Protokoll 192. Verhandlungstag – 12. März 2015

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An diesem Verhandlungstag wird zunächst die Anhörung von Geschädigten des Anschlags aus der Kölner Keupstraße fortgesetzt. Dabei schildert der Zeuge den Anschlag selbst und erzählt, wie er immer wieder durch die Polizei befragt wurde, die ihm auch DNA-Proben abnahm. Auch schildert er die Folgen des Anschlags bis heute. Anschließend sagt Andreas Rei. aus. Dieser war ein Schulfreund von Mundlos. Er schildert ausführlich, wie sich Mundlos zunächst kritisch zur DDR äußerte und später immer weiter rechts politisierte. Rei. berichtet von Mundlos‘ Jugendclique, der auch Beate Zschäpe angehörte, und wie die Clique Jagd auf Linke gemacht habe.

Zeuge:

  • [AJ] (Geschädigter des Nagelbombenanschlags in der Kölner Keupstraße)
  • Andreas Rei. (Schulfreund von Uwe Mundlos, Erkenntnisse zu Mundlos Jugend und Politisierung)

[Hinweis: Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes verzichten wir auf die namentliche Nennung der Betroffenen des Anschlags in der Kölner Keupstraße. Die Angaben der Zeug_innen zu ihren körperlichen Verletzungen, psychischen Folgen und Behandlungen geben wir hier in einem zusammenfassenden Text wieder.]

Der Prozesstag beginnt um 9:49 Uhr. Der erste Zeuge ist [AJ], er nimm mit Dolmetscher am Zeugentisch Platz. [Wir geben hier die Angaben von [AJ] wieder, wie sie vom Dolmetscher aus dem Türkischen ins Deutsche übersetzt wurden.] Götzl sagt, es geht um Ereignisse am 09.06.2004 im Bereich der Keupstraße. [AJ] schildert: „An dem Tag kam ich rechtzeitig zur Arbeit, im Laden haben wir die Arbeit begonnen. Es war ein intensives Arbeitstempo an dem Tag. Weil an dem darauffolgenden Tag war ein Feiertag. Das Wetter war ein wenig heiß. Die Kunden im Laden sind mehr geworden. Bevor die Bombe knallte, fünf Minuten vorher, war ich draußen. Aber natürlich, ich habe überhaupt nicht gemerkt, wie das Fahrrad dorthin gekommen war. Ich kam von draußen in den Laden hinein. In dem Moment, wo ich meine Arbeit wieder fortsetzte, hab ich gespürt wie der Laden zu heiß wurde, ich hab das Fenster im hinteren Bereich geöffnet. In dem Moment ist alles auf einmal geschehen. Ich kann mich sehr gut erinnern, es gab nach innen einen Luftdruck und dann kam es zu einer Riesen-Explosion. Ich war gerade dabei, an einer Dame zu arbeiten. Ich habe zunächst versucht, die Dame in Schutz zu nehmen und im hinteren Bereich nach draußen gebracht. Als ich zurückkehrte, war alles durcheinander, zerstört. Im ersten Moment haben wir gedacht, dass die Spraydosen in der Vitrine explodiert sind, in dem Moment haben wir natürlich ganz anders gedacht, ob unten vielleicht ein Kessel explodiert wär. Ich hab überhaupt nicht an eine Bombe gedacht. Dann bin ich zu meinen Freunden gelaufen, die sich auf der gegenüberliegenden Seite vom Laden befanden. Ich will nicht, dass irgendjemand auf der Welt so einen Moment, wie ich ihn erlebt habe, erlebt. Ich habe meinen Freunden angefangen zu helfen. Ich war an einigen Stellen verletzt.“

[AJ] weiter: „Auf einmal, in einer kurzen Zeit kamen die Polizeibeamten, die Ambulanzwagen haben angefangen zu kommen. Die Polizei kam und hat einige Fragen gestellt, aber ich konnte die Fragen nicht verstehen. Der Polizeibeamte wollte mich nicht in den Laden reinlassen, ich habe aber nicht auf sie gehört und bin hineingegangen und habe hineingeschaut. Alles war zerstört. Die brachten uns ins Krankenhaus. Im Krankenhaus wurde ich an den Verletzungen behandelt. Sie fragten, ob ich bleiben würde und ich habe nein gesagt. Ich hatte Riesenangst bekommen, weil ich zum ersten Mal sowas erlebt habe. Meine Ehefrau ist gekommen, einige Verwandte hatten mich im Krankenhaus gefunden, sie haben mich abgeholt und nach Hause gebracht. Am nächsten Tag bin ich wieder zum Laden gegangen. Die Polizeibeamten kamen zu mir nach Hause, damit ich eine Aussage machen sollte mit meiner Frau zusammen. Wir sind zum Polizeizentrum Bonn gefahren. Weil ich nicht deutsch konnte, es gab eine türkische Polizeibeamtin, die hat als Dolmetscherin fungiert. Ich hab alles erzählt, soweit ich das wusste. Aufgrund der Explosion haben wir unsere Arbeit verloren, wir haben in keiner Hinsicht eine Unterstützung bekommen. Es ist ein halbes Jahr vergangen, dann habe ich einen Frisörladen eröffnet. Vier Polizeibeamten kamen dort hin, darunter auch eine türkische Dame. Sie haben mir einige Fragen gestellt und danach sind sie weggefahren. Nach der Explosion der Bombe, ca. sechs Monate später, arbeitete ich in Goslar in einem Frisörladen. Auch dahin kamen eine Dame und zwei Polizeibeamten. Die haben von mir DNA verlangt, das hab ich ihnen gegeben. Ich hatte noch am Ohr etwas, eine Beeinträchtigung, immer ein Ton. Das mit den Ängsten dauert aber noch an.“

Götzl fragt nach der genauen Position von [AJ]. Dieser antwortet: „Im Moment der Explosion war ich mit Kunden befasst. Ich arbeitete am ersten Stuhl. An meiner linken Seite war die Ausgangstür. Ich kam zu dieser Tür, hab die Bürste in die Hand genommen, um das Haar zu kämmen. In dem Moment an dem ich die Bürste in die Hand nahm, war ich an der linken Seite von der Tür. In dem Moment kam es zur Explosion. Mein Abstand zur Tür war zweieinhalb bis drei Meter.“ Vorhalt aus der Vernehmung von [AJ] am 23.06.2004: Als ich draußen war, habe ich keine verdächtigen Beobachtungen gemacht. Danach bin ich in das Geschäft gegangen und hab weitergearbeitet. Ich befand mich immer noch an dem Arbeitsplatz, mein Rücken war dem Eingang und somit der Keupstraße zugedreht, jedoch hab ich mich ab und zu gedreht und aus dem Fenster geschaut. Während ich an der zweiten Kundin gearbeitet habe, gab es eine riesige Explosion. Ein Druck im Geschäft, ein Kunde ist gegen mich geflogen. Keskin sagt dazu, der Kunde hatte sich bereits rasiert, er war in der Mitte. Er sei auf ihn zugeflogen gekommen. Dieser Kunde sei auch verletzt worden, sagt [AJ] auf Frage und beschreibt die Verletzungen. Der Zeuge wird entlassen. Es folgt eine Pause bis 10:30 Uhr.

