Wir melden uns einmal im Monat mit unserem Newsletter „Aufklären & Einmischen“ bei euch. Passend zum Titel des Newsletters findet ihr im ersten Teil – Aufklären – Berichte zu unserer Arbeit. Außerdem werfen wir einen Blick auf aktuelle Ereignisse im Themenfeld rechter Terror und seine Aufarbeitung. Im zweiten Teil des Newsletters wird es praktisch: Einmischen. Wir sammeln für euch aktuelle Termine beispielsweise für Veranstaltungen, Kundgebungen und Demonstrationen, an denen ihr euch beteiligen könnt. Hier könnt ihr euch für den Newsletter anmelden.
Wenn ihr genauer wissen wollt, was euch erwartet, könnt ihr hier die Mai-Ausgabe des Newsletters in der Webversion nachlesen. (Aus technischen Gründen wird der Newsletter hier grafisch leicht abweichend von der Mail-Version dargestellt.)

Hallo zur Juni-Ausgabe unseres monatlichen Newsletters „Aufklären & Einmischen“!
Im 2. NSU-Prozess in Dresden wird die verheerende Realität des NSU-Komplexes von den Verfahrensbeteiligten offenbar meist ausgeblendet. Am 21. und 22. Verhandlungstag wurde jedoch die Normalität, die sich das NSU-Kerntrio auch mit Hilfe des Unterstützer-Ehepaars Eminger aufgebaut hatte deutlich, die für die Angeklagte bis heute funktioniert. Mehr dazu lest ihr im Text Zwickauer Normalität im 2. NSU-Prozess.Unser monatlicher Newsletter soll uns auch unabhängiger von Social Media machen. Dort ist – neben den bekannten Problemen von Algorithmus und verbreiteten rechten Inhalten – oft kein Platz für ausführlichere Analysen. Den Zugang zu Websites erschwert die neue KI-gestützte Google-Suchfunktion. Vielleicht gibt es deswegen neben immer mehr Newslettern auch ein Comeback der guten alten Broschüre. Vor rund zwei Wochen erschien die Broschüre „Handeln statt Reinwaschen! Betroffene und Zivilgesellschaft zum Parlamentarischen Untersuchungsausschuss ‚Neukölln-Komplex‘“, mehr dazu findet ihr weiter unten in diesem Newsletter. Ende Juni erscheint dann die NSU-Watch-Broschüre „NSU, Nordkreuz, Neonazi-Netzwerke. 30 Jahre rechter Terror und neonazistische Organisierung in Mecklenburg-Vorpommern – eine antifaschistische Bilanz der parlamentarischen Aufarbeitung“, über die wir auch in der nächsten Ausgabe unseres Newsletters berichten werden.
Kein Schlussstrich!
Eure Antifaschist*innen von NSU-Watch
Unser Newsletter ist kostenlos und wird es auch bleiben. Für unsere Arbeit sind wir aber auf eure Unterstützung angewiesen. Mehr dazu findet ihr auf unserer Spendenseite!

Zwickauer Normalität im 2. NSU-Prozess
In dieser Normalität fühlte sich auch das NSU-Unterstützer-Ehepaar Eminger wohl – und profitiert bis heute von ihr. Während der NSU im Untergrund lebte, halfen die beiden, die Fassade der Untergetauchten aufrechtzuerhalten. André Eminger besorgte Wohnungen und den Wohnungsgeber Matthias Dienelt. Er gab seine Identität für Bahncards und Arztbesuche. Dafür wurde er im ersten NSU-Prozess verurteilt. Nun sitzt seine Ehefrau, Susann Eminger, im 2. NSU-Prozess in Dresden auf der Anklagebank, unter anderem auch wegen des Überlassens von Bahncards und von Krankenkassenkarten.
