Protokoll 267. Verhandlungstag – 03. März 2016

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An diesem Verhandlungstag geht es um mehrere Banküberfälle in Chemnitz in den Jahren 2004 und 2005. Es sagen damalige Angestellte und Zeug_innen aus.

Zeug_innen:

  • Kathrin K. (Bankangestellte Chemnitz, zum am 14.05.2004)
  • Jana A. (Bankangestellte Chemnitz, zum Banküberfall am 14.05.2004)
  • Jeanette Sch. (Zeugin zum Banküberfall am 14.05.2004)
  • Ulrike G. (Bankangestellte Chemnitz, zum Banküberfall am 18.05.2004)
  • Philipp Z. (ehem. Schülerpraktikant in der Sparkasse in Chemnitz, zum Banküberfall am 18.05.2004)
  • Ben I. (Filialleiter Sparkasse Chemnitz, zu den Banküberfällen am 18.05.2004 und am 22.11.2005)
  • Ute A. (Bankangestellte Chemnitz, zum Banküberfälle am 18.05.2004 und am 22.11.2005)

Der Verhandlungstag beginnt um 09:49 Uhr, geladen ist die Zeugin Kathrin K. K. berichtet über den Überfall auf die Sparkassenfiliale Chemnitz am 14.05.2004. Sie schildert, wie sie am Schalter gestanden habe, als zwei Männer die Filiale betraten und Geld forderten. Sie sei dann auf Aufforderung hin mit in den Tresor gegangen, habe diesen geöffnet und das Geld rausgegeben. Zurück vorn hätten die Täter noch mehr Geld haben wollen, welches sie ihnen aufgrund des Zeitschlosses jedoch nicht gegeben habe. Es sei gedroht worden, ob sie wüssten, was ihnen passiert, wenn die Pumpgun losgeht und es hätten noch Geiseln genommen werden sollen. Irgendwann seien die Täter abgehauen. K. erinnert sich noch daran, dass ihre Kollegin mit der Waffe geschlagen worden sei. Auf Nachfrage Götzls sagt sie aus, dass beide Männer bewaffnet gewesen seien, mit einer kleineren und einer größeren Waffe. Näher beschreiben könne sie die nicht. Die Person, die mit ihr zum Tresor gegangen sei, habe ihr die kleinere Waffe an den Kopf gehalten, so K. auf Nachfrage Götzls. Die Personen seien unterschiedlich groß gewesen, welche mit ihr nach hinten gegangen sei kann sie jedoch nicht mehr sagen.

Götzl fragt nach der Kollegin. K. kann sich nicht mehr genau erinnern, auch nicht, welcher der beiden Täter die Kollegin geschlagen habe und ob diese durch den Schlag verletzt wurde. Götzl fragt weiter nach den Folgen für K. Diese berichtet von einem Trauma, mit dem sie noch immer zu kämpfen habe. Sie bejaht die Frage Götzls, ob sie sich in Behandlung begeben habe. Zunächst ein halbes Jahr nach dem Überfall, und heute wieder. Sie habe ihre Arbeit nach einer Weile wieder aufnehmen können. Befragt nach Besonderheiten in Bezug auf die Sprache der Täter ist K. nichts in Erinnerung. Auf die Frage nach der entwendeten Geldsumme antwortet die Zeugin ca 20.000€, mehr hätten sie nicht im Tresor gehabt. Der Täter habe das Geld selbst aus dem Tresor genommen, so K. auf Nachfrage. Bargeld sei keines weggekommen, soweit sie wisse. Ob Reisechecks mitgenommen wurden, wisse sie nicht. Zum Zeitpunkt des Überfalls seien drei Mitarbeiter und ein Kunde in der Filiale gewesen, so K. Wie spät es gewesen sei, kann sie nicht beantworten. Die Täter beschreibt K. auf Nachfrage: „Einer war größer als ich, einer kleiner. Und sie waren halt vermummt.“

Götzl: „Können Sie sich erinnern, ob Sie von der Polizei befragt wurden?“ Die Zeugin verneint. Vorhalt eines Aktenvermerks: Aufgrund des Schocks war sie nur bedingt vernehmungsfähig deswegen wurde zunächst von einer Vernehmung abgesehen. K. hat keine Erinnerung daran. Götzl fragt sie nach ihrem Zustand nach dem Überfall und dem Schock. K.: „In dem Moment funktioniert man. Und danach rutscht man zusammen.“ Vorhalt aus der polizeilichen Vernehmung K.s: Am Freitag 14.05.2004 war ich bei meiner Arbeitsstelle Albert-Schweitzer-Straße als zwei männliche Personen in unsere Sparkasse gestürmt kamen. Vor mir stand eine Kundin, die sich dann hinlegen musste. Und Vorhalt: Mir gegenüber stand die männliche Person mit der Pumpgun, die trug ein Basecap und ein Tuch mit Ornamenten im Gesicht. Die Zeugin bejaht beide Vorhalte. Götzl fragt nach der Pumpgun. K. sagt, sie kenne sich damit nicht aus, sei halt größer gewesen. Götzl: „Vorher sprachen Sie von dem mit der kleineren Waffe.“ Mit dem sei sie hinten im Tresor gewesen, so K. Götzl fragt nach der Person mit der sie vorn am Schalter gewesen ist. K. sagt, sie können sich nur erinnern, dass sie die Schlüssel genommen und mit einem der Täter nach hinten gegangen sei. Auf Frage Götzls, was der Täter mit der Waffe getan habe, sagt K., er habe sie bedroht, sie habe die Waffe am Kopf gehabt.

Vorhalt: Nachdem ich den Tresor geöffnet, gab ich zwei Bündel mit je 10 000 Euro in den Beutel, den der Täter mir hingehalten hat. (…) weiter lagen im Tresor 750 Euro Altgeld sowie ein Bündel mit 5 Euroscheinen zu je 500 Euro. Götzl: „Haben Sie noch eine Erinnerung?“ Die Zeugin verneint. Vorhalt: Als der Täter sagte, ob das alles sei, legte ich noch die Reiseschecks in den Beutel, 3500 Euro. Die Zeugin sagt, das wisse sie nicht mehr. Vorhalt: Er glaubte mir nicht, erst als er alles gesehen hatte, gingen wir nach vorne. Zeugin: „Das stimmt, er hat mir nicht geglaubt, dass das alles ist.“ Vorhalt: Als wir nach vorne kamen, war von meinen Kollegen noch Geld bereitgelegt worden. Die Zeugin sagt, das wisse sie nicht mehr. Vorhalt: Durch meinen Kollegen Herr W. wurde die Zeitschaltuhr des Bankautomaten bedient. Er sagte, dass das eine halbe Stunde dauert, bis er sich öffnet. Davon habe sie nichts mitbekommen, so K.

Vorhalt: Die Frau A. sagte dann in meinem Beisein im Blick auf die Anzeige des Tagestresors, dass es noch eine Viertelstunde dauert. Vorhalt: Die Täter reagierten aggressiv darauf und einer der Täter schlug die Frau A. mit dem Gewehrschaft ins Gesicht. Die Zeugin sagt, dann wird das so gewesen sein. Götzl fragt nach der eingangs erwähnten Geiselnahme. K. antwortet, dass gedroht worden war, Geiseln zu nehmen, es dazu aber nicht gekommen sei. Vorhalt: Wir sollten den Tagestresor aufschließen. Obwohl gesagt wurde, dass es nicht geht, wurde gesagt, dass jemand erschossen würde. Die Zeugin bejaht. Vorhalt: Aus Wut wurde ein Bildschirm zerstört. Die Zeugin bestätigt das, sagt sie wisse jedoch nicht mehr, wer das war. Vorhalt: Verließen dann beide die Sparkasse. Danach bin ich dann zusammengebrochen. Zeugin: „Ja.“ Nebenklagevertreter RA Behnke fragt nach der Kleidung der Täter, die Zeugin kann sich daran nicht erinnern, auch an die Schuhe nicht. Die Zeugin wird um 10:13 Uhr entlassen.