Es folgt der Zeuge Andreas Rei., 41, jetzt wohnhaft in München. Götzl sagt, es gehe um Böhnhardt, Mundlos, Zschäpe, ob der Zeuge diese gekannt habe. Rei.: „Der Uwe Mundlos. Den hab ich in der Schule kennengelernt, vielleicht war ich auch im Kindergarten mit ihm zusammen. In der Schule war ich zehn Jahre lang zusammen, Schulfreunde. Es war schon mein bester Freund, muss ich klar sagen, und wir sind durch die ganze Schulzeit gegangen. Im Anschluss hat jeder so seinen Lehrberuf gehabt und dann hat sich das auseinandergelaufen. Von den Angeklagten kenne ich die Beate Zschäpe, die hab ich über den Uwe Mundlos kennengelernt. Der Herr Mundlos ist 1987/1988 umgezogen nach Winzerla und im Zuge dessen hat er einen anderen Bekanntenkreis kennengelernt, auch Beate Zschäpe. Ich war da schon öfters dabei die ersten Jahre und von daher kennen wir uns.“

Götzl fragt, wie lange Rei. letztlich zu Uwe Mundlos Kontakt hatte. Rei.: „Das wird so bis 1993 gewesen sein, bis zum Ende der Lehrzeit und wir haben uns auch danach noch ab und zu gesehen. Der allerletzte Kontakt war 1995, 1996, ganz flüchtig auf der Straße.“ Götzl fragt nach der gemeinsamen Schulzeit vor dem Umzug von Uwe Mundlos nach Winzerla. Rei. antwortet, sie seien gemeinsam auf die POS Magnus Oberschule gegangen. Er habe im Prinzip hundert Meter von ihm weggewohnt. Aufgrund der beengten Wohnverhältnisse und weil sein Bruder Kinderlähmung habe, habe man nach vielen jahren Kampf das endlich erreicht, dass man eine angemessene Wohnung bekommt. Götzl: „Beschreiben Sie Uwe Mundlos.“ Rei.: „Bis zur 5./6. Klasse war der Uwe eher so pazifistisch unterwegs, er hatte langes, gelocktes Haar, er trug gerne selbstgestrickte Pullis und war gegen alles, was von dem System uns aufdoktriniert wurde, also von der SED. Er war gegen die Armee, gegen die Partei und hat das auch zur Schau gestellt. Von daher war er was Besonderes. Und als die Zeit anging, dass man Nachwuchskader für die Armee suchte, hat man einen großen Bogen um ihn gemacht. Sein Vater war öfter an der Schule und hat auf Elternabenden seinen Standpunkt vertreten. Seine Kämpfe gegen die Partei und für ein besseres Umfeld für seinen Jungen hat er ganz offen ausgetragen. Und mit dem Umzug nach Winzerla ist er in die rechte Szene reingekommen, die Gedankengänge wurden absoluter, radikaler. Das fiel natürlich genau in die Zeit der Wende hinein.“

Götzl: „Wenn Sie sagen: Die Gedankengänge seien absoluter, radikaler geworden, können Sie das näher beschreiben?“ Rei.: „In der 6./7.Klasse rum fing er an, Ideen oder Geschichten vom Dritten Reich zu erzählen, was alles Gutes gemacht haben, die Autobahn gebaut und Arbeitsplätze geschaffen zum Beispiel. Und wenn wir gesagt haben: Dein Bruder, Kinderlähmung, das war unwertes Leben zur NS-Zeit, dann hat er das einfach weggewischt, schon so eine gewisse Kälte oder Erbarmungslosigkeit. Das ist dann immer mehr geworden und er hat unheimliches Talent in der Agitation gehabt. Fast unverrückbar, so würd ich ihn beschreiben. Es gab ja zu DDR-Zeiten in den Jugendstunden eine Unterrichtseinheit mit Besuch des KZ Buchenwald. Und bei solchen Veranstaltungen, dann war da irgendwie kein Platz für Mitleid mit den Opfern. Also das Menschliche wird völlig separiert, ausgeklammert. Und immer nur das Dritte Reich hochgelobt, absolut unrelativiert. Wenn man da sagte: Stell Dir vor, deine Mutter geht rein oder dein Vater, die gehen links rum und du rechts rum, an der Gaskammer vorbei. Da wurde das immer mit einem Scherz abgetan.“ Götlz fragt, wie die Entwicklung weitergegangen sei. Rei.: „Er wurde immer rechter. Das ging los, mit der Wende fielen die Autoritäten bei uns weg und was neues war noch nicht so richtig da, eine neue Staatsgewalt, man hat sich seinen Freiraum gesucht und er ist in der rechten Szene weiter eingetaucht. Das ging los mit der Musik, die wurde gehört und rechte Sachen getragen. Und diese Dinge verstärkten sich immer mehr: Haare geschoren, Stiefel getragen, natürlich gut geputzt, und solche Dinge halt. Als er die Lehre zu Ende hatte, kam er zur Armee. Und da war unser Kontakt weitestgehend zu Ende. Er ist durch diese Zeit glaub ich nochmal radikalisiert worden.“

Götzl: „Sie schilderten den letzten Kontakt als zufälliges Treffen, haben Sie da von ihm noch was erfahren?“ Rei. sagt, Mundlos habe gesagt, er wollte irgendwo hinfahren zu irgendeinem Rudolf Hess Geburtstag. Er müsse aber noch zuerst zwei vom VS abschütteln. Er habe keinen bekümmerten Eindruck gemacht. Götlz fragt nach der Lehre von Mundlos, wie es mit Computerkenntnissen ausgesehen habe. Rei. antwortet, Mundlos habe schon frühzeitig, zu DDR-Zeiten durch seinen Vater Zugriff gehabt auf ordentliche Computertechnik. Auf jeden Fall konnte er programmieren, habe kleine Computerspiele selber programmiert, das waren in der Regel Ballerspiele, da war auch schon rechtes Gedankengut in den Spielen enthalten. Götzl fragt, ob Waffen und Gewalt mal ein Thema gewesen seien. Rei.: „Scharfe Wafen nicht. ich hatte so einen Knicker, ein kleines Luftdruckgewehr. Mit dem haben wir schon Schiessübungen gemacht aber das machen viele Jungs. Und nach der Wende gings los: jeder musste ein Messer haben oder ne Gaspistole, sowas hat man dann eben gehabt, ja.“ Götzl fragt nach körperlichen Auseinandersetzungen. Rei.: „Es waren schon ein paar Schubsereien dabei. Aber dass ich beobachtet hätte, dass er jemand verprügelt hätte kann ich nicht bezeugen.“

Auf Frage sagt Rei., Böhnhardt habe er nicht gekannt. Götzl fragt zu Zschäpe, was er sagen könne zu und Verhalten etc. Rei.: „Ich habe sie kennengelernt in dieser sogenannten Clique in Winzerla. Und sie hatte damals einen festen Freund, war aber immer mit dabei. War Umschülerin oder so eine Art Lehre hat sie auch gemacht. Sie war sehr selbstbewusst in der Gruppe, aber sie ist mir nicht dadurch aufgefallen, dass sie irgendwelche politischen Meinungen groß vertreten hat. Man hat halt so in den Tag gelebt als Jugendlicher mit 15, 16 Jahren, ich kann zu ihr nicht viel sagen, ich kenn sie einfach zu schlecht.“ Götzl: „Sehr selbstbewusst in der Gruppe, woran machen Sie das fest?“ Rei.: „Man merkt ja ob sich jemand was gefallen lässt und den Eindruck hat sie nicht vermittelt.“ Götzl fragt, bei welchen Gelegenheiten er Zschäpe getroffen habe. Rei.: „Da gabs nicht so viele Freizeitmöglichkeiten, man hing vor den Blöcken rum, auch mal in einem Treppenhaus, auf einem Spielplatz.“

Götzl fragt nach dem Verhältnis von Zschäpe und Mundlos. Rei.: „Würd ich damals als freundschaftlich beschreiben. Ich hab nur gehört, dass sie später zusamengekommen sind. Hat mir jemand erzählt oder der Uwe sogar selber. Das war am Ende der Lehrzeit oder Armeezeit, das hab ich aber selber nicht bewusst erlebt.“ Götzl fragt, wie häufig sie sich gesehen haben nach dem Umzug. Rei. antwortet,vielleicht so jeden 2./3. Tag. Und die Winzerlaer hätten sich sicher jeden Tag gesehen. Das sei eine enge Gemeinschaft gewesen, zumindest habe man es als Außenstehender so wahrgenommen. Zschäpe sei oft dabei gewesen. Götzl fragt nach Rei.s Einstellung zur rechten Szene. Rei.: „Ich war ja der Freund vom Uwe und war an seiner Seite und hab ihn ein Stück weit begeleitet. Nach dem Umzug wurden die Kontakte immer weniger. Und er hat mich nicht erwischt mit seinen rechten Parolen, ich konnte mich davon fernhalten. Junge Menschen orientieren sich halt neu, auch aufgrund der Entfernung, von daher hab ich Glück gehabt, dass ich da rausgekommen bin oder gar nicht richtig reingerutscht bin. Götzl fragt, ob Rei. etwas zu Zschäpe und rechte Szene sagen kann. Rei.: „Nur dass sie in der Clique dabei war und die Clique hat sich schon selber als rechts empfunden. Aber dass da Politische im Raum standen groß, kann man nicht sagen. Da war sicher Uwe Mundlos noch der, der am meisten Vorstellungen hatte.“ Götzl fragt nach Alkohol und Drogen. Rei.: „Wenn ich mich zurückerinnere, damals so ab der Lehrzeit hatte ich schon das Gefühl, dass da viel Alkohol im Spiel war die nächsten drei, vier Jahre. Aber irgendwann hab ich ihn mal wiedergetroffen, da hieß es plötzlich, er würde gar nichts mehr trinken.“ Bei Zschäpe könne er zu dem Thema nichts sagen, so Rei. auf Frage.

