Protokoll 194. Verhandlungstag – 19. März 2015

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An diesem Prozesstag sagen zunächst zwei Nachbarinnen aus der Zwickauer aus. Sie kannten Zschäpe als „Lisa Dienelt“. Sie erzählen von Begegnungen mit ihr und den beiden Männern, mit denen sie eine Wohnung teilte. Diese Vernehmungen weisen darauf hin, wie gut die Tarnung Zschäpes funktionierte und wie sie dadurch eine Fassade der Normalität für alle drei aufrecht erhielt. Aus der damaligen Chemnitzer Neonazi-Szene sagt im Anschluss Enrico Pö. aus. Er berichtet u.a., wie er 1996 mit Böhnhardt, Mundlos und anderen in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald war. Mundlos und Böhnhardt hatten braune Hemden und eine Art Uniform an. Die ganze Gruppe erhielt Hausverbot.

Zeug_innen:

  • Sindy Hö. (Nachbarin aus der Zwickauer Polenzstraße)
  • Isabell St. (Nachbarin aus der Zwickauer Polenzstraße)
  • Enrico Pö. (Mgl. Erkenntnisse zu Wohlleben, Mundlos, Zschäpe, Böhnhardt; Nazi-Szene Chemnitz)

Der Verhandlungstag beginnt um 09:48 Uhr. Erste Zeugin ist Sindy Hö. Götzl sagt, es gehe um die Zeit in der Polenzstraße, inwiefern Hö. dort Kontakt zu Mitbewohnern hatte, wie der ausgesehen hat, wen sie kennengelernt habe. Sie habe von 2008 an dort gewohnt, oben links unterm Dach, sei schwanger gewesen, habe entbunden in der Phase und sei dann weggezogen. Das Verhältnis im Haus sei recht gemeinschaftlich gewesen: „Man konnte sich mit allen unterhalten, wurde in den Garten eingeladen.“ Die Zeugin beschreibt, wer im Haus wohnte und fügt hinzu, dass ganz unten links das Lohnsteuerbüro gewesen sei und rechts „Frau Dienelt“. Götzl fragt, wie der Kontakt zu Zschäpe ausgesehen habe. Hö.: „Die hat ab und zu aus dem Fenster geschaut, war viel mit dem Fahrrad unterwegs. In die Wohnung bin ich nicht gegangen. Telefonnummern haben wir auch nicht getauscht. Nur so Gespräche, wenn man sich mal getroffen hat.“ Götzl: „Wie häufig?“ Hö.: „In der Woche drei, vier Mal.“

Götzl fragt, wer in der Wohnung von Dienelt gewohnt habe. Hö.: „Sie hat größtenteils allein drinne gewohnt, sie hatte aber einen Lebensgefährten, der ab und zu von Montage kam. Und sie hatte noch zwei Katzen.“ Götzl: „Haben Sie feststellen können, wer noch Kontakt zu Frau Dienelt hatte?“ Hö.: „Ihr Freund kam ab und zu, wenn er halt Freizeit hatte. Und dessen Bruder war ab und zu bei ihr. Also, er hat sich bei mir als sein Bruder vorgestellt.“ Götzl fragt, wie häufig Hö. die dort gesehen habe. Hö.: „Ich weiß nicht, wie lange dem seine Montagearbeiten angedauert haben. Also nicht so oft.“ Sie könne schlecht beurteilen, es seien schon Wochen dazwischen gewesen. Götzl fragt, was Hö. über die „Montagearbeiten“ wisse. Sie habe gedacht, dass das auf dem Bau gewesen sei, das sei eine Vermutung von ihr, so Hö. auf Frage. Sie habe dazu keine Informationen bekommen.

Götzl fragt, wie Hö. Frau Dienelt kennengelernt habe. Hö. sagt, den ersten Kontakt wisse sie nicht mehr: „Aber ich habe sie gut in Erinnnerung behalten. Sie war freundlich, aufgeschlossen, man konnte sich gut mit ihr unterhalten, sie hat versucht Ratschläge zu geben. Sie war ordentlich angezogen und hat ihre Hausarbeit erledigt. Also es war eine angenehme Nachbarin.“ Auf Frage, wie sie sich Hö. vorgestellt habe, sagt Hö.: „Ja, mit Lisa Dienelt, stand auch so an der Klingel.“ Götzl: „Wie haben Sie sie angesprochen?“ Hö.: „Lisa. Mit Vornamen. Das war aber generell so im Haus Gang und Gäbe.“ Götzl: „Haben Sie mit Frau Dienelt darüber gesprochen, ob sie einen Beruf hat, was sie macht?“ Hö.: „Irgendwann kam es halt doch mal zur Sprache. Und sie meinte, dadurch, dass ihr Partner soviel Geld verdient, kann sie zu Hause bleiben. Also sie hat nur Arbeitslosengeld bezogen und war halt zu Hause.“ Götzl: „Hat sie gesagt, dass sie Arbeitslosengeld bezieht?“ Hö.: „Mm, ja.“

Götzl fragt, ob Hö. weitere Personen, Besuch mal festgestellt habe. Das verneint Hö. Götzl fragt, was Hö. denn über den Freund sagen könne. Hö.: „Recht groß, kurze Haare, stattlich gebaut, man konnte schon vermuten, dass er auf dem Bau ist. Er hatte einen PKW gehabt, einen Kombi.“ Der sei aber einmal mit einem Caravan gekommen, der zu groß gewesen sei für die Einfahrt, also draußen geparkt habe. Auf Frage, ob sie sich persönlich mit ihm unterhalten habe, sagt Hö.: „Wenn ich vom Einkaufen kam, war er mal da, kam dann doch mal zu einem Gespräch. Er war hilfsbereit, hat mir Sachen hochgetragen. Dann ist er aber schnell wieder runter.“ Götzl: „Hat denn dieser Freund jetzt dort gewohnt?“ Hö.: „Ich denk mal schon, eine eigene Wohnung wird er nirgendwo anders angemeldet haben. Das ist aber meine Vermutung.“ Götzl: „War das mal Gesprächsthema, ob er dort gewohnt hat?“ Hö.: „Eigentlich nicht.“ Götzl: „Dann der Bruder, Bruder von wem?“ Hö.: „Von dem Freund.“ Götzl bittet Hö, den zu beschreiben. Hö.: „Der kam mit seinem Bruder halt nach Hause zur Lisa, ein bisschen kleiner, hatte eine Bomberjacke an und Jeans. Er ist schnurstracks rein. Was hätte er auch mit mir reden sollen?“

Sie verneint, mit „Frau Dienelt“ selbst mal über den Bruder gesprochen zu haben. Einmal sei es kurz um ihm gegangen, so Hö. auf Frage. Hö.: „Wir waren halt unter Frauen und haben uns ein bissel unterhalten und da ging’s drum, dass ich halt alleine bin mit Kind und sie halt den Freund hat, und da kommt auch der Bruder mit. Na, und dann hat sie erwähnt, dass es da zu unfreiwilligen, wie sagt man das jetzt, Geschlechtsverkehr kommt, wo halt alle beide. Und dass sie halt nicht begeistert ist, aber dass es halt verlangt würde von ihr. Wir haben noch einen Spaß draus gemacht: Ich hab gar keinen und du gleich zweie.“ Götzl: „Wer war bei dem Gespräch zugegen?“ Hö.: „Niemand.“ Götzl fragt, ob sie weiteres dazu gesagt habe. Hö.: „Nein, nicht mehr. Das war dann auch erledigt. Man hat gemerkt, dass sie auch beschämt war darüber.“ Götzl: „Beschämt? Was meinen Sie damit? Woran machen Sie das fest?“ Hö.: „Na ja, es wurde halt leiser im Gespräch und man hat gemerkt, dass es ihr unangenehm ist und sie es in dem Moment bereut hat, dass sie es ausgesprochen hat.“

Götzl hält vor, dass Hö. laut BKA-Protokoll angegeben habe, dass Zschäpe ihre Augenbrauen hochgezogen habe und es ihr „mit Blicken zu verstehen“ gegeben habe, man es Zschäpe angesehen habe, dass sie, Hö., richtig gedacht habe. Götzl: „Ist wirklich darüber gesprochen worden oder waren das Interpretationen von Ihnen?“ Hö.: „Nee, das waren keine Interpretationen. Es war ersichtlich, dass es so ist.“ Götzl: „Hat sie selbst etwas dazu gesagt, gesprochen meine ich?“ Hö.: „Sie hat sich ja geschämt. So richtig definitiv, ich habe mit allen beiden, war nicht.“ Götzl: „Und das Schämen, woraus entnehmen Sie das?“ Hö.: „Dass sie leiser wurde und nach unten gesehen hat, und dann ganz schnell das Thema gewechselt wurde.“ Götzl fragt, was „Frau Dienelt“ überhaupt zu der Beziehung zu ihrem Freund gesagt habe. Dass sie halt zusammen seien, sich schon lange kennen würden, mehr nicht, so Hö. Sie verneint, dass die Rede davon gewesen sei, woher die sich kennen. Götzl: „Über den Bruder des Freundes, ist über den auch mal gesprochen worden?“ Hö.: „Nein. Nur das eine Mal.“ Auf Frage, was der Grund des Auszugs war, sagt Hö.: „Sie hat gemeint, es war ein Wasserschaden im Haus, da hat es zur Decke reingetropft. Und ein weiterer Grund war die Betriebskostenabrechnung, die fürs ganze Haus enorm hoch ausfiel. Da wollte sie lieber gehen.“

