Protokoll 175. Verhandlungstag – 20. Januar 2015

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An diesem Verhandlungstag sagen zum ersten Mal Betroffene des Bombenanschlags in der Keupstraße aus. Nachdem an vergangenen Prozesstagen durch die Aussagen von ermittelnden Beamten die Wirkung der Bombe auf einer technischen Ebene deutlich wurde, zeigt dieser Tag, was der Anschlag für die Betroffenen bedeutet. Sie leiden bis heute unter den physischen und psychischen Folgen nicht nur des Anschlags selbst sondern auch des damaligen Vorgehens der Polizei, die gegen sie ermittelte. Die Aussagen machen auch klar, dass viele der Betroffenen schon direkt nach der Tat vermuteten, dass es sich um einen rassistischen Anschlag handeln könnte und dies auch der Polizei mitteilten.

Zeugen:

  • [A] (Geschädigter des Bombenanschlags in der Kölner Keupstraße)
  • Prof. Dr. Dietmar P. (Behandlung von A)
  • [B] (Geschädigter des Bombenanschlags in der Kölner Keupstraße)
  • Prof. Dr. Klaus R. (Behandlung von B)
  • [C] (Geschädigter des Bombenanschlags in der Kölner Keupstraße)
  • Prof. Dr. Gerald Sp. (Behandlung von C)
  • [D] (Geschädigter des Bombenanschlags in der Kölner Keupstraße)

[Hinweis: Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes verzichten wir auf die namentliche Nennung der Betroffenen des Anschlags in der Kölner Keupstraße. Die Angaben der Zeug_innen zu ihren körperlichen Verletzungen, psychischen Folgen und Behandlungen geben wir hier in einem zusammenfassenden Text wieder.]

Bereits vor Beginn des Verhandlungstags beginnt vor dem Münchener Justizzentrum im Rahmen des Aktionstages „Keupstraße ist überall“ eine Kundgebung, die bis zum Abend fortgesetzt wird. Am Abend demonstrieren dann 1.400 Menschen vom Justizzentrum zum Sendlinger Tor.

Der Verhandlungstag beginnt um 9:52 Uhr. Sowohl der Besucher_innen- als auch der Pressebereich der Tribüne sind bis auf den letzten Platz belegt. Götzl beginnt mit der Feststellung der Anwesenheit. Anwesend sind neben den Sachverständigen Mölle und Peschel einige Nebenkläger, die beim Bombenanschlag in der Kölner Keupstraße am 09.06.2004 verletzt wurden. [Hinweis: Die Betroffenen des Anschlags in der Kölner Keupstraße werden hier mit „[A]“, „[B]“ und „[C]“ usw. abgekürzt. Die Angaben der Zeug_innen zu ihren körperlichen Verletzungen, psychischen Folgen und Behandlungen geben wir nicht detailliert wieder. Dazu findet sich im Anschluss des Protokolls ein zusammenfassender Text.]

Erster Zeuge ist [A], der mit seinem Vertreter RA Westkamp am Zeugentisch Platz nimmt. Götzl sagt, es gehe um einen Anschlag in der Keupstraße am 09.06.2004: „Ich würde Sie bitten, dass Sie uns schildern, was sich damals zugetragen hat. Mir geht es um den Ablauf und im Weiteren um die Folgen und Verletzungen.“ [A] berichtet, dass er an dem besagten Tag mit seinem Freund [B] unterwegs gewesen sei in Mülheim und sie sich überlegt hätten, auf der Keupstraße etwas essen zu gehen, eine Kleinigkeit. Sie hätten das Auto auf der Keupstraße geparkt und seien zu Fuß zum Dönerladen: „Auf dem Rückweg zum Auto, an dem Frisörladen, ist es dann passiert. Ich wusste nicht, was passiert ist, wie ein Druck von hinten, dass mir einer die Beine weggeschossen hat.“ Als er aufgestanden sei, habe er nur Qualm gesehen, er habe etwas Gelbes beiseite gedrückt. Er habe sich auf die andere Straßenseite gesetzt, habe leider nichts gehört. Er habe [B] auf dem Boden liegen sehen, habe öfters nach ihm gebrüllt: „Ich wusste nicht, ob er lebt oder tot ist.“ Alle Leute hätten mit ihm geredet, aber er habe nichts hören können. Man habe ihm sein Oberteil ausgezogen, weil es am Brennen gewesen sei. Dann sei ein Rettungswagen gekommen. [A] weiter: „Für mich das Schlimmste war, dass ich nichts hören konnte.“ Er wisse, das er dann im Krankenwagen lag und die Telefonnummer seiner Ex-Frau gewählt hat: „Und als ich sah, dass der Arzt mit meiner Frau telefonierte, von da an war ich weg. Ich bin erst am Freitag wieder zu mir gekommen, der Anschlag war ja am Mittwoch. Das ist, was ich von dem Tag weiß. Der Arzt fragte Freitag, was passiert wäre, das konnte ich nicht beantworten. Ich dachte, es hat einer auf mich geschossen. Man hat uns auch relativ wenig gesagt am Anfang.“

