Protokoll 250. Verhandlungstag – 15. Dezember 2015

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An diesem Tag wird zunächst Volker He. befragt, er gehörte zum Umfeld von Zschäpe, Böhnhardt, Mundlos und Wohlleben. Er spielte am Tag des Untertauchens der drei eine helfende Rolle. Danach verliest Götzl die ersten Fragen, die sich für ihn aus der verlesenen Aussage Beate Zschäpes ergeben haben. Zschäpe bleibt dabei, diese nicht direkt, sondern schriftlich beantworten zu wollen.

Zeuge:

  • Volker He. (Erkenntnisse zu Zschäpe, Wohlleben, Böhnhardt und Mundlos)

Der Verhandlungstag beginnt um 09:51 Uhr. Die Besucher_innenempore ist bis auf den letzten Platz besetzt. Zschäpes Wahlverteidiger RA Borchert ist nicht da, sein Platz rechts neben Zschäpe bleibt aber trotzdem frei. Als Vertretung für RA Stahl ist RA Schulz anwesend. Als Nebenkläger anwesend ist der Bruder des am 15. Juni 2005 in München ermordeten Theodoros Boulgarides. Nach der Präsenzfeststellung sagt Götzl: „Wir haben für heute den Zeugen He. geladen, zu den Fragen an Zschäpe kommen wir im Laufe des Tages später.“

Es folgt die Einvernahme des Zeugen Volker He. Götzl sagt, es gehe um Erkenntnisse zu Wohlleben, Zschäpe, Mundlos, Böhnhardt: „Mich würde interessieren, ob sie diese Personen kennen, unter welchen Umständen Sie sie kennengelernt haben, wie der Kontakt ggf. zu ihnen war, bei welchen Gelegenheiten.“ He.: „Ja gut, kennen jetzt im Augenblick nicht mehr, ist klar, aber damals kennengelernt, ’94, ’95 auf Partys getroffen, auf Demos waren wir gewesen, das war’s eigentlich im Großen und Ganzen.“ Götzl fragt, ob He. alle genannten Personen 1994/95 kennengelernt habe. He.: „Ja, war ungefähr der Zeitraum.“ Wann er wen kennengelernt habe, könne er nicht mehr genau sagen, so He.: „Kann auf einer Party gewesen sein, kann im gewesen sein, das weiß ich nicht mehr genau.“ Götzl fragt nach dem . He.: „Weil wir öfters da waren. Da waren verschiedene Bands mit Bandproben. Das war so der Anlaufpunkt. Ansonsten waren wir auf Liederabenden gewesenen, Demonstrationen oder so mal Bier getrunken.“

Götzl: „Wie intensiv war der Kontakt im Einzelnen?“ He.: „Kumpelhaft bis freundschaftlich, wie zu vielen Gruppen damals. Ich muss sagen, Jena hat viele Gruppierungen und ich war bei vielen Gruppenteilen dabei gewesen. Ob’s Jugendclubs waren oder rechte Szene. Und ich hatte zu ziemlich vielen Kontakt. Ja gut, manches verläuft sich halt über die Jahre.“ Götzl fragt nach Beispielen. He.: „Von ganz normalen Leuten, über Hiphopper, Rechte, Linksalternative, da hat man Leute von verschiedenen Richtungen, das hat keine Rolle gespielt wer aus welcher politischen Richtung war, das kam erst später.“ Götzl fragt, wo der Kontakt zu Wohlleben und Böhnhardt, Mundlos, Zschäpe entstanden sei. He.: „Wie gesagt, waren auf Demos gewesen, wie gesagt, das war also schon im rechten Spektrum drinne.“ Götzl: „Wie lange und wie intensiv war der Kontakt zu Ralf Wohlleben?“ He.: „Denke, so unterschiedlich. Wenn eine Demo war, wo wir Transparente [phon.] vorbereitet hatten, dann hat man sich schon zweimal die Woche getroffen. Ansonsten würde ich es auf ein bis zweimal [phon.] die Woche beschränken.“ Auf Frage, ob der Kontakt bis in die jüngste Vergangenheit angehalten habe, sagt He.: „Nein. Es war bloß, als sie abgehauen waren, war der Kontakt weg und ein, zwei Jahre später war der Kontakt zu Herrn Wohlleben weg.“ [phon.]