Götzl: „Hat sich der Freund Ihnen gegenüber mit Namen vorgestellt?“ Hö.: „Nee, der wurde mir vorgestellt, das ist mein Freund, hallo.“ Götzl: „Und ist im Bezug auf den Bruder mal ein Name gefallen?“ Hö.: „Nein.“ Götzl fragt nach dem Kontakt „Frau Dienelts“ zu den anderen Hausbewohnern. Hö.: „Sie war meistens zu Hause, hat aus dem Fenster gesehen oder kam mit dem Fahrrad vom Einkaufen. War zu allen aufgeschlossen, freundlich, hat auch mit den anderen einen guten Kontakt gepflegt.“ Meistens sei sie mit ihr im Hof zusammengetroffen, so Hö. auf Frage. Die Frage, ob sie selbst auch mal in der Wohnung gewesen sei, verneint Hö. Götzl: „War sie bei Ihnen in der Wohnung gewesen?“ Hö.: „Das kann ich nicht mehr genau sagen. Wenn dann nur kurz. Aber ich dachte nicht.“

Den letzten Kontakt zu „Frau Dienelt“ habe sie 2008 gehabt, so Hö. Das müsse da gewesen sein, wo sie mit ihrem mittlerweile geborenen Sohn in der Stadt gewesen sei. Da sei „Frau Dienelt“ mit dem Rad unterwegs gewesen, man habe gequatscht, „Frau Dienelt“ habe schon in der neuen Wohnung gewohnt und habe dann weiter gemusst. Hö. verneint, eine Adresse gehabt zu haben oder eine Telefonnummer von „Dienelt“. Sie habe „Dienelt“ ihre Telefonnummer gegeben zu haben, aber „Dienelt“ habe nie angerufen. Wann „Lisa“ ausgezogen sei, könne sie nicht mehr genau sagen; die habe sich ja auch nicht so richtig verabschiedet: „Von dem Umzug hat man auch nichts gemerkt, sie war halt nicht mehr da.“ Die Information, dass das der Bruder wäre, habe sie von dem Freund von ihr bekommen, so Hö. auf Frage. Der Freund habe den vorgestellt: „Das ist mein Bruder.“ Auf Frage, ob „Lisa Dienelt“ ein Fahrzeug gehabt habe, sagt Hö., die habe immer nur das Fahrrad genommen oder sei gelaufen. Götzl fragt, ob es bei dem Freund noch weitere Fahrzeuge gegeben habe. Hö.: „Am Anfang den Kombi, und dann hatten sie den Caravan geholt, weil sie zu dritt Urlaub machen wollen.“ Den hätten sie draußen an der Polenzstraße parken müssen und da falle so ein weißer Klotz natürlich auf. Götzl fragt, wie oft Hö. den Caravan gesehen habe. Hö.: „Einmal war er mit dem da. Der stand da ein Stück und dann sind sie damit weg.“

Götzl: „Urlaub, was können Sie dazu sagen, ist darüber gesprochen worden, der Caravan wäre für Urlaub gedacht gewesen?“ Hö.: „Genau.“ Auf Nachfrage, ob es da ein Gespräch gegeben habe, sagt Hö.: „Ist halt preisgünstiger als ein Hotel, da kann man wegfahren, ist nicht so gebunden, war halt praktischer.“ Sie verneint, dass über das Ziel gesprochen worden sei. Götzl: „Ist darüber gesprochen worden, wer jetzt in den Urlaub fährt?“ Hö.: „Na, die Drei.“ Sie verneint, danach mal mit „Frau Dienelt“ gesprochen zu haben, wie der Urlaub war, wo sie waren. Es seien immer nur kurze Gespräche gewesen. Götzl bittet Hö., „Frau Dienelt“ mal zu beschreiben. Hö.: „Sah gesünder aus wie jetzt, lebensfroher. Hat sich die Haare dunkel gefärbt gehabt, auf ihr Äußeres geachtet, immer ordentlich angezogen.“ Götzl fragt, ob „Dienelt“ eine Brille getragen habe. Hö.: „Da bin ich mir nicht so ganz sicher.“

Götzl: „Haben Sie mal eine Situation erlebt, in der jetzt Frau Dienelt mit dem Freund und dem Bruder zusammen war?“ Hö.: „Nee. Wenn, dann war immer einer in der Wohnung. Alle drei mal zusammen im Hof war nie. Wenn, dann hat sich alles in der Wohnung abgespielt.“ Götzl: „Und Frau Dienelt und ihr Freund, haben Sie solche Situationen erlebt?“ Hö. verneint das. Vorhalt: Da war mal eine Situation, wo alle drei im Hausflur standen. Hö.: „Das war, wo sie mit dem Caravan da standen und da ging’s um die Hausreinigung, wer das macht, und mit dem Packen ins Auto.“ Götzl: „Ging es in Gesprächen mit Frau Dienelt mal um finanzielle Angelegenheiten?“ Hö.: „Es war mal ein Gespräch, wo ich angedeutet habe, dass es bei mir finanziell knapp sei und da hat sie mir angeboten, ein bissel auszuhelfen. Aber das habe ich zum Glück nicht in Anspruch nehmen müssen.“ Sie verneint, dass es mal um „Lisas“ finanzielle Verhältnisse gegangen sei. Vorhalt: Es ging da ums Finanzielle und da berichtete sie, dass sie in den Medien von einem Banküberfall erfahren hatte. Hö.: „Also wir waren im Hof und sie kam raus: Haste gehört, gab einen Banküberfall. Und wenn man richtig in der Misere ist, hat sie mich oder ich sie gefragt, weiß ich jetzt nicht mehr: Wie findest du denn das? Ob ich das in Ordnung finde. Habe ich gesagt: Ich kann die Leute schon verstehen, ich find’s nicht in Ordnung, aber ich kann schon nachvollziehen, warum man sowas macht.“ Davon erfahren, dass die beiden Männer Banken überfallen haben, habe sie in Gera bei der Vernehmung, so Hö. auf Frage. Sie habe die Aussage gemacht und nachgefragt, ob die zwei Männer wirklich eine Bank überfallen haben und das sei bejaht worden. Vorher habe sie das nicht gewusst.

Sie verneint, die Berichterstattung verfolgt zu haben. Am Anfang sei es sehr präsent gewesen in den Medien. Götzl fragt, welche Überlegungen Hö. angestellt habe, als sie die ersten Veröffentlichungen wahrgenommen habe. Hö.: „Erstmal war ich baff, dass ich sie in der Zeitung sehe und mit so einem Thema in Zusammenhang. Das hätte ich nicht vermutet. Das ist nicht so, wie ich sie kennengelernt habe.“ Es sei das erste gewesen, was in der Bild-Zeitung war: „Da war sie abgebildet auf der ersten Seite und da stand was mit Terrorzelle.“ Götzl fragt, ob Hö. Bilder habe zuordnen können. Hö.: „Von ihr, und ich weiß nicht, ob noch der Freund drinne war. Aber ich habe gesagt: Das ist meine Nachbarin, das gibt’s doch nicht.“ Sie verneint, die dritte Person irgendwo auf Bildern gesehen zu haben. Es folgt eine Pause bis 11:24 Uhr.