Im Folgenden gibt [A] auf Frage von Götzl wieder, welche Verletzungen er hatte und berichtet, dass er im Krankenhaus behandelt wurde, zunächst auf der Intensivstation. [A]: „Man hat uns am Anfang verdächtigt, deshalb durfte ich nicht mit [B] sprechen in den ersten zwei Wochen. Man dachte, wir hätten das Fahrrad da hingestellt.“ Sein Gedanke sei gewesen, dass er seinen Freund verloren habe: „Das hat die Heilung blockiert.“ Dann habe man sie doch irgendwann von Intensivstation zu Intensivstation telefonieren lassen, dann sei es doch besser gegangen. Auf Frage sagt [A], das Fahrzeug hätten sie vom Frisörladen 20 Meter in die Keupstraße rein abgestellt. Der Frisörladen sei etwa in der Mitte von Auto und Dönerbude gewesen. Zu Essen hätten sie sich etwas in einem Laden geholt. Auf die Frage, ob er sonstige Geschäfte oder Lokale wahrgenommen habe, sagt er: „An dem Tag in der Keupstraße? Nein. Man rechnet ja mit nichts Schlimmen. Man sagt, wir standen anderthalb Meter neben dem Fahrrad, aber auch das war mir nicht aufgefallen. Ich hab nicht drauf geachtet, ob da ein Fahrrad steht.“ Sie müssten wohl vorbei gewesen sein, so [A], denn der Druck sei von hinten gekommen. Götzl: „Wie gut kennen Sie die Keupstraße?“ [A]: „Ich bin vielleicht zweimal im Jahr da.“ Auf Frage, ob ihm das Frisörgeschäft aufgefallen sei, sagt er.: „Damals nicht. Jetzt kennt man den Laden.“ Auf Frage, ob ihm sonst Besonderheiten in Erinnerung seien, sagt [A]: „Leider nicht.“

Götzl fragt, aus welcher Richtung [A] gekommen sei. [A] sagt, sie seien mit dem Auto von Mülheim rein gefahren, am Frisörladen vorbei, hätten 15 m weiter geparkt und seien zu Fuß auf Seite des Frisörladens Richtung Dönerladen und genauso wieder zurückgegangen. Götzl fragt, wie die Positionen von [A] und [B] gewesen seien. [A]: „Wir sind nebeneinander gegangen, der [B] links von mir. Also ich am Bürgersteig außen Richtung Straße.“ Als er diese Einwirkungen gespürt habe, seien sie beide unmittelbar neben dem Frisörladen gewesen, so [A]: „Ich habe ja von dem Gelben berichtet, was ich beiseite geschoben habe. Ich konnte das erst nicht einordnen und irgendwann habe ich auf den Fotos gesehen, dass es die Jalousie des Frisörladens war, die auf mir lag.“ Da sei ein bordeauxrotes Auto geparkt gewesen und hinter dem sei er auf die andere Straßenseite gelaufen. Auf Nachfrage, wie es zu dieser örtlichen Festlegung komme, sagt [A], er wisse jetzt, wo der Laden ist, habe ja gewusst, wo das Auto stand. „Ich habe ja damals nicht drauf geachtet. Aber im Nachhinein weiß ich natürlich, was das für ein Laden ist.“ Auf Frage sagt [A], [B] habe einen Leihwagen gehabt, er glaube einen roten Twingo. Götzl: „Als Sie nach [B] riefen, hat er geantwortet?“ [B]: „Durch die Druckwelle hatte ich beide Trommelfelle kaputt und konnte ihn nicht hören. Das war so eine bedrückende Situation. Er hat mich wohl gehört, weiß ich jetzt im Nachhinein, er hat geantwortet, aber ich konnte nichts hören. Und noch eine Woche danach hat man mir immer noch nicht gesagt, was mit dem [B] ist.“

Götzl fragt, wie weit sie gegangen seien, nachdem sie das Lokal verlassen hatten. Es seien vielleicht 30 Meter von dem Lokal bis dahin, wo es geknallt habe, so [A]. Er verneint, die Verletzungen vor Ort gleich wahrgenommen zu haben, er habe nur eine Verletzung an der Hand wahrgenommen. [A]: „Es war wie in einem schlechten Film, alles in Zeitlupe, alles ohne Geräusche, wie in einem Stummfilm.“ Irgendwann sei dann der Krankenwagen gekommen. Götzl fragt zur weiteren Behandlung und zu den Folgen. [A] schildert die Behandlung im Krankenhaus und danach.

