In Folge #118 vom Podcast „NSU-Watch: Aufklären und Einmischen“ sprechen wir mit Gamze Kubaşık und Semiya Şimşek über die Schweigemärsche „Kein 10. Opfer“ vor 20 Jahren. Nach den NSU Morden an Mehmet Kubaşık am 4. April 2006 und an Halit Yozgat am 6. April 2006 entschlossen sich die Angehörigen der Mordopfer, in Kassel und Dortmund auf die Straße zu gehen.
Obwohl es eine Mordserie ausschließlich an migrantischen Männern war, richteten sich Ermittlungen nach den Morden gegen die Mordopfer und gegen ihre Familien – nicht gegen rechts. Auch darauf wollten die Angehörigen hinweisen.
Ali Şirin, Unterstützer der Familie Kubaşık schreibt in einem Text über die Schweigemärsche in der Broschüre „Sein Leben, unsere Erinnerung. Gegen das Vergessen. Erinnern an Mehmet Kubaşık“: „Der Schweigemarsch am 6. Mai 2006 in Kassel wurde von der Familie Yozgat organisiert. Die Familie kontaktierte weitere Angehörige von Opfern. 4000 Menschen kamen zusammen und setzten ein Zeichen der Solidarität. Der Schweigemarsch in Dortmund fand am 11. Juni 2006 statt. Auf den Schildern stand geschrieben: ‚Stoppt die Mörder‘ auf einem großen schwarzen Banner: ‚Kein 10. Opfer'“.
Semiya Şimşek, Tochter des vom NSU ermordeten Enver Şimşek und Gamze Kubaşık, Tochter von Mehmet Kubaşık lernten sich auf dem Schweigemarsch in Kassel kennen. Wir blicken mit ihnen auf die Demonstrationen zurück und darauf wie es weiter ging. Sie sprechen darüber, wie die erhoffte Aufklärung und Solidarität ausblieben und es noch fünf weitere Jahre dauern sollte, bis endlich klar wurde, wer ihre Väter ermordet hat: Die Neonazis des NSU.
Links aus dem Podcast:
„Kein 10. Opfer!“ – Kurzfilm über die Schweigemärsche in Kassel und Dortmund im Mai/Juni 2006
Broschüre: Sein Leben, unsere Erinnerung. Gegen das Vergessen. Erinnern an Mehmet Kubaşık.
Buch: Unser Schmerz ist unsere Kraft. Neonazis haben unsere Väter ermordet.
Initiative: Echoes of Witnesses – Stimmen für die vom NSU Ermordeten