Götzl fragt, ob er sich mal mit Mundlos und Zschäpe über Terrorismus unterhalten hat. Rei.: „Mit Zschäpe nicht. Aber der Uwe wusste damals schon viel über RAF und Rasterfahndung. Er hat sich sehr dafür interessiert wie man untertaucht. Da hat er viel Details gewusst, der kannte die ganze Geschichte der RAF. Wir als DDR-Jugendliche wussten da normalerweise nichts drüber. Im Nachhinein betrachtet hat er davon gelernt, ja, wie man halt untertaucht.“ Götzl fragt, ob Rei. eine Erinnerung an das Zimmer von Mundlos hat. Rei.: „Am Schluss hing da auch mal eine Reichskriegsflagge im Zimmer. Das war sehr martialisch das Ganze.“ Götzl fragt nach dem Verhältnis von Mundlos zu seinem Vater. Rei.: „Der hat immer wieder versucht, ihn einzufangen. Hauptsächlich hat sich sein Vater um ihn gekümmert und versucht, Dinge für ihn zu regeln, er hat versucht, mäßigend auf ihn einzuwirken, aber irgendwo waren seine Möglichkeiten eingeschränkt. Der hat Vollzeit gearbeitet an der Uni. Er hat immer wieder versucht, ihn auf eine gerade Bahn zu bringen.“ Götzl fragt weiter zum Verhältnis von Mundlos zu seinem Bruder. Rei.: „Sehr gut. Er hat sich schon sehr gut um seinen Bruder gekümmert.“

Götzl fragt nach den Vorlieben von Mundlos, was Musik anbelangt, Filme, Literatur. Rei.: „In der Schulzeit hat er sehr viel Udo Lindenberg gehört. Später wurde aus Udo Lindenberg Böhse Onkelz und hintenraus mehr härtere Musik. So 1990 rum.“ Bezüglich Zschäpe könne er zu dem Thema nichts sagen, so Rei. auf Frage. Götzl fragt nach Vorlieben von Mundlos für bestimmte Sendungen im Fernsehen. Rei.: „Den rosaroten Panther fand er immer ganz toll, das lief ja auch bei uns im Fernsehen. Und diese Sprüche, das ist mir jetzt wieder eingefallen mit dem Bekennervideo. Da kommt ja die Stimme aus dem Off. Und diese Sprüche gehörten eigentlich zu seinem Sprachgebrauch.“ Götzl: „Sie sind vernommen worden durch das BKA.“ Rei. bestätigt das. Vorhalt aus der Vernehmung vom 07.02.2012: Als ich zuhause bei der Familie Mundlos war, war es so, dass Uwe Mundlos vermehrt die Antihaltung seines Vaters gegen die Partei einnahm, so ungefähr ab der 7. Klasse. Rei.: „Ja, er fiel auch durch offene Provokation auf. Wenn uns ein Reserveoffizier der NVA besuchte, begrüßte er ihn mit “hier stinkts”. Er hat sich da schon exponiert. Es ist ja nicht so, dass man sofort wegkam, sobald man was staatsfeindliches gesagt hat.“

Vorhalt: Haben Sie denn mal mit Uwe Mundlos darüber gesprochen, warum er diese Antihaltung einnimmt? – Uwe fing an ab der FDJ-Mitgliedschaft ab Klasse 8 seinen Standpunkt leidenschaftlich zu vertreten. Seine politische Haltung war aus den Westmedien geprägt. Positiv zu Dritten Reich. Negativ zu den Sowjetsoldaten. Rei.: „Er hat offen vertreten, dass unsere sogenannten Freunde auch Negatives getan haben und machte daraus keinen Hehl. Es war schon ein bisschen was besonderes, sich so zu äußern.“ Vorhalt: Uwe Mundlos erwähnte mir gegenüber, dass das im Dritten Reich nicht so gewesen sein, Adolf Hitler hätte aber nur einen Einfrontenkrieg führen sollen. Rei.: „Ja, immer die Relativierung von diesem Regime.“ Vorhalt zu Computerspielen: Was waren das für Spiele? – Das war zu einer späteren Zeitpunkt 1990. So etwa 10. Klasse, dass Uwe Mundlos antijüdische Spiele geschrieben hat. Vertont mit Marschmusik des Dritten Reiches und Stimmen des Dritten Reiches. Möglichst viele Juden sollten erschossen werden. Rei.: „Ich kann mich erinnern, dass man irgendeinen Juden abschießen sollte, eine einfache Grafik. Aber auf jeden Fall mit rechten Tendenzen.“

Götzl fragt, ob Rei. noch wisse, wo er Zschäpe kennengelernt haben, an welcher Örtlichkeit. Rei.: „Ich hab nur noch Winzerla so in Gedanken, ich seh sie noch in einem Treppenhaus vor mir, genauer kann ich das nicht beschreiben. Vorhalt: Trotz des Wegzugs des Uwe Mundlos änderte sich nichts an unserer Freundschaft. Ich fuhr nach der Schule mit ihm nach Hause. Dort lernte ich auch Beate Zschäpe, eine neue Bekannte aus seiner Wohngegend kennen. Rei. bestätigt das. Vorhalt: Ich glaube, dass ich 14 Jahre alt war, Beate Zschäpe eher zufällig im Treppenhaus des Uwe Mundlos kennengelernt. Rei. bestätigt wieder. Vorhalt: Die Beate Zschäpe hatte damals einen Freund, ich bilde mir ein, dass der phonetisch Matthias Ri. hieß. Rei.: Ri. sagt mir irgendwas.“ Vorhalt: Ich habe die Beate Zschäpe im Schnitt drei Mal die Woche gesehen. Rei. bejaht das. Vorhalt: Leute der Clique – das waren wie gesagt der Uwe Mundlos, der Ri., die Zschäpe, dann gab es noch einen Steini und ich. Es war langweilig und harmlos, Aufenthalt überwiegend im Treppenhaus des Uwe Mundlos, da hat man einfach rumgehangen und erzählt. Über Musik, kunterbunt, Politik und Beziehungen der Jugendclique. Da sind keine großen politischen Linien besprochen worden. – Wurde da auch mal über das Dritte Reich gesprochen? – Im Zeitraum 8.-10. Klasse nicht groß. Dann kam die Wende und 1989 die Reisefreiheit. Da trampte ich mit Uwe Mundlos nach Kronach. Rei.: Ja, richtig, Wir sind in Saalfeld ausgestiegen aus dem Zug und getrampt. Haben zwanzig DM geschenkt bekommen und haben uns in Kronach unser Begrüßungsgeld abgeholt. Er hat sich gleich so ein Klappmesser gekauft, das hab ich noch in Erinnerung.“

