Kurz-Protokoll 330. Verhandlungstag – 14. Dezember 2016

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Zeugin und SV:

  • Heike Be. (Erkenntnisse zu einer möglichen Ausspähung einer Synagoge in durch den NSU)
  • Axel Manthei (SV, LKA Bayern, Gewicht der und des Schalldämpfers)

Der Verhandlungstag beginnt um 09:48 Uhr. Heike Be. betritt den Saal und nimmt am Zeuginnentisch Platz. : „Es geht uns um Erkenntnisse zu , und insbesondere zu einem Treffen am 07.05.2000 im Restaurant Wasserturm, Rykestraße in Berlin, ob es so etwas gab. Wäre die Frage, ob sie Frau Zschäpe kennen, Uwe Mundlos kennen, ob es gegebenenfalls ein Treffen gegeben hätte. Das wären die Fragen.“ Während Götzl spricht, sagt Be.: „Beate Zschäpe kenne ich nicht.“ Götzl spricht weiter: „Deswegen würde ich Sie bitten von sich aus zu berichten, ob Sie etwas zu den Namen wissen, ob Sie mal Kontakt hatten, die genannte Örtlichkeit kennen.“ Be.: „Also die Person, die habe ich in der Zeitschrift das erste Mal gesehen. Kann mich nicht erinnern, dass ich sie schon mal gesprochen habe. Und an dieses Restaurant kann ich mich auch nicht erinnern. Ich weiß nicht, wie dieses Lokal aussieht.“ Götzl: „Kennen Sie irgendeinen der Angeklagten?“ Be.: „Nein.“
Götzl: „Jetzt nochmal nachgefragt: Der Bereich Rykestraße in Berlin, ist der Ihnen ein Begriff?“ Be.: „Ist mir nicht bekannt. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich dort mal war.“ Götzl: „Nachgefragt: Ein Lokal mit Namen Wasserturm?“ Be.: „Das stand in dem Schreiben drin. Ich habe mir wirklich Gedanken gemacht. Ich weiß es nicht, ich kenne das nicht.“ Götzl: „Kennen Sie Jan Werner?“ Be.: „Sagt mir nix.“ Götzl: „Zu Ihrer familiären Situation, Frau Be.: Wie viele Kinder haben Sie?“ Be.: „Vier.“ Götzl: „Können Sie sagen, wie alt die sind?“ Be.: „23, 22, 20 und 12.“ Götzl: „Ist Be. Ihr Geburtsname?“ Be.: „Nein.“ Götzl: „Wie ist Ihr Geburtsname?“ Be.: „We.“ Götzl: „Haben Sie eine Schwester?“ Be.: „Ja.“ Götzl: „Wie heißt Ihre Schwester?“ Be.: „Annett We.“ Götzl: „Mir geht es jetzt um die angesprochene Zeit, 2000. Wie sah damals der Kontakt zu Ihrer Schwester Annett We. aus, wie häufig haben Sie sich gesehen?“ Be.: „Na, damals habe ich noch in Sachsen gewohnt und habe sie immer mal besucht in Berlin, immer mal wieder, wenn ich Zeit hatte.“
Götzl: „Wie war damals im Jahr 2000 die persönliche Situation Ihrer Schwester, wie es familiär aussah, ob Sie Kinder hatte, einen Lebensgefährten, Freund?“ Be.: „Zwei Kinder und alleinstehend.“ Götzl: „Kannten Sie – mir geht es immer um die damalige Zeit – Freunde Ihrer Schwester?“ Be.: „Ja, ein paar Kontakte hat man ja immer mal so, also, aber Namen.“ Götzl: „Was bedeutet das jetzt, Ihre Formulierung?“ Be.: „Dass mal jemand vorgestellt wurde, aber das war einmal und dann war gut, also nicht mehr gesehen oder so.“ Götzl: „Wie war damals die Situation, wenn Sie Ihre Schwester besucht haben, haben Sie sie alleine besucht, waren Sie alleine dort?“ Be.: „Mal alleine, mal mit den Kindern.“
Es folgt ein Vorhalt von Lichtbildern. Dazu geht Be. nach vorn an den Richtertisch. Es handelt sich um vier farbige Lichtbilder, vermutlich um Observationsfotos. Zu sehen ist u.a. eine langhaarige blonde Frau mit Kind. Götzl fragt, ob Be. zu den Personen, zu der Örtlichkeit etwas sagen könne. Be.: „Ich habe keine Ahnung, wo das ist. Keine Ahnung. Und das ist meine Schwester, ja.“ Götzl: „Können Sie auf Ihre Schwester nochmal deuten?“ Be.: „Na, hier.“ [Bild 2 oben rechts, in der Mitte] Götzl: „Und die Person daneben?“ Be.: „Unbekannt.“ Götzl: „Und hier rechts?“ Be.: „Das bin ich.“ Götzl: „Und das Kind daneben?“ Be.: „Ich glaube, das ist der Sohn von meiner Schwester.“ Götzl: „Und wenn Sie das untere Bild anschauen, da ist noch ein weiteres Kind zu sehen.