Danach hält Götzl aus der Vernehmung Hö.s vor: Der Freund von Lisa hatte noch einen Caravan, ein riesenlanges Teil; im Hof durfte er nicht abgestellt werden und draußen hatte er selten einen Parkplatz gefunden. Sie habe den nur einmal gesehen, so Hö.: „Und dass der wenig Platz draußen hat, klar.“ Götzl fragt, ob über frühere Urlaube gesprochen worden sei. Hö.: „Ja, die waren schon mal zu dritt unterwegs mit dem Caravan. Und weil das so gut geklappt hat, ist man nochmal los.“ Götzl: „Hat sich Frau Dienelt zu diesem Kombi noch geäußert?“ Hö.: „Nein, der war halt schon ziemlich alt.“ Götzl: „Können Sie die Marke sagen?“ Hö.: „Nein, ich dachte, weinrot. Kann ja sein, dass er sich ihn nur von einem Arbeitskollegen ausgeliehen hat. Ich weiß nicht, wie die Verhältnisse da waren.“ Sie wisse nicht, ob darüber gesprochen worden sei, wofür dieser Kombi genutzt wurde, sie habe angenommen, dass es für die Montage „von ihm “ sei. Vorhalt: Der Freund war immer freundlich, aber ziemlich wortkarg; Lisa machte aber ihre Späße, dass wenn sie alleine wären, er sehr viel reden würde. Hö.: „Er hat schon gegrüßt, hat dann aber seine Schuhe abgestellt und ist dann rein. Ist klar, dass man mit der Freundin mehr redet als mit der Nachbarin.“ Götzl fragt, ob frühere Aufenthaltsorte von „Frau Dienelt“ Thema gewesen seien. Hö.: „Sie hätten wohl mal in Jena gewohnt oder in Chemnitz, aber Chemnitz wusste ich nicht mehr so genau. Aber in Jena gewohnt. Und dann nach Zwickau gezogen.“ Sie verneint, Näheres zu Jena erfahren zu haben.

Vorhalt: Auch bei den Eltern von ihrem Freund habe sie mal gewohnt. Hö.: „Das könnte ich auch aus den Medien entnommen haben. Da war ich mir auch nicht mehr so sicher, ob sie es damals so erwähnt hat bei dem Gespräch.“ Götzl fragt, ob mal von Untertauchen oder etwas in der Richtung die Rede gewesen sei. Hö.: „Sie mussten nur aus Jena ausziehen. Aber die Gründe, warum …“ Vorhalt: Sie erwähnte auch, dass sie untertauchen mussten. Hö. sagt, das habe sie damals so ausgesagt, das könne sie aber auch aus den Medien verwechselt haben. Götzl: „Gab es irgendeine Äußerung Frau Dienelts in dieser Richtung?“ Hö.: „Sie hatte nur mal erwähnt, dass sie bei den Eltern auch gewohnt haben, aber dann ausgezogen sind und nach Zwickau gezogen sind.“ Vorhalt: Ich merkte in dem Moment, wo sie das gesagt hatte, dass sie diese Aussage bereut hatte. Hö.: „Sie hat eh wenig erzählt.“ Vorhalt: Sie hatte wohl viel Angst vor ihrem Freund und ist von diesem offensichtlich in eine Richtung gedrängt worden. Auf Frage, was sie damit habe ausdrücken wollen, sagt Hö.: „Man hat sich Verknüpfungen zusammenreimen können, wie das zusammengepasst hat alles.“

Sie sei nach wie vor der Meinung, dass „Lisa“ mit allem nichts zu tun hat und „er“ der Drahtzieher gewesen sei, so Hö. weiter. „Lisa“ sei nur zu Hause gewesen, habe nicht mal zum Döner gehen dürfen, was sie aber doch gemacht habe, habe keine Telefonnummer rausgeben dürfen. Diese Äußerung mit dem Döner sei von „Lisa“ gekommen, so Hö. auf Frage: „Sie kam um die Ecke und sagte: Eigentlich darf ich nicht, aber hatte so einen Appetit, ich hab mir jetzt doch einen geholt.“ Vorhalt: Sie wirkte wie ein naives Kind und hätte am liebsten beim Freund nachgefragt, was sie tun soll und darf, insbesondere wenn es um die Vergangenheit ging. Hö.: „Ja, weil es um den Wasserschaden ging. Da kommt jemand, um den Wasserschaden zu beheben. Da hätte sie schon am liebsten den Telefonhörer in die Hand genommen: Darf ich den reinlassen. Sie war immer so auf ihn bezogen. Den Haushalt hat sie in der Hand gehabt. Nur in Bezug auf ihn wirkte sie so naiv. Den Rest, da war sie eine taffe Frau.“ Götzl fragt, ob das Thema Telefonnummer mal angesprochen worden sei. Hö. bejaht das, sie habe „Lisa“ nach deren Nummer gefragt und da sei die Antwort gekommen. „Nee.“ „Lisas“ Freund habe halt nicht gewollt, dass sie sie rausgibt. Götzl: „Ja, hat sie das gesagt?“ Hö.: „Ja.“ Vorhalt: In der Nähe vom Lidl beim Türken Magnolia einen Döner geholt; daraufhin sagte sie: wenn das mein Freund wüsste, würde der sich aufregen; warum hat sie nicht gesagt, das wäre ja schon wieder ins Privatleben gegangen und das war ihr unangenehm, über andere wiederum hat sie gerne gesprochen. Götzl: „Was können Sie denn zu dem ‚Das war ihr unangenehm‘ sagen?“ Hö.: „Ihr Privatleben war eigentlich verschlossen. Sie hat viel über die alltägliche Arbeit und die Katzen gesprochen, aber zur Vergangenheit war nichts, zumindest mir gegenüber.“

Auf Frage sagt Hö., auf Lichtbildern, die ihr bei der Vernehmung vorgelegt worden seien, habe sie „Lisa“ erkannt und ihren Freund. Bei einer anderen Person sei sie vage gewesen, ob es der Bruder ist. Jemanden anders habe sie nicht identifizieren können. Es werden Lichtbilder in Augenschein genommen. Bei Bild 2 [Mundlos] sagt Hö., den würde sie als den Freund von „Lisa“ wiedergeben. Hö.: „Und bei 5 war ich unsicher, ob es sich um den Bruder handelt.“ Die anderen Bilder würden ihr nichts sagen. Zu einer weitere Lichtbildvorlage, in der mit der Nummer 7 Böhnhardt zu sehen ist, sagt Hö., es seien viele Lichtbilder gewesen an dem Tag, aber die würden ihr jetzt nichts sagen. Es folgt die Mittagspause bis 13:05 Uhr. Danach geht es mit der Inaugenscheinnahme einer Lichtbildvorlage weiter. Auf Bild Nummer 3 erkennt Hö. „Lisa Dienelt“. Beim ersten Bild habe sie gedacht, das sei „Lisa“ in jungen Jahren. Die anderen Frauen kenne sie nicht.

RA Schön fragt, ob Hö. einen Martin und eine Katrin F. (56. Verhandlungstag) kenne, sagt Hö. die hätten mit im Haus gewohnt, ihr sei nur der Nachname entfallen. Auf Nachfrage sagt Hö., bei denen sei der Wasserschaden gewesen und bei „Lisa“ habe es reingetropft. Schön fragt, ob Hö. mal mit der „Lisa“ über den Wasserschaden kommuniziert habe. Hö.: „Es war einmal der Fall, da muss jemand kommen und sich das ansehen. Und dass sie halt niemanden reinlassen kann, weil die Wohnung nicht aufgeräumt war.“ Schön: „Ist in dem Zusammenhang mal der Name gefallen?“ Hö.: „Nein, sagt mir auch nichts.“ Die Zeugin wird entlassen.

Verschiedene Verfahrensbeteiligte behalten sich Erklärungen vor. V. d. Behrens gibt sofort eine kurze Erklärung ab. Sie sagt, dass die Zeugin nochmal bestätigt habe, was Zschäpe auch in der Anklage vorgeworfen werde. Nämlich dass Zschäpe für die Eingliederung zuständig gewesen sei. Zschäpe habe Geschichten erzählt, was mit den Männern ist, wenn die nicht da sind, habe sich unauffällig gegeben. Auch wenn unklar sei, was Interpretation der Zeugin und was tatsächlich abgelaufen ist, sei neu, dass die Zeugin angegeben habe, dass Zschäpe zumindest an mehreren Stellen, wo es sozial adäquat gewesen wäre, etwa Nachbarn in die Wohnung zu lassen oder die Nummer zu geben, auf die Männer verwiesen habe. Sich als abhängig darzustellen, sei die einzige Möglichkeit für Zschäpe gewesen, aus der Situation herauszukommen. Dass es wirklich eine Abhängigkeit gegeben habe, habe bisher kein anderer Zeuge bestätigt, weder aus der Polenzstraße, noch aus früheren Zeiten.

