Protokoll 197. Verhandlungstag – 14. April 2015

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Dieser Verhandlungstag beginnt erst am späten Nachmittag, da der Angeklagte Holger Gerlach laut eigener Aussage den Termin verwechselt hat und zunächst anreisen muss. Danach sagt ein BKA-Beamter zu Ermittlungsergebnissen bezüglich der Fahrzeuganmietungen des NSU aus. Darauf folgen Zeug_innen der Banküberfälle in Stralsund.

Zeug_innen:

  • Michael Mo. (KHK, BKA, Ermittlungen zu Fahrzeuganmietungen)
  • Wiebke Gr. ( in Stralsund am 7.11.2006)
  • Regina Gr. (Banküberfall in Stralsund am 7.11.2006)
  • Julia Ro. (Banküberfall in Stralsund am 7.11.2006)
  • Sabine Bo. (Banküberfall in Stralsund am 7.11.2006 und 18.1.2007)
  • Sven Kr. (Banküberfall in Stralsund am 18.1.2007)
  • Ines Re. (Banküberfall in Stralsund am 18.1.2007)

Der Beginn des Verhandlungstages verzögert sich deutlich. Richter Götzl betritt den Saal ohne Robe. Er verkündet: „Wir können erst um 15:30 Uhr beginnen, Herr Gerlach hat den Termin verwechselt.“ Zschäpe-Verteidiger RA Heer sagt, er gebe zu bedenken, dass seine Mandantin dann sieben Stunden in der Vorführzelle verbringen müsse. Götzl entgegnet, er wolle den Termin aber nutzen, auch aus Beschleunigungsgründen. Der Beginn des Verhandlungstages wird auf 15:30 Uhr terminiert. Zwischendurch wird jedoch mitgeteilt, dass erst um 16:20 Uhr begonnen wird. Um 16:19 Uhr betritt Holger Gerlach den Saal. André Eminger saß zuvor schon im Saal. Um 16:28 Uhr betreten auch die anderen Angeklagten den Saal, um 16:31 Uhr der Senat. Nach der Präsenzfeststellung sagt Götzl, man beginne mit dem Zeugen KHK Mo. Zunächst sagt jedoch Holger Gerlach, er wolle sich entschuldigen, es komme nicht wieder vor. Götzl fragt nach dem Grund. Gerlach: „Ich bin um eine Woche verrutscht.“ Götzl sagt, beim Zeugen Mo. gehe es ja auch um Aspekte, die Gerlach betreffen würden, er sei verwundert, dass es da seitens von Gerlachs RAen keine Kontaktaufnahme gegeben habe. Gerlachs Verteidiger RA Hachmeister sagt, es sei ja noch nicht vorgekommen und man stehe selbstverständlich in Kontakt: „Wir werden Sorge tragen, dass es nicht passiert in Zukunft.“

Dann beginnt die Einvernahme des Zeugen Mo. Götzl sagt, es gehe um KFZ-Anmietungen, Auswertungen von Kassenunterlagen von Unternehmen und den zeitlichen Bezug zu Straftaten, Mo. solle schildern, womit er betraut gewesen sei und wie seine Ermittlungen ausgesehen haben.
Mo.: „Ich war zu der Zeit betraut mit den Fahrzeuganmietungen bzw. der Erhebung und Auswertung der Mietunterlagen und habe dann eine Aufstellung gefertigt, wo die Mietzeiträume mutmaßlichen Straftaten gegenüber gestellt wurden.“ Beim Wohnmobil in Eisenach sei festgestellt worden, dass es sich um ein Mietfahrzeug gehandelt habe. Ermittlungen im Brandobjekt Frühlingsstraße hätten ergeben, dass dort mehrere Mietverträge verschiedener Fahrzeugvermietungen gefunden worden seien. [Anmerkung: sämtliche Zahlen phon.]
Bei den Firmen seien Unterlagen gesichtet worden und es hätten dann im Endeffekt 65 Fahrzeuganmietungen für 2000 bis 2011 festgestellt worden können. Bei den 65 Anmietungen habe es sich um 17 Wohnmobile und 48 PKW-Anmietungen gehandelt.
Bei den Wohnmobilen seien 14 bei der Firma Ho., zwei bei der Firma Br. und eines bei der Firma K. gemietet worden. Die 48 PKW-Anmietungen seien bei S. in Zwickau gewesen. Man habe dann die 65 Anmietungen den mutmaßlichen 26 Straftaten des NSU gegenübergestellt. Zu 15 Fahrzeuganmietungen habe man 17 korrespondierende Straftaten gefunden. Von den 15 Anmietungen seien 13 Wohnmobilanmietungen gewesen. Bei zwei Straftaten seien Fahrzeuge der Firma S. mutmaßlich verwendet worden. Bei den neun verbleibenden Straftaten hätten keine Anmietungen nachgewiesen werden können.