“ Be.: „Ich weiß jetzt nicht, ob das mein kleiner, also mein mittlerer Sohn ist, der war auch so blond. Aber das ist so unscharf, das Bild.“ Götzl: „Und zu der männlichen Person, können Sie da etwas sagen?“ Be.: „Völlig unbekannt. Einmal gesehen und nie wieder.“ Götzl: „Was bedeutet denn jetzt Ihre Formulierung ’nur einmal gesehen und nie wieder‘?“ Be.: „Na, da auf dem Bild und da kann ich mich nicht mal erinnern, wo das war. Einmal gesehen.“ Götzl: „Können Sie zum Entstehungszeitpunkt dieser Bilder etwas sagen?“ Be.: „Ich weiß nicht, wann das war und wo.“ Götzl: „Sagt Ihnen denn der Name Lange etwas?“ Be.: „Der Ex-Mann von meiner Schwester, Stephan Lange, oder wen meinen Sie?“ Götzl: „Ex-Mann?“ Be.: „Na, Ex-Freund.“ Götzl: „Wann war er der Freund Ihrer Schwester?“ Be.: „Ist ja der Vater der Kinder meiner Schwester.“ Götzl: „Können Sie es zeitlich einordnen?“ Be.: „Kann ich jetzt so nicht einordnen. Als die Kinder noch ziemlich klein waren, hat er sie verlassen. Also da war der Sohn gerade geboren.“
Götzl: „Sagt Ihnen der Name etwas?“ Be.: „Ja.“Götzl: „Was sagt er Ihnen?“ Be.: „War eine Bekanntschaft meiner Schwester.“ Götzl: „Kannten Sie ihn auch?“ Be.: „Ein, zwei Mal gesehen.“ Götzl: „Mandy Fu., sagt der Name Ihnen was?“ Be.: „Ja.“ Götzl: „Was?“ Be.: „War eine Freundin meiner Schwester.“ Götzl: „Hatten Sie Kontakt zu ihr?“ Be.: „Nein.“ Götzl: „Uns liegt ein Vernehmungsprotokoll vor Ihrer Schwester Annett We. vom 05.12.2016. Da heißt es auf 22978 ff., 22978: ‚Den Jan Werner habe ich auf Konzerten kennengelernt über die Mandy Fu., die damals die Freundin des Mirko Hesse war.‘ Also nachgefragt: In Zusammenhang mit Mirko Hesse oder Mandy Fu., ist da jemals der Name Jan Werner gefallen Ihnen gegenüber?“ Be.: „Nein.“
Götzl: „Sind noch Fragen von Seiten des Senats? Der Bundesanwaltschaft? Der Verteidiger? Der Nebenklägervertreter? Herr Rechtsanwalt Narin?“ NK-Vertreter RA Narin: „Seit wann leben Sie denn in Berlin?“ Be.: „Ich bin im Dezember 2001 nach Berlin gezogen.“ Narin: „Wo haben Sie vorher gewohnt?“ Be. sagt, sie habe in Sachsen gewohnt. Narin: „Kennen Sie Personen, die in der rechten Szene waren oder sind?“ Be.: „Nur Stephan Lange und meine Schwester.“ Narin: „Was ist mit Mirko Hesse?“ Be.: „Ach so, ja, stimmt.“ Narin: „Und noch weitere Personen?“ Be.: „Nein.“ Narin: „Stephan Lange, hatte der auch einen Spitznamen?“ Be.: „Pinocchio.“ Narin: „Wissen Sie, inwiefern der in der rechten Szene war, was hat der gemacht?“ Be.: „Nein, hat mich nicht interessiert.“ Narin: „Sagt Ihnen Blood & Honour was?“ Be.: „Meine Schwester hat mir mal was erzählt.“ Narin:“ Was?“ Be.: „Dass er da irgendwas macht, aber hat mich nicht interessiert.“ Narin: „Sagt Ihnen Hammerskins was?“ Be.: „Nicht unbedingt.“ Narin:“ Was heißt das?“ Be.: „Dass meine Schwester und Lange Besuch hatten, dass da was war .“ [phon.] Narin: „Waren Sie selbst mal in der rechten Szene?“ Be.: „Nein.“
Narin: „Haben Sie über die Zeugenvernehmung mit irgendwem gesprochen?“ Be.: „Meine Schwester hat gesagt, dass sie bei einer Aussage war.“ Narin: „Was haben Sie besprochen?“ Be.: „Dass sie da hin musste und dass es wieder um damals ging.“ Narin: „Was heißt damals?“ Be.: „Wo sie mit Stephan Lange zusammen war und so.“ Narin: „Und so? Können Sie das ausführen?“ Be.: „Na, mit der rechten Szene und so.“ Narin: „Was hat sie denn genau gesagt?“ Be. schweigt. Narin: „Ist doch nicht so lange her.“ Be.: „Na, dass sie hin musste und berichten musste über den Typen, mit dem sie da mal [phon.] gedatet hatte, mit dem sie aber nichts weiter hatte.“ Narin: „Wurde über Ihre Rolle gesprochen?“ Be.: „Sie hat nur gesagt, dass es ihr leid tut, dass ich jetzt hierher muss.“ Narin: „Wurde darüber gesprochen warum Sie hierher müssen?“ Be.: „Sie hat nur gesagt, dass sie Fotos gesehen hat.“ Um 10:37 Uhr wir die Zeugin entlassen.