Vorhalt: In dieser Phase fand schon einen Veränderung statt. Durch den Autoritätsverlust und die Wiedervereinigung kam es zu einer nationalen Gesinnung bei den Jugendlichen. Rei.: Zu der Zeit radikalisierte sich vieles, viele Jugendliche waren entweder rechts oder links, das war schon einen sehr wilde Zeit. Man kam von der kleinen DDR zu Deutschland dazu und das hat schon was Nationalistisches ausgelöst. Und in die Zeit fiel das rein mit den Sachen, dass man sich anders angezogen hat und sich das Erscheinungsbild geändert hat.“ Götzl fragt zur Kleidung von Uwe Mundlos und Beate Zschäpe. Rei.: „Ich weiß bloß noch, dass Uwe die obligatorische Bomberjacke angezogen hat, dann Stiefel mit weißen Schnürsenkeln, dieses martialische Erscheinungsbild was man zur Schau stellte. Wie jetzt die Frau Zschäpe angezogen war, das hab ich nicht mehr so im Kopf.“ Vorhalt: Bei ihr kann ich mich gut an eine grüne Bomberjacke erinnern. Ansonsten hatte sie äußerlich kein militantes Auftreten. Rei. bestätigt das. Vorhalt: Die Beate Zschäpe war mir eigentlich immer suspekt. Rei.: „Ja wir hatten nicht viel miteinander zu tun, von daher tut ich mir schwer eine Einschätzung vorzunehmen. Sie war halt mit dabei und die Freundin von irgendjemanden. Vorhalt: Ri. und Zschäpe haben damals extrem geklaut, Dinge geklaut obwohl sie die gar nicht gebraucht haben. Rei.: „Ich habs so in Erinnerung, das war wie ein Sport irgendwo was mitzunehmen, weil mans halt konnte, weil es Spaß machte. Ich weiß nicht, ob es noch mehr Leute der Gruppe waren. Ich weiß noch, dass zu der Zeit gerne in einen Keller eingestiegen wurde, um dann Feiern zu machen mit den Dingen, die man gefunden hat, Alkohol, solche Dinge halt.“

Vorhalt: Die Grundstimmung war eine rechte Gesinnung. Es wurde militanter, u. a. wurden Springerstiefel mit weißen Schnürsenkeln angezogen. Rei. bestätigt das. Vorhalt: Wie dachten Sie nun über Beate Zschäpe? – Anfangs dachte ich, was ist denn das für eine Primitive. Ich hatte den Eindruck, dass die nichts im Kopf hatte. Rei.: „So die Art in den Tag hinein zu leben und die Art, wie sie sich in der Gruppe gegeben hat, das hat auf mich so gewirkt, das sie sehr einfach unterwegs war, auch obszön in manchen Dingen. Auch im Umgang mit Jungs war sie sehr offen oder sehr weit in dem Alter, einfach.“ Vorhalt: Zum Einen hat sie sinnlos geklaut und sie hatte ein sehr vulgäres Auftreten und auch ihr sprachlicher Ausdruck ließ nicht auf eine gute Schule schließen. Rei.: „In der Gruppe, wie man sich gibt ein pubertäres Wesen halt, das meine ich mit vulgärem Auftreten. Dass man auch mal recht laut wurde und mit unanständigen Ausdrücken herumwarf, das ist vielleicht ein Stück weit normal in so einer pubertierenden Gruppe von Jungs, wenn man sich da behaupten muss als Mädchen.“ Vorhalt: Zschäpe und Ri., was ich so mitbekommen habe, haben sie von den Vietnamensen die Zigaretten geklaut, in die Enge getrieben und die Zigaretten abgenommen. Rei.: „Ja, diese Informationen hatte ich aus diesem Gruppengespräch. Vorhalt: Wenn Zschäpe und Ri. zurückkamen, nach und nach war auch Uwe Mundlos dabei, haben sie regelrecht mit ihren Taten geprahlt. Rei.: „Die Vietnamesen waren zu dem Zeitpunkt nicht mit der stärksten Lobby vertreten in unserer Stadt.“ Das sei in Winzerla oder im Stadtzentrum gewesen, wo die ihre Zigaretten verkauft haben, so Rei. auf Frage.

Vorhalt: Wie Sie es erzählen, ein Raub. Gab es auch polizeiliche Ermittlungen? – Das weiß ich nicht, es wurde auch Jagd auf Linke gemacht. Rei.: „Ja, da gabs ständig dann in der Stadt Konflikte mit links oder rechts. Oder es hieß die Linken kommen oder: die Rechten sind im Anmarsch.“ Vorhalt: Wann begann der Uwe Mundlos einen Beziehung mit Beate Zschäpe? – Das muss 93 gewesen sein, das hat Uwe mal während einer Autofahrt erzählt. Rei. bestätigt das. Götzl: „Hier ist noch von einer Wohnung von Beate Zschäpe die Rede. Haben Sie da Informationen dazu?“ Rei.: „Von einer Wohnung von Beate Zschäpe? Ich weiß eigentlich nur, wo der Uwe gewohnt hat. Jahre später weiß ich nur, dass die Beate, vielleicht wars auch der Uwe, noch eine andere Wohnung hatten, weil meine Schwester auch da mal eine Wohnung hatte. Aber ich hab sie nie dort angetroffen.“ Götzl fragt, ob Rei. sich mit seiner Schwester mal über Uwe Mundlos und Beate Zschäpe unterhalten hat. Rei.: „Soweit sie mir erzählt hat hat sie den Uwe da gesehen, ab und zu Frau Zschäpe. Immer freundlich, war nie ein Vorkommnis.“ Vorhalt: Uwe Mundlos ging ein und aus, das hat mir meine Schwester so berichtet. Rei.: „Genau. Der wird mit ihr zu der Zeit zusammen gewesen sein.“ Vorhalt: Sie sagte aber auch, dass auch andere Männer dort ein und ausgegangen wären. Rei.: „Das könnte stimmen, ja.“

Vorhalt: Er war als Jugendlicher in der Schule nie auf eine körperliche Auseinandersetzung aus. Später ab 1990 ging Uwe Mundlos diesen körperlichen Auseinandersetzungen nicht mehr aus dem Weg. Rei.: „Das ist absolut richtig. Er hat mal bei einer Prügelei, da war ich aber nicht da, da ist ihm eine Ecke vom Schneidezahn ausgeschlagen worden. Da ist er diesen Dingen nicht mehr aus dem Weg gegangen. Aber früher war er kein Raufbold oder sowas.“ Vorhalt: Das war immer in Zusammenhang mit der Jagd auf die Linken, das war sein Feindbild. Rei.: „Er hat schonmal berichtet, wo sie Linke gejagt haben oder verfolgt. Aber als er sich den Schneidezahn ausgeschlagen hat, da hat er sich glaub ich mit irgendjemand aus der rechten Szene geprügelt.“ Es folgt die Mittagspause bis 13:22 Uhr.

Götzl fährt fort mit Vorhalten: Haben Sie mit dem Uwe Mundlos auch mal über extremistische Gruppen, Wehrsportgruppen oder RAF gesprochen? – Ja, über die RAF, damals erzählte Uwe Mundlos, dass es ihm imponiere wie die Terroristen untergetaucht sind. Rei.: „Ja, das kann auch kurz vor der Wende gewesen sein. Aber über Wehrsportgruppen nein, das sagt mir gar nichts.“ Götzl fragt, ob Mundlos, das näher erläutert habe, das “Untertauchen”. Rei.: „Ja er hat erklärt, wie die untergetauchten Personen gesucht werden vom Staat und was man alles unterlassen müsse, um nicht gefunden werde. Die Rasterfahndung, dass man nichts mehr hat, keine Versicherungskarte, keine Geldkarte, nichts.“ Vorhalt: Was war das verbindende Element zwischen Ihnen und Mundlos? Rei.: „Wir sind ja als kleine Jungs groß geworden. Er war ja nicht gleich rechtsradikal. Das ist ja ein schleichender Prozess gewesen. Vorhalt: Auf den konnte ich mich Hundertprozent verlassen. Rei. bejaht das.