Mo.: „Bei den Straftaten mit Anmietungen handelte es sich um fünf Morde an Migranten, einen Polizistenmord in Heilbronn, zwei Sprengstoffanschläge in Köln und neun Raubüberfälle.“ Zu den Sparkassen-Überfallen in Stralsund seien ebenfalls entsprechende Anmietungen festgestellt worden. Zu dem Überfall am 07.11.2005 in Stralsund sei bei Ho. für den 04.11. bis 10.11. angemietet worden auf den Namen Holger Gerlach aus Hannover. Für den Raubüberfall in Stralsund am 18.01.2007 habe ebenfalls eine auf die Personalien Holger Gerlach, Hannover, festgestellt werden können. Ursprünglich sei vom 09. bis zum 13.01.2007 gemietet worden laut Belegen aus der Frühlingsstraße und auch den Geschäftsunterlagen bei Ho. Ergänzend dazu sei in den Geschäftsunterlagen mit Datum 20.01. eine Quittung gefunden worden, die eine Mietverlängerung belege vom 13. bis zum 20.01.

Die ersten drei Fahrzeuganmietungen 2000 bis 2003 seien auf André Eminger, Johanngeorgenstadt, getätigt worden, alle restlichen auf die Personalien von Holger Gerlach, jeweils mit der aktuellen Meldeanschrift. Götzl fragt Mo. nach der zeitlichen Einordnung des zuerst von Mo. genannten Überfalls. Mo. korrigiert sich: „2006. 07.11.2006.“ Götzl fragt zu einem Überfall in Arnstadt. Mo. sagt, bei dem Überfall in Arnstadt vom 07.09.2011 seien ebenfalls Mietunterlagen gefunden worden, sowohl im Brandschutt als auch Geschäftsunterlagen der Firma Br. Zeitraum sei vom 05.09. bis zum 10.09., es sei ebenfalls ein Wohnmobil gewesen. In den Geschäftsunterlagen habe sich auch ein Übergabeprotokoll gefunden, datiert auf 05.09. Götzl fragt, welches Fahrzeug beim zweiten Überfall in Stralsund angemietet worden sei. In beiden Fällen in Stralsund handele es sich um das Fahrzeug C-PW 87, so Mo. Er glaube, dass es ein Wohnmobil Fiat Chausson [phon.] gewesen sei. Der Zeuge wird entlassen.

Dann folgt die Zeugin Wiebke Gr. Götzl sagt, es gehe um einen Überfall auf ein Geldinstitut in Stralsund am 07.11.2006. Gr. berichtet: „Meine Mutti und ich wollten für mich ein Konto eröffnen.“ Der Termin sei gegen 17 Uhr gewesen. Nach dem Termin seien sie kurz in der Bank verblieben, da sei schon der erste Mann rein gelaufen und habe gerufen: „Alle auf den Boden“. Es habe sich nicht jeder sofort hingelegt, da habe der in die Luft geschossen, sie hätten sich hingelegt. Der zweite Mann sei dunkel gekleidet gewesen, der erste habe eine rote Wetterjacke angehabt. Der dunkel Gekleidete habe in die Nebenräume geguckt, ob da jemand drin ist, habe nach der Kassiererin gerufen. Die habe den Tresor aufgeschlossen und der Mann habe sich aufgeregt, dass da nicht mehr drin ist. Der Rote habe gegen den Blumentopf getreten und gerufen, dass es doch schneller gehen müsse. Gr.: „Das war es eigentlich.“ Die hätten das Geld in eine Plastiktüte getan und seien wieder raus. Gr.: „Genau, und der Rote hatte zwei Waffen, eine silberne und eine schwarze.“ Götzl fragt, ob der andere eine Waffe gehabt habe. Gr. verneint, sich zu erinnern, sie habe nur in Erinnerung, dass der Plastiktüten in der Hand gehabt habe.