RA Narin gibt eine Erklärung ab: „Ich bin der Auffassung, dass wir die Zeugin nicht ordentlich vernehmen konnten, weil uns durch die BAW keinerlei Erkenntnisse geliefert wurden, wie das sonst üblich ist bei Zeugen. Deswegen konnten wir die Zeugin nicht richtig vernehmen. Ich finde diese Vorgehensweise nicht in Ordnung, an die Vertreter der Bundesanwaltschaft.“
RAin v. d. gibt ebenfalls eine Erklärung ab. Zunächst habe Be. gesagt, dass keine Freunde ihrer Schwester kenne. Dann komme raus, dass Stephan Lange von Blood & Honour der Vater der Kinder der Schwester ist. Dann kenne Be. als Namen exakt Mandy Fu. und Mirko Hesse, genau die beiden Namen, die ihre Schwester in der Vernehmung genannt habe. V. d. Behrens: „Also es ist ganz offensichtlich, dass sie nicht alles gesagt hat, was sie weiß.“ Das Problem sei, dass man nicht wissen, ob sie die Person war, die in der Kneipe Wasserturm gewesen ist. Denn man habe nur die Fotos vom 06.06.2000 [phon.] mit Kindern. Das passe zur Aussage, die der Zeuge zu Beate Zschäpe in der Kneipe gemacht hat, aber man wisse es nicht genau. Was man aber wisse, sei, dass das sächsische LfV den Thüringer Behörden mitgeteilt habe, dass Jan Werner am 07.05.2000 in Berlin war und telefonischen Kontakt zu einer Frau mit Kindern [phon.] gehabt habe, die zu den Beobachtungen an der Synagoge passen. V. d. Behrens: „Jetzt, als der Nachermittlungsauftrag kam, hat das sächsische LfV nur die Bilder geschickt, sie haben aber keinen Angaben dazu gemacht, mit wem am 07.05.2000 Jan Werner telefoniert hat, wer diese weibliche Bekannte ist mit den Kindern, die auf die Beschreibung passen [phon.].“ Das LfV habe noch eine weitere weibliche Bekannte mitgeteilt, mit der er im August Kontakt gehabt habe, was aber überhaupt nicht zu dem Sachverhalt passe. V. d. Behrens: „Deswegen ist die Frage: Warum hat das sächsische LfV das nicht mitgeteilt? Gibt es die Akten nicht mehr oder haben sie nicht alles mitgeteilt, was sich aus den Akten ergibt?“

Es folgt die Anhörung des SV Axel Manthei. Götzl: „Es ging uns ja bei Ihrer Beauftragung um das Gewicht der Waffe Ceska, Waffennummer 034678, und um das Gewicht des Schalldämpfers. Welche Untersuchungen haben Sie vorgenommen?“ Manthei: „Ich habe diese Waffe erhalten und habe sie dann bei uns mit einer geeichten Waage gewogen. Das Gewicht der Waffe: Mit Magazin und ohne Schalldämpfer waren es 772 Gramm [phon.]. Das Gewicht des Schalldämpfers aufs volle Gramm gerundet: 236 Gramm.“ Götzl: „Wie hat die Waffe ausgesehen, wie war sie zusammengesetzt?“ Manthei: „Als ich sie erhalten habe, war der Schalldämpfer aufgeschraubt, die Griffschalen machten den Eindruck, als wären sie thermisch belastet, also sie waren ein bisschen verbogen. Das Magazin befand sich in der Waffe. Ich habe die Waffe mit dem Magazin gewogen, dem leeren Magazin. Die Waffe war also nicht geladen.“ Es gibt keine weiteren Fragen an den SV. Manthei wird um 10:45 Uhr entlassen. Der Verhandlungstag endet um 11:11 Uhr.

Kommentar des Blogs NSU-, hier.

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