Darüber hinaus verschafften beide dem NSU offenbar einen geregelten Alltag in Zwickau, der den Schein der Normalität verstärkte. Beate Zschäpe sprach in ihrer Aussage in Dresden von gemeinsamen Einkaufsfahrten mit André Eminger. Susann Eminger schrieb in SMS Ende 2010 an ihren Mann, die am 22. Prozesstag (2. Juni) in Dresden verlesen wurden, davon, dass sie mit „Liesl“ (Deckname von Beate Zschäpe) einen der Eminger-Söhne abhole und mit „Max“ (Deckname von Uwe Mundlos) Katzenstreu kaufe. Vorherige Prozesstage zeigten, dass Susann Eminger mit Beate Zschäpe auf ein Nachbarschaftsfest oder zu einem Auftritt von „Cindy aus Marzahn“ ging, wo beide sich mit anderen Besucher*innen fotografieren ließen.
„Handeln statt Reinwaschen!“ – Eine Broschüre der Betroffenen und des Neukölln-Komplex und von Beobachter*innen des Neukölln-Untersuchungsausschusses

Die Broschüre „Handeln statt Reinwaschen! Betroffene und Zivilgesellschaft zum Parlamentarischen Untersuchungsausschuss ‚Neukölln-Komplex’“ verschafft den Stimmen derjenigen Gehör, die von rechter Gewalt, rassistischen Angriffen und dem Versagen der Behörden betroffen waren und sind. Sie fasst Beobachtungen, Kritik und Forderungen zusammen.
Am 27. Mai haben Betroffene, zivilgesellschaftliche Expert*innen und Beobachter*innen des PUA die Broschüre „Handeln statt Reinwaschen! Betroffene und Zivilgesellschaft zum Parlamentarischen Untersuchungsausschuss ‚Neukölln-Komplex’“ veröffentlicht. Sie stellt dem kommenden Abschlussbericht die Stimmen der Betroffenen und der Beobachter*innen gegenüber.
Die Broschüre ist bald online einzusehen.
Aktuelles aus dem Themenbereich Rechter Terror und Antifaschismus
+++ VOICES UNITED – In Gedenken an Theodoros Boulgarides und alle Opfer des NSU am 20. Juni in München +++
Am 20. Juni findet im Münchener Feierwerk das Festival „VOICES UNITED – In Gedenken an Theodoros Boulgarides und alle Opfer des NSU“ statt. Lina und Mandy Boulgarides schreiben:
„Wir sind die Töchter von Theodoros Boulgarides aus München, der 2005 vom NSU ermordet wurde. Zusammen mit der Stadt München haben wir ein Festival organisiert: Voices United.
Damit wollen wir erinnern – und gleichzeitig das Leben feiern! Ein Festival für Begegnung, Austausch und Zusammenhalt. Für Solidarität, Vielfalt und ein respektvolles Miteinander.

Freut euch auf Konzerte, Workshops, Ausstellungen, Gespräche sowie Essen und Getränke.
Auch für die kleinen Besucher*innen ist gesorgt, damit wirklich alle dabei sein können.
Kommt vorbei, bringt eure Freund*innen und Familien mit und lasst uns gemeinsam laut gegen Rassismus sein!
Unsere Stimmen sind vereint – unsere Stimmen zählen!“
Ab 15 Uhr beginnt das Nachmittagsprogramm mit einem Workshop, Reden der Betroffenen und einem Podium mit der Initiative der Angehörigen der vom NSU Ermordeten „Echoes of Witnesses – Stimmen für die vom NSU Ermordeten„. Gleichzeitig gibt es auch ein Kinderprogramm. Ab 17:30 Uhr beginnt der musikalische Teil des Abends.
Line-Up:
* Elena Rud (Indie)
* Kochkraft durch KMA (Indie-Punk)
* Kokonelle (Hip-Hop, R’n’B, Afro und Soul)
* Kutlu (Hip-Hop)
* Maxi Pongratz (Singer-Songwriter)
* Mt. Hush (Psychedelic, Blues)
* Roger Rekless (Hip-Hop)
* Principess (Disco-Pop & Italo-Kraut)
* Waseem (DJ)Mehr Infos hier.