[A] schildert weiterbestehende körperliche Probleme. [A]: „Man ist in allem eingeschränkt.“ Auf eine Nachfrage Götzls sagt [A]: „Und ich war zum Prozessauftakt hier und habe danach gemerkt, dass ich das ganze verarbeiten muss und mich der Sache stellen muss.“ [A] berichtet weiter von körperlichen Problemen und Behandlungen. Dann gibt er Auskunft zu den Folgen im beruflichen Bereich. Als er wieder angefangen habe zu arbeiten, sei es besser geworden. Die Zeit zu Hause mache einen verrückt: „Ich hab das gebraucht, in den Alltag einzufließen, damit auch selber bei mir die Heilung voranschreitet, dass man sieht, es geht alles nach vorwärts. Von dem Tag an ging es immer besser.“ Jahre später sei dann der Täter gefunden worden: „Und alles schlägt auf einen ein. Die Zeit, als ich zu arbeiten wieder angefangen hatte, ging es mir am besten.“ Auf Bitten Götzls führt [A] Näheres zu psychischen Belastungen aus. Götzl: „Sie schilderten, dass Sie am Anfang verdächtigt worden wären und man gesagt hätte, Sie hätten das Fahrrad hingestellt. Von wem sind Sie so angesprochen worden?“ [A]: „Das war ja insofern die Verdächtigung, dass ich nicht mit [B] kommunizieren durfte, weil man nicht wusste, ob wir die Täter sind.“ Auf Frage, von wem die Aussage gekommen sei, sagt [A]: „Das weiß ich nicht, von der Polizei.“ Götzl fragt, ob [A] konkret angesprochen worden sei. Das verneint [A]. Er sei auf der Intensivstation gewesen, sei immer nur fünf Minuten wach gewesen. Und wenn er wach gewesen sei, habe er [B] sprechen wollen, aber die Ärzte hätten gesagt, das gehe nicht. Und das könne ja nur von der Polizei kommen, so [A].

Götzl: „Haben Sie irgendein Fahrrad gesehen damals?“ [A]: „Nee, leider nicht.“ Er habe so oft sich den Tag Revue passieren lassen: „Aber ich habe nicht drauf geachtet, nein.“ Dann wird eine Luftaufnahme von der Keupstraße in Augenschein genommen mit einem roten Pfeil, der vermutlich auf den Explosionsort zeigt. Götzl fragt, welchen Weg [A] und [B] genommen haben. [A] zeigt, wo das Auto geparkt habe in zweiter Reihe, wo sie gegangen seien, um etwas zu Essen zu holen, und wo sie zurückgegangen seien. Und da sei auch die gelbe Plane zu sehen, von der er erzählt habe und der rote Wagen, wo er auf die andere Straßenseite gegangen sei. Er zeigt auf eine Stelle und sagt: „Wir waren genau hier, als die Bombe explodiert ist.“ Er zeigt, wo er sich auf der anderen Straßenseite in den Hausgang gesetzt habe. Er verneint, ein Geräusch gehört zu haben. Auf Frage, ob er Rauch gesehen habe oder sonstiges wahrgenommen habe, sagt er, dass er den Rauch gesehen habe, nachdem er aufgestanden sei. Er habe, nachdem ihm die Beine weggezogen worden seien, in einer riesigen Rauchwolke gelegen und aus dieser Wolke sei er raus und auf die andere Straßenseite. Der Arzt habe gesagt, man verlasse instinktiv die Gefahrenstelle: „Aber auch da ist mir nie in den Sinn gekommen, dass das irgendwie eine Bombe war.“

Es folgt der sachverständige Zeuge P. P. schildert die Verletzungen von [A], die Operationen und den Behandlungsverlauf. Im Anschluss an Götzl fragt RA Westkamp, welche Erwägungen ausschlaggebend gewesen seien, [A] in die Intensivstation einzuweisen. P. sagt, das sei eine Kombination gewesen. Die so genannte Mehrfachverletzung habe es erforderlich gemacht. Und es sei der Hergang des Geschehens nicht klar gewesen und wenn man eine Gefährdung sehe, nehme man Patienten auf die Intensivstation auf. Die sei zwar kein Hochsicherheitstrakt, aber gesichert. Nach der abschließenden Befragung P.s durch SV Peschel folgt eine Pause bis 11:27 Uhr.

Dann geht es weiter mit dem Zeugen [B]. Seine RAin Müller-Laschet nimmt ebenfalls am Zeugentisch Platz. [B] berichtet, dass er an dem besagten Tag mit [A] auf der Keupstraße unterwegs gewesen sei. Sie hätten sich was zu Essen geholt, seien aus der Dönerbude herausgekommen und auf dem Bürgersteig gegangen: „Als ich reinbeißen wollte, gab es den so genannten Knall.“ Er habe erst gedacht, es sei nur ihm etwas passiert: „Als ich meine Augen aufgemacht habe, habe ich gesehen, dass alles in Schutt und Asche war.“ Er sei in einem Schockzustand gewesen, habe alles realisiert, aber nicht sprechen können. Durch die Stichflamme habe er Feuer gefangen: „Die Bürger haben mich gelöscht und ich bin liegen geblieben. Dann kamen die Rettungskräfte und haben mich in den Krankenwagen geschoben. Als ich sagte, dass ich Schmerzen habe, haben die mich in das künstliche Koma versetzt. Drei Tage später bin ich in der Uniklinik wieder wach geworden, an zig Geräte angeschlossen.“ Er habe immer noch nicht gewusst, was passiert ist. [B] weiter: „Und ich habe erst im Nachhinein erfahren, dass eine deponiert wurde und unmittelbar in unserer Nähe in die Luft gegangen ist.“