Götzl: „Wie standen denn, wie Sie es beobachtet haben, Herr Wohlleben, Frau Zschäpe, Herr Mundlos und Herr Böhnhardt zueinander?“ He.: „Ja, waren halt eng befreundet. Ich sage mal, wenn wir unterwegs waren in der Stadt, Kneipentour, da hat man sie nicht alleine getroffen, da waren sie mal zu viert unterwegs oder mal zu dritt oder mal zu zweit, aber immer irgendwie ein bisschen zusammen.“ Auf Frage, wann He. das Verschwinden von Böhnhardt, Mundlos, Zschäpe einordne, sagt He.: „’97 oder ’98.“ Götzl: „Wie war der Kontakt zu Wohlleben nach diesem Zeitpunkt?“ He.: „Wurde mit der Zeit immer weniger. Ich hatte eine Freundin, das ging in die Brüche, war eine schwierige Zeit, ich habe viel gesoffen. Nach und nach ist das halt passiert, einen anderen Freundeskreis aufgebaut oder gefunden. Und so hat sich das halt verlaufen.“

Götzl fragt, was He. zu den Umständen der Flucht von Zschäpe, Mundlos, Böhnhardt sagen könne. He.: „Naja, das ist schwierig das zusammenzubringen, da ich schon so viele Aussagen gelesen habe. Ich habe versucht meine Gedanken zu sammeln. Schon letztens bei der polizeilichen Vernehmung war nur, dass ich in Erinnerung habe, dass Herr Böhnhardt zu mir kam, damals in die Liselotte- Herrmann-Straße. Dann sind wir nach Lobeda-West [phon.] gefahren, in die Schule von der .“ Sie hätten die abholen sollen und dann nach Erfurt zu Ralf Wohlleben und den abholen, so He. weiter. He.: „Auf der Fahrt dahin war ich der Meinung, dass er uns entgegen kam, wir haben gewendet und sind zurück. Das war er aber gar nicht gewesen. Was ich dann noch weiß, ist, dass Juliane und ich zur Frau Zschäpe in die Wohnung gefahren sind. Ich habe gewartet und sie kam mit ein oder zwei Säcken wieder. Dann sind wir zu Wohlleben gefahren. Ich dachte, er wohnt da, weiß es bis heute nicht, ehemals Lindenstraße [phon.]. Und dort habe ich die raus gelassen. Und dann bin ich den ganzen Tag noch mit dem Auto von Böhnhardt rumgefahren.“

Götzl: „Haben Sie gewartet?“ He.: „Bei der Beate schon noch, bei Wohlleben nicht mehr.“ Götzl: „Hat sie gesagt, was sie bei Wohlleben will?“ He.: „Sie wollte die Sachen von der Beate mit hinbringen.“ Götzl: „Und dann sagten Sie, Sie seien mit dem Auto von Böhnhardt rumgefahren. Was haben Sie unternommen?“ He.: „Gar nichts, bin nur rumgefahren ein bisschen, bis ich verhaftet wurde.“ Götzl: „Weswegen sind Sie verhaftet worden?“ He.: „Dazu gab es erstmal keine Aussage, erst nach Stunden oder so, dass halt Böhnhardt und so sich auf der Flucht befinden würde. Und sie dachten, weil ich mit dem Auto rumgefahren bin, ich wär’s, obwohl ich einen Ausweis mit hatte [phon.]. Da hat man mich halt mitgenommen und dahingehend befragt.“ Götzl: „Was hat Böhnhardt denn dann anschließend gemacht?“ He.: „Das weiß ich nicht, er ist von der Schule weg und ich bin mit der Juliane alleine weitergefahren.“