+++ Erinnern an den ersten bekannten Anschlag des NSU am 23. Juni 1999 in Nürnberg +++
Am 23. Juni 1999 überlebte Serkan Yildirim einen rassistischen Bombenanschlag des NSU auf seine neu eröffnete Pilsbar „Sonnenschein“.
Gemeinsam mit Serkan Yildirim hat das Solidaritätsnetzwerk der Betroffenen rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt eine Erinnerungskundgebung am Tatort sowie ein Podiumsgespräch mit u.a. Betroffenen des NSU-Terrors organisiert.
Die Kundgbung findet um 17:30 Uhr in der Scheurlstraße statt. Es werden unter anderem Serkan Yildirim und andere vom NSU Betroffene sprechen.
Um 19:30 Uhr findet dann im Südpunkt das Podiumgespräch „Wann kommt das bundesweite NSU-Dokumentationszentrum?“ statt. Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung hat diese festgelegt: „Wir schaffen ein NSU-Dokumentationszentrum in Nürnberg“. Rund ein Jahr später ist es sehr still um das Projekt geworden.

Dr. Walter Lübcke
Der Kasseler Regierungspräsident wurde vor sieben Jahren, in der Nacht vom 1. auf den 2. Juni 2019, von dem Neonazi Stephan Ernst auf seiner Terrasse in Wolfhagen-Istha bei Kassel ermordet.
Im Oktober 2015 nahmen die Neonazis Markus Ha. und Stephan Ernst ein Video von einem Auftritt des CDU-Politikers bei einer Bürgerversammlung in Lohfelden auf. Lübcke hatte sich auf dieser Versammlung den Fragen gestellt, die Bürger*innen wegen der Eröffnung einer Geflüchtetenunterkunft im Ort hatten. Als Regierungspräsident von Kassel war er verantwortlich für die Unterbringung von Geflüchteten in Nordhessen.

Zur Veranstaltung in Lohfelden hatte das Umfeld von Kagida, des örtlichen Pegida-Ablegers aus Kassel, gezielt mobilisiert. In den ersten Reihen nahmen Menschen Platz, die den Regierungspräsidenten provozierten. Lübcke verteidigte daraufhin in seiner Rede das Grundrecht auf Asyl und sagte am Ende einer längeren Ausführung:
“Da muss man für Werte eintreten, und wer diese Werte nicht vertritt, der kann jederzeit dieses Land verlassen, wenn er nicht einverstanden ist. Das ist die Freiheit eines jeden Deutschen.”
Das Video dieser Aussage löste eine massive Welle von rechter Hetze gegen Walter Lübcke aus, an deren Ende seine Ermordung steht.
Stephan Ernst, der Mörder von Walter Lübcke ist so etwas wie die Verkörperung einer Kontinuität rechten Terrors in Hessen und Deutschland. Er beging seit 1989 immer wieder Mordanschläge und Angriffe. Der Name von Stephan Ernst fiel Abgeordneten des NSU-Untersuchungsausschusses in Hessen schon auf, bevor er im Zusammenhang mit dem Mord an Lübcke 2019 einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde.
Der Name von Markus Ha., der ebenfalls beim Prozess zum Mord an Walter Lübcke angeklagt war und dort vom Vorwurf der psychischen Beihilfe zum Mord freigesprochen wurde, taucht schon im Zusammenhang mit dem NSU-Mord an Halit Yozgat in Kassel 2006 in den Akten auf.
Zugespitzt muss festgestellt werden: Wäre der NSU-Komplex lückenlos aufgeklärt worden, könnte Walter Lübcke noch leben. Seine Ermordung hingegen steht in der Kontinuität rechten Terrors.