Götzl: „Das Fahrrad, wissen Sie noch was von Ihnen angesprochen wurde?“ Rei.: „Wir haben ab und zu kleine Fahrradtouren gemacht, Erkundungstouren, wie es so kleine Jungs machen in dem Alter.“ Vorhalt: Dass der Uwe Mundlos sein Fahrrad immer eigenartig geschoben hat. Rei.: „Ja, das ist schon so ne gewisse linkesche Art und Weise, neben einem Fahrrad herzulaufen. “ Götzl: „Hier wird ein Zusammenhang hergestellt zum Attentat Köln.“ Rei.: „Ja da gabs ja diese Video und in dem Zusammenhang hab ich mit dem Beamten gesprochen. Diese Videos sind durch die Presse gegangen, da hab ich das mir bewusster angeschaut.“ Götzl: Können Sie es losgelöst vom Video aktiv umschreiben?“ Rei.: „Er hält den Lenker so seltsam überkreuzt und läuft neben dem Fahrrad her, als ob er auf der falschen Seite laufen würde.“

RA Stahl: „Haben Sie noch eine Erinnerung an die Vernehmungssituation beim BKA?“ Rei. bejaht. Stahl: „Schildern Sie, wie die Vernehmung dort abgelaufen ist.“ Rei.: „Da war eine Schreibkraft und der Kommissar und der hat mich gefragt, das ging über die Biografie, die Dinge, die wir jetzt auch besprochen haben. Am Schluss hab ich das Protokoll unterschreiben müssen.“ Stahl: „Ist Ihnen erläutert worden, worum es gehen wird?“ Rei.: Ja, dass gegen die und die Person ein Verfahren angestrebt wird wegen terroristischer Vereinigung und dass ich dazu befragt werden soll.“ Stahl: „Jetzt hatten Sie geschildert, dass Sie sehr lange mit Uwe Mundlos zusammen waren und der Clique. Wenn Sie Informationen bekommen haben, dass Linke gejagt worden sind.“ Rei.: „Ich kann mich nur noch erinnern, dass Mundlos mir das gesagt hat, dass er damit kokettiert hat. Ansonsten ist es ein O-Ton aus der Gruppe gewesen.“ Stahl: „Haben Sie mal mit Frau Zschäpe über dieses Thema gesprochen?“ Rei. sagt, daran habe er keine Erinnerung. Stahl: „Hat sie mal erwähnt, dass sie dabei war, wo konkret Linke gejagt wurden?“ Auch hier kann sich Rei. nicht erinnern. Mundlos er habe ab und zu davon gesprochen, habe aber seiner Erinnerung nach nicht davon gesprochen, dass Zschäpe dabei war.

Stahl: „Ri. und Zschäpe haben damals extrem geklaut.” Was genau wissen Sie über Dinge, die geklaut worden sind aber nicht gebraucht wurden?“ Rei.: „Genau ist falsch, denn ich hab das nur noch grob in Erinnerung. Ich kann nicht konkret sagen, der und der hätte das geklaut. Ich will das auch nicht nur an den zwei Personen festmachen.“ Stahl: „Warum können Sie gerade Ri. und Zschäpe benennen?“ Rei.: „Ich kann nicht mehr genau sagen, wie das in das Protokoll reingekommen ist, ich weiß nicht mehr wie die Fragestellung war. Es werden auch andere Personen was geklaut haben.“ Stahl: „Zu dem Zeitpunkt, wo Sie geschildert haben, Ri. und Zschäpe geklaut haben, haben Sie da auch zu der Clique gehört?“ Rei. sagt, er habe sich als Außenseiter gesehen. Er habe dort nicht gewohnt, er sei nicht so oft zugegen gewesen. Stahl: „Waren Sie zugegen, wenn eingebrochen wurde und Parties mit dem geklauten veranstaltet haben?“ Rei. verneint das, daran könne er sich nicht erinnern. Stahl: „Hat er denn den Namen von Frau Zschäpe hinsichtlich von Kellereinbrüchen erwähnt?“ Rei. verneint das, daran könne er sich nicht erinnern. Stahl fragt, ob sich Rei. tatsächlich an die Bomberjacke von Zschäpe erinnern kann. Rei. sagt, zu 80 Prozent. Stahl: „Jetzt hatten Sie auch schon erläutert, dass Frau Zschäpe sinnlos geklaut habe und sie hatte ein sehr vulgäres Auftreten und ihr Verhalten als Mädchen gegenüber Jungen offen. Was war daran so vulgär? Rei.: „Details kann ich Ihnen nicht geben, das war die Art und Weise, eher burschikos, sie musste sich auch gegen die Jungs durchsetzen und behaupten.“

Stahl: „Die Vernehmung beim BKA hat stattgefunden beim BKA im Februar. Haben Sie die Berichterstattung vorher in den Medien verfolgt? Rei.: „Ja, ich hab das mitbekommen, wie das wahrscheinlich jeder mitbekommen hat der ein Fernsehgerät oder Radio hat. Stahl: „Haben Sie auch mal intensiver gesucht nach Informationen?“ Rei.: „Ja das gebe ich offen zu, ganz konkret, das muss ich schon sagen. Nachrichtenerstattung und wahrscheinlich im Internet ein bisschen an der Oberfläche rumgekratzt.“ Stahl: „Ich komm nochmal auf das Zigarettenklauen zurück: Was ich so mitbekommen habe, haben sie [Zschäpe und Ri.] von den Vietnamesen Zigaretten geklaut. Was haben Sie mitbekommen?“ Rei.: „Dass diese Personen kokettiert haben, dass sie Vietnamensen Zigaretten weggenommen haben. Frau Zschäpe auch. Das war eine ganz allgemeine Gruppengeschichte. Sie ist nicht zu mir gekommen, so nah standen wir uns nicht. Stahl: „Jetzt hatten Sie vorher bekundet, dass Herr Mundlos die Sprüche des Sprechers aus dem Off der Paulchen Panther-Filmen, die gehörten zu seinem Sprachgebrauch. Was muss ich mir darunter vorstellen?“ Rei. sagt, da komme ja die Stimme aus dem Hintergrund und diese Sprüche habe Mundlos wiederholt. „Ich hatte das schon längst vergessen. Aber wie das Bekennervideo kam, da fiel es mir wieder ein.“ Stahl fragt nach dem Alter. Rei. antwortet, vielleicht ab 12 Jahre.

Stahl: „Sie erwähnten: Uwe Mundlos habe ein unheimliches Talent zur Agitation gehabt. Haben Sie da Beispielfälle vor Augen oder in Erinnerung.“ Rei.: „Ja, zum Beispiel bestand er auf dem Standpunkt: Hitler hat was Gutes gemacht, die Autobahn gebaut, Arbeitsplätze geschaffen. Und wenn man dann sagte: das hat doch einen anderen Hintergrund gehabt, hat er weitergemacht und das Argument so lang vom Tisch gewischt bis man müde war. Nicht nur zu dem Thema, zu vielen Punkten war das seinen Art und Weise zu sprechen. Das war Agitation, das geht Richtung Gehirnwäsche.“ Stahl: „Frau Zschäpe seien Sie zum ersten mal begegnet im Treppenhaus von Uwe Mundlos. Wenn ich aus Verteidigerwissen vorhalte: Sie war da gar nicht dabei?“ Rei.: „Dann hab ich ein falsches Bild im Kopf gehabt und ich hab sie vorher irgendwo anders getroffen habe.“

NKRA Scharmer: „Wenn ich vorhalte “Sie war nicht dabei” dann können das die Verfahrensbeteiligten nicht wissen und der Zeuge soll zu einer anderen Erinnerung gebracht werden. Das ist nicht zulässig.“ Stahl: „Doch das ist erlaubt, hat der BGH entschieden.“ Diemer: „Das ist unzulässig.“ Stahl: „Das unterstellt, dass ich hier die Unwahrheit sagen würde. Also um es neu zu formulieren: nach meiner Kenntnis als Verteidiger von Frau Zschäpe gehe ich davon aus, dass Frau Zschäpe dort nicht anwesend gewesen ist.“ Reinecke: „Das beanstande ich, das kann ja von Dritten Ihnen zugetragen worden sein, dann wäre es zulässig. Alles andere würde ich beanstanden.“ Klemke: „Ich halte die Beanstandung für völlig substanzlos und beantrage sie zurückzuweisen.“ Nach weiterer Auseinandersetzung fragt Stahl weiter: „Erinnern Sie eine konkrete Situation, wenn ja welche? Rei.: „Mein Bild ist: Ihr Freund, der Herr Ri., der Uwe und ich, eine gewisser Steini. Das wars dann auch. Diese Personen, das ist meine Erinnerung, konkreter hab ichs leider nicht.“ Es folgt eine Pause bis 14:42 Uhr.