Es folgt die Zeugin St. Götzl fragt, ob St., als sie in der Polenzstraße gewohnt habe, Kontakt zu Personen aus der Polenzstraße 2 gehabt habe und wie der ausgesehen habe. Sie sei noch mit der Frau F. befreundet, so St., und zur Frau Ku. habe sie Kontakt gehabt, aber auch nicht allzu lange. Sie selbst habe von 2005 bis 2007 in der Polenzstraße 5 gewohnt. Götzl fragt, was St. zum Anwesen Polenzstraße 2 sagen könne. St.: „Die Frau Zschäpe, die war immer sehr nett, man hat sich gegrüßt, wenn man sich gesehen hat, wenn man sich in der Stadt getroffen hat, also ich kann eigentlich nichts Negatives sagen.“ Auf Frage sagt St., die habe im Erdgeschoss rechts gewohnt, links sei die Schuldnerberatung gewesen. Und man habe sich in der Stadt getroffen oder im Hof beim Wäscheaufhängen, wenn die Kinder gespielt haben. Sie verneint, dass sie sie damals unter dem Namen Zschäpe kennengelernt habe: „Ich kenne Sie unter dem Namen Lisa.“

Götzl fragt, ob St. sich erinnere, unter welchen Umständen sie „Lisa“ kennengelernt habe. St.: „Kennengelernt groß gar nicht.“ Sie habe sie gegrüßt, weil die dort gewohnt habe, und ihr, St.s, Mann habe Hausmeistertätigkeiten gemacht, wenn was gewesen sei: „Oder sie hat uns gelobt wegen dem Winterdienst, weil mein Mann das gemacht hat.“ Auf Frage, ob Zschäpe alleine dort gewohnt habe, sagt St.: „Also, es waren zwei Männer dort, aber ob die dort gewohnt haben, oder sich immer dort aufgehalten habe, weiß ich leider nicht.“ Die seien sehr gepflegt gewesen, so St. auf Frage, wie Frau Zschäpe auch. Die Haare seien sehr kurz gewesen bis manchmal teilweise Glatze. Götzl: „Haben Sie sonst eine Erinnerung zu den Männern?“ St.: „Dass die sehr viel weg waren.“ Auf Frage, bei welchen Gelegenheiten sie die gesehen habe, sagt St.: „Wenn die ihr Wohnmobil aufbereitet haben, geputzt haben oder gepackt haben jetze.“ Auf Nachfrage sagt sie, das Wohnmobil habe an und zu auf dem Aldi-Parkplatz schräg ggü. gestanden oder halt auf der Polenzstraße. Götzl fragt, was mit „ab und zu“ gemeint sei. St.: „Unregelmäßig, also wenn sie mal da waren.“ Auf Nachfrage, was „unregelmäßig“ bedeute, sagt St., manchmal habe der zwei, drei Wochen gestanden, dann sei er wieder einen Monat weg gewesen oder länger. Sie verneint, von den beiden Männern Namen zu kennen oder sich mit „Lisa“ mal über die unterhalten zu haben.

Götzl fragt, ob sie mal in der Wohnung gewesen sei. St.: „Ja, einmal.“ Auf Nachfrage sagt sie: „Die war halt lange verreist, die Lisa, und die hatte einen Wasserschaden gehabt und da hat sie mir das Bad gezeigt.“ Auf Frage, ob sie sonst die Wohnung gesehen habe, sagt sie, sie habe nach dem Bad kurz die Küche gesehen, es seien nicht mehr als fünf Minuten gewesen. Außer „Lisa“ sei sonst niemand zugegen gewesen. Götzl sagt, St. habe davon gesprochen, dass „Lisa“ lange verreist gewesen sei, und fragt, ob darüber gesprochen worden sei, wo sie gewesen ist. Die habe halt gesagt, sie sei im Urlaub gewesen, es seien bestimmt sechs Wochen gewesen.

Götzl fragt, ob St. sonstige Gespräche in Erinnerung habe. St.: „Man hat sich nur unterhalten: Wie geht’s? Was machen die Kinder? Aber mehr war da eigentlich nie was.“ Götzl fragt zum Wasserschaden. St.: „Das ganze Bad war halb verschimmelt, weil sie so lange weg war. Die Decke. Das war schon schlimm, sage ich mal.“ Sie bejaht, dass der Schaden behoben worden sei. Sie verneint etwas zu Kontakten oder Besuch von „Lisa“ sagen zu können. Götzl möchte wissen, ob St. nach dem Auszug „Lisas“ noch Kontakt zu ihr gehabt habe. St.: „Wenn man sich mal getroffen hat. Mal Hallo, wie geht es den Kindern. War halt nie ein Gespräch.“ Auf Frage, ob sie wisse, wo „Lisa“ hingezogen sei, sagt St., die habe zu ihnen immer gesagt, sie ziehe nach Pölbitz [phon.]: „Was ja doch nicht so war.“ Sie habe von „Lisa“ keine Adresse oder Nummer bekommen und sie habe auch nicht danach gefragt.

Götzl fragt, ob „Lisa“ der einzige Name gewesen sei, der damals gefallen sei. St.: „Ich kenne sie nur unter Lisa.“ Götzl: „Haben Sie Informationen dazu bekommen, wie die beiden Männer zueinander standen?“ St.: „So wie ich das mal erfahren habe, sind das Geschwister gewesen.“ Götzl fragt, von wem sie das erfahren habe. St.: „Von Frau Zschäpe, also von der Lisa.“ Auf Frage sagt St.: „Sie hat halt gesagt, die Männer sind halt viel auf Montage.“ Sie verneint, abschätzen zu können, wie häufig sie die Männer gesehen habe. Götzl fragt, ob St. erfahren habe, was „Lisa“ gemacht habe. St.: „Haben wir nicht drüber gesprochen.“ Auf Frage, ob sie selbst Feststellungen dazu gemacht habe, sagt St.: „Sie war halt eine ganz normale Hausfrau, gewaschen, gebacken, gekocht, sie war einkaufen.“ Götzl fragt, ob über die finanzielle Seite gesprochen worden sei, wovon sie gelebt hat. St.: „So wie ich das von Freunden, F. und anderen, gehört habe, sollen die Männer gut verdient haben und deswegen musste sie nicht arbeiten.“ „Lisa“ selbst habe sich ihr ggü. nicht dazu geäußert.

Vorhalt zum damaligen Aussehen von „Lisa“: Schwarze, gelockte Haare, meistens zum Pferdeschwanz gebunden: mal Brille, mal nicht; normal gekleidet mit Jeans, T-Shirt. Das mit der Brille wisse sie nicht mehr, so St. Vorhalt: Der Freund hatte eine Glatze, sportlich, schlank, 1,80 bis 1,90. Da habe sie keine Erinnerung, so St. Sie erinnere sich auch nicht an das Aussehen der Person, die sie als Bruder beschrieben habe. Vorhalt: Wann hatten Sie den ersten Kontakt zu den drei Personen aus der Erdgeschosswohnung rechts? – Gleich nachdem mein Freund Hausmeister wurde, hat sich die Frau bedankt, dass sie nun keinen Schnee mehr schippen musste. St.: „Genau, das war wirklich so.“ Götzl: „Wie war das Verhältnis jetzt zu den anderen Mitbewohnern?“ St.: „Als wir in der Straße gewohnt haben, war das so: Guten Tag, Hallo, wie geht’s? Mehr nicht.“

Götzl fragt nach Kellerräumen. Ihr Mann sei mal in den Kellerräumen gewesen, so St., wegen dem Heizungsraum und habe gesagt, da sei viel Geld reingesteckt worden, Trockenlegung und gedämmt. Selbst gesehen habe sie es nicht. Götzl hält vor, dass St. auf Frage nach der Tätigkeit der Personen gesagt habe: Die Frau hat gesagt, ihr Freund verdient genug und sie ist froh, dass sie nicht vom Staat leben muss. St.: „Genau.“ Vorhalt: Sie sagte, sie macht den Haushalt, sie war immer zuhause und mit dem Rad unterwegs. St.: „Also, Einkaufen und in der Stadt war sie halt immer mit dem Fahrrad.“ Vorhalt: Ihr Freund ist sonntags mal weg, hatte eine Riesentasche in der Hand, was er genau macht, weiß ich nicht. St.: „Weiß ich nicht mehr.“ Vorhalt: Frage: Haben Sie regelmäßigen Besuch oder Freunde bemerkt? Antwort: Ja, da kamen mal welche, z. B. eine Frau mit Kind. St.: „Da waren mal welche da mit Kind, aber ob die jetzt dahin gegangen sind, das weiß ich nicht.“ Vorhalt: Frage: Wissen Sie wo oft die in Urlaub gefahren sind? Antwort: Die waren sehr oft unterwegs, auch wenn sie nur mal übers Wochenende weggefahren sind. St. bestätigt das. Vorhalt: Ich kann nicht sagen, ob sie immer zusammen unterwegs waren. St.: „Ja.“ Götzl fragt, ob St. die selber mal habe wegfahren sehen. Das verneint St.