NSU-Nagelbombenanschlag auf die Kölner Keupstraße
Am 9. Juni 2004 verübte der NSU in der Keupstraße in Köln einen rassistischen Nagelbombenanschlag. Sehr viele Menschen wurden zum Teil schwer verletzt, unzählige traumatisiert. Viele Überlebende des Anschlags gingen von Beginn an davon aus, dass sie einen rechten Anschlag überlebt hatten. „Nach meiner Vermutung waren es die Rechtsextremen“, wird einer von ihnen im Kölner Stadtanzeiger vom 10./11. Juni 2004 zitiert. Dies und auch die Tatsache, dass es 1999 mehrere rechte Anschläge mit einer ähnlichen Vorgehensweise in London gegeben hatte, ließen die Ermittler*innen aber außen vor.Die Ermittlungen richteten sich stattdessen gegen die Bewohner*innen der Keupstraße, gegen die Ladenbesitzer*innen und Besucher*innen der Straße. Auch hier prägten rassistische Annahmen die Ermittlungen. Die Überlebenden des Anschlags auf die Keupstraße sprechen von dem „Anschlag nach dem Anschlag“, wenn sie den Umgang der Behörden, der Medien und von Teilen der Öffentlichkeit mit ihnen in den sieben Jahren zwischen dem Anschlag im Sommer 2004 und der Selbstenttarnung des NSU-Kerntrios im November 2011 beschreiben.
Wir gedenken auch Atilla Özer, Überlebender des Nagelbombenanschlags auf die Keupstraße, der am 23. September 2017 verstarb.
İsmail Yaşar
Am 9. Juni 2005 wurde İsmail Yaşar in seinem Imbiss in Nürnberg vom NSU ermordet. Er wurde 50 Jahre alt.Seinen Imbiss hatte İsmail Yaşar sechs Jahre zuvor gegenüber der Scharrerschule eröffnet, die auch sein Sohn besuchte. Nach dem Mord klebten Schüler*innen der Schule und Nachbar*innen Briefe an den Imbiss, legten Blumen ab und entzündeten Kerzen. İsmail Yaşar war sehr beliebt in seinem Viertel.
Die Ermittlungen der Polizei richteten sich jedoch gegen İsmail Yaşar, seine Familie und sein Umfeld. Die Ermittler*innen verbreiteten, wie in anderen Fällen der Mordserie, auch hier rassistische Gerüchte, beispielsweise vermeintliche Kontakte zum Drogenhandel.

Abdurrahim Özüdoğru
Am 13. Juni 2001 wurde Abdurrahim Özüdoğru in seiner Änderungsschneiderei in Nürnberg vom NSU ermordet. Er war das zweite Opfer der Mordserie und wurde 49 Jahre alt.Abdurrahim Özüdoğru war 1972 aus der Türkei nach Deutschland gekommen und arbeitete als Metallfacharbeiter. Nebenbei baute er mit seiner Frau die Änderungsschneiderei auf.
Seine Tochter Tülin Özüdoğru ließ am 401. Verhandlungstag ihren Anwalt im Rahmen von dessen Plädoyer einen Brief verlesen:
Die Ermittlungen nach dem Mord richteten sich gegen Abdurrahim Özüdoğru, seine Familie und sein Umfeld und waren von rassistischen Unterstellungen geprägt. Gegen Neonazis wurde kaum ermittelt.
Bis heute ist nicht geklärt, wer den NSU beim Mord an Abdurrahim Özüdoğru unterstützte. Die Änderungsschneiderei lag in einer Nebenstraße der Nürnberger Südstadt und war für Abdurrahim Özüdoğru ein Nebenerwerb, sie war nicht regelmäßig geöffnet. Um hier jemanden zu ermorden, brauchte es genaue Ortskenntnisse.
Theodoros Boulgarides
Am 15. Juni 2005 wurde Theodoros Boulgarides in seinem zwei Wochen zuvor eröffneten Schlüsseldienst in München vom NSU ermordet. Er wurde 41 Jahre alt.Seine Familie kämpft bis heute um Aufklärung, denn nach dem Mord ermittelte die Polizei nicht zu einem rechten Motiv, sondern gegen Theodoros Boulgarides, seine Familie und sein Umfeld. Und auch nach der Selbstenttarnung des NSU, die klar machte, dass es ein rassistischer Mord war, wurden das Neonazi-Netzwerk, das den Mord ermöglichte, und die Verantwortung der Behörden nie vollständig aufgeklärt.