RA Kaiser: „Bevor Sie heute vernommen worden sind, haben Sie da mit Anwälten und oder den Medien gesprochen?“ Rei. verneint. RA Pausch: „Sie beschrieben das Verhalten von Vater Mundlos. Hat Uwe Mundlos sich mit Ihnen mal darüber unterhalten, wie er das einschätzt, bewertet?“ Rei.: „Ja, seine Reaktion auf das Verhalten seines Vaters war die eines fast jeden Sohnes, dass er da genau so mitgegangen ist. Der Vater hat sich so eingesetzt, dass sie in eine bessere Wohnung einziehen können. Und der Vater war auch sehr kritisch gegen unser System eingestellt und das hat er übernommen.“ Auf Frage sagt Rei., das habe Mundlos auch in der Clique thematisiert aber auch in der Öffentlichkeit, er habe das vorher schon offen gezeigt. Pausch: „Konnten Sie feststellen, wie das Verhältnis zwischen Uwe Mundlos und seinem Vater war?“ Rei.: „Glaub schon ein sehr gutes Verhältnis. Sein Vater war die erste Bezugsperson, was die Erziehung anging. Aber vom Vater war immer so eine bittende Ansprache, nicht dass da konkret mit Strafen gedroht wurde. Herr Mundlos war aber auch sehr eingespannt in die berufliche Tätigkeit und mit dem behinderten Kind und die Streitereien mit der Stadt Jena.“

NKRA Kuhn: „Haben Sie eine Erinnerung dran, Sprengversuche mit Uwe Mundlos gemacht zu haben?“ Rei.: „Ja, wir haben mit Feuer rumgespielt und Spraydosen oder Haarlack heiß gemacht weil die dann explodiert sind.“ Zur Frage nach dem Alter, sagt er mit 16 Jahren. Kuhn fragt nach einer Gaspistole in Mundlos Besitz. Rei.: „Dass er konkret eine Pistole besessen hätte hab ich nicht gesagt, da haben Sie mich falsch verstanden. Ein Messer hat er gehabt.“ Vorhalt: Nach der Wende hatte er glaube ich einen Reizgaspistole. Die hat man ja gebraucht wenn man die Linken gejagt hat. Rei.: „Ja, wenn das im Protokoll steht, hab ich das natürlich so angegeben. Aber das ist ja schon vorsichtig fomuliert. Kuhn: „Die hat man ja gebraucht wenn man die Linken gejagt hat. Woran machen Sie das fest?“ Rei.: „Damals die Zeit war sehr unsicher, wenn man sich in dem Metier bewegt hat. Das kann ja auch zur Verteidigung sein.“ Kuhn: „Hat er Ihnen gegenüber mal Äußerungen gemacht über den Einsatz einer solchen Reizgaspistole in Zusammenhang mit Jagd auf Linke“? Rei.: „Also er hat mir nie erzählt, dass er mit einer Waffe auf jemanden losgegangen wäre.“ Vorhalt: Da hat sich der Uwe lustig über die Juden gemacht. Vor den Verbrennungsöfen sagte er ‚jetzt ist denen schön warm‘. Kuhn: „Haben Sie das so angegeben?“ Der Zeuge bejaht das. Kuhn fragt nach einer Erinnerung. Rei.: „Ja, das ist diese Art und Weise darüber hinwegzugehen über das Schicksal der Betroffenen.“ Vorhalt: Er hatte im jeden Fall Reden von Hitler und Goebbels, die in unserem Beisammensein abgespielt hat. Rei.: „Dass er eine Kassette hatte, wo Ausschnitte aus Reden aufgenommen waren. Das hat er mir mal vorgespielt. Hitlerreden oder Goebbelsreden. Das waren relativ bekannte Reden.“

Kuhn: „Mit Mundlos wären Sie nach Kronach gefahren. Haben Sie dort in Kronach zusammen mit Mundlos jemand getroffen? Rei. verneint. Kuhn: „Wissen Sie ob Mundlos damals Kontakte nach Chemnitz hatte?“ Rei. verneint. Kuhn: „Haben Sie Erkenntnise darüber, dass Mundlos mal an einer rechten Zeitung mitgearbeitet hat, für eine solche geschrieben hat?“ Rei.: „Er hat mir irgendwann erzählt, dass war aber schon 1993, 1994 oder 1995, dass er für eine Zeitung Artikel schreiben würde, aber vage, nicht dass ich nachgefragt hätte. Aber er hat gesagt, dass er irgendwo mitarbeiten würde. Es ist mir nicht erinnerlich, wie die Zeitung heißt.“ Vorhalt: Ich habe mich mit Uwe ca. 10 Minuten unterhalten, er müsse jetzt weg, es war im April, entweder Geburtstag von Hess oder Hitler, er müsse aber noch die zwei vom Verfassungsschutz abschütteln. Auf die Frage, woher er von der Beschattung wisse hat er angegeben, die sitzen immer vor meinem Haus. Rei.: „Ja das hat er angegeben und zwar so, als ob er sich darüber lustig machen würde.“

NKRA Martinek: „Sie berichteten, dass sich der Uwe Mundlos Ihnen gegenüber mal über die RAF geäußert hat. Hat er auch zu seinem eigene Verhältnis zum Staat, zur BRD berichtet?“ Rei.: „Nein, er hat sich nicht radikal geäußert gegen die BRD, eher schon gegen die DDR. Gerade die Zeit, als er über die RAF gesprochen hat, das war die DDR-Zeit, da hat er sich über das SED-Regime geäußert. Martinek: „Nein, später, hat er sich mal über die Polizei geäußert?“ Rei.: „Er hat mal erzählt, er war mal in Haft aber nur einige Stunden scheinbar und da hat er erzählt die hätten ihn dort gestoßen. Und da hat er sich schon negativ geäußert über die Polizei. Aber ansonsten hat er sich nicht groß geäußert zur Bundesrepublik Deutschland.“

NKRA Stolle: „Der Umzug war 1987/1988. Diese Clique, ordnen Sie die auch da zeitlich ein oder später?“ Rei.: „Die hat sich schon 1987/1988 formiert. Vor der Wende, auf jeden Fall.“ Er habe Beate Zschäpe das erste Mal ungefähr 1989/1990 rum gesehen, so Rei. auf Frage. Zur Wendezeit, so 1989/1990 rum sei die Gruppe immer rechter geworden, das äußere Erscheinungsbild sei zuerst radikaler geworden. Und nach und nach habe man das Gefühl gehabt, das war der Zeit wo sie sich auseinandergelebt hätten, das war eine Zeit, in der eine Radikalisierung stattgefunden habe, wo offensiver aufgetreten worden sei. So 1993 sei so eine Radikalisierung in jedem Fall erkennbar ewesen, so Rei. auf weitere Fragen. NKRA Scharmer: „Die Begriffe: Fidschi und Kanacke, spielten die in der Clique eine Rolle?“ Rei. bejaht das. Sie seien auf jeden Fall vom Uwe benutzt worden, Fidschi besonders gerne. Aber das sei einfach ein Sprachgebrauch in der Gruppe an sich gewesen. Scharmer fragt, ob Rei. haben in den Teilen des Beknnervideos, die er gesehen habe Äußerungen wiedererkannt habe, die Herr Mundlos damals getätigt hat. Rei.: „Mein erster Gedanke war: ja klar, Paulchen Panther, genau die Sprüche die damals im Trickfilm kamen und die er gerne gebraucht hat.“ Prof Dr. Saß: „Können Sie was über weitere weibliche Mitglieder der Clique sagen? Gab es Mädchen dort?“ Rei.: „In der Clique kann ich mich nicht an noch mehr Mädchen erinnern.“ NKRA Langer: „Bundestags-UA Abschlussbericht Seite 76, dort ist festgehalten das gegen Zschäpe 1996 seitens StA Gera in drei Fällen wegen Diebstahls ermittelt worden sein soll. Wurde in der Gruppe mal über Ermittlungsverfahren gegen Zschäpe gesprochen? Rei.: „Da hab ich keine Erinnerung dran.“ Der Zeuge wird entlassen.