Es folgt Jana A., Kollegin von K. und wie sie Mitarbeiterin der Sparkasse Chemnitz am Tag des Überfalls am 14.05.2004. Es sei alles relativ schnell gegangen, so A. Es sei Freitag oder ein kurzer Arbeitstag gewesen, gegen Mittag hätten auf einmal zwei Männer in der Filiale gestanden. Sie habe das Hineinkommen nicht mitbekommen, habe gerade ein Telefonat geführt mit der Sparkassenversicherung, als ein Täter ihr eine Waffe ins Gesicht gehalten und „Überfall“ gesagt habe. Sie habe den Hörer fallen lassen. Ein Täter sei dann mit Herrn W. in den Beraterraum gegangen und ein zweiter mit ihrer Kollegin in den Tresorraum. Die Kollegin habe dem Täter das ganze Geld ausgehändigt, aber die Täter seien danach nicht zufrieden gewesen, hätten gefordert, den automatischen Kassentresor mit dem Bargeld zu öffnen. Dort habe sie, A., aber das Zeitschloss geschaltet gehabt. Das habe den Tätern letztlich zu lange gedauert und sie seien gegangen, nachdem sie noch Technik eingeschlagen hätten. Götzl fragt nach dem entwendeten Geldbetrag. Zeugin: „So um die 16 000, ein relativ kleiner Betrag.“ Außerdem, so A. auf Nachfrage, Altgeld aus dem Tresor, alles weitere Geld sei ja im automatischen Kassentresor gewesen.

Götzl fragt nach Schecks. A. verneint, das könne sie nicht mehr sagen. Götzl fragt, wo der Täter die Waffe hingehalten habe. An die Seite, an die Schläfe, so A. Götzl fragt nach einer Beschreibung der Waffe. „Wie ein abgeschnittenes Gewehr, Pumpgun oder wie man dazu sagt.“, so A. Götzl fragt nach Verletzungen, die Zeugin schildert, dass der Täter ihr „im Eifer des Gefechts mit dem Gewehr auf den Kopf gehauen“ habe, sie dies in der Aufregung jedoch nicht so registriert habe. Sie sei dann versorgt worden, es sei nur eine kleine Beule gewesen. Schmerzen, so A. auf Nachfrage, habe sie im Moment nicht, erst später verspürt. Für etwa zwei bis drei Tage, oben am Kopf.

Götzl fragt nach dem Täter, der nicht mit in den Tresorraum gegangen sei. A.: „Er ist mit meinem Kollegen in den Beraterraum. Da war der Kassenschalter und rechts ging es in die Beraterräume und ich war eigentlich einen Moment alleine im Kassenraum.“ Götzl fragt, welcher der beiden wohin gegangen sei. Sie habe sich nur auf den konzentriert mit dem abgeschnittenen Gewehr, so A., der andere sei ihr da völlig entgangen. Götzl fragt nach weiteren Folgen für sie. A.: „Der Moment war schon schlimm für mich, ich war schwanger im dritten Monat. Aber gottseidank, mein Kind ist auf der Welt, alles super, alles gut. Wir haben weitergemacht. Wir drei haben uns gesagt, gut, es ist halt nun mal so und den Montag drauf die Filiale ganz normal geöffnet.“ Götzl fragt nach der Kollegin K. A. sagt sie habe dein Eindruck, dass K. am meisten darunter gelitten habe. Götzl fragt, ob sie wieder arbeiten konnte. Die Zeugin bejaht. Sie hätten alle zusammen gehalten und gesagt, sie gehen wieder auf Arbeit. Der Arzt sei an dem Tag noch gekommen und habe alle untersucht und versorgt. Götzl fragt, ob noch etwas beschädigt wurde. A. bejaht dies, nachdem im Tresor das Geld nicht ausgereicht habe, die Täter mit mehr gerechnet hätten und sie den Kassentresor nicht habe öffnen können. Der eine sei ziemlich aggressiv geworden. A.: „Ich sagte dem einen Herrn: Wir können’s nicht beeinflussen. Und dann haben sie alles kaputt gehauen, die Monitore, die Terminals, und sind dann gottseidank auch weg.“

Götzl fragt nach einer Beschreibung der beiden Täter. A. sagt, dass sie ein Basecap aufgehabt hätten und ein Dreieckstuch, schwarz mit weiß. An Größe und so habe sie keine Erinnerung mehr. Götzl fragt, ob sie von der Polizei befragt worden sei. A.: „Ja, kurz danach.“ Die Polizei sei ja verständigt worden, die Versicherung habe das am Telefon verfolgt, dann von einer Kundin, und Herr W. habe auch Alarm auslösen können. Zur Sprache der Täter kann sie auf Nachfrage keine Angabe machen. Götzl verweist auf ein Protokoll vom 17.05.2004 und fragt, ob A. den Tätern Geld ausgehändigt habe. Die Zeugin verneint, der Tresorschlüssel sei bei der Frau K. gewesen. Sie selbst sei vorne in den Tresor gekommen und da sei nur das Münzgeld, an das man rankommt und das hätten sie nicht haben wollen. Vorhalt: Kurz vor 11:30 war nur noch eine Kundin anwesend (…) ich war gerade dabei mit Herr K. von der Sparkassenversicherung zu telefonieren. Zeugin: „Richtig.“ Vorhalt: Auf einmal hörte ich eine Männerstimme laut rufen: ‚Überfall‘. A.: „Richtig, der stand an der Seite“

Vorhalt: Dort entnahm ich alles Geld, was in der Kassenlade war. Zeugin: „Ja, tut mir leid, ein kleiner Handbestand zu der Zeit. Aber die Rollen wollte er nicht. Er sagte, ob ich ihn verarschen will. Damals hatten wir so eine kleine Schublade. Aber das dürfen wir jetzt nicht mehr, jetzt ist alles Geld im Tresor.“ Vorhalt: Wert 250-300 Euro. Die Zeugin bejaht das. Vorhalt: (…) legte ich in einen Plastikbeutel, den der Täter mit Gewehr aufhielt. Vorhalt: Der zweite Täter mit Pistole lief mit W. nach hinten in die Kassenräume. Die Zeugin bestätigt dies. Götzl fragt, wie die Pistole ausgeschaut habe. Die Zeugin kann hierzu nichts sagen. Götzl fragt, ob der zweite Mann etwas gesagt habe. Darüber habe sie auch schon nachgedacht, so A., könne sich aber nicht mehr erinnern.