Yvonne Boulgarides, die Witwe von Theodoros Boulgarides, sagte zum Ende des NSU-Prozesses: „Er ähnelt für mich einem oberflächlichen Hausputz. Um der Gründlichkeit genüge zu tun, hätte man die ‚Teppiche‘ aufheben müssen, unter welche bereits so vieles gekehrt wurde.“
Seine Tochter Mandy Boulgarides schrieb zehn Jahre nach der Selbstenttarnung des NSU:
„Diese letzten 10 Jahre waren für alle Hinterbliebenen, Angehörigen und die Unterstützenden mehr als aufwühlend. Es war belastend und zum Teil auch beleidigend. Es waren auch 10 Jahre, in denen wir in die Beweispflicht genommen wurden, um nachzuweisen, dass mehr als nur drei Personen die Schuld an der kaltblütigen und menschenverachtenden Ermordung von 10 unschuldigen Menschen tragen. (…)

Was haben uns die letzten 10 Jahre gezeigt? Unser Rechtsstaat hat noch viel zu lernen und sollte sich dessen endlich bewusst werden! Die ganzen Morde und Anschläge stehen in keinerlei Verhältnis zu den lächerlichen Urteilen. (…)
Dies ist ein bedeutender Moment der deutschen Nachkriegszeit. Wir zeigen Deutschland, dass jeder das Recht haben muss lückenlose Aufklärung zu erhalten.
Ich will, dass alle Personen die mit dem NSU-Terror und dem ganzen Komplex in Verbindung stehen dafür zur Verantwortung gezogen werden.
Ich wünsche mir, dass Menschen keine Angst haben, für ihre Rechte oder die ihrer verstorbenen Angehörigen zu kämpfen und Fragen laut in die Gesellschaft zu schreien. (…)
Wir werden nicht aufhören zu fragen. Es wird endlich Zeit für klärende Antworten.“
NSU-Anschlag auf Serkan Yildirim
Der NSU beging am 23. Juni 1999 seinen ersten bekannten, oft vergessenen, Sprengstoffanschlag auf Serkan Yildirim und die von ihm betriebene „Pilsbar Sonnenschein“ in der Scheurlstraße in Nürnberg.Der damals 18-jährige Serkan Yildirim wurde bei dem Anschlag schwer verletzt. Er hatte sich mit seiner „Pilsbar Sonnenschein“ seinen Traum von der Selbstständigkeit verwirklicht, am Vorabend des Anschlags hatte er sie nach einer Testphase offiziell eröffnet.
Die Rohrbombe, versteckt in einer Taschenlampe, entdeckte Serkan Yildirim beim Reinigen der WCs seiner Bar am Tag nach der Eröffnungsfeier. Die Zündung war fehlerhaft, daher überlebte er den Anschlag schwer verletzt.
Wäre die Möglichkeit eines Neonazi-Attentats und Rassismus bei den Ermittlungen als Motiv in Betracht gezogen worden, hätte möglicherweise die weitere Mord- und Anschlagsserie des NSU verhindert werden können. Stattdessen waren die Ermittlungen, wie im Großteil der Ermittlungen der Sicherheitsbehörden im NSU-Komplex, von institutionellen Rassismus gegen Serkan Yildirim geprägt und wurden sieben Monate nach der Tat ergebnislos eingestellt.
Erst während des NSU-Prozesses am Oberlandesgericht München wurde durch eine Aussage des mittlerweile rechtskräftig als NSU-Unterstützer verurteilten Carsten Schultze bekannt, dass das NSU-Netzwerk auch für die Rohrbombe verantwortlich war, die das Leben von Serkan Yildirim bis heute beeinträchtigt. Mit in die Anklage des NSU-Prozesses aufgenommen wurde der Anschlag jedoch nicht.
Mehr Hintergründe findet ihr im Artikel „Der vergessene Anschlag des NSU„.
In unserem Podcast könnt ihr Serkan Yildirim zuhören.