Dann schildert [B] Verletzungen, u. a. durch Nägel, und die Behandlungen, und dass er wegen der Verletzungen aus dem Beruf habe raus gehen müssen. [B]: „Ich habe erstmal ein paar Jahre gebraucht, um wieder zu mir zu kommen. Habe die Öffentlichkeit gemieden, mich ein bisschen zu Hause eingeschlossen.“Götzl fragt nach Weiterbehandlungen der Verletzungen, die [B] daraufhin schildert. Götzl: „Können Sie denn möglichst genau schildern, welchen Weg Sie genommen haben?“ [B]: „Wir sind in die Keupstraße rein, das ist eine Einbahnstraße, und ich habe den PKW links zweite Reihe abgestellt. Wir sind ein Stück zurück. Vor dem Frisörladen war das Restaurant, wir haben nur kurz an der Theke Essen geholt und sind wieder raus.“ Die Lokalität sei vom Frisörladen vielleicht ein, zwei Läden entfernt, so [B] auf Frage. Götzl: „Und der Frisörladen, haben Sie da Beobachtungen gemacht?“ [B]: „Gar nichts, eigentlich. Ich wollte gerade reinbeißen, da gab es einen Knall.“ Er habe genau mit Blickwinkel in den Frisörladen gelegen, vor der Türe quasi: „Ich habe gesehen, dass die Balken da schräg hingen, alles in Schutt und Asche war.“ Der PKW sei so 5 bis 10 m vom Frisörladen geparkt gewesen, so [B] auf Frage.

[B]: „Es war ein sonniger Tag, ich habe mir um die Umgebung keine Gedanken gemacht, da ist nichts Auffälliges gewesen.“ Sie hätten nur was zu Essen holen wollen: „Und dann ist das passiert.“ Das Fahrzeug sei von der Werkstatt gewesen, ein Renault Twingo, weinrot, sagt [B] auf Frage. Er glaube nicht, dass das Auto irgendwie betroffen war. Götzl fragt, ob [B] etwas aufgefallen sei, als er vom Fahrzeug zum Lokal ging, Personen, Gegenstände. [B]: „Nein, nichts. Mir ist noch nicht mal das Fahrrad aufgefallen. Ich achte auch nicht auf jedes Fahrrad, das irgendwo rumsteht.“ Er habe auch nicht auf den Frisörladen geachtet: „Wir haben uns unterhalten auf dem Weg und eigentlich an nichts Böses gedacht.“ Götzl fragt, wie [A] und [B] gegangen sind. [B]: „Ich war auf der linken Seite, er war zu meiner rechten. Und im Nachhinein wurde uns gesagt, dadurch dass ich auf der linken Seite war, habe ich ihn etwas geschützt. Die Ärzte sagten, ich hätte Glück gehabt, dass ich so nah dran war, so habe ich alles nur an den Oberschenkeln abbekommen.“ Götzl fragt, ob [B] mitbekommen habe, was [A] passiert ist. [B]: „Habe ich nichts gesehen. Sie haben mir ein Tuch über die Augen gelegt.“ Er wisse, dass [A] die ganze Zeit seinen Namen gerufen hat: „Aber da ich unter Schock stand, konnte ich nicht zurücksprechen.“

Götzl möchte wissen, wie es [B] heute geht. [B] schildert weiter bestehende körperliche und psychische Probleme. Götzl sagt, [B] sei am 14.06.2004 ja auch vernommen worden und fragt, ob die Haare von [B] damals gebrannt haben. Das bejaht [B], er bejaht auch, dass die Flammen gelöscht wurden: „Es wurde Wasser über mich gekippt und sie haben gesagt: ruhig liegenbleiben.“ Vorhalt aus der Vernehmung: Im Frisörladen habe ich gesehen, saßen zwei Jugendliche, wollte gerade reinbeißen, dann hat es auch geknallt. Daran könne er sich jetzt leider nicht mehr erinnern, das sei ihm nicht mehr so bewusst. Vorhalt: Frage: Auf welcher Seite Ihrer Laufrichtung befand sich der Frisörladen – Antwort: Wir sind raus, der Frisörladen ist links, neben dem Dönerladen eigentlich, sind zwei Schritte gegangen, ich habe in den Frisörladen rein geguckt, zwei Jugendliche gesehen, dann hat es auch schon geknallt. [B]: „Das war auch so gewesen, nur an die zwei Jugendlichen kann ich mich nicht mehr erinnern. Denke mal, vielleicht im Schaufenster beim Vorbeigehen, aber, wie gesagt, ist mir nicht mehr präsent.“ Götzl hält aus der Vernehmung weitere Angaben von [B] zu den Verletzung vor, die [B] bestätigt.