NKRA Reinecke gibt eine Erklärung zum Zeugen ab. Der habe eindringlich die Auffassungen geschildert, die sich in der Clique entwickelt haben. „Und ich will drauf hinweisen, dass dieser Zeuge ein gutes Beispiel dafür ist, wozu man in der Lage ist, sich zu erinnern, wenn man will. Die Zeugen aus der rechten Szene können sich an nichts mehr erinnern. Der Zeuge hat bestimmte Bilder noch vor Augen, Ausschnitte, die hat er geschildert. Und das belegt, dass all die anderen Zeugen, die hier immer sagen “ich kann mich nicht erinnern”schon deswegen lügen. Wenn man sich an seine Schulzeit erinnert, dann hat man zu jedem Mitschüler ein Fach. Und wenn man konkrete Tatsachen schildern soll, hat man ein Problem. Man darf nicht so tun, als gäbe es diese Eindrücke nicht. Muss es eben nur im Rahmen der Beweiswürdigung sehen. Es steht fest: Mundlos hat die Sprüche aus Paulchen Panther benutzt, auch wenn der Zeugte diese hier nicht wiedergeben kann.“

RA Kuhn: „Die Aussage des Zeugen Rei. zeigt, wie gut sich ein Zeugen nach 25 Jahren erinnern kann. Im Unterschied von Zeugen mit ideologischerVerbundenheit zu den Angeklagten ist augenfällig. Eindrücke einer selbstbewussten Beate Zschäpe. Bei Mundlos war schon Anfang der 90er viele angelegt, was nach der Gründung des NSU wichtig werden sollte. Das reicht von der Vorliebe für Paulchen Panther, den Kanackensong, das Fahrradfahren, seine völlige Empathielosigkeit für im KZ ermordeten Juden bis hin zum ersten Zielschiessen und erste Sprengsversuche im Steinbruch. Der Zeuge schilderte plastisch die sich über viele Jahre entwickelnde Einstellung von Mundlos. Kleidung, Reichskriegsflagge, Hitler-Goebbelsreden, Computerspiel bei denn man Juden erschiessen konnte. Umstände, die die Eltern Mundlos bestritten hatten. Jagd auf Linke und Vietnamesen Zigaretten wegnehmen. Mundlos verfügte nicht nur über eine NS-Einstellung, zeigte sie offen und versuchte andere zu überzeugen. Das Erkennen und Abwehr von Ermittlungsmaßnahmen hat Mundlos bereits in Jena erlernt, er wusste viel über die RAF und wie man untertaucht. Er berichtet auch, 95 oder 96, dass er zu einer Rudolf Hess Veranstaltung wolle, wo er aber noch zwei vom VS abschütteln müsse. Die Angaben haben ergeben, dass die politische Überzeugung bereits in den 90er voll ausgeprägt war, als er Wohlleben und Gerlach kennenlernte und das Beate Zschäpe die Phase der Radikalsierung mit ihm erlebte.“ RA Kaiser: „Der Aspekt der Gedächtnisleistung des Zeugen. Es dürfte wohl einen Binsenweisheit sein, dass nicht jeder die gleiche Gedächtnisleistung hat.“

RA Elberling gibt eine Erklärung zur Vernehmung des Bruders von André ab. Dieser habe glaubhafte Angaben zu Struktur und Ideologie der Jenaer Naziszene vor und nach dem 26.01.1998 gemacht. Das Trio habe er nicht als Trio sondern als Teil der harten Neonaziszene erlebt. Das sei ein weiterer Beleg, dass Wohlleben und Gerlach an den Jenaer Straftaten wenn nicht beteiligt waren, so davon wussten. Sein Bruder habe ihn abgefertigt: es sei besser für ihn, wenn er davon nichts wisse. Die Delikte in Jena waren aber damals bereits längst verjährt. Der Zeuge betonte den antisemitischen und völkisch-rassistischen Charakter und den Bezug auf den NS. Auch “verbale Gewalt gegen Ausländer “ bis hin zur Vernichtung sei rhetorischer Standard gewesen. In dieses Bild passe die Aussage des Zeugen, Böhnhardt und Mundlos hätten sich auch optisch radikalisiert. Der Zeuge gestand ein, es sei einmal ein Dönerstand kaputt gemacht worden. Auch über den Tag X sei öfter gesprochen worden sein. Bei der Angabe, von Gewalt nichts mitbekommen zu haben, ist fraglich, ob dem Zeugen geglaubt werden könne, haben doch Helbig und der Angeklagte Schultze von Körperverletzungen berichtet, an den auch der Zeuge beteiligt war.

Auch Angaben in Bezug auf Holger Gerlach: Die Einladung zum Konzert in Hildesheim sei auf den damals schon in Hannover wohnenden Holger Gerlach erfolgt. Er hatte also augenscheinlich Kontakt zu B&H. Auch der Kontakt zum Interview im B&H-Magazin sei über Gerlach gelaufen. Und Wohlleben und Gerlach hätten möglicherweise Antworten umformuliert. Zur NPD-Schulungsveranstaltung habe der Zeuge angegeben, die ganze Situation sei ihm sehr komisch vorgekommen, u. a., weil er von der aus Südwestdeutschland stammenden auf die Sache angesprochen worden sei. Diese Angaben widersprechen den Deckblattmeldungen von Brandt, wonach Wohlleben ihn unwirsch unterbrochen habe. Die Ausführungen wirken glaubhaft, es ist auch kein Motiv für eine Falschaussage ersichtlich. Brandt gab an, sich an die Situation nicht zu erinnern. Eine Möglichkeit sei, dass Brandt die Information von anderer Stelle erhält und sie dem VS als eigenes Erleben schilderte. Denn nach dem Angaben dieses Zeugen war Wohlleben überhaupt nicht vor Ort.“ Zahlreiche Unterschriften von Nebenklagevertreter_innen.

NKRAin Basay gibt eine Erklärung für Ilius und sie zum Zeugen Lasch ab. Die Erkenntnis aus der Aussage sei: das Trio ist nach Chemnitz umgezogen und dort nicht “untergetaucht”. Der Zeuge habe angegeben, Mundlos, Zschäpe und weniger regelmäßig Böhnhardt, seien häufiger in Chemnitz gewesen. Die drei hätten sich wie zuvor in der Szene bewegt, sie hätten sich nicht besonders konspirativ verhalten, Badesee, Kneipen. Er habe Mundlos einmal zufällig in der Wohnung von getroffen. Diese Aussage zum selbstverständlichen Alltag des Trios werde gestützt durch Angaben Enrico Ri.s hier im Februar 2015. Dass sich die drei frei in der Szene bewegt hätten. Und er sagte aus, das Trio zufällig in der Wohnung getroffen zu haben. Diese Selbstverständlichkeit in der Interaktion mit anderen wird auch durch Ausssage Anja S. bestätigt, die drei bis sechs mal das Trio besucht habe.