Götzl sagt, Gr. habe bei dem Ersten von einer roten Wetterjacke gesprochen, und fragt, ob sie sich noch an weitere Kleidung erinnere. Gr.: „Der hatte noch so Schuhe, wo in der Sohle ein oranger Streifen drin war.“ Beide hätten Skimasken getragen, wo nur die Augen zu sehen gewesen seien. Götzl fragt zur Sprache der Männer. Gr.: „Für mich klang es so, als würde jemand aus Thüringen, Sachsen, so die Ecke, versuchen Hochdeutsch zu reden.“ Götzl: „Gilt das für beide?“ Gr.: „Ja.“ Das habe vielleicht zwei, drei Minuten gedauert, so Gr. auf Frage, aber es sei ihr ewig vorgekommen. Zu Folgen für sich selbst sagt Gr., sie habe monatelang noch Angst gehabt, wenn Leute den Schal kurz über die Nase gezogen gehabt hätten. Ihre Mutter habe monatelang nicht an der Bank vorbei gekonnt, bei ihr selbst sei das schneller gegangen. Götzl fragt zu Gr.s Position in der Bank. Das sei ja jetzt umgebaut, so Gr., damals sei links der Schalter gewesen, davor sei ein kleiner Schalter gewesen [phon.]. Sie seien um den Tisch herumgelaufen und hätten sich hingehockt. Sie hätten sich nicht hingelegt, sondern gekauert und hätten rein schauen können. Zur Größe und Statur der Männer sagt sie, die seien schlank gewesen. Im Liegen sei es schwierig, aber die seien zwischen 1,70 m und 1,75 m gewesen, ein Stücken größer, aber nicht äußerst groß. Götzl fragt, ob Gr. Gerüche wahrgenommen habe. Als der in die Luft geschossen habe, so Gr., habe das nach Zündplättchen gerochen, die man kenne, wenn Kinder an Karnevalspistolen abfeuern: „Ich weiß aber nicht, ob das bei einer echten Waffe auch so riecht, keine Ahnung.“

Als nächstes folgt die Zeugin Regina Gr. Zum Banküberfall berichtet Gr: Also am 07.11. hatten meine Tochter Wiebke und ich einen Termin in der Kleinen Parower Straße, weil wir ein Konto eröffnen wollten.“ Der Termin sei um 17 Uhr gewesen, der offizielle Termin, um 17:30 Uhr seien sie da raus. Sie habe ihrer Tochter noch die Örtlichkeit zeigen wollen; wie man Geld abhebt. Gr.: „Gegen 17:40, sage ich mal, kamen zwei maskierte Männer rein, schossen auch gleich, meine ich, in die Luft und schrien: Alles auf den Boden!“ Es seien noch zwei, drei andere Kunden da gewesen. Gr.: „Wir konnten das nicht realisieren.“ Einer habe sich umgedreht, habe die Pistole zu ihnen gehalten und sie angeschrien, sie sollten runter. Die seien sehr aufgeregt gewesen, einer habe gefragt, wo Geld ist. Die Angestellten hätten den Tresor aufgemacht, das sei denen aber nicht schnell genug gegangen. Die Männer seien zwischen 1,70 m und 1,80 m gewesen, maskiert. Der eine sei rot gekleidet gewesen, mit einem Blouson, habe eine Camouflagehose getragen: markant sei bei dem die orange Sohle gewesen oder dass da was Oranges eingelassen gewesen sei. Der andere sei ganz in Schwarz gewesen, habe Plastiktüten oder eine Plastiktüte gehabt, da sei was mit Obst und Gemüse drauf gewesen.

Götzl fragt zu Waffen. Dazu könne sie eigentlich gar nichts sagen, wie die ausgesehen habe, so Gr. Sie habe es zweimal knallen hören, mehr könne sie dazu nicht sagen. Götzl: „Haben Sie bei denen Waffen gesehen in den Händen?“ Gr.: „Ja, geschossen wurde auf jeden Fall zweimal in die Luft.“ Ob bei beiden Waffen gewesen seien, könne sie nicht sagen. Zu den Folgen des Überfalls für sie sagt Gr., sie habe bestimmt zwei Monate Schwierigkeiten gehabt an der Sparkasse vorbei zu gehen. Sie hätten in unmittelbarer Nähe gewohnt. Gr.: „Und bei Leuten mit Camouflagehose.“ Sie habe da ein bisschen Probleme gehabt, ihre Tochter habe das schneller verarbeitet. Die Zeugin wird entlassen.