RAin Müller-Laschet fragt, ob [B] noch etwas sagen wolle. [B]: „Nicht viel. Das einzigste: Als ich damals wach geworden bin, wurde mir der Kontakt zu [A] untersagt. Ich wusste nicht, ob der lebt oder nicht lebt. Weil wir halt Verdächtige waren in erster Linie. Wir sind traurig gewesen, dass man drei Tage nichts erfährt von seinem Freund.“ Müller-Laschet: „Sie hatten drei Tage nach dem Wachwerden keinen Kontakt?“ [B]: „Genau.“ Müller-Laschet: „Wer hat das untersagt?“ [B]: „Im Krankenhaus haben Sie gesagt, dass das nicht gestattet ist. Die Polizei kam auch mal ans Krankenbett und hat auch mal gefragt, ob wir was Auffälliges gesehen haben, konnte man auch nur verneinen.“ NK-Vertreter RA Schön fragt, ob [B] am 09.06.2004 versucht habe, Kontakt zu seinen Eltern, seiner Mutter herzustellen. [B]: „Ich konnte nicht mehr viel Kontakt aufnehmen. Und es hat keiner meinen Eltern Bescheid gesagt. Meine Oma hat in der Türkei in den Nachrichten mitbekommen, dass in Köln eine Bombe explodiert ist, und meine Mutter angerufen. Meine Mutter hat versucht mich über Handy zu erreichen. Meine Eltern haben es erst gegen 22 Uhr erfahren, aber auch nur weil meine damalige Freundin und ein Freund Krankenhäuser abgeklappert haben und erfahren haben, dass ich in der Uniklinik bin. Meine Eltern kamen nachts, wo die Notoperation schon vorbei war und ich auf der Intensivstation lag. Als meine Mutter den Personalausweis bei der Polizei abholte, wurde auch gesagt, dass ich Tatverdächtiger wäre.“ Er bejaht, dass sie DNA und Fingerabdrücke hätten abgeben müssen.

RA Westkamp: „Sie hatten uns berichtet, dass Ihnen seinerzeit mitgeteilt worden sei, Sie hätten aufgrund Ihres Standortes [A] geschützt. Wer war das konkret?“[B]: „Ich denke einer der Ärzte oder Ermittler. Genau kann ich das nicht mehr sagen.“ Westkamp: „Gerade sagten Sie, wir mussten DNA und Fingerabdrücke abgeben. Wer ist ‚wir‘?“ [B]: „[A] und ich.“ NK-Vertreter RA Bliwier: „Die Vernehmung am 14.06., haben Sie eine Erinnerung daran, ob die Polizei Sie gefragt hat, aus welcher Richtung das kommen könnte?“ Die Frage sei ihm schon im Krankenhaus gestellt worden, bejaht [B]. Bliwier: „Und was haben Sie geantwortet?“ [B]: „Meine Antwort war gewesen, dass meiner Vermutung nach es aus der rechten Szene kommt.“ Bliwier hält aus der Vernehmung von [B] vor, dass man sich seine Gedanken mache, er wisse ja nicht, wem das Attentat gelten sollte, auf die Leute davor oder den Frisörladen, wenn er so überlegt habe, vielleicht so Nazis, die viele Ausländer mit ins Grab nehmen [phon.] wollen. [B]: „Das habe ich so geäußert, nur an die genaue Wortwahl kann ich mich nicht mehr erinnern.“ Bliwier sagt, [B] habe sich auch dazu geäußert, dass der Frisörladen in Verdacht geraten war. Es habe durch die Ermittlungen geheißen, dass der Anschlag dem Frisörladen gelten sollte, wegen irgendwelchem Schutzgeld oder sonst was, sagt [B] dazu.

Bliwier hält vor, dass [B] laut Protokoll angegeben habe, dass er sich das nicht erklären könne, was solle denn so ein Frisör verdienen, wenn das dem Frisör gelte, dann würde man rein gehen und den Frisör erschießen. Das seien ja alles Ausländer, hält Bliwier die Aussage von [B] weiter vor, die einzige Möglichkeit, die er, [B] sich denken könne, sei ein Ausländerhasser. Bliwier: „Haben sie das damals so gesagt?“ [B]: „Das mag wohl sein.“ Es sei ja „ein bisschen selbsterklärend“. [B] weiter: „Wenn man sowas auf offener Straße deponiert mit 500 Nägeln, wo Eltern, Omas, Kinder sind, da braucht man kein Ermittler sein.“ Auf der Galerie kommt Applaus auf. Götzl wird laut und sagt den Besucher_innen, es gebe hier keine Bekundungen, hier laufe das Verfahren: „und Sie sind Zuhörer!“ RA Westkamp fragt, ob sich [B] erinnere, dass er auch zu [A] befragt worden sei. [B]: „Kann ich mich jetzt nicht mehr dran erinnern.“ Vorhalt: Welche Beziehung hat er zur Keupstraße? Westkamp: „Erinnern Sie sich an diese Frage?“ [B]: „Eher weniger.“ Es folgen Fragen des SV Peschel und Antworten von [B] zu Verletzungen. Dann wird der sachverständige Zeuge Prof. Dr. R., Arzt i.R. vernommen, der zu Verletzungen und Behandlung von [B] berichtet. Es werden auch Fotos von den Verletzungen gezeigt. R. sagt, der Verlauf sei ohne Komplikationen gewesen, ein erfreulicher Verlauf. Bei stationärer Entlassung seien die Wunden so gewesen, dass man ihn in hausärztliche Behandlung habe entlassen können. Götzl zitiert aus einem Schreiben, dass [B] zur Behandlung in die ambulante Privatpraxis von Dr. R. entlassen worden sei. R.: „Dazu kann ich nichts sagen, denn ich habe keine Unterlagen mehr.“ Es folgen Fragen der SV Peschel und Mölle und dann die Mittagspause bis 13:36 Uhr.