Vorhalt: Dieser Täter hat mehrfach gesagt, dass er den Herrn W. abschießen will. A.: „Ja, wir haben uns danach unterhalten und die wollten auch Geiseln nehmen. Aber das ist an mir alles vorbei.“ Ob sie die Situation mit Frau K. noch verfolgt habe? In den letzten Tagen nicht, damals sei ihre Angst gewesen, dass die Täter mitkriegten, dass sie den Alarm ausgelöst haben. Götzl fragt nach der Situation mit der Waffe. Die Zeugin sagt, die Täter hätten sie mitgehabt. Ob der Täter damit etwas gemacht habe? Die Zeugin sagt, sie könne nichts dazu sagen, was in den Räumen mit den Kollegen geschehen sei. Vorhalt: Der andere Täter ist dann mit Frau K. in den Tresorraum gegangen, er hielt ihr die Pistole an den Kopf und forderte immer wieder das Öffnen. A. sagt, der sei geschaltet gewesen, lief auf dem Display. Aber die 10 Minuten könnten sie nicht beeinflussen. Vorhalt: Die Pistole an den Kopf Frau K.’s gehalten. Die Zeugin sagt, die Täter hätten auf jeden Fall gedroht, wie im Einzelnen könne sie nicht mehr sagen. Sie könne sich nur entsinnen, dass sie wirklich aggressiv geworden seien und die ganze Technik zerstört hätten. Kein Computer sei mehr gegangen und auch der automatische Kassentresor sei ausgestiegen.

Vorhalt: Mit dem Gewehrkolben den Bildschirm eingeschlagen und diesen dann vom Tisch geschlagen. Vorhalt: Er wollte mit dem Gewehr auch den Tresor aufschießen, hat dann aber davon abgelassen. Zeugin: „Er kam ja nicht an den Tresor ran, wir auch nicht.“ Vorhalt: Er hat im Verlauf mehrmals mit dem Kolben nach mir geschlagen, traf mich leicht an Kinn und Schläfe. Die Zeugin sagt, der Arzt habe sich das dann auch angeguckt. Vorhalt: Schmerzen hab ich zur Zeit keine. Götzl: „Das war dann am 17.05.?“ Die Zeugin bejaht.

Vorhalt: 1. Täter 180-185cm, 20-25 Jahre. Vorhalt: Schlanke Gestalt, deutsch, hiesiger Dialekt. Die Zeugin entschuldigt sich, sie könne sich nur noch entsinnen, dass sie vermummt waren mit Basecap und Dreieckstüchern. An Größe und so habe sie keine Erinnerung mehr. Vorhalt: Basecap, Tuch schwarz weiß gemustert, Jacke wattiert, Turnschuhe, weißer Plastebeutel ohne Aufschrift. Vorhalt: Schrotflinte schwarz (…) im Nachhinein machte es einen unechten Eindruck. Zeugin: „Gottseidank haben wir gedacht, dass sie unecht ist.“ Vorhalt: 2. Täter, 20-25 Jahre, 170-175cm. Vorhalt: Schlank, hiesiger Dialekt, helles Basecap mit rotem Symbol über dem Schirm. Vorhalt: Waffe (…) hat mehrfach gedroht sie anzuwenden. Die Zeugin hat an alle Vorhalte keine Erinnerung mehr und wird um 10:34 Uhr entlassen.

Es folgt Annett Sch. und schildert zunächst, wie sie kurz vor 12:00 Uhr in die Sparkasse eingetreten sei und eine Einzahlung habe machen wollen am ersten Schalter. Da sei von hinten ein Mann reingekommen und habe von ihr verlangt, dass sie sich mit dem Gesicht auf den Boden legen solle. Als er eintrat, habe sie ihn kurz gesehen mit Basecap, Sonnenbrille und Tuch vor dem Mund. Sie sei dann gefühlte 20 Minuten mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden gelegen, habe nur akustisch wahrgenommen, was gesprochen wurde. Sie habe gesehen, dass einer der Täter weiße Handschuhe anhatte. Götzl fragt nach einer Beschreibung des zweiten Täters. Das könne sie nicht, so Sch. Götzl fragt, ob sie die Waffen gesehen habe. Sch.: „Komplett nicht.“ Götzl fragt nach sprachlichen Besonderheiten, einem Dialekt. Da sei ihr nichts aufgefallen, so Sch. Götzl fragt nach Beobachtungen auf dem Boden. Zeugin: „Nur dass einer der Täter mit einer Angestellten nach hinten gegangen ist und wieder nach vorne kam.“

Götzl fragt nach Äußerungen. Sie habe nur eine in Erinnerung, so Sch., dass, wenn es nicht schnell genug gehe, sie dann erschossen würden. Sie könne das keinem der Täter zuordnen. Götzl fragt nach der Anzahl der Personen, die zugegen waren. Drei Angestellte, so die Zeugin. Befragt nach ihrer Verfassung während des Überfalls sagt die Zeugin, sie habe nur gedacht, „wenn’s bloß vorbei ist“. Sie sei in der Folge nie wieder in einer Sparkassenfiliale gewesen, mache alles online. Sch.: „Weil einfach noch das Gefühl irgendwo im Nacken hängt.“ Sie habe sich nicht in Behandlung begeben, so Sch. auf Nachfrage. In den ersten Wochen nach dem Überfall sei sie nicht mehr an der Sparkasse vorbeigegangen, habe Umwege gemacht – wobei sie direkt gegenüber gewohnt habe damals.

Sch. bejaht, von der Polizei vernommen worden zu sein. Vorhalt aus der Vernehmung vom 17.05.2004: Ich zahlte 400 Euro ein. Die Angestellte hatte das Geld gerade in die Hand genommen, als ich hinter mir eine Stimme hörte: ‚Auf den Boden legen‘. Dabei legte mir jemand die Hand auf die Schulter. Zeugin: „Ja.“ Vorhalt: Ich erblickte kurz zwei männliche Personen. Vorhalt: Ich sah dann, dass es zwei Personen waren. Zeugin: „Ja ich konnte leicht den Kopf heben und gucken. Der Zweite ist mit der Angestellten nach hinten in den Tresorraum gegangen.“ Vorhalt: Der eine der beiden hatte ein kurzes Gewehr, 40-50 cm lang mit braunen Streifen an der Seite. Die Zeugin sagt, sie habe keine Erinnerung an den braunen Streifen. Götzl: „Diese Beschreibung ‚Kurzes Gewehr, 40-50 cm lang’, ist da eine Erinnerung? Die Zeugin verneint. Vorhalt: Der andere blieb mir gegenüber stehen. Sch.: „Eigentlich nicht, die sind beide hinten rein, ich lag vorne als einzige.“ Vorhalt: Ob dieser auch eine Waffe hatte, habe ich nicht gesehen, da ich mich nicht traute aufzuschauen. Sch. bejaht dies. Vorhalt: Einer der Angestellten sagte noch zu einem Täter, dass das Geld zeitschlossgesichert ist und nicht so schnell aufgeht. Vorhalt: Die Täter verhielten sich nun sehr nervös und einer der beiden rief dann: ‚Wenn es nicht schneller geht, schießen wir einen tot‘ oder so ähnlich. Der eine Angestellte sagte dann, dass sie das nicht machen sollen, sie hätten beide Kinder (…) die Außentür ging nicht auf weil unten der Türstopper war. Die Zeugin bestätigt die Vorhalte, der Täter habe es dann noch gemerkt und sie selber aufgemacht. Vorhalt: Schließlich konnten die Täter die Tür selbst öffnen und flüchteten nach links. Zeugin: „Ja.“

Der Zeugin wird vorgehalten, sie habe einen sächsischen Akzent beschrieben. Sch. verneint das, sie würde das nicht mehr als deutlich sächsisch auslegen. Auf Nachfrage sagt Sch., eine Erinnerung an Behältnisse, Taschen, habe sie nicht. Vorhalt: Erste Person: gelbe Plastikbeutel neben sich abgestellt mit grauem Aufdruck. Vorhalt zur zweiten Person: Kaum wahrgenommen, beim Gehen sah ich, dass sie einen grauen Rucksack mitführte. Sch.: „Ja, den hatte er dann abgesetzt in der Sparkasse. So abgesetzt, dass ich das im Sichtfeld sehen konnte, wie ich unten lag.“ Götzl fragt, was mit dem von ihr eingezahlten Geld geschehen sei? Das sei auf dem Konto verbucht, so Sch. Vorhalt: Dieses Geld ist jetzt auch mit weg. Es sei aber auf dem Konto verbucht worden, so Sch. Die Zeugin wird um 10:49 Uhr entlassen, es folgt eine Pause.