Götzl fragt nach Katzen. Die sei sehr katzenlieb gewesen, so St. Die Katzen seien wie ihre Kinder gewesen: „Eine war auch mal entlaufen und da hat sie auch eine hohen Finderlohn ausgesetzt.“ Sie selbst habe auch mitgeholfen zu suchen, weil man gewusst habe, wie „Lisa“ an der Katze hing. Vorhalt: Ihre Katzen waren wie ihre Kinder, da sie angeblich selber keine bekommen konnte. St.: „Hat sie mal gesagt, als wir unten mit Familie F. saßen.“ Da habe sie selbst gerade entbunden, so St.: „Sie sagte, sie hätte auch gern ein Kind, aber es geht halt nicht, dadurch sind halt ihre Katzen ihre Kinder.“

Dann fragt RA Stahl, ob sich St. an die Frage im Vernehmungsprotokoll, wo oft die in den Urlaub gefahren seien, erinnere. St.: „Ja.“ Stahl möchte wissen, ob tatsächlich nach mehreren Personen gefragt worden sei. St. sagt, das sei allgemein von ihr so gedacht gewesen. Vorhalt der Antwort: Die waren sehr oft unterwegs. St.: „Richtig.“ Stahl: „Wen meinten Sie?“ St. sagt, die beiden Männer seien sehr oft unterwegs gewesen und Frau Zschäpe zwei, drei Mal im Jahr, aber aber am Wochenende bestimmt einmal im Monat [phon.]. Stahl fragt, ob die zwei Männer dann zusammen unterwegs gewesen seien. St.: „Man hat halt immer dann, wenn das Wohnmobil nicht [phon.] da stand, die Männer nicht gesehen.“ Auf Frage, wann sie die gesehen habe, sagt St.: „Wenn sie mal da waren.“ Laut Protokoll habe St. gesagt, so Stahl, dass sie den Mann, der nicht der Freund gewesen sei, nur zweimal gesehen. St.: „Ja.“ Stahl fragt, wie St. das in Einklang bringe. St. antwortet, da habe sie den gesehen beim Wohnmobileinpacken oder -putzen [phon.]. Stahl fragt, wie häufig St. den Freund von „Lisa“ gesehen habe im Verhältnis dazu, wie oft sie „Lisa“ gesehen habe, häufiger oder gleich oft. Die „Lisa“ habe sie häufiger gesehen, antwortet St., außer als die weggezogen sei, dann habe sie sie vielleicht in der Stadt mal gesehen, aber selten. In der Polenzstraße habe sie die schon oft gesehen, jeden zweiten Tag etwa.

Stahl: „Und den Freund, im Verhältnis?“ St.: „Auch selten. Also nicht so oft wie Lisa.“ Den habe sie vier, fünf Mal gesehen. Stahl: „Insgesamt?“ St.: „Ja.“ Sie bestätigt, den Bruder des Freundes etwa zweimal gesehen zu haben. Stahl fragt, ob die Haustüre in der Polenzstraße immer verschlossen gewesen sei. Die sei mehr auf gewesen, so St., weil da eine Schuldnerberatung drin gewesen sei oder noch drin sei, so St. Stahl fragt, ob die Katze aus dem Haus hätte laufen könne, wenn sie aus der Wohnung gelaufen wäre. Das bejaht St. Stahl: „Haben Sie bei dem Gespräch [beim BKA]mal gesagt, dass da drei Personen wohnen?“ St.: „Ich habe gesagt, ich vermute, dass da drei Personen zusammen wohnen.“ Stahl fragt, ob St. das gesagt habe. St.: „Ja.“ Sie verneint, die Medienberichterstattung über das Verfahren verfolgt zu haben. Stahl fragt, ob St. über „Lisa“, den Freund und den Bruder, die Polenzstraße nichts gelesen habe. St. sagt, sie wolle damit abschließen.  St.: „Am Anfang habe ich das verfolgt, aber jetzt nicht mehr.“ Stahl fragt, ob St. in den Medien etwas von einer „Mörderbande“ gehört habe. St.: „Nein.“ Stahl fragt nach dem Begriff „Trio“. St.: „Nur ‚Die Terrorzelle‘.“

NK-Vertreterin RAin Basay fragt, ob sich St. erinnere, dass sie 2007 wegen eines Diebstahls in der Polenzstraße vernommen worden sei. St.: „Nein.“ Basay sagt, es gebe in den Akten eine Notiz, dass St. am 23.06.2007 [phon.] von der Polizei vernommen worden sei. St. verneint, sich daran zu erinnern. RAin Link fragt, ob sich St. erinnere, ob „Lisa“ zu irgendeinem der Nachbarn engeren Kontakt hatte. St. nennt Frau Ku. Dann sagt RA Narin, er wolle an diesen Aktenvermerk vom 26.02.2007 anknüpfen. Vorhalt: P. Ku.s Schlüssel passte zu mehreren Wohnungen, nur bei Familie Dienelt passte er nicht; nachdem sie Geld von Frau Ku. zurückgefordert hatte, teilte Herr F. ihr mit, dass „einige Glatzen bei der Frau Kuhn sind“, es wurden dann vermutlich angetrunkene Männer gesehen, die Möbel von den Ku.s an das Haus der St.s stellten. [gesamter Vorhalt phon.]Narin: „Kommt da eine Erinnerung?“ Dazu sagt St., der Ku. habe mal erzählt, dass er mal geguckt habe bei den Schlüsseln, weil sie Einheitsschlüssel gehabt hätten, dass er halt in jede Wohnung reinkomme. Da habe sie, St., sich nichts bei gedacht. Das mit den Möbeln sei so gewesen, dass sie der Frau Ku. Möbel geschenkt hätten, weil die Frau Ku. finanziell nicht gut gestellt gewesen sei, und dann sei Streit gewesen und Ku. habe es ihnen vor die Türe gestellt.

RA Stolle sagt, eben habe St. gesagt, es sei mal eine Frau mit Kind da gewesen, aber ob die dahin gegangen seien, wisse sie nicht: „Was meinen Sie damit: „aber ob die dahin gegangen sind“?“ St.: „Weil man die Personen nicht gekannt hat, die hat man nicht gekannt.“ Auf Frage, ob es um die Polenzstraße 2 gehe, sagt St., man habe im Hof gesessen, man habe mitgekriegt, wenn Leute kamen oder nicht, aber die habe man nicht gekannt. Stolle fragt, wie St. die Verbindung ziehe von der Frau mit Kind zu „Lisa“. Sie habe es halt versucht, weil die in die Polenzstraße gegangen sei und von der Polenzstraße 2 fast alle unten gesessen hätten. Stolle sagt, St.s Lebensgefährte habe etwas von der Dämmung des Kellers erzählt, und fragt, ob der etwas anderes über Renovierungsarbeiten berichtet habe. St. verneint das. Stolle: „In der Wohnung?“ St.: „Nein.“ Vorhalt: Soweit ich weiß, haben die die Wohnung selbst renoviert, ein Zimmer gedämmt und den Keller trockengelegt und gedämmt. St.: „Richtig, hat sie uns gesagt, dass sie alles selber gemacht haben.“

RA Stahl macht den Vorhalt: Frage: Wann sind die Personen ausgezogen und aus welchen Grund? – Antwort: Ich glaube, sie ist 2007 schon ausgezogen, nach Pölbitz wollte sie, glaube ich. St. sagt, da habe keiner mehr drin gewohnt, ob „Lisa“ alleine ausgezogen sei oder mit den Männern, wisse sie nicht. Stahl sagt, es gehe darum. ob sich St. erinnere, ob eine, zwei oder drei Personen in der Wohnung gewohnt haben. St.: „Ich vermute halt, dass die zwei Männer mit gewohnt haben. Sie hat halt auch Männerwäsche aufgehangen. Aber, gut, man soll sich halt nicht so festlegen.“ Die Zeugin wird entlassen.

Stahl erklärt, die Vernehmung habe aus Sicht der Verteidigung Zschäpe „einmal mehr“ zum Vorschein gebracht, dass die These des GBA, dass die drei Personen im Untergrund gegangen sind waren und seitdem immer zusammen gewohnt hätten, auch Arbeitsthese in den Vernehmungen gewesen sei. Wenn man die Niederschrift der Befragung lese und man St. so höre, müsse man sich fragen, wie St. darauf gekommen sei, dass dort drei Personen gelebt haben. St. sei nicht neutral befragt worden, sondern z. B. nach „den Personen“. Es stehe zu befürchten, dass da auch das ein oder andere Mal der Wunsch der Ermittler bei den Formulierungen Eingang gefunden habe. Wenn man darauf achte, was St. und Hö. gesagt hätten an objektivierbarem Wissen, an Anhaltspunkten, dass in der Wohnung zwei oder drei Personen gewohnt haben, sei da nichts. RA Narin erwidert, Stahl selbst habe ja objektivierbares Wissen zutage gefördert. St. habe angegeben, dass Zschäpe Männerwäsche aufgehängt habe. Und St. und viele andere hätten Zschäpe und die Männer zusammen in der Straße gesehen. Stahl entgegnet, wenn er in Abrede stelle, dass man objektivierbare Anhaltspunkte gehört habe, gehe es ihm um Anhaltspunkte fürs Wohnen. Dafür sei die Männerwäsche kein Anhaltspunkt Und wenn St. „Lisa“ jeden zweiten Tag und den einen Mann insgesamt viermal und den anderen zweimal gesehen habe, sei das kein Anhaltspunkt fürs Zusammenwohnnen.