Am Zeugentisch nimmt dann [C] Platz. Er berichtet, dass er am 09.06.2004 mit seiner Frau und deren Schwester in dieser Straße habe einkaufen wollen, weil am Wochenende die Hochzeit seiner Tochter habe stattfinden sollen. Sie seien an dem Tag dort gewesen, um Geschenke einzukaufen. Er habe zu seiner Frau und deren Schwester gesagt, weil er den Frisörladen gesehen habe, dass er sich kurz vor der Hochzeit die Haare schneiden lasse. Die beiden seien zum Glück gegangen. Er sei rein gegangen, habe warten müssen. Direkt neben dem Schaufenster sei die Sitzecke. Keine zehn Minuten später sei die Explosion gekommen. Er habe an eine Gasexplosion gedacht, weil der Heizkörper direkt neben dem Sitzplatz gewesen sei: „Das kann ich nur erinnern. Erst nach ein paar Tagen, als ich aus dem künstlichen Koma erwacht war, habe ich erfahren, dass es eine Bombenexplosion war.“ Götzl fragt nach den Verletzungen von [C], die der Zeuge schildert.Götzl fragt nach den Beschwerden in der Folge und bis heute, sowohl körperliche als auch seelische. Es geht kurz um die Behandlung der Beschwerden. Dann verneint [C], vor dem 09.06.2004 irgendwelche gesundheitliche Beschwerden gehabt zu haben.

Götzl fragt, wo sich [C] im Frisörladen genau aufgehalten habe. [C] sagt, direkt wenn man rein gehe, sei auf der linken Seite ein Schaufenster, zur Straßenfront, da sei die Sitzecke, Warteecke: „Da habe ich kaum zehn Minuten gesessen, wo das war.“ Er habe mit dem Rücken zum Schaufenster gesessen, mit dem Gesicht zu den Personen, die da gearbeitet hätten. Es seien drei oder vier Stühle da, die seien alle besetzt gewesen, denke er. Und neben ihm hätten vielleicht zwei Leute gesessen, genau könne er es nicht mehr sagen. Götzl: „Wann war das zeitlich?“ [C]: „Das war am Nachmittag gewesen.“ Götzl fragt [C], ob ihm auf dem Weg zum Frisörladen etwas aufgefallen sei. [C]: „Nein, überhaupt nichts. Das war vom Schaufenster ungefähr zwei oder drei Parkplätze zurück, wo ich geparkt habe. Später habe ich gehört, da war der linke Vorderreifen geplatzt, das musste mein Sohn abholen.“ Er sei damals einen Opel Astra gefahren, so [C] auf Frage. Ein Fahrrad vor dem Geschäft oder im näheren Umkreis sei ihm nicht aufgefallen. Götzl: „Sie sagten, es kam zu einer Explosion, was haben Sie gemacht?“ [C] sagt, er wisse noch, dass er aufgestanden sei, es sei Blut überall gewesen, und draußen auf dem Bürgersteig hätten ihm die Leute einen Stuhl gegeben. Und er habe eine Person auf dem Bürgersteig liegen gesehen, auch blutüberströmt. Und dann habe er gesehen, dass ein Rettungswagen gekommen sei: „Das habe ich noch gesehen und dann bin ich von meiner Erinnerung weggekommen.“

Sein Auto habe er, das sei eine Einbahnstraße, auf der linken Seite geparkt, vom Frisör zwei oder drei PKW zurück. Vorhalt aus der Vernehmung von [C] vom 13.06.2004: Ich saß links vom Eingang auf einer Couch, auf meiner Seite haben mit mir drei Leute gesessen, drei Leute haben rechts gesessen, drei arbeiteten und drei wurden bedient, insgesamt 12 Personen, möglicherweise ist noch eine Person dazugekommen. [C]: „Das könnte stimmen. Es ist zehn Jahre her, deswegen kann ich mich nicht genau erinnern, aber es waren Leute da, die da gearbeitet haben, Leute, die da gesessen haben.“ Es geht dann um die Behandlung der Beschwerden von [C]. Dann fragt Götzl: „Ist da irgendwann mal eine Änderung, eine Verbesserung eingetreten?“ [C]: „Nein, keine Besserung.“

Es folgt eine Unterbrechung bis 14:14 Uhr. Danach geht es weiter mit dem sachverständigen Zeugen Dr. Sp. (siehe auch 118. Verhandlungstag). Götzl fragt nach der Behandlung von [C] Sp.: „Als Leiter der Klinik war ich indirekt beauftragt, die Operationen wurden durchgeführt durch meine Oberärzte. Kurz nach der Behandlung sind die ganzen Krankenunterlagen von der Staatsanwaltschaft abgeholt worden.“ Er sei seit zwei Jahren emeritiert. An die Situation könne er sich erinnern. Sp. berichtet dann über die Behandlung von [C]. Nach der Befragung durch SV Peschel wird der Zeuge wird um 14:23 Uhr entlassen.