Um 11:15 geht es weiter mit Ulrike G., Angestellte der Sparkasse Chemnitz zum Zeitpunkt des Überfalls am 18.05.2004. Sie berichtet zunächst von einem Dienstag Vormittag, an dem zwei bewaffnete Männer in die Filiale gestürmt kamen, einer nach rechts hinten in die Geschäftsstelle sei und dort ‚Überfall’ gebrüllt habe, der andere sie und andere am Tresen bedroht habe. Am Tresen seien sie und ihr Chef gerade dabei gewesen, einen Schülerpraktikanten einzuweisen. Der Praktikant und ihr Chef hatten sich hinzulegen, sie wurde unter vorgehaltener Waffe bedroht, die Geldbestände rauszugeben. Sie sei dann mit nach hinten und habe den Tresor geöffnet. Da sei die Rückseite des Geldautomaten zu sehen gewesen und sie habe mit den Tätern diskutiert, dass sie die nicht öffnen könne. Dann seien sie wieder weg. Götzl fragt, ob sie den Tresor geöffnet habe, was die Zeugin bejaht. Auf weitere Nachfrage erklärt sie, der Tresor sei zu dem Zeitpunkt mit Schlüssel und Kombination gesichert gewesen, sie habe den Schlüssel an der Person gehabt. Götzl fragt, ob sie den Tätern das Geld ausgehändigt habe oder diese es sich genommen hätten. G. antwortet, das könne sie nicht mehr sagen, erinnere sich aber daran, dass die Täter nur die Scheine mitgenommen hätten, das Hartgeld habe sie nicht interessiert. Insgesamt habe es sich um mindestens 70.000€ gehandelt.

Götzl fragt nach der Situation vorne, ob da Geld erbeutet worden sei. Die Zeugin verneint das, das sei alles gesichert, nur ein Mindestbestand in der Handkasse. Göltz fragt, ob sie mitbekommen habe, was sich in den Beratungszimmern abgespielt habe. Zeugin: „Nein.“ Götzl fragt, wer sich da noch aufgehalten habe. Die Zeugin berichtet von einer Kollegin, die ihres Erachtens in einer Kundenberatung gewesen sei. Götzl fragt nach einer Beschreibung der beiden Männer. G.: „Maskiert, dunkel, mit Mundschutz bzw. Basecap. Und einer hatte noch was an den Turnschuhen, ich weiß nicht mehr was das war, irgendwas markantes. Wobei ich bloß zu dem einen was sagen kann, der die Waffe hatte, von dem, der hinter ist, hab ich nicht so das mitbekommen.“ Götzl fragt, wer von beiden etwas markantes an den Schuhen gehabt habe. Die Zeugin sagt, derjenige, der bei ihr war, dem sie den Tresor geöffnet habe. Fragen zur Bewaffnung könne sie nicht beantworten, damit kenne sie sich nicht aus. G.: „Groß, kleiner, schwarz waren sie, dunkel.“ G. sagt auf Nachfrage, auch zur Größe könne sie nichts sagen.

Wie die Bedrohung mit der Waffe aussah, fragt Götzl. Sie habe sie unmittelbar vor dem Gesicht bzw. an der Seite gehabt, so G. Götzl fragt, ob sich die Bedrohungssituation geändert habe, als sie nach hinten ging. Der Täter sei mitgegangen, und sie habe nur reagiert, nicht nachgedacht, so die Zeugin. Götzl fragt weiter, ob sie die ganze Zeit bedroht worden sei. G. bejaht das, er sei immer bei ihr gestanden. Götzl fragt, wie der Täter in der Zeit die Waffe gehalten habe. G. sagt, er habe nur gebrüllt, war sehr laut. ‚Geld raus‘ habe es immer geheißen. Sie erinnere sich, dass die Diskussion über den Geldautomat gefühlt eine Ewigkeit ging. Götzl fragt nach Folgen des Überfalls für die Zeugin, unmittelbar, in der Folgezeit und heute. G. antwortet, mit der Vorladung sei vieles wieder hochgekommen. Sie habe damals kurzfristig psychologische Betreuung und zudem das Glück gehabt, die Geschäftsstelle sowieso schon gewechselt zu haben und ihre Arbeit nicht mehr in den Räumen tun zu müssen. Sie sei zwei Wochen in psychologischer Betreuung gewesen, habe nicht sofort weitergearbeitet, sondern noch Urlaub gehabt, so die Zeugin auf Nachfrage. An der alten Stelle habe sie nur noch drei Tage „durchgezogen“, dann sei sie dort nicht mehr gewesen.

Götzl fragt, ob sie von der Polizei vernommen worden sei. Die Zeugin bestätigt das, direkt am Tag selbst seien sie vernommen worden. Vorhalt: Plötzlich war eine Person mit Waffe bei mir, eine zweite Person rannte nach hinten zu den anderen Räumen (…) ‚Geld raus, keine Farbbomben unterjubeln sonst knallt es‘. Was ihr Chef gemacht habe, fragt Götzl. Die Zeugin sagt, ihres Erachtens nach lagen die alle auf dem Boden. Sie habe nur auf die Person reagiert und das andere ausgeblendet. Vorhalt: Herr I. stand mit erhobenen Händen am Schalter (…) die Person stand fast hinter dem Schalter. Die Zeugin sagt, wenn sie das damals so ausgesagt habe, dann war das auch so. Vorhalt: Da ich mich mit der Technik auskenne, hab ich das obere Fach am Schalter geöffnet. G.: „Da ist das Münzgeld drin.“ Vorhalt: Die Person mit der Waffe holte aus der Jackentasche eine Plastetüte. Götzl fragt nach Erinnerungen an die Tüte. G.:„Eine Plastetüte auf alle Fälle“. Vorhalt: Rotes Logo oder Muster. Vorhalt: Der Täter mit der Waffe nahm selbst die Euroscheine aus dem oberen Fach, ich hatte lediglich das Fach geöffnet. Vorhalt: Ich kann nicht sagen, wohin der Täter das Geld verstaut hat (…) ca. 500 Euro in Scheinen und Münzgeld. Die Zeugin bejaht alle Vorhalte, da sei ein Reservebestand.

Vorhalt: Das Münzgeld wurde nicht mitgenommen und verblieb im Fach. Vorhalt: Der Täter hatte eine raue Stimme, er sagte sinngemäß ‚Ihr habt doch noch mehr Geld da‘. G.: „Es war keinerlei Dialekt da, sehr laut. Und man hatte das Gefühl, die haben sich ausgekannt.“ Götzl fragt, woran sie das festmache? G.: „Mit dem Geld vorne, da war der Geldtransport gerade erst weg, als ob uns jemand beobachtet hätte.“ Vorhalt: Ich hatte die Tresorschlüssel in meiner rechten Jackentasche. Vorhalt: Ich hatte furchtbare Angst. Vorhalt: Wurde ständig mit der Waffe bedroht. Vorhalt: Diese hielt er die ganze Zeit unmittelbar auf meine Person. Vorhalt: ‚Keine Farbbomben, keine Auslösung des Alarmes‘. Die Zeugin bejaht alle Vorhalte und fügt hinzu, der Täter habe geschrien, sie habe nur deshalb die Tresortür aufgemacht. Vorhalt: Im Tresor habe ich das separate Fach für das Geld geöffnet, auch unter vorgehaltener Waffe. G.: „Stimmt.“ Vorhalt: Der Täter mit der Waffe entnahm selbst das Geld. Die Zeugin sagt, sie wisse nur noch, dass sie gefragt worden sei, ob er die Münzen auch angefasst habe und da sei sie sich nicht sicher gewesen.

