. Februar, Graz: Ausstellung „’Man will uns ans Leben‘ Bomben gegen Minderheiten 1993-1996.“ Volkskundemuseum am Paulustor, Gartensaal. Mehr Infos hier.
Bis 7. Juli, Hamburg: Ausstellung „Die Tatorte des NSU“. Altonaer Museum. Mehr Infos hier.
Bis auf Weiteres, Mittwoch-Sonntag, Chemnitz: „Offener Prozess. Ein Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex“. Johannisplatz 8. Mehr Infos hier.
Jetzt buchen! Stadtführung: Critical Walk „NSU-Morde in Nürnberg“ der Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland e.V. Nürnberg. Preis nach Absprache. Infos und Buchung: isd.nuernberg.buero@isdonline.de. Mehr Infos hier.