Andere Zeugen, die über konspiratives Verhalten sprachen, wie z. B. die Fiedlers, waren nicht glaubhaft. Bereits die sich aus der bisherigen Beweisaufnahme ergebenen Unterstützer spreche gegen einen Abschottung des Trios, diese gehörten zu den Chemnitzer 88ern und B&H Sachsen. Zu Laschs engen Freunden gehörten damals Starke, Graupner, Werner, gekannt habe er zudem Eminger, SS Ralle und . Die Angaben des Zeugen, dass sich das Trio in einer der größten Neonaziszenen Deutschlands ungezwungen bewegten ist auch deshalb aufschlussreich, weil diese von V-Leuten durchsetzte waren. Es ist nicht erklärlich, warum es bei den Behörden keine Kenntnis des Aufenthaltorts gab. Ebensowenig ist nachvollziehbar, dass die Telefonüberwachung des Mobiltelefon Lasch nach einer Woche abgebrochen wurde obwohl sie für einen Monat angeordnet wurde. Allein aufgrund seiner engen Freundschaft mit Mundlos, Starke und Werner, ist es nicht glaubhaft, das er von der Unterstützung des Trios nichts gewusst haben will. Seine dahingehenden Angaben seien von dem Versuch getragen gewesen, die eigene Rolle gegenüber dem Trio herunterzuspielen. Hier leugnete er, Mundlos fürs T-Shirts etwas gegeben zu haben. Dabei hatte er das bei der Polizei noch angegeben. Ein weiterer Hinweis auf nicht mitgeteilte Unterstützungsleistungen. Ein weiterer Hinweis ist, dass der Zeuge bei Nachfragen des Vorsitzenden nervös geworden sei und sich verhaspelte. Viele Unterschriften von Nebenklagevertreter_innen.

RAin Sturm: „Die Verteidigung von Frau Zschäpe erklärt zur Vernehmung des Bruders von André Kapke: Der Zeuge zeigte sich bestrebt, deutlich distanziert zu seiner früheren Einstellung aufzutreten und an der Aufklärung mitzuwirken. Allerdings hat er die Presseberichterstattung intensiv verfolgt ‚ich habe mich mit einem Journalisten unterhalten. Es war für mich befremdlich, dass Leute, die ich kannte in Morde und Banküberfälle verwickelt waren.‘ Er wurde als Auskunftsperson von Medien kontaktiert, konnte nicht ausschließen, Vorhalte gemacht bekommen zu haben, das heißt Informationen erhalten zu haben. Nachvollziehbar schilderte er die Gruppe der Älteren kennengelernt zu haben. Und einem Personenkreis von etwa 40 Personen, engeren Kontakt zu 10-15 Personen. Bezogen auf unsere Mandantin, Mundlos und Böhnhardt berichtet er, sie nicht als Trio wahrgenommen zu haben. Plausibel sind seine Wahrnehmungen zur Radikalisierung der Uwes, weniger belastbar erscheint seine Aussage zu seinen vermeintlichen Wahrnehmungen, was die Interaktionen von Beate Zschäpe Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt betrifft, aber auch die Einschätzung unserer Mandantin. Er führt aus, dass Frau Zschäpe mit Uwe Böhnhardt liiert gewesen sei 1996. Die Nachfrage des Vorsitzenden, ob er auch entsprechende Beobachtungen bzgl. Uwe Mundlos gemacht habe verneinte er und ergänzte, dass er das nur aus der Presse gehabt hätte.

Er wurde zur Vernehmungsniederschrift durch das BKA befragt. Auch in diesem Kontext führte er aus “von diesen Drei” und schränkte ein “die waren selten zu dritt”. Demgegenüber erklärte er im weiteren Verlauf, dass er schon damals zwischen den Dreien ein besonderes Verhältnis wahrgenommen habe. Konkretes konnte er nicht benennen. In der polizeilichen Vernehmung war er nur pauschal nach dem Trio und dessen ideologischer Einstellung befragt worden: ‚das waren Nazis‘. Hier bekundete er, dass er das optische Erscheinungsbild der beiden Uwes vor Augen gehabt habe. Im Bezug auf unsere Mandantin bekundete er, dass sie keine Ideologien vorgelebt habe, mitgeschwommen sei. Uwe Mundlos sei als der ideologischer Kopf aufgefallen. Zschäpe habe sie, die Jüngeren, nicht ideologisch indoktriniert. Das seitens des GBA gezeichneten Bild eines schon vor der Flucht bestehenden Trios durch Zeugen kommt, die von medialen Äußerungen geprägt worden sind.“

NKRAin v. d. Behrens gibt eine 257er Erklärung bzgl. Gunter Frank Fiedler und Jörg Winter und Achim Armin Fiedler ab. Die Angaben hätten noch einmal plastisch gemacht, in welchem Ausmaß Unterstützung des Trios durch das B&H-Umfeld erfolgte. Winter habe zugegeben, TNT an Starke übergeben zu haben. Die Angaben zur Sprengstoffbeschaffung decken sich mit Aussage Starke. Das Leugnen Winters, den Sprengstoff zufällig zuhause gehabt zu haben, sei wenig glaubhaft. Die Zeugen Fiedler haben angegeben, sie hätten für die Drei einen Unterkunft in Chemnitz gesucht. Sie hätten sich durch das Vertrauen Starkes geehrt gefühlt. Die drei hätten sie mit Mandy Strucks Unterstützung in der Wohnung des Max-Florian Bu. untergebracht. Personalpapiere überlassen. Die Brüder Fiedler gehörten zu den Skinheads 88, ebenso wie Struck und Bu. Der Zeuge Winter war B&H Mitglied. Wie eng diese beiden Gruppen miteinander verwoben waren, zeige sich auch daran, dass sie mit den Protagonisten der Szene, wie Starke, Werner, Lasch und den Eheleuten Probst bekannt waren, die alle auch Unterstützer des Trios waren. Das erkläre sich auf der Basis gemeinsamer Ideologie und Überzeugungen. Der Zeuge Gunter Fiedler identifizierte auf einem Foto seien Bruder Armin Fiedler als einend derjenigen, der die Fahne der Skinheads 88 trug.

Zwei TKÜ-Protokollen zufolge habe er mehrere -Exemplare an sächsische Hammerskinkollegen übergeben. Alle drei Zeugen kannten auch den Angeklagten André Eminger, Der war ein Teil dieses Chemnitzer Zusammenhangs um B&H und die . Der Zeuge Winter habe angegeben, Eminger Ende der 90er Jahre getroffen zu haben. Eminger habe gesagt, dass er B&H beitreten wolle und habe ziemlich alle B&H Mitglieder aus Sachsen gekannt, u. A. Michael Lo., Sebastian An., , Michael Hä.. Trennung der B&H Sektion Sachsen von der Deutschlanddivision: sie waren also nicht von der übrigen Szene isoliert, wie es in dem Antrag der Verteidigung Wohlleben heißt. Nicht glaubhaft seien die Angaben, sie hätten das Trio vor dem Abtauchen nicht gekannt. Im Bezug auf Fiedlers schon deshalb nicht glaubhaft, da sie angaben, damals sehr viel auf Konzerte gegangen zu sein und sich in den selben Kreisen wie das Trio bewegt zu haben. Dagegen spricht die Liste mit konkreten Angaben zu allen Familienangehörigen der Brüder, die in der Frühlingsstraße gefunden wurde. Diese Liste stamme aus dem Jahr 2000/2001 als der Zeuge in Passau arbeitete. Beide Brüder konnten nicht erklären, welche anderen Personen diese Details hätte wissen können. Ein weiterer Beleg für die Unglaubwürdigkeit der Aussagen ist, dass sie fast wortgleich Angaben machten und die gleiche Details vergessen hatten. Viele Unterschriften von Nebenklagevertreter_innen. Der Prozesstag endet 16:05 Uhr.

Der Blog NSU-Nebenklage kommentiert:
Die Aussage hat vor allem deutlich gemacht, dass die Ideologie von Uwe Mundlos und seinen Freunden sich über viele Jahre konsequent entwickelt und verstetigt hat. Die Vernichtungsträume, die in jungen Jahren in Sprüchen, Musik und Videospielen ausgedrückt wurden zeigten sich später in dem selbst hergestellten „Pogromly-Spiel“ und schließlich in den Morden des NSU und dem widerlichen Bekennervideo. Dass in diese Entwicklung nicht eingegriffen wurde, obwohl sie für Eltern, Schule und Behörden offensichtlich war, wirft weitere Fragen auf.“
http://www.nsu-nebenklage.de/blog/2015/03/12/12-03-2015/

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