Es folgt eine Pause bis 14:50 Uhr. Dann geht es weiter mit dem Zeugen Pö. Götzl sagt, es gehe darum, ob Pö. den Angeklagten Wohlleben gekannt habe und welche Kenntnisse er ggf. zu Wohlleben habe. Pö. sagt, er habe über den Wohlleben keine Kenntnisse. Götzl: „Kennen Sie ihn?“ Pö.: „Aus den Medien. Aber ich kenne ihn nicht persönlich.“ Götzl fragt zu Mundlos, Böhnhardt, Zschäpe. Pö. sagt, Böhnhardt und Mundlos habe er kennengelernt, 1996. Auf Nachfrage zu den Umständen sagt Pö., er sei mit einem damaligen Freund auf Konzerten gewesen, da habe den ein oder anderen getroffen: „Naja, waren Leute aus Jena. Da waren mehrere Leute da, da waren auch Mundlos und Böhnhardt dabei halt.“ Auf Nachfrage sagt er, man habe die halt getroffen und es habe sich auch ergeben, dass man 1996 in der Gedenkstätte Buchenwald war. Dann habe es keinen weiteren Kontakt gegeben: „Also keinen genaueren Kontakt. Ich war halt auf Konzerten unterwegs, habe den ein oder anderen getroffen, Aber das war jetzt keine nähere Bekanntschaft.“ Götzl: „Und was Frau Zschäpe anbelangt?“ Pö.: „Kenne ich nicht.“

Götzl fragt, was es mit den Ereignissen in Buchenwald auf sich habe. Pö. sagt, er sei mit einem weiteren Chemnitzer dahin gefahren, nach Jena. Da habe man sich getroffen, da seien Mundlos und Böhnhardt auf jeden Fall dabei gewesen. Man sei dann rüber gefahren nach Weimar, zur Gedenkstätte Buchenwald: „Da gab es dann halt einen Platzverweis, soweit ich mich erinnere. Dann halt ein lebenslanges Verbot in der Gedenkstätte für alle Anwesenden.“ Götzl fragt nach dem Grund dafür. Pö.: „Unangemessene Kleidung, sag ich mal so, von Herrn Böhnhardt und Herrn Mundlos.“ Götzl: „Was bedeutet das?“ Pö.: „Sie meinten, sie hätten braune Freizeithemden an, es stellte aber eine Art Uniform dar.“ Auf Nachfrage sagt Pö., die hätten halt braune Freizeithemden, „nach ihren eigenen Aussagen“, und schwarze Bundeswehrhosen getragen, dazu Stiefel. Pö.: „Das war ihre Art sich zu kleiden.“

Götzl: „Abgesehen von der Kleidung gibt es sonst irgendetwas, was Ihnen in Erinnerung geblieben ist, was das Verhalten der beiden angeht oder der anderen, die zugegen waren?“ Pö.: „Soweit ich mich erinnere, trat der Herr Mundlos vor allem sehr energisch hervor, was unangebracht war, meiner Meinung nach.“ Götzl: „Welches Verhalten meinen Sie?“ Pö.: „Schwer zu erklären. Er meinte halt, dass Buchenwald eine Geschichte hat, die auch nach ’45 deutlicher war. Und das war völlig weit weg. Wir waren bei einer Führung dabei, haben zugehört, klar, und er meinte halt, dass das Lager 2 eine Geschichte hat nach ’45. Fand ich total unangebracht.“ Pö.: „Auf jeden Fall waren wir halt dort. War sehr unangebracht, dort über ein anderes Lager zu sprechen, zu gestikulieren, ich sage nur Paragraph 86a. Das war nicht unser Interesse mit dem anderen aus Chemnitz, mit dem ich da war.“ Auf Frage, wer noch zugegen gewesen sei, sagt Pö., er könne sich gut erinnern, dass der, mit dem er aus Chemnitz da gewesen sei, gewesen sei. Bei den anderen kenne er sich nicht aus. Götzl fragt nach André Kapke. Pö.: „Nee, kenne ich nicht.“ Götzl fragt, ob das angesprochene Verbot ein Hausverbot gewesen sei. Pö.: „Ja.“

Götzl fragt, ob Pö. etwas zu sonstigen Ereignissen, Zusammentreffen mit Mundlos und Böhnhardt sagen könne. Pö.: „Das ist halt, in den Jahren ’96, ’97 waren die halt hier und da zugegen, aber Genaues kann ich da nicht mehr sagen. Das ist 19 Jahre her.“ Götzl bittet Pö. die beiden vom Verhalten her zu beschreiben. Pö.: „Also nach meiner Erinnerung war auf jeden Fall der Herr Mundlos, sage mal, der Wortführer. Der Böhnhardt eher so der Mann im Hintergrund.“ Götzl fragt, inwiefern Mundlos der Wortführer gewesen sei. Pö.: „War in seinem Auftreten sehr energisch würde ich sagen.“ Pö. weiter: „Er hat erst gesprochen und dann gedacht.“ Auf Frage, wie er Böhnhardt beschreiben könne, sagt Pö.: „Eher der ruhigere Pol von den Zweien. Überlegter war er.“ Sonst habe er an Böhnhardt eigentlich weniger Erinnerungen, es seien, wie gesagt, wenige Begegnungen gewesen, die sie gehabt hätten. Es seien sehr viele Leute da gewesen, nicht nur die Zwei. Die einzige schwerere Erinnerung, die sitzen geblieben sei, sei, wie gesagt, die Gedenkstätte Buchenwald gewesen: „Der Rest war eher: Zwei von Vielen.“

Götzl fragt nach politischen Auffassungen von Böhnhardt und Mundlos. Pö.: „Das war sehr deutlich, also.“ Auf Nachfrage sagt er: „Sehr rechtsorientiert auf jeden Fall. War ich auch. Er hat halt sehr, wie ich sagte, der Mundlos, sehr rausgepoltert.“ Götzl: „Hatten Sie einen Spitznamen?“ Pö.: „Ich selber? Ja, Enno.“ Da sei abgeleitet von seinem Vornamen. Auf Frage, wann das Ereignis in Buchenwald gewesen sei, sagt er: „’96.“ Götzl sagt, es liege ein Hausverbot vor, das sei vom 05.11.1996. Pö.: „Das ist das.“ In dem Verbot sei auch André Kapke erwähnt, hält Götzl vor: Sie haben mit anderen Gleichgesinnten, darunter André Kapke, die Gedenkstätte Buchenwald aufgesucht. Er könne sich, wie gesagt, an den nicht erinnern, so Pö. Götzl fragt, was Pö. zu Starke sagen könne. Pö.: „Thomas Starke. So ein Fall für sich. Der hat viel gemacht in Chemnitz, sehr viel. Verkauf von Musik und so weiter angeleiert, Merchandising, Kontakte geknüpft und vieles in die Wege gebracht. Wissen aber inzwischen, dass der Starke auch andersweitig tätig war, das ist uns bekannt.“ Götzl: „Was meinen Sie?“ Pö. sagt, das habe schon zu DDR-Zeiten angefangen, er sage mal, Staatssicherheit z. B., da solle Starke angeworben worden sein, das wisse man mittlerweile. Später sei Starke halt auch angeworben worden über Berlin, er, Pö., glaube vom LKA: „Alles eine Sache, das weiß keiner ganz genau, aber wirft einen ganz schlechten Schatten auf ihn.“ Auf Frage sagt er, sein Kontakt zu Starke sei so von 1994 bis ca. 1998 gewesen, würde er sagen.

Götzl fragt nach . Pö.: „Das sagt mir was, dass es halt verboten ist. Was sagt mir das? Ich hatte damit nichts zu tun, ganz einfach.“ Auf Frage, ob Starke etwas damit zu tun gehabt habe, sagt Pö., der habe halt überall mitgemacht, sei überall präsent gewesen, daher gehe er davon aus, dass der dabei gewesen sein könnte, aber er wisse es halt nicht. Götzl fragt nach . Pö.: „Nee, sagt mir nichts.“ Auf Frage nach sagt Pö.: „Mit der Frau war ich mal über ein halbes Jahr zusammen.“ Götzl fragt, wann das gewesen sei. Pö. nennt das Jahr 1997. Götzl fragt, wo Pö. damals gewohnt habe. Er habe ein halbes Jahr auf der Johann-Richter-Straße gewohnt und dann mit Struck zusammen, ca. ein Vierteljahr, auf der Uhlandstraße.