William Schenck, Rufus Surles und Mohamed Ehap
William Schenck hatte als Soldat der U.S. Army in Nürnberg gedient, arbeitete nach seiner Migration als Dressman und war verheiratet. William Schenck wurde 24 Jahre alt.
Rufus Surles war als Sergeant der U.S. Army in den Pinder Barracks in Zirndorf stationiert. Rufus Surles wurde 27 Jahre alt.
Mohamed Ehap war im Zuge einer Fortbildung als Ingenieur für einige Tage in Nürnberg; er war ägyptischer Staatsbürger. Mohamed Ehap wurde 21 Jahre alt.

Der Täter, Helmut Oxner, hatte jahrelang Veranstaltungen der NPD-Jugendorganisation JN besucht. Kurz vor der Tat hatte er wegen rassistischer und antisemitischer Drohanrufe vor Gericht gestanden. Am Tatort hinterließ er Aufkleber der neonazistischen NSDAP/AO. Polizisten, die vor ihm in Deckung gingen, rief er zu: „Ich schieße nur auf Türken.“ Oxner war Mitglied eines Schützenvereins und besaß legal Waffen.
Nach der Tat erklärten die Behörden den Mörder zum Einzeltäter, in Richtung möglicher Unterstützer*innen ermittelten sie nie ernsthaft. In der lokalen wie überregionalen Öffentlichkeit wurde der rassistische Anschlag schnell vergessen und auch in der Folge kaum thematisiert. Bis heute ist er viel zu wenig bekannt.
Süleyman Taşköprü
Am 27. Juni 2001 wurde Süleyman Taşköprü im Lebensmittelgeschäft seiner Familie in Hamburg vom NSU ermordet. Er wurde 31 Jahre alt und hinterließ eine Tochter.Seine Schwester Ayşen Taşköprü schrieb zum 20. Jahrestag seiner Ermordung im Magazin „Hinz&Kunzt“ über die Monate vor dem Mord, in denen Süleyman Taşköprü den Laden seiner Familie in der Hamburger Schützenstraße übernommen hatte:
„Er war voller Pläne! Nebenan wollte er einen Weinladen eröffnen. Ich erinnere mich an den April 2001: Mein Bruder stand im Laden, voller Begeisterung, und meinte: ‚Guck mal, kleine Schwester, ich habe neue Regale besorgt!‘ Doch seine Pläne und Träume wurden mit ihm vernichtet.“

Hamburger Ermittler verhinderten während der bundesweiten Ermittlungen zur Mordserie 2006, dass tiefergehend in Richtung eines rechten Hintergrunds der Mordserie ermittelt wurde.
Hamburg ist bis heute das einzige Bundesland, in dem der NSU mordete, das keinen parlamentarischen Untersuchungsausschuss eingerichtet hat. Im April 2023 stellte die Linksfraktion erneut einen Antrag auf Einrichtung eines UA. Dieser wurde von der Regierungskoalition aus SPD und Grünen verhindert, während die Familie von Süleyman Taşköprü in der Hamburger Bürgerschaft anwesend war.
+++ Termine +++
9. Juni, Nürnberg: Gedenken an İsmail Yaşar. 18 Uhr, Scharrerstraße. Weitere Infos hier.
9., 13., 15., 23. und 27. Juni, Jena: Gedenken an die Opfer des NSU. Jeweils 16 Uhr, Johannisstr. 14. Mehr Infos hier.
10. Juni, Bonn: Das soll Gerechtigkeit sein? – Die Tötung von Mouhamed Lamine Dramé” – Buchvorstellung & Gespräch mit den Solidartitätskreisen Justice4Mouhamed und Justice4Ibrahima und Courtwatch Köln. 19:30 Uhr, LeSaBot. Mehr Infos hier.
11. Juni, Chemnitz: Workshop mit der Initiative zweiterOktober90. 11 Uhr, Offener Prozess – Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex, Johannisplatz 8. Mehr Infos hier.