Es folgt die Zeugin Ro. Zum Banküberfall berichtet sie: „Also, ich weiß, es war ein Donnerstag. Es war schon dunkel, es war viertel Sechs oder so. Auf einmal habe ich einen Riesenkrach in der Vorhalle gehört. Ich saß mit dem Rücken zur Tür, habe mich umgedreht, nur noch zwei Männer rein laufen sehen. Ab da weiß ich eigentlich nicht mehr wirklich was. Ich saß in Starre da, weiß eigentlich nur noch, dass es vorbei war.“ Es sei sehr schnell gegangen. Sie sei damals Azubi gewesen, so Ro., auf Frage, wie ihre Position gewesen sei. Götzl sagt, es gehe ihm um die Örtlichkeit. Sie habe mit dem Rücken zur Eingangstür gesessen, so Ro., habe es nicht gesehen, sich nur kurz umgedreht und zwei Leute rein laufen sehen. Auf Frage, ob sie die beschreiben könne, sagt sie, sie habe gar keine Erinnerung mehr. Götzl fragt, ob sie wisse, ob die bewaffnet waren. Gr.: „Ja, ich habe einen Schuss gehört, der Richtung Decke ging.

Sie verneint, eine Erinnerung zu haben, welche Waffen das gewesen seien. Sie verneint, irgendwelche Äußerungen, Sätze, Ausrufe in Erinnerung zu habe. Götzl: „Was war Ihre Aufgabe an dem Tag?“ Ro.: „Grundsätzlich war ich nicht in der Filiale eingesetzt, nur zur Vertretung da, um den Servicebetrieb zu unterstützen.“ Götzl: „Waren die Personen maskiert? Haben Sie da eine Erinnerung?“ Ro.: „Ja, mit schwarzen – wie nennt man das? – Sturmhauben, wo man die Augen nur sieht.“ Zur Kleidung sonst habe sie keine Erinnerung. Götzl fragt, ob Ro. noch sagen könne, wie sich die Personen bewegt haben. Ro.: „Sehr schnell.“ Auf Frage, wo die sich dann aufgehalten hätten, sagt Ro., einer sei mehr rechts von ihr auf- und abgegangen und die andere Person sei in den Tresorraum mit rein gegangen. Götzl: „Was haben Sie eigentlich gemacht?“ Ro.: „Ich habe ganz schnell den Alarmknopf gedrückt, ansonsten saß ich eigentlich nur starr wie eine Säule und habe nichts gemacht.“ Götzl sagt, Ro. habe angegeben, der Schuss sei Richtung Decke gegangen und fragt, ob Ro. das beobachtet habe oder wie sie das sagen könne. Ro.: „Ich habe gesehen, wie die reingekommen sind und einer den Arm nach oben gehalten hat und dann ertönte dieser Knall.“ Sie verneint, eine Erinnerung an das Aussehen dieser Waffe zu haben.

Götzl sagt, Ro. habe von einem Riesenkrach gesprochen: „Können Sie das näher fassen?“ Ro.: „Na, Geschrei, ganz lautes Reden, Befehle. Was genau, weiß ich nicht. War sehr, sehr lautes Gerede, Geschrei.“ Daran habe sie keine Erinnerung, so Ro. Sie erinnere sich auch nicht, ob die Behältnisse mitgeführt haben. Götzl fragt, ob Ro. mitbekommen habe, ob die Geld mitgenommen haben. Ro. sagt, sie sei nicht mit im Tresorraum gewesen. Vorhalt: In der linken Hand hielt die Person einer Beutel oder Ähnliches, kann ich aber nicht mit Bestimmtheit sagen. Götzl fragt, ob sich Ro. erinnere, wer von ihren Kollegen oder Kolleginnen anwesend war. Ro.: „Nicht mit Sicherheit.“ Vorhalt: Die Person, welche geschossen hatte, hat Frau Tr. den Kassenraum aufzumachen; bevor dies geschah, habe ich Alarmknopf betätigt; Tr. hat den Kassenraum geöffnet und die Person, welche geschossen hatte, ging mit ihr dort rein: der Zweite forderte einen Kunden auf, von einem Eingabeterminal zu lassen, das tat der Kunde nicht; der zweite Mann hielt sich nicht mit dem Mann auf und forderte mich auf, die hintere Tür zu öffnen. Sie habe daran keine Erinnerung, so Ro.