Götzl fragt, ob Pö. im Hinblick auf Böhnhardt und Mundlos mitbekommen habe, dass nach denen gefahndet wird. Das sei ihm nicht bekannt, so Pö. Er sei auf jeden Fall von 1998 bis 2000 selber in Haft gewesen. Götzl fragt, wann 1998. Pö.: „September.“ Götzl fragt, ob davor im Jahr 1998 die Rede davon gewesen sei, dass jemand in Chemnitz eine Wohnung sucht. Pö.: „Also, ist mir nichts bekannt.“ Götzl fragt, ob irgendwelche Bombenfunde Gesprächsthema gewesen seien. Das habe er danach erfahren aus den Medien, so Pö., da habe er das gesehen. Das sei auf jeden Fall sehr viel später gewesen, als als es diese Funde gegeben habe, wo er das aus den Medien erfahren habe. Götzl fragt nach dem Jahr. Er habe das erst 2012 richtig gesehen sagt Pö. Götzl fragt nach den „88ern“. Pö.: „Das war so eine Vereinigung, die es in Chemnitz mal gab, aber das ist auch schon sehr, sehr lang her.“ Auf Nachfrage sagt er, er könne das zeitlich nicht einordnen, aber er würde es sehr weit vorlegen, 1995, 1996. Das sei mehr so eine Spaßgeschichte gewesen, so Pö. auf Nachfrage, auf keinen Fall eine politisch motivierte Geschichte. Götzl fragt nach Personen. Pö.: „Wie gesagt, war das eine Spaßgeschichte, das kann ich doch nicht mehr auf irgendwelche Personen speziell sagen.“ Götzl fragt, ob Pö. auch bei den „88ern“ war. Pö.: „Nee, sonst wüsste ich das ja.“

Götzl fragt, ob Pö. etwas dazu sagen könne, welche Rolle Waffen in den 90ern gespielt hätten. Pö.: „Aus meiner Sicht gar keine Rolle. Was ich mitbekommen habe.“ Götzl stellt die gleiche Frage in Bezug auf Sprengstoff. Pö.: „Nein.“ Götzl fragt, ob Pö. mal Informationen bekommen habe, wo man den herbekommen könne. Pö.: „Nee.“ Götzl: „Ob jemand im Besitz von Sprengstoff war?“ Pö.: „Ist mir auf jeden Fall nicht bekannt.“ Götzl fragt, ob Starke etwas mit den „88ern“ zu tun gehabt habe. Pö.: „Möglich, aber weiß ich wirklich nicht.“ Götzl fragt nach . Pö.: „Ja, ist mir bekannt. Also von dem Herrn Probst, Vorname weiß ich nicht, die Frau.“ Die hätten Kinder zusammen. Mehr wisse er dazu auch nicht, er kenne sie halt. Götzl fragt, ob Pö. wisse, ob Kontakte zu Mundlos oder Böhnhardt gehabt habe. Das sei ihm nicht bekannt, so Pö., soweit er wisse, seien die beiden auch geschieden, mehr wisse er dazu nicht. Götzl fragt nach den Namen Eminger, Schultze, Gerlach. Pö.: „Nee, nicht bekannt.“ Götzl: „Eminger auch nicht?“ Pö.: „Da bin ich mir unsicher. Könnte sein, wenn der einen Bruder hat und aus Johanngeorgenstadt kommt. Dann habe ich ihn mal kennengelernt über die Mandy Struck.“ Götzl fragt, wo Pö. die kennengelernt habe. Pö.: „In ihrer Heimat, bei der Frau Struck in der alten Heimat. Wollte sehen, wo sie herkommt, da hat sie mir die Zwei vorgestellt, in einem Jugendclub, glaube ich.“ Das sei 1997 gewesen. Das sei eine flüchtige Bekanntschaft gewesen, er habe die halt kennengelernt. Götzl fragt nach der „Weißen Bruderschaft Erzgebirge“. Pö.: „Nee, kenne ich nicht.“

Götzl: „Mich würde jetzt noch interessieren, wann Sie den letzten Kontakt zu Mundlos und zu Böhnhardt hatten?“ Pö.: „Das müsste auf jeden Fall damals gewesen sein, ’96 oder ’97. Später auf keinen Fall.“ Götzl: „Waren denn jetzt bei Böhnhardt oder Mundlos Waffen ein Thema? Haben die mal drüber gesprochen? Haben Sie mal welche gesehen?“ Pö.: „Ich habe keine Waffen gesehen. Waffen waren kein Thema, wo ich dabei war.“ Man habe hier und da ein Bierchen getrunken, aber über Waffen nicht gesprochen. Auf Frage, weswegen er in Haft gewesen sei, spricht Pö. von mehrere Delikten: Körperverletzungen, Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Götzl fragt nach Beziehungen in andere Bundesländer. Pö.: „Ich persönlich nicht wirklich. Aber wir waren halt, wie gesagt auf Konzerten unterwegs.“ Das sei nicht so, dass man nur hinfahre zum Konzert und das war’s, sondern man gehe in „gastronomische Einrichtungen“ und trinke „eins, zwei, drei Bierchen zu viel“ und dann komme es dazu, dass man sich wiedertrifft, auch mal Leute nach Chemnitz einlädt. Man sei wegen der Musik unterwegs gewesen. Götzl fragt nach Baden-Württemberg. Pö.: „Ich persönlich nicht, aber wir waren dort mal zu Gast.“ Er meine, so Pö. weiter, das sei Richtung Ludwigsburg gewesen.

Götzl fragt, mit welchen Personen Pö. da unterwegs gewesen sei. Pö.: „Aus Chemnitz unterschiedliche. Namen spielten bei uns keine große Rolle. In der Szene, wo es um Musik und Saufen, auf Deutsch gesagt, ging, spielten Namen nicht so eine große Rolle. “ Er habe sich auch aus der Szene zurückgezogen, alle Kontakte abgebrochen. Man versuche das zu verdrängen. Auf Frage, wann er sich aus der Szene zurückgezogen habe, sagt Pö., das sei nach seinem zweiten Haftantritt im Jahr 2000 gewesen: „Ich bin resozialisiert gewesen seit 2000 und dann war Schluss mit der ganzen Geschichte.“ Götzl: „Erinnern Sie sich, dass Sie vom BKA vernommen wurden?“ Pö.: „Ja, 2013, einmal.“ Götzl fragt, ob 2012 mal Beamte an ihn herangetreten seien. Pö.: „Nee, ich glaub nicht.“ Götzl: „Erinnern Sie sich, ob Sie mal zu dem Hausverbot vernommen wurden?“ Pö.: „Ich denke ja, da ist drüber gesprochen worden.“ Götzl: „Dann 2013 oder zu einem früheren Zeitpunkt?“ Pö.: „Nee, kann ich mich nicht erinnern. Ich habe gestern nochmal nachgeguckt und ich meine, das war 2013.“

Götzl sagt, es gebe in den Akten Protokolle von drei Vernehmungen, am 05.06.2012, 13.06.2012 und 07.08.2013. Pö. sagt, er habe nachgeschaut und gesehen, dass er auf jeden Fall 2013 die Vernehmung gehabt habe, aber wenn es 2012 auch gewesen sein, werde es so gewesen sein. Auf Frage bejaht Pö. dass er mal einen Unfall gehabt habe, ihm sei bei einem Arbeitsunfall 2004 ein Stahlträger auf den Kopf gefallen. Die Folgen würden in seinem Leben eine große Rolle gespielt, er habe heute nicht alleine anreisen können. Götzl hält vor, dass Pö. in der Vernehmung auf die Frage nach Kontakt zu Mundlos und Böhnhardt gesagt habe: Der Kontakt fand nur in der Gruppe statt, ich hatte keine Nummer von denen. Pö.: „Richtig.“ Es folgt eine Pause bis 16:02 Uhr.