11. Juni, Rostock: Ankommen. (Über)leben. Weiterkämpfen! Gemeinschaftsunterkünfte für Geflüchtete in MV von den 90ern bis heute. 17:30 Uhr, Peter-Weiss- Haus. Mehr Infos hier.
13. Juni, Nürnberg: Gedenken an Abdurrahim Özüdoğru. 18 Uhr, Gyulaer Straße. Weitere Infos hier.
13. Juni, Berlin: Veranstaltung: 10 Jahre nach dem rechten Anschlag am OEZ München – Antifa heißt erinnern. 19 Uhr, Schreina 47. Mehr Infos hier.
17. und 24. Juni, 3. 9. und 17. Juli (Urteil), Dresden: Prozesstage im 2. NSU-Prozess. 9:30 Uhr, OLG-Außenstelle Hammerweg 26 oder Landgericht. Mehr Infos hier.
21. Juni, Kassel: 6 Jahre nach dem rassistischen Mordversuch an B. Efe: Fahrrad-Autokorso mit Kundgebung in Kassel. Ab 16 Uhr, Nordstadtpark. Mehr Infos hier.
22. Juni, München: Veranstaltungsreihe Antifa heißt Erinnern Teil 3: Antifa heißt Selbstkritik. 20 Uhr, Kafe Marat. Mehr Infos hier.
22. Juni, online: Polizei, Medien und die Herstellung von (Un)Sicherheit. Kommunikative Strategien und antirassistische Kämpfe. Mit Mohamed Amjahid und Dr. Sevda Can Arslan. 18:30 Uhr. Mehr Infos hier.
23. Juni, Nürnberg: Erinnern an den Anschlag des NSU am 23. Juni 1999. Kundgebung 17:30 Uhr, Scheurlstraße. 19:30 Uhr Abendveranstaltung: Wann kommt das bundesweite NSU-Dokuzentrum?, Südpunkt. Mehr Infos hier.
23. Juni, Hamburg: Veranstaltung: 10 Jahre nach dem rechten Anschlag am OEZ – Antifa heißt Erinnern. 19 Uhr, Infoladen Wilhelmsburg. Mehr Infos hier.
24. Juni, Duisburg: Justice for Ibrahima! Prozessbeginn gegen die 9 Polizist*innen, die am Einsatz beteiligt waren, durch den Ibrahima gestorben ist. Mehr Infos hier.27. Juni, Sangerhausen: CSD in Sangerhausen. Mehr Infos hier.
Juni, Ostdeutschland: Übersicht der CSDs und Prides in Ostdeutschland.Jetzt anmelden! 22.-26. Juni, Berlin, Bildungsurlaub: Von den 1990ern bis heute. Rechte Gewalt und was wir ihr entgegensetzen können. Von BiLaN – Bildungsinitiative Lernen aus dem NSU-Komplex. Mehr Infos hier.
4. Juli, Erfurt: Gemeinsam gegen den Bundesparteitag der AfD in Erfurt. Mehr Infos hier.
Bis 7. Juli, Hamburg: Ausstellung „Die Tatorte des NSU“. Altonaer Museum. Mehr Infos hier.
17. Juli, Dresden: Vorraussichtlich Urteil im 2. NSU-Prozess. Mehr Infos hier.
Jetzt anmelden! 7.-11. September, Berlin, Bildungsurlaub: „Rechtsruck in Deutschland. Was tun?“ Von BiLaN – Bildungsinitiative Lernen aus dem NSU-Komplex. Mehr Infos hier.
7. November, Zwickau: Kein Schlussstrich. 15 Jahre gegen das Vergessen. 15 Jahrestag der Selbstenttarnung des NSU. Mehr Infos hier.
Bis 14. Februar 2027, Stuttgart: Ausstellung Rechtsextremer Terror. Erinnerungsort Hotel Silber. Mehr Infos hier.
Bis auf weiteres, Mittwoch-Sonntag, Chemnitz: „Offener Prozess. Ein Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex“. Johannisplatz 8. Mehr Infos hier.
Zum Weiterempfehlen und anmelden: nsu-watch.info/newsletter