Vorhalt: Das Geld verstaute er in der mitgebrachten Plastetasche. Vorhalt: Nach meiner Einschätzung 70 000 Euro. Der Täter schrie mehrmals: ‚Das kann doch nicht alles sein‘. Die Zeugin erläutert, das sei dann die Situation am Geldautomaten gewesen. Vorhalt: Ich sagte dem Täter, dass der Servicedienst erst da war und das Geld mitgenommen hat (…) der Täter hielt mir die Waffe unmittelbar vor das Gesicht (…) ‚das kann doch nicht alles sein‘. Vorhalt: Der zweite Täter im Raum, hielt eine Pumpgun in den Händen (…) und zeigte mit der Pumpgun auf den Geldautomaten. Die Zeugin sagt, wenn sie es damals so ausgesagt habe, dann sei es auch so gewesen. Vorhalt: Ich versuchte ihm klar zu machen, dass es sich um einen Geldautomaten handelt und ich keinen Schlüssel dazu habe. Vorhalt: Der Täter mit der Waffe hat nochmal gefragt und ich habe es wiederholt. Sie haben sich gegenseitig angeschaut und dann die Sparkasse verlassen. Alarm sei von ihr ausgelöst worden, jedoch erst nachdem die Täter die Filiale verlassen hätten, so die Zeugin auf Nachfrage Götzls.

Vorhalt: 1. Täter 20-25, ca 185cm groß, sächsischer Dialekt, kein Leipziger oder Dresdner Dialekt. Vorhalt: Schlanke Gestalt. Vorhalt: Dunkle kurze Haare, Sonnenbrille, Tuch wurde unterhalb der Nase getragen. Vorhalt: Dunkle Augenbrauen. Vorhalt: Tuch dunkelgrau mit Muster. Vorhalt: Hellbeiges Basecap. Vorhalt: Trug eine dunkle Jacke und Hose. Vorhalt: Möglich, dass die Zunge der Schuhe orangefarben war. Die Zeugin bestätigt die Vorhalte sowie ihre vorherige Erinnerung an „irgendwas an den Turnschuhen“. Götzl fragt nach Erinnerungen an die Waffe des zweiten Täters. Sie seien beide bewaffnet gewesen, so G. zum Typ könne sie nichts sagen. Vorhalt: Hatte schwarzfarbene Pumpgun in den Händen, trug eine Sonnenbrille. G.: „Wie gesagt, aber man versucht vieles zu verdrängen“. Götzl fragt, ob G. Fotos eines anderen Überfalls vorgelegt wurden. G. sagt, daran könne sie sich nicht erinnern. Vorhalt: Mir wurden heute mehrere Fotos vom Überfall Albert-Schweitzer-Straße am 14.05.2004 vorgelegt. Die Zeugin sagt, dass sei der Freitag vorneweg gewesen, erinnern könne sie sich jetzt nicht mehr. Vorhalt: Sind definitiv die gleichen Täter. G.: „Wenn ich das damals so ausgesagt hab, dann war das auch so.“ Götzl fragt nach den Folgen des Überfalls für Ihre Kollegen. Das Psychische spiele immer eine Rolle, so die Zeugin, der eine stecke es besser weg wie der andere. Die Zeugin wird um 11:39 Uhr entlassen.

In der folgenden Befragung von Philipp Z. geht es weiterhin um den Überfall in der Chemnitzer Sparkassenfiliale vom 18.05.2004. Er sagt, sehr gute Erinnerungen habe er nicht mehr an den Tag, er sei damals im Schülerpraktikum in der Filiale gewesen und am Tag des Überfalls am Bedientresen. Es hätten sich auch noch Kunden im Warteraum befunden, zumindest ein Mann. Und irgendwann seien die Männer in die Filiale reingerannt, hätten rumgeschrien. Was genau, wisse er nicht mehr, aber sie hätten gewollt, dass sich die Kunden auf den Boden legen. Ein Mann habe ungehalten reagiert und gesagt, sie sollten verschwinden. Ein Mann habe eine Faustfeuerwaffe in der Hand gehabt, der zweite eine Langwaffe, Schrotflinte oder dergleichen. Die Leute seien auf sie zugekommen, hinter den Tresen. Er habe versucht, sich auf den Stuhl zu setzen. Er habe die Leute angesprochen und gefragt, ob er sich auch hinlegen solle. Die hätten verblüfft reagiert. Er habe dann nicht mehr viel gesehen, weil er dem Gesicht zum Boden lag, und Angst gehabt habe. Als nächstes seien die Räuber mit den Leuten aus der Filiale in den Tresorraum gegangen, er habe nur Stimmen gehört, dass alles schneller gehen und alles aufgemacht werden solle.

Der Filialleiter sei links neben ihm gewesen und habe versucht mit dem Finger einen Alarmknopf zu drücken. In dem Moment sei einer der Täter zurückgekommen, es habe ein großes Geschrei gegeben, dass er es lassen soll. Dann erinnert sich der Zeuge nur noch, dass sie rausgerannt seien. Der eine Mann, der so ungehalten reagiert habe, sei hinterher gegangen. Dann sei die Polizei dagewesen und er habe seine Aussage machen müssen. Götzl fragt, ob er sich im Bereich des Tresens hingelegt habe und ob dort Geld ausgehändigt worden sei. Ja, er habe dort gelegen, glaube jedoch nicht, dass dort Geld rausgenommen wurde. Götzl fragt nach Details zu den Waffen. Der Zeuge hat keine Erinnerung, auch nicht zur Höhe der Beute. Götzl fragt weiter nach den Folgen des Überfalls für den Zeugen. An dem Tag sei er natürlich ein bisschen unter Schock gewesen, so Z., er habe sich noch länger dran erinnert, aber es sei nicht lange gegenwärtig gewesen. Götzl fragt nach der Verfassung der Angestellten der Filiale. Eine Frau sei relativ aufgelöst gewesen, so Z., was mit Filialleiter und der anderen Frau war, erinnere er nicht mehr. Götzl: „Welche Frau war so aufgelöst?“ Der Zeuge erinnert ihren Namen nicht mehr, es sei die Frau gewesen, die eben vor ihm im Gerichtssaal war. Götzl fragt nach Befragungen durch die Polizei. Direkt danach, so der Zeuge, im Büro des Filialleiters. Die Täter beschreiben könne er nicht mehr, so Z.