Nach der Zeugin folgt die Einvernahme der Zeugin Bo. von der Sparkasse Vorpommern. Götzl sagt, es gehe um Überfälle am 07.11.2006 und 18.01.2007, welche Funktion Bo. gehabt habe im Hinblick auf das Geldinstitut in Stralsund und darum, wie Geld aufbewahrt wurde, Banderolen usw., und dann spezielle Banderolen. Bo.: „Ich war damals auch schon Teamleiterin und habe drei Filialen betreut, wovon die Filiale in der Kleinen Parower Straße eine gewesen sei. Sie sei selbst nicht bei den Überfällen dabei gewesen, sondern sie im Büro gewesen und von den Kollegen per Telefon informiert worden. In der Filiale habe es noch eine Glaskasse mit Kassiererin gegeben und Geld in einem Stahlschrank im Anschluss an die Glaskasse. Bo. weiter: „Banderolen wurden bei uns zum Teil gestempelt und mit Unterschriften versehen von den Kolleginnen, und das habe ich auch ganz klar als die Unterschriften meiner Kolleginnen identifiziert.“ Götzl: „Wird den Geld mit Banderolen auch mal an Kunden ausgegeben?“ Bo.: „Nein.“ Das Geld werde ja vorgezählt und der Kunde bekomme dann eine Umschlag mit, mit Banderolen werde kein Geld herausgegeben. Auf Frage, wie das mit dem Stempeln gehandhabt werde, sagt Bo., sie habe Stempelproben da: „Wollen Sie das sehen?“ Die Stempelproben werden in Augenschein genommen. Bo. sagt, die „006“ [phon.] sei die Geschäftsstellennummer und das sei die Geschäftsstelle in der Kleinen Parower Straße und die „111“ [phon.] sei die von dem Kollegen: „Und darunter das Datum in der Regel, und das müsste identisch sein. Dann werden Aufnahmen verschiedener Banderolen in Augenschein genommen. Die Zeugin identifiziert Stempel der Sparkassenfiliale sowie gestempelte Identifikationsnummern und Unterschriften von Angestellten der Sparkasse. Die Zeugin wird entlassen.

Es folgt der Zeuge Kr. Götzl sagt, es gehe um einen Überfall am 18.01.2007, Kr. solle berichten. Kr.: „Also, Tag und Jahr weiß ich jetzt nicht mehr. Ich war den Abend in der Bank und wollte Überweisungen machen, hörte die Tür aufgehen und zwei Maskierte reinkommen. Die sagten auch: Überfall. Dann sollten wir uns hinlegen und es wurde auch ein Schuss abgegeben und dann sind die eigentlich wieder raus. Götzl fragt zum Aussehen der beiden Maskierten. Kr.: „Was ich mich noch erinnern kann, ist, dass Sächsisch geredet wurde, also sächsischer Dialekt, ansonsten waren die maskiert, hatten dunkle Kleidung.“ Götzl fragt nach Einzelheiten. Kr.: „Also, wie gesagt, dunkel gekleidet und Sturmhaube, muss es gewesen sein.“ Götzl fragt nach Waffen. Kr. sagt, er habe nur den Schuss gehört: „Und es roch ein bisschen wie Zündplättchen. Weiß jetzt nicht, ob das scharfe Munition war, oder wie auch immer.“ Kr. weiter: “ Der ist rein und hat es so schräg nach oben gehalten, von mir aus gesehen.“ Götzl fragt, ob Kr. Wahrnehmungen gemacht habe, ob das Projektil irgendwo eingeschlagen ist. Kr.: „Nee.“

Götzl fragt, was die Täter gemacht, wo sie sich bewegt hätten. Kr. sagt, er habe sich ja ziemlich am Anfang, am Eingang hingelegt und habe nur sehen können, dass einer vorne gestanden habe und einer mit der Kassiererin nach hinten gegangen sei, dann seien die wieder raus. Götzl sagt, Kr. habe davon gesprochen, dass gesächselt wurde, und fragt, ob nur einer der Täter oder beide. Kr.: „Beide.“ Götzl fragt nach Einzelheiten, was gesagt wurde. Kr.: „Nur: Das ist ein Banküberfall, alle hinlegen.“ Götzl fragt zur Größe und Statur der Täter. Kr. verneint, etwas dazu sagen zu können. Vorhalt aus Kr. Vernehmung vom 18.01.2007: Waren die beiden bewaffnet? –  Bei dem ersten, den ich gesehen hatte, der hatte zwei Pistolen, wobei er auch einen Schuss abgegeben hat. Kr.: „Das mag so sein, aber da kann ich mich nicht dran erinnern.“ Vorhalt: Schuss ging nach oben in die Ecke; möchte sagen, dass es ein Trommelrevolver war, die andere Waffe war silbrig. Kr.: „Kann ich auch nichts mehr zu sagen.“ Vorhalt: Ob der Zweite auch eine Waffe hatte, habe ich nicht gesehen; ich hörte dann noch aus dem Nebenraum, dass er zu der Kassiererin wohl sagt, dass er mehr haben will, wo sie sagte, dass nichts mehr da ist. Kr. verneint, sich zu erinnern: „Ist schon lange her.“ Vorhalt: Bei dem einen, der mit der Kassiererin in Nebenraum war, nur gehört, der Dialekt auf keine Fall von hier, ich denke, dass er ein bisschen gesächselt hat; die Stimme war normal, nicht hoch und nicht tief; bei dem anderen war es auch rauszuhören, das war aber mehr nach Sächsisch als der andere. Kr. sagt, er wisse nur, dass beide aus dem Raum kamen. Auf Frage, was der Überfall für Folgen gehabt habe für ihn, sagt Kr., dass er das abgehakt habe.