Danach sagt RAin Müller-Laschet, dass der Zeuge [D], der eigentlich für morgen geladen ist, bereits in München sei und ggf. aussagen könne. Es folgt eine Unterbrechung, um das abzuklären. Dann nimmt [D] am Zeugentisch Platz. Neben ihm sitzen seine RAin Müller-Laschet und ein Dolmetscher. [Wir geben hier die Angaben von [D] wieder, wie sie vom Dolmetscher aus dem Türkischen ins Deutsche übersetzt wurden.] Auf die obligatorische Frage zu Beginn, ob er mit den Angeklagten verwandt oder verschwägert sei, sagt [D]: „Zum Glück bin ich nicht mit ihnen verwandt.“ Dann berichtet er zum 09.06.2004: „Es war ein alltäglicher Tag, ich glaube, es war Freitag, ich kam aus der Arbeit, ging zum Frisör, um mir die Haare schneiden zu lassen und wartete dort, um dranzukommen. Ich saß mit dem Rücken zum Schaufenster, zum Glas, in dem Moment knallte es. Und mit dem Knall zusammen sind alle Glasscherben auf uns runter gefallen. Alles runter, verwüstet, Rauch.“ NK-Vertreter RA Lucas unterbricht und sagt in Richtung Götzls, dass das Türkische überhaupt nicht zu verstehen sei. [D] fährt fort und der Dolmetscher übersetzt: „Mit dem Knall wurden wir alle, die da saßen, hineingeworfen. In jener Angst um unser Leben wurden wir nach hinten geworfen. Und hinten soll noch ein Glas gewesen sein.“ RA Lucas sagt, es habe sich nichts geändert, er wolle aber gerne den Zeugen hören, nicht nur den Dolmetscher. Man einigt sich darauf, dass nicht mehr simultan, sondern konsekutiv übersetzt wird. [D] fährt fort. Ein Mitarbeiter habe ihnen im hinteren Bereich eine Glastür aufgemacht, so [D], sie hätten sich alle nach hinten gedrängt mit der Angst um ihr Leben. [D] weiter: „In dem Moment habe ich gesehen, wie Flammen auf uns zukamen und aus Angst um unser Leben haben wir hinausgeworfen.“ [phon.] Sie hätten dort ein- und ausatmen können, aber es sei eine Stelle gewesen, wo es geschlossen gewesen sei: „Wir waren blutüberströmt, ich hatte immer von älteren Menschen gehört, dass wenn die Verletzung frisch ist, es tut nicht weh. Ich dachte, ich würde in Kürze bald sterben.“

Er habe nicht mehr sehen können. Nachdem sie einige Minuten dort gewartet hätten, habe man sie hinaus auf die Straße gebracht: „In der Keupstraße kannte jeder jeden, aber weil ich später gekommen war, kannte ich niemanden, so dass mir niemand geholfen hat. Ich war in einer ratlosen Situation und dachte mir: Ich warte auf den Tod. Das war ein Wendepunkt in meinem Leben, dieser Gedanke. Mein ganzes Leben verlief in meinen Augen wie ein Filmband, ich habe mir gedacht, wäre doch so etwas nicht passiert, hätte ich doch die Möglichkeit gehabt, meine Verwandten in der Türkei noch einmal zu sehen. Nach diesem Tag hat die Keupstraße, ich will nicht mehr Keupstraße sagen, Deutschland hat mir sehr wichtige Sachen von meinem Leben gestohlen. Denn als ich aus der Türkei hierher kam, kam ich als politischer Flüchtling nach Deutschland. Ich möchte die Türkei hier nicht schlecht machen, aber in der Türkei durfte ich meine Gedanken nicht frei äußern. Ich habe bevorzugt, in Deutschland zu leben, weil ich mir gedacht habe, Deutschland ist demokratischer, ist noch ein mehr freies Land. Aber es ist leider dazu gekommen, dass ich die Leiden, die ich in der Türkei nicht erlitten habe, in Deutschland erleiden musste, so dass Deutschland nicht zu uns stehen konnte. Warum sage ich das? Als einfacher Mensch wusste ich, dass der Sprengsatz mit den Nägel eine Terroraktion war. Das wusste ich, als einfacher Mensch. Wie konnte Deutschland, ein erfahrenes Land in punkto Sicherheit, ein Land mit so entwickelter Technologie, wieso waren sie rückständiger als ich, wie konnten Sie das nicht einordnen? Das war kurz gesagt, was ich in der Keupstraße erlebt habe, das wurde zu einem Wendepunkt in meinem Leben. Deswegen hatte ich gesagt, dass Deutschland mir meine guten Seiten weggenommen hat. Warum sage ich das? Weil deswegen meine Psyche heute beeinträchtigt ist.“