He. bejaht, damals alleine gewohnt zu haben. Götzl fragt, wo He.s. Eltern gewohnt haben. He. sagt, das sei kompliziert, seine Mutter habe mit ihrem Lebensgefährten in der Werner-Seelenbinder-Straße gewohnt und sei dann zu ihrem jetzigen Mann gezogen. Zu seinem Vater habe er keinen Kontakt, so He. auf die Frage, wo der gewohnt habe. He.: „Meine Mutter müsste schon bei ihrem Lebensgefährten gewohnt haben.“ Götzl fragt, wo der Lebensgefährte wohnte. He.: „In Bebra.“ [phon.] Die genaue Adresse kenne er nicht, so He. Götzl: „Wie standen Sie zu Juliane Walther?“ He.: „Freundschaftlich.“ Götzl: „Wie standen Frau Zschäpe und die beiden Uwes, Herr Wohlleben zu Juliane Walther?“ He.: „Auch freundschaftlich, würde ich schätzen.“ Götzl: „Würden Sie schätzen?“ He.: „Kumpelhaft, freundschaftlich halt so. Ich dächte, Herr Wohlleben war mit der Juliane zusammen aber sicher bin ich mir nicht.“ Götzl: „Wann ordnen Sie das ein und aufgrund welcher Umstände?“ He.: „Ich denke, ’98/ ’99 waren die ein Paar gewesen.“ Götzl: „Welche Informationen haben Sie dazu, was ist Ihnen in Erinnerung?“ He.: „Ja, die waren halt ein Pärchen, weiß nicht, was ich da sonst zu sagen soll.“

Götzl fragt nochmal danach, wie das abgelaufen sei, nachdem He. Wohlleben habe abholen wollen. He. sagt, seines Erachtens habe er Wohlleben nicht angetroffen. Ob Juliane dann beim Ralf gewesen sei, könne er auch nicht sagen. He. weiter: „Ich kann nur sagen, ich war mit Böhnhardt an der Schule gewesen. Was er mit ihr gesprochen hat, weiß ich nicht. Juliane kam und sagte, wir fahren jetzt mal Wohlleben abholen. Mehr fällt mir jetzt auch nicht mehr ein.“ Götzl: „Wer kam Ihnen auf der Autobahn entgegen?“ He.: „Er hatte so einen Renault oder Peugeot oder so, einen weißen. Ich dachte, der kam uns entgegen und in Magdala bin ich dann abgefahren.“ Götzl: „Und Sie erwähnten, er wäre es nicht gewesen.“ He.: „Weil wir waren dann bei Wohlleben und das Auto stand nicht davor, deswegen bin ich der Meinung dass er es nicht war.“ Götzl: „Wo sind Sie dann hingefahren?“ He.: „Winzerla, Lobeda-West, Burgau, also in Gesamt-Jena.“ Götzl fragt, wann He. das mit der Wohnung Zschäpes zeitlich einordne. He.: „Der Herr Wohlleben war nicht da in der Lindenstraße, dann sind wir zur Beate gefahren, die Juliane hat die Sachen geholt und dann sind wir wieder zu Wohlleben.“ Götzl: „Waren Sie im Anschluss daran alleine im Auto oder haben Sie noch jemand getroffen?“ He.: „Nicht dass ich wüsste.“ Götzl: „Wann hat Böhnhardt Sie verlassen?“ He.: „Das war, wo wir die Juliane von der Schule abgeholt hatten, er hat sie rausgeholt aus der Klasse. Wir haben uns verabschiedet, er ist Richtung Bahn gelaufen und wir sind weggefahren.“ He. verneint, Mundlos an diesem Tag getroffen zu haben. Götzl: „Und Beate Zschäpe?“ He.: „Nicht dass ich wüsste.“