Danach folgt die Zeugin Re. Götzl sagt, es gehe um einen Banküberfall am 18.01.2007, Re. solle berichten. Re.: „Es ist ja nun sehr lange her. Ich hatte einen Banktermin, einen Beratungstermin, war schon mit dem Geschäft ziemlich am Ende, befand mich im Vorraum mit der Angestellten. Es war ein sehr stürmischer Tag, es war dunkel. Wir schauten nach draußen und, wie wir rausschauten, war ja menschenleer die Straße, kamen zwei Personen um die Ecke. Die kamen von der Seite und hatten, wie Fahrradfahrer manchmal, solche Strickmützen im Gesicht, die das verkleidet haben, das Gesicht. Uns wurde eine Waffe vors Gesicht gehalten, wir mussten umdrehen, in den Sparkassenraum rein und mussten und auf den Fußboden legen.“ Nach kurzer Zeit seien die wieder verschwunden. Der eine sei immer vor ihnen gelaufen. Der habe der Kassenangestellten einen Beutel gegeben, der sei mit Geld gefüllt worden und dann seien die verschwunden. Den zweiten habe sie kaum mitgekriegt. Götzl fragt, ob Re. etwas zu dem Beutel sagen könne. Das verneint Re., sie wisse nur, dass da was hingeworfen worden sei.

Götzl fragt zu Waffen. Sie kenne sich mit Waffen nicht aus, so Re. Sie wisse nur, dass sie, wie sie rein gekommen seien, geschossen worden sei. Sie habe nur den Knall gehört. Auf Frage, sagt sie, sie könne auch nicht mit Sicherheit sagen, wieviele Waffen es gewesen seien: „Eine habe ich gesehen, ob noch mehr, weiß ich nicht.“ Götzl fragt zu Aussehen, Kleidung, Statur, Größe der Täter. Die seien dunkel gekleidet gewesen, so Re. Re. weiter: „Statur, würde sagen, nicht viel größer als ich selbst, ich bin 1,70.“ Der eine habe auffällige Turnschuhe angehabt, die hätten orange Streifen gehabt. Götzl fragt, ob sie die Schuhe einem der Täter zuordnen könne. Das verneint die Zeugin. Götzl fragt nach Äußerungen. Re.: „Er war sehr nervös, weil ein zweiter Kunde im Bankraum war, der sich nicht sofort hingelegt hatte. Wie wir im Vorraum waren immer: Rein, rein, rein. Mehr nicht.“ Zur Sprache sagt Re., das sei ein sächsischer Dialekt gewesen, kein norddeutscher Dialekt.
Zu den Folgen für sie selbst befragt sagt Re., es sei eigentlich gegangen, sie sei ganz gut zurecht gekommen, habe aber Banken nur mit einer zweiten Person betreten können und habe niemanden um Rücken haben können: „Das war grausam.“ Auf Frage, bei wem sie den Beratungstermin in der Bank gehabt habe, nennt Re. den Namen Mö. Die Zeugin wird entlassen. Götzl sagt, die Zeugen Di. und St. seien auf morgen geladen. Der Verhandlungstag endet um 17:39 Uhr.

Der Blog NSU-Nebenklage kommentiert: Der heutige Hauptverhandlungstag startete mit deutlicher Verspätung, und endete mit einem rekordverdächtigen Vernehmungsspurt – leider ohne wirkliches Ergebnis.

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