Vorhalt: Frau Grunert erklärte mir einige Dinge am Computer (…) der Angestellte Herr I. befand sich am rechten Schalter. Z.: „Das wird der Filialleiter gewesen sein, wo genau der stand, weiß ich nicht mehr.“ Vorhalt: Der erste Täter trug als Waffe ein Gewehr, ca. 80 cm groß, Farbe schwarz. Wenn er das damals so gesagt habe, so der Zeuge, heute könne er sich nicht mehr erinnern. Vorhalt: Schlank, 175-180.. Vorhalt: Sonnenbrille und Gesicht durch ein Tuch verhüllt. Vorhalt: Alter 20-25 Jahre. Der Zeuge hat an keinen der Vorhalte noch Erinnerungen. Vorhalt: Der zweite Täter trug Pistole, schwarz, schlank, 175-180m groß. Er könne sich nur noch an zwei Männer erinnern, mehr wisse er nicht mehr, so Z. Vorhalt: Sonnenbrille und Tuch, 20-25 Jahre (…) einheimischer Dialekt. Vorhalt: Der zweite Täter zwang den männlichen Kunden am Geldautomaten, sich auf den Boden zu legen, dies tat er mit der Pistole. Der Zeuge bestätigt dies, der Mann habe sehr aufbrausend reagiert und musste gezwungen werden, sich hinzulegen. Vorhalt: Der erste Täter ging zum Kundenberatungsraum und traf auf Frau A. und einen Kunden (…) nachdem kein Geld zu holen war zwang der erste Täter Frau A. und den Kunden mit der Waffe, im hinteren Kundenberatungsraum zu bleiben (…). Der zweite Täter hatte sich vorher aus der Kasse die Banknoten von Frau G. geben lassen. Vorhalt: Der zweite Täte zwang dann mit seiner Pistole Frau G. in der Tresorraum zu gehen und den Tresor zu öffnen. Vorhalt: Ich hörte nur wie Frau G. laufend vom zweiten Täter bedroht wurde damit diese Geld rausrückt. Der Zeuge hat keine Erinnerung mehr an die Vorhalte.

Götzl fragt, ob ihm bei der Polizei Aufnahmen eines anderen Überfalls gezeigt worden seien. Der Zeuge bestätigt dies, ihm seien Aufnahmen u.a. eines Täters mit Dreieckstuch vor dem Gesicht gezeigt worden, er wisse jedoch nicht mehr, was er dazu gesagt habe. Vorhalt: Ich erkenne auf den Fotos die beiden Täter wieder, die am heutigen Tag die Sparkassenfiliale in Chemnitz überfallen haben. Wenn er das damals so gesagt habe, so der Zeuge. Götzl fragt, woran er das damals festgemacht habe. Der Zeuge sagt, er könne sich vorstellen, an diesem Halstuch, dieses Dreieckstuch. Weil ihm das von der Polizei her in Erinnerung geblieben sei. Vorhalt: Erkenne ich an Waffen, Mützen, Sonnenbrillen, die diese Täter trugen. Keine Erinnerung des Zeugen, er wird um 11:54 Uhr entlassen und es folgt eine Mittagspause bis 13:00 Uhr.

Der nächste Zeuge Ben I. war bei dem Überfall auf die Chemnitzer Sparkassenfiliale am 18.05.2004 sowie bei einem weiteren Überfall am 22.11.2005 dortiger Filialleiter. Es geht zunächst um den ersten Überfall. Es sei schon zwölf Jahre her, so I., und einiges schon verblasst. Er habe mit seiner Kollegin am Schalter gestanden, zwei junge Männer seien reingekommen – man habe das schon von außen gesehen, dass da zwei junge Männer mit Basecap in die Filiale wollten. Er habe sich nichts weiter dabei gedacht, da hätten sie auch schon in der Filiale gestanden und Geld gefordert. Einer habe Geld gefordert und dass sie den Tresor zu öffnen haben. Das sei dann auch geschehen und er habe das Geld im Tresor in Bündeln raus- und mitgenommen. Die beiden seien dann sehr schnell wieder aus der Filiale raus verschwunden. Götzl fragt nach der Kollegin am Schalter vorne. Das sei Frau G. gewesen, so I. Zwischen den beiden Männern unterscheiden könne er nicht, so I. auf Nachfrage. I.: „Die waren relativ ähnlich gekleidet, Basecaps, beide mit Halstüchern vors Gesicht, Sonnenbrille. Einer war vorne, einer war im hinteren Bereich.“ Götzl fragt nach der Bewaffnung. Der vordere habe eine Pumpgun als Waffe gehabt, zum zweiten könne er nichts sagen, der habe den hinteren Bereich der Filiale gesichert. Er sei kein Waffenexperte. I.: „Wie man das in Filmen sieht, die man halt so durchladen kann. 70, 80 cm“, so I. Es sei alles sehr schnell gegangen, er erinnere keine weiteren Details. Es seien um die 70.000€ erbeutet worden, so I. auf Nachfrage.

Ob er auch im Tresorbereich gewesen sei, fragt Götzl. I.: „In meiner Erinnerung hat der im vorderen Bereich aufgefordert, den Tresor zu öffnen. Meine Kollegin ist mit ihm hinter. Und wo das offen war hat er das Geld genommen, ich bin da mit hinter um das zu unterstützen und das Bild hab ich noch vor Augen.“ Ob im Bereich Schalter auch Geld mitgenommen wurde könne er nicht mehr sagen, sagt I. auf Nachfrage. Der Zeuge bestätigt von der Polizei vernommen worden zu sein. Vorhalt: Eine der beiden Personen blieb im Eingangsbereich, hatte Pumpgun in der Hand. (…) Die zweite Person hatte Pistole in der Hand und forderte die Geldherausgabe. Der Zeuge sagt, es könne sein, dass er das verwechselt habe. Vorhalt: Eine Pistole in der Hand. Der Zeuge kann sich nicht erinnern. Vorhalt: Frau G. öffnete am linken Tagestresor das obere Schubfach (…) dort nahm er selbst die wenigen Geldscheine raus. I.: „Dann muss er anscheinend auch im vorderen Bereich, da hab ich auch keine Erinnerung mehr.“ Götzl fragt nach weiterem Personal. Ein Praktikant mit im vorderen Servicebereich, so der Zeuge, und im hinteren Bereich Frau A. Die danach noch als Zeugin komme.

Ob Kunden anwesend gewesen seien, kann I. auf Nachfrage nicht mehr sagen. Vorhalt: Am Auszugsdrucker stand noch ein Kunde, einer der beiden Personen blieb im Eingangsbereich stehen, hatte kurzes Gewehr in der Hand. Zu dem Kunden habe er keine Erinnerung, so I. Vorhalt: Während dieser Zeit hörte ich, wie der zweite Täter ein Streitgespräch mit Frau A. im hinteren Beratungszimmer führte. Ich hörte wiederholt die Worte ‚Geld her‘. I. sagt, daran habe er keine Erinnerung. Vorhalt zu dem Kunden: Ließ der Täter auf den Fußboden legen. Keine Erinnerung des Zeugen. Götzl fragt, ob er versucht habe, den Alarmknopf zu drücken. I. verneint, das sei ihm nicht möglich gewesen, die Knöpfe seien zu weit weg gewesen und eine Bewegung hätte zu einer Gefährdung von Personen geführt. Vorhalt: Als der Täter mit Frau G. den Schalterraum verlassen hatte, überlegte ich den Alarmknopf zu drücken (…) der Täter kam zurückgesprungen und forderte mich auf, den Alarmknopf nicht zu drücken. Der Zeuge erinnert sich nicht. Vorhalte: Der zweite Täter hat Frau A. in den Schalterraum geholt. Vorhalt: Was im Tresorraum abgelaufen ist, konnte ich nicht sehen und der zweite Täter hielt die Personen in Schach vor mir. Der Zeuge sagt, das seien keine großen Entfernungen, von der Person wo er gestanden habe bis zu dem Tresorraum, den man einsehen könne, seien es vielleicht drei Meter. Und so sei es in seiner Erinnerung geblieben.