Götzl: „Wann hatten Sie den letzten Kontakt zu Uwe Mundlos und Beate Zschäpe?“ He.: „Vielleicht zwei Tage vorher oder eine Woche. Also ich würde es auf eine Woche eingrenzen.“ Götzl fragt, ob He. danach nochmal Kontakt zu Böhnhardt, Mundlos, Zschäpe gehabt habe, telefonisch oder persönlich. He. sagt, da sei er sich nicht sicher, denn er sei befragt worden von der Polizei in Jena und da sei ihm was vorgelegt worden, dass er telefoniert hätte. He.: „Aber ich habe dazu nichts groß in Erinnerung, also gar nichts eigentlich. Soll wohl zwei Tage später gewesen sein oder ein Tag später.“ Götzl: „Haben Sie Informationen bekommen, wie es mit den Dreien dann weiterging?“ He. sagt, mehrere Leute hätten sich gewundert, wo die hin seien. Sie hätten auch Zeitung gelesen, dann sei erstmal klar gewesen, warum sie weg waren. He. weiter: „Danach nie wieder Kontakt. [phon.] Null. Das letzte, was man halt gelesen hat, war vor ein paar Jahren das mit dem Wohnmobil. Das war das erste seit 14, 15 Jahren.“ Götzl fragt, was Böhnhardt am Tag des Verschwindens gesagt habe, was los ist. He.: „Eigentlich gar nichts. Ging halt nur, wir sollten den Ralf abholen und, ja, das war es.“ Götzl: „Ja, gab es eine Begründung, warum Sie Ralf Wohlleben abholen sollten?“ He.: „Ja, nichts.“

Götzl: „Es geht ja noch weiter. Sie schildern ja, dass Sie dann Juliane Walther abgeholt haben. Was ist denn jetzt mit Frau Walther gesprochen worden, um was es jetzt geht und was Sie, Herr He., machen sollen?“ He.: „Also, an das Gespräch, worüber wir uns unterhalten haben, kann ich mich nicht erinnern, das ist ja fast 18 Jahre her, eine Unmenge an Zeit.“ Götzl: „Ja, Sie schilderten, das Sie Ralf Wohlleben abholen sollten, ist da keine nähere Begründung angesprochen worden?“ He.: „Kann mich nicht mehr dran erinnern, ich weiß es nicht.“ Götzl: „Sie wären dann zur Wohnung Frau Zschäpes gefahren. Aus welchem Grund? Wer hat das veranlasst?“ He.: „Das weiß ich nicht, müssten Sie die Juliane fragen. Sie hat Sachen geholt. Warum? Ich weiß es nicht.“ Götzl: „Was hat Böhnhardt mit Frau Walther gesprochen?“ He.: „Da war ich nicht dabei, ich habe ja draußen gewartet und die waren im Schulgebäude.“ Götzl: „Ist darüber gesprochen worden, was Sie mit dem Fahrzeug Böhnhardt machen sollten?“ He.: „Ich sollte es abends bei den Eltern abstellen und den Schlüssel in den Briefkasten werfen, das ist mir hängen geblieben.“ Götzl: „Wissen Sie, wie Frau Walther in die Wohnung Zschäpe kam?“ He.: „Nein. Ich nehme an, sie hat einen Schlüssel gehabt.“ Götzl: „Ist darüber gesprochen worden?“ He.: „Ich habe sie vielleicht mal gefragt: Wieso hast du einen Schlüssel gehabt? Und sie hat gesagt: Ja, vom Uwe bekommen. Aber sicher bin ich mir da nicht.“ [phon.]

Auf die Frage, ob er an dem Tag Wohlleben gesehen hat, sagt He.:“ Nicht dass ich wüsste.“ Götzl: „Haben Sie danach mit ihm Kontakt gehabt und über die Ereignisse gesprochen?“ He.: „Sicherlich, ein paar Tage später habe ich ihn gefragt, ob er was wüsste und er hat gesagt, nein. Wieso sollte ich da nachbohren, stand ja in der Zeitung? Götzl: „Was stand in der Zeitung?“ He.: „Bombenleger auf der Flucht, so ungefähr.“ Auf Frage nach dem Fahrzeug von Böhnhardt sagt He.: „Ein rotes Auto. Also ich habe da keine Ahnung von Fahrzeugen, kann ich nicht genau sagen.“ Götzl: „Waren Sie in Erfurt bei der Schule?“ He.: „Nein, sagte ich doch schon, ich bin halt Magdala abgefahren.“ Götzl: „Wissen Sie, welches Fahrzeug Herr Wohlleben damals fuhr?“ He.: „Sagte ich eben auch schon, Renault oder Peugeot, ein kleiner weißer.“ Götzl: „Haben Sie dieses Fahrzeug an dem Tag gesehen?“ He.: „Nein, definitiv nein.“