Auf Frage von Götzl teilt [D] mit, wie viele und welche Verletzungen er davon getragen hat: „Ohne Grund musste ich so etwas erleiden und ohne Berechtigung. Ich habe das nicht verdient.“ Es seien noch Spuren zu sehen.Auf Nachfrage sagt [D], er habe vor dem Schaufenster gesessen, vor dem Glas. Sein Glück sei gewesen, dass die Nägel ihn nicht getroffen haben. Götzl bittet [D], die auf ihn zukommenden Flammen, die er beschrieben habe, näher zu schildern. Es sei staubig geworden, dunkel, so [D]. Als sie sich zum Schutz in den hinteren Bereich begeben hätten, habe er gesehen, wie etwas Brennendes auf sie zukam. Und er habe gedacht, es sei zum Brand gekommen. Götzl sagt, [D] habe von einer Stelle gesprochen, wo es „geschlossen“ gewesen sei, und bittet den Zeugen, das nochmal zu erläutern. [D]: „Ich habe mehrmals berichtet: Im hinteren Bereich gab es eine Stelle, wo sich auch ein Glas befand, dorthin haben wir uns begeben. Und es kam dort zu einem Bedrängnis, man konnte sich nicht leicht hinaus begeben. Wir waren so gedrängt, dass das Blut voneinander sich gemischt hat.“ Götzl fragt, wie viele Personen zu dem Zeitpunkt im Frisörladen gewesen seien. [D]: „Egal was ich Ihnen sage, wäre es falsch. Wenn wir die Mitarbeiter außen vorlassen, waren es fünf bis zehn Personen.“ Aber er habe nicht genau darauf geachtet.

Vorhalt aus der Vernehmung von [D] vom 14.06.2004: Ich bin direkt nach Ankunft auch in den Salon gegangen, kurz nach 15:30 Uhr, ca. 10 bis 11 Personen inklusive der Mitarbeiter im Geschäft; es gab auch Menschen, die ein- und ausgingen, aber ich meine 10 bis 11 Personen. G: „Ja, das war frisch. Und jetzt habe ich in etwa das Gleiche gesagt.“ Götzl fragt, ob [D], bevor er in den Frisörladen ging, irgendwelche Beobachtungen gemacht habe, Personen, Auffälligkeiten. [D]: „Nein. Mir ist nicht derartiges aufgefallen. Um so etwas zu ermitteln, müsste ich Polizist sein, das ist nicht meine Arbeit.“ Auf Nachfrage von Götzl schildert [D] körperliche und psychische Beschwerden und bis heute anhaltende soziale und ökonomische Folgen.

Aus der Nebenklage wird [D] gefragt, ob die Flammen, die auf ihn zugekommen seien, von außerhalb des Ladens gekommen seien oder im Laden gewesen seien. [D]: „Die waren im Laden.“ SV Mölle fragt, wo [D] gesessen habe, auf der beim Betreten des Laden linken oder der rechten Sitzecke. [D]: „Links.“.

Nach der Aussage gibt NK-Vertreter RA Kuhn eine Erklärung ab: „Wir haben vom Zeugen [D] gehört, dass er als Asylbewerber nach Deutschland kam. Ein Schicksal dass er mit vielen Migranten teilt. Das macht das Perfide dieser Ideologie aus, dass sie sich gegen Menschen richtet, die Verfolgung und Gewalt erfahren haben und in einem für sie fremden Land in einer schwachen Position sind. Das ist ein Charakteristikum dieser Tat, dass sie sich gegen die Schwachen gerichtet hat.“ Der Verhandlungstag endet um 15:47 Uhr.

Der Blog NSU-Nebenklage kommentiert:
Die Zeugen berichteten auch von dem, was in Köln mitunter als „Bombe nach der Bombe“ bezeichnet wird: von den Verdächtigungen der Polizei gegen die Geschädigten, gegen die Menschen in der Keupstraße. So durften etwa die beiden Freunde während der ersten zwei Wochen im Krankenhaus nicht miteinander reden, weil sie verdächtigt wurden, selbst die Bombe gelegt zu haben. Später wurden sie erkennungsdienstlich behandelt, ihnen wurden DNA-Proben entnommen und ihre Fingerabdrücke wurden aufgenommen. […] Insgesamt wurde überdeutlich, dass die damalige Entscheidung, keine Ermittlungen in Richtung einer rassistischen Tatmotivation durchzuführen und statt dessen die Opfer zu kriminalisieren, unter keinem Gesichtspunkt nachvollziehbar ist.
http://www.nsu-nebenklage.de/blog/2015/01/20/20-01-2014/

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