Götzl fragt, ob der Geldautomat eine Rolle gespielt habe. Zeuge: „Ich hatte mir im Vorfeld vor dem Gerichtsprozess die Akten von unserem Institut angeschaut und da war eine Diskussion über den Geldautomat. Aber das war mir entfallen. Ich nehme an, darauf zielen sie ab, weil ich in der Vernehmung gesagt habe, dass wir den Geldautomat öffnen sollten, was aber nicht möglich war.“ Vorhalt: Ich hörte, wie er immer wieder von Frau G. verlangte, den Tresor zu öffnen, womit er den Geldautomat meinte. Der Zeuge antwortet, er habe das gelesen, das sei ihm jedoch im Vorfeld entfallen. Vorhalt: Ich sagte dann zu ihm, dass der Geldautomat nicht zu öffnen geht und ging ein paar Meter Richtung Tresorraum. Der Zeuge kann sich an keine weiteren Details erinnern.

Dann geht es weiter mit dem zweiten Überfall, am 22.11.2005. I. sagt, leider habe er wieder am Schalter gestanden, diesmal mit der Frau A. I.: Die Täter kamen wieder rein und forderten wieder Geld. Es waren wieder zwei Täter, einer im vorderen Bereich, einer hinter. Der im vorderen Bereich forderte die Geldherausgabe. Ich sagte, dass der Schlüssel unter Zeitverzug ist und wir den schalten müssen. Ich habe gesagt, ich muss den Tresor eindrehen. Ich ging hinter mit einem der Täter und drehte die Kombinationszahlen ein und wurde dabei vom Täter mit der Waffe bedroht. Ich sagte, das ist jetzt noch unter Zeitverschluss, das dauert noch. Der Täter ist vorgerannt und in dem Moment hab ich den Alarmknopf eingedrückt. Durch unerklärliche Dinge ist der Alarm laut ausgelöst worden, war hörbar allerdings für mich nicht in der Stresssituation. Der Täter forderte mehr Geld, mit einer oder zwei Handgranaten. Wir haben immer wiederholt, dass das nicht möglich ist. Dann sagte ein Täter: ‚Da ist doch Alarm.‘ Für mich war es wie gesagt nicht hörbar in der Stresssituation. Und da sind dann beide Täter geflohen.“ Götzl fragt, was die Täter jeweils gemacht hätten. I.: „Mit dem einen Täter bin ich im Tresorraum gewesen, bis er mich allein gelassen hat. Der zweite Täter hatte noch eine andere Kollegin zusammen mit einem Kunden im hinteren Bereich gesichert sozusagen, also in Beobachtung.“ Götzl fragt nach der jeweiligen Bewaffnung der Täter. I.: „Kann ich leider nicht sagen. Der Täter im vorderen Bereich hatte ein oder zwei Handgranaten.“

I. bestätigt von der Polizei befragt worden zu sein. Vorhalt aus der Vernehmung: Ich habe Probleme, die Täter auseinander zu halten. 1.Täter der mich bedroht hat, 185-190. 20-25 Jahre nach der Stimme geschätzt und der spärlichen Bartbehaarung. I. sagt, daran habe er keine Erinnerung. Götzl fragt nach Besonderheiten bei der Sprache. I.: „Mir sind keinen Besonderheiten aufgefallen, sonst hätte ichs sicherlich dort gesagt.“ Vorhalt: Deutsch mit hiesigem Akzent. Vorhalt: Kapuzenshirt oder Anorak mit hochgezogener Kapuze. Vorhalt: Schwarze Waffe, 20-25cm, kann mich nicht festlegen ob Pistole oder Revolver. I.: Konnte mich schon damals nicht festlegen, das wird nicht besser. Götzl: „Handgranate oder Granaten?“ I: „Etwas grünlich, wie eine Art Weintrauben, das Bild hab ich noch vor Augen. So hellgrün. So ist bei mir die Erinnerung.“ Vorhalt: 2. Täter, welcher im Eingangsbereich stand, Größe kleiner wie erster, Alter ca. 20-25 Jahre nach Stimme geschätzt, dunkle Bekleidung mit Kapuze über den Kopf, Sonnenbrille. I. sagt, daran habe er keine Erinnerung.

Vorhalt: Stürmten zwei Männer in die Filiale, die erste Person in Richtung Frau A., kurze Waffe, gelber Plastikbeutel in der Hand. I. gibt an, auch daran keine Erinnerung mehr zu haben. Vorhalt: Zweite Person begab sich in das geöffnete Zimmer von Frau K. und forderte die beiden auf, sich hinzulegen. Waffe mit Lauf, silber. Vorhalt: Ich ging wieder in den Kundenraum. Ich sah, dass der Täter einen Stapel Papiere zu Boden geworfen hat. I. sagt, er könne sich gar nicht mehr erinnern. Vorhalt: Der Täter wollte nicht glauben, dass die Geldbestände zeitgeschlossen sind und drohte, eine Handgranate zu entzünden. Götzl fragt, ob ein Betrag erbeutet worden sei. I.: „Nein, gar nichts.“ Götzl: „Wie waren die Folgen dieser Überfälle für Sie gewesen? I.: „Meinen Sie persönlich? Gut, es ist eine Situation, die keiner gerne haben möchte, die ich auch nicht wiederholt haben möchte. Nichtsdestrotrotz bin ich in meiner Arbeit ganz normal weitergegangen. Bin immer noch im selben Unternehmen (…) man hatte ein paar Auswirkungen die Tage danach, habe dann aber versucht, einfach mein Leben zu leben. Die Aussagen sind, wie Sie sehen, dann auch verblasst, das hat Vor- aber auch Nachteile.“

NKRA Elberling: „Waren das Ihrer Wahrnehmung nach beides mal dieselben Täter? I: „Diese Frage hat mich sehr beschäftigt. Meine erste Reaktion spontan war, dass es nicht die selben Täter waren. Der leitende Kriminalist der Kripo Chemnitz hat Vermessungen bei uns in der Filiale vorgenommen, weil beim zweiten mal durch die Alarmauslösung ja Bilder hergestellt wurden und hat gesagt, dass es die selben Täter waren. Von meiner Wahrnehmung her muss ich sagen: Es gab schon Unterschiede. Der erste Überfall war sehr sehr professionell durchgeführt. Ich hab mir zusammengereimt, dass sie ja Übung hatten, sehr viele Überfälle beim selben Institut. Und der zweite lief ja nicht so ab. Ich konnte mich schon damals nicht festlegen ob das die selben Täter waren oder nicht.“ Um 13:30 Uhr wird der Zeuge entlassen.