Dann fragt Götzl: „Wissen Sie, ob Mandy Struck zu Böhnhardt und Mundlos Kontakt hatte und gegebenenfalls welchen?“ Pö.: „Ist mir nicht bekannt, glaube nicht.“ NK-Vertreter RA Scharmer hält aus einer Vernehmung von Pö. vor: Frage: Kennen Sie den Jan Werner? – Antwort: Ja, eine zwielichtige Erscheinung, der hat halt viel mit Musik, also Merchandising gemacht; ich hatte mit dem aber kein anständiges Gespräch, was gerade so passiert; ich kann zu dem nichts sagen; war eine Persönlichkeit, er hatte ein tolles Auto. Pö.: „Dann wird das so sein, dann kenne ich den. Aber halt nicht persönlich.“ Scharmer fragt nach (zuletzt 62. Verhandlungstag). Der komme aus Jena, so Pö. Auf Nachfrage sagt er: „Haben uns halt getroffen in Jena und auch in Chemnitz, wo halt der Mundlos und der Böhnhardt auch dabei waren, so habe ich das formuliert.“ Auf Frage, wo man sich in Jena getroffen habe, sagt Pö.: „Der Anlaufpunkt war der Herr Apel. Bei dem zu Hause, soweit ich mich erinnere. Und dann halt in Kneipen, gastronomischen Einrichtungen.“ Scharmer fragt, ob Apel auch der Anlaufpunkt dafür gewesen sei, wenn sie Kontakt aufgenommen hätten. Er habe nicht Kontakt aufgenommen nach Jena, so Pö., das seien andere gewesen. Er selbst sei immer bloß mit dabei gewesen.

Scharmer fragt, ob Pö. Erinnerungen an eine politische Einstellung von Eminger und/ oder seinem Bruder habe. Pö.: „Die waren damals noch sehr, sehr jung. Soweit ich mich erinnere, war das in ihrem Kinderzimmer, wo wir uns kennengelernt haben.“ Er könne da nichts groß sagen. Vorhalt: Was haben die Brüder für eine politische Einstellung gehabt? – Sie waren für mich in der Skinheadszene ansässig, aber natürlich rechtsdenkend, so würde ich das bezeichnen. Pö.: „Dann habe ich das so gesagt und dann ist es auch so. In den jungen Jahren, wo sie damals waren, kann ich das nicht ernstnehmen.“ Auf Nachfrage sagt Pö., das sei schon in die rechte Szene gegangen auf jeden Fall: „Deswegen habe wir uns ja auch gesehen. Aus meiner Sicht waren die zu jung, um zu verstehen, was sie da tun.“ Scharmer fragt, ob Pö. mit Fr. in Heilbronn gewesen sei. Pö.: „Ja.“ Scharmer fragt, ob Pö. etwas wisse, ob Fr. dort Kontakte in die rechte Szene gehabt habe. Pö.: „Mit Sicherheit. Der hat dort einen Teil seiner Ausbildung gemacht.“ Scharmer: Zu welchem Teil der Szene?“ Pö.: „Wie bei uns üblich, Skinhead-Szene, also über Musik.“ Auf Frage, ob zur B&H Szene dort, sagt Pö.: „Mit Sicherheit nicht.“ Der Fr. sei aus seiner Kenntnis eine nicht konstante Person, sehr naiv. Der habe sicher keinen Kontakt gehabt, weil die den nicht ernstgenommen hätten.

Dann fragt RA Narin ob es auch Besuche von Apel in Chemnitz gegeben habe. Pö.: „Gab es auch. Habe ich eben bereits erwähnt, dass wir in Jena waren und die Jenaer auch in Chemnitz.“ Narin fragt, ob auch weibliche Personen dabei gewesen seien. Das sei sicher so, aber er erinnere sich nicht, so Pö.: „Die waren nicht zu zweit oder zu dritt da.“ Narin fragt, ob es auch in Jena eine Unterscheidung zwischen Skinheads, Hooligans und Faschos gegeben habe. Pö.: „Gehe ich stark von aus.“ Vorhalt: André Kapke, Mitläufer aus Jena; er war etwas pummelig, ich habe den nicht wirklich wahrgenommen. Pö. antwortet, das habe er auch schon erwähnt. Er habe halt aus den Medien den einen oder anderen Namen zu Ohren bekommen. Und da sei sicher auch der Kapke dabei gewesen, aber er habe den nicht gekannt.

Die Frage, ob Pö. in der Zeit mal bei einem Unplugged-Konzert von „“ gewesen sei, beanstandet Stahl. Götzl sagt, Narin solle zur Frage kommen. Narin sagt, nach seinen Informationen sei Pö. 1993 bei einem Konzert „ Unplugged“ gewesen: „Kennen Sie Mitglieder von ‚‘?“ Stahl beanstandet erneut. Narin sagt, man könne auch Fragen zur Vorbereitung eines Beweisantrags stellen, er stelle die Frage aber zurück wegen der körperlichen Belastung für den Zeugen. Narin fragt, ob Pö. wisse, ob Mandy Struck mal nach München verzogen sei. Pö.: „Ist mir nicht bekannt.“ RAin Basay: „Waren Sie mal mit Mundlos in Straubing bei einer Grillfeier?“ Pö.: „Ist mir nicht bekannt.“ Basay nennt das Datum 05.08.1994. Da sei er seines Wissens in Jugendhaft gewesen, so Pö., und nicht in Heilbronn oder Straubing. Basay sagt, es gebe Akten zu einem Ermittlungsverfahren u.a. gegen Pö. und Mundlos. Vorhalt: Noch vor Ort konnten die Beschuldigten Pö. und He. als Täter des Absingens eines volksverhetzenden Liedes festgestellt werden. Götzl fragt, wo das hinführen solle. Basay erwidert, es gehe um die Radikalisierung. Sie fragt, ob die Frage beanstandet ist. Es geht kurz hin und her. Dann fragt Basay Pö., ob der bei seiner Antwort bleibe. Pö.: „Ich erinnere mich nicht an diesen, was auch immer da los war.“

RAin von der Behrens nennt eine Handynummer und fragt, ob Pö. diese Nummer benutzt habe. Das bejaht Pö. Auf Frage, seit wann ungefähr, sagt Pö., er überlege, und nennt dann das Jahr 2000. V. d. Behrens: „Wenn ich Ihnen vorhalte, dass in verschiedenen Kontaktspeichern von André Eminger diese Nummer gefunden worden ist, kommt da eine Erinnerung, dass sie auch später noch Kontakt mit ihm hatten?“ Pö.: „Wie gesagt, ich hatte mit dem auf jeden Fall keinen Kontakt, nachdem ich mit der Frau Struck da unten war.“ Da sei er sich ganz sicher. Auf Frage, ob Struck oder andere Personen die Nummer weitergegeben haben könnten, sagt Pö. das sei möglich, das wisse er nicht. Pö.: „Das ist nicht relevant. Wenn jemand meine Nummer weitergegeben hat, gibt er die weiter.“ Auf Frage, ob Fr. Kontakt zu Mundlos und Böhnhardt gehabt habe, sagt Pö.: „Direkten Kontakt mit Sicherheit nicht.“ Der sei halt zugegen gewesen, wenn man, wie alle anderen, irgendwo gewesen sei zu einem Konzert. Aber der habe nach seiner, Pö.s, Meinung keinen direkten Kontakt gehabt, mit Telefon usw. V. d. Behrens: „Zu Mandy Struck, die ist ja nach der Trennung umgezogen. Wissen Sie, wohin sie dann gezogen ist?“ Pö. verneint das, er wisse nur, dass die ganz weggezogen sei, fast in ihre alte Heimat.

Narin sagt, Pö. sei bei einer Vernehmung nach den Fiedlers und Kontakt mit dem Trio gefragt worden. Vorhalt: Der Kontakt kann meiner Meinung nach nur über die Mandy Struck geführt worden sein; meiner Meinung nach brauchte es immer einen Mittelsmann; meine Erfahrung war, dass da immer jemand zwischengeschalten war. Da sei es um die gegangen, so Pö., die immer jemand gebraucht hätten. Pö. weiter: „Es war einfach so, die , die waren nicht aus eigenem Antrieb – Wie soll ich das erklären? – bereit was zu entscheiden, schnell zu entscheiden. Die brauchten immer jemand, der ihnen Hilfe anbietet, und da war Struck eine Helferin [phon], so würde ich es bezeichnen.“ Pö. wird entlassen. Der Verhandlungstag endet um 16:39 Uhr.

Der Blog NSU-Nebenklage kommentiert:
„Die Zeugin war nun angesichts der Tatvorwürfe gegen ihre ehemalige Nachbarin bemüht, diese als unschuldiges Opfer ihres Freundes (Uwe Mundlos) darzustellen. Und so interpretierte sie vermeintliche Blicke, Gesten und Andeutungen der ihr als Lisa Dienelt bekannten Zschäpe: Lisa habe ihr ihre Telefonnummer nicht gegeben, weil ihr Freund nicht gestört werden wollte, Lisa habe ihr angedeutet, dass sie mit ihrem Freund und dessen Bruder (Uwe Böhnhardt) gemeinsamen Sex habe, obwohl sie das nicht wolle. All diese Schlüsse waren jedoch nicht auf wirkliche Beobachtungen gestützt und lösten sich auf Nachfragen des Vorsitzenden in vage Vermutungen auf.“
http://www.nsu-nebenklage.de/blog/2015/03/19/19-maerz-2015/

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