Es folgt die Vernehmung der Ute A. Es geht wieder um zwei Überfälle auf die Sparkassen-Filiale Sandstraße Chemnitz am 18.05.2004 und am 22. November 2005. Zunächst geht es um den 18.05.2004. A.: „Ich war mit Kunden im Beratungsgespräch. Unsere Sparkasse war da in drei Containern. Da wurde die Tür aufgerissen, ein maskierter Täter stand in der Türe, die Aufforderung war Geld rauszugeben. Ich wurde aus dem Zimmer rausgeordert. Nebenan ist das Chefzimmer gewesen da musste ich rein und wurde gefragt, wo das Geld ist. Ich sagte, dass das das Chefzimmer ist und keine Geldbestände dort sind. Er hat die Schränke aufgerissen und kurze Sichtkontrolle gemacht. Er hat mir gesagt, ich soll sitzenbleiben, dann würde mir nichts passieren, dann hat sich der Täter entfernt. Ich habe versucht, Alarm auszulösen, aber dort war kein Alarmknopf. Mir gings erst mal um meinen Kunden. Ich hab seit 1991 sechs Überfälle, das war Überfall Nummer 5. Für mich war das Ungewisse: Bleibt mein Kunde sitzen, was machst Du, wenn dem Kunde was passiert. Ich wusste, im nächsten Beratungszimmer ist ein Alarmknopf, das hat aber ein großes Fenster zum Kassenraum. Und ich wusste ja nicht, wieviel sich vorne befinden. Ich hatte keinen Einblick und wusste, in jedem Moment können die Täter zurückkommen. Ein kurzes Poltern und ich bewegte mich vom Türrahmen wieder rein.“

Götzl fragt, ob A. Die Person näher beschreiben könne. A.: „Nein, das ist fast 12 Jahre her. Normale Gestalt, 170-180, aber das ist jetzt wirklich irgendwo hergeholt.“ Götzl fragt, ob sie zur Waffe was sagen könne. A.: „Zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr.“ Götzl: „Haben Sie außer dieser Person einen weiteren Täter gesehen? A. verneint. A. bestätigt, dass sie von der Polizei vernommen wurde. Vorhalt: Wurde auf einmal unsere Tür geöffnet und eine männliche Person schaute rein, 20-25, 175-180, Basecap beigefarben, einen Art Nickituch vor dem Mund. A.: „Da ich die vier Überfälle davor schon hatte, war immer wieder Kontakt zur Kripo, und von da weg her hab ich mit diesem Tuch und dieser Statur das Bauchgefühl her, es könnte die selbe Person gewesen sein. Vorhalt: Silberfarbene, meiner Meinung nach abgesägte, Waffe in der rechten Hand. A.: „Dann wird’s so gewesen sein.“ Vorhalt: Erst auf mich, dann auf den Kunden gerichtet.

Nun geht es um den zweiten Überfall am 22.11.2005. A.: „Da war ich vorne direkt im Kassen-Servicebereich. Da ist mir der Täter noch im Begriff, der vorne dazu aufgefordert hat, Geld hinten freizuschließen. Das ist bei uns alles mit Zeitschalter abgesichert. Ich hab den Zeitschalter bestätigt, in dem Zeitpunkt ist er schon hinter mit dem Chef. Vorne hatte ich diesen Moment: drückste Alarmknopf, drückste keinen Alarmknopf. Dann ging der laute Alarm los. Denn mein Chef hat sich mit dem Körper gegen die Alarmanlage geschmissen. Und da draufhin hat der Täter fluchtartig das Gebäude verlassen.“ Götzl: „Wurde eine Beute erzielt, wurde etwas mitgenommen?“ A.: „Nee, eigentlich unverrichteter Dinge.“ A. bestätigt, dass sie auch zu diesem Überfall von der Polizei vernommen wurde. Götzl: „Können Sie denn zur Bewaffnung noch was sagen?“ A.: „Die letzten Überfällen sind bei mir eigentlich komplett abgelegt. Weil wir hatten nicht Tätergegenüberstellung oder so, was sich bei den Überfällen im Vorfeld immer zeitlich gezogen hat.“ Götzl: „Wieviele Personen haben damals die Filiale betreten?“ A.: „Beim ersten Fall hab ich nur den einen wahrgenommen. Und beim zweiten optisch hauptsächlich den bei uns im Kassenbereich. Der andere muss im Beratungszimmer gewesen sein“ Götzl fragt nach dem Aussehen des zweiten Täters. A.: „Keine Ahnung.“ Götzl fragt zur Bewaffnung. A.: „Die vorhergehenden Ereignisse waren da heftiger für mich.“

Vorhalt: Gegen 17:20 bemerkte ich, wie Personen den Vorraum betraten, wieviele hab ich nicht wahrgenommen. Auf einmal kam eine männliche Person auf mich zugerannt. Die Person brüllte sofort ‚Überfall‘. A.: „Wenn ich das damals so zu Protokoll gegeben hab, wird’s so gewesen sein.“ Vorhalt: Schrie er mehrmals ‚Geld raus‘ oder ‚Geld her‘. Ich sah, dass er in der rechten Hand einen kleinen schwarzen pistolenähnlichen Gegenstand hielt, welchen er auf mich und Herrn I. abwechselnd richtete (…) und in der linken Hand einen Gegenstand, welcher einer Granate ähnlich war. A.: „Wenn ich das damals so zu Protokoll gegeben hab, werden die Ereignisse so gewesen sein.“ Vorhalt: Die Hand nach unten gerichtet, aber deutlich sichtbar. Vorhalt: Ich sagte, dass das Objekt zeitgesichert ist und es sich um den fünften Überfall handelt. A.: „Ohne kommt man an kein Geld ran.“ Vorhalt: Er sagte zu uns, das er abdrückt. A.: „Wir sind dann auch in psychologische Betreuung gegangen, zumindest zu so einem Gespräch. Götzl: „Zu der Situation Tresor und Schalterraum: wo haben Sie sich aufgehalten?“ A.: „Ich war vorne im Kassenbereich. Ich konnte mich dort nicht von der Stelle rühren. Es war eine Überlegung: hab ich eine Chance den Alarmknopf am Schalter zu drücken oder nicht? Aus welchem Grund der laute Alarm losging, das habe wir erst nachher im Gespräch klären können.“

Vorhalt: Die Person ging hinter Herr I. her, hielt die Pistole auf ihn gerichtet. Vorhalt: Löste ich den Alarm aus. A.: „Ich bin gar nicht dazu gekommen, weil hinten, eh du dazu kommst, der laute Alarm los.“ Vorhalt: Die Person war wütend, weil er kein Geld bekommen hat. A.: „Wir hatten hinten einen Geldautomat stehen, aber da kommt man ja gar nicht ran.“ Vorhalt: Er warf auf unserem Schreibtisch die Plasteschalen an. Er rief immer wieder ‚Geld raus oder ich zünde die Granate‘. A.: „Das wird so gewesen sein. Aufgrund der Vielzahl der Überfälle hab ich die letzten zwei einfach verdrängt.“ A. wird nach dann zu den anderen Überfällen befragt und schildert diese. Götzl: „Haben sie nach 2004 und 2005 weitergearbeitet?“ A.: Ja, das war damals so, man hat seinen Dienstbetrieb angetreten, das war oberstes Gebot, der Geschäftsbetrieb muss laufen. Das würde sich heute niemand mehr antun. Nächster Tag war ganz normaler Geschäftsbetrieb. Dass man noch ein psychologisches Gespräch in Anspruch nehmen konnte, das war Monate danach.“ Um 13:54 wird die Zeugin entlassen. Der Prozesstag endet um 13:56 Uhr.

Kommentar des Blogs NSU-Nebenklage: Heute sagten mehrere ZeugInnen zu den Banküberfällen des NSU aus, diesmal zu drei Überfällen auf Sparkassen in Chemnitz in den Jahren 2004 und 2005. Auch hier zeigte sich das altbekannte Bild, insbesondere das extrem brutale Auftreten der inzwischen mit Pistole und „pumpgun“ bewaffneten Mundlos und Böhnhardt – diese bedrohten Bankangestellte durchgängig aus nächster Nähe mit Waffen, schlugen ihnen mit dem Gewehrschaft auf den Kopf, zertrümmerten Mobiliar, im letzten Fall zeigte sogar einer von ihnen eine Handgranate vor und drohte, diese zu zünden, wenn nicht weiteres Geld herausgegeben wird.
Wenig überraschend also, dass viele der Angestellten und KundInnen noch heute merkliche psychische Spuren davongetragen haben.

http://www.nsu-nebenklage.de/blog/2016/03/03/03-03-2016/

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