Vorhalt aus einem Vernehmungsprotokoll von Juliane Walther: Als wir vor der Berufsschule in Erfurt angekommen waren, ist der Volker He. ausgestiegen und ich verblieb im Auto. Götzl: „Sind Sie dahin gefahren, zur Berufsschule in Erfurt?“ He.: „Nach wie vor nein.“ Vorhalt: Ob der He. Ralf Wohlleben erreicht hat, kann ich nicht sagen. Kurze Zeit später kam Volker wieder und sagte, dass er Ralf nicht angetroffen hat. Dann begaben wir uns zur gemeinsamen Wohnung von mir und Ralf in der Prüssingstraße in Jena. Vor dem Haus stand das Auto von Ralf. In der Wohnung habe ich Ralf angetroffen, er ist aber gleich gegangen, um einige Sachen zu erledigen. He.: „Da bin ich nicht der Meinung. Meine Erinnerung ist definitiv anders. Das was ich gerade angegeben habe.“

Vorhalt: Dann fuhren wir zur Wohnung des Uwe Mundlos in Jena-Nord. He.: „Auch da definitiv nein. Ich wusste nur, dass er in Ilmenau gewohnt hat, und das war alles.“ Vorhalt: Aus der Wohnung Mundlos sollte ich auch Anziehsachen holen, gegen 16 Uhr war bereits die Polizei vor Ort. He.: „Da wäre es mal interessant zu gucken, wann ich verhaftet wurde. Weil definitiv war ich dort nicht gewesen. Laut meiner Erinnerung würde ich das abstreiten. Ich wurde, glaube ich, gegen 14, 15 Uhr [phon.] verhaftet, also kann das gar nicht möglich sein.“ Götzl: „Frau Zschäpe hat am letzten Hauptverhandlungstermin eine Erklärung vortragen lassen, da heißt es auf Seite 12: ‚Unverrichteter Dinge begab ich mich in die Wohnung der Eltern des Volker He., wo ich mich mit Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos traf.'“ He.: „Da bin ich nach wie vor der Meinung, dass die Wohnung schon aufgelöst war. Kann ich mir nicht vorstellen.“ Als seine Mutter weggezogen sei, sei die Wohnung aufgelöst worden, so He. Sein Bruder sei in eine WG gezogen, er selber habe die Einraumwohnung gehabt.

Götzl bittet He. um eine Beschreibung Böhnhardts in Bezug auf Persönlichkeit und Verhalten. He.: „Von seiner Persönlichkeit? Lustig war er, standhaft, hat nicht so gesoffen wie andere Leute, war, was das betraf, sehr zurückhaltend. Er hat gerne Quatsch gemacht, Späße, Witze erzählt. Eigentlich sehr zielstrebig. Wenn wir auf einer Demo waren, sind wir ordentlich gelaufen. Wenn es hieß: nicht rauchen, dann wurde bei uns nicht geraucht. Was das betraf war er schon sehr zielstrebig.“ Götzl: „Wie hat er sich ansonsten verhalten?“ He.: „Normal würde ich sagen.“ Götzl: „Gab es Zwischenfälle, Streitigkeiten?“ He.: „Nicht dass ich wüsste.“ Auf Frage, ob er mal Waffen bei Böhnhardt gesehen habe, sagt He: „Ja, mal ein Messer oder Morgenstern, als ich mal bei ihm zu Hause war, da hing ein bisschen was bei ihm an der Wand.“ Götzl: „Wo war das gewesen?“ He.: „Bonhoefferstraße, glaube ich.“ Götzl: „Haben Sie mal mit ihm über Waffen gesprochen?“ He.: „Überhaupt nicht.“ Götzl: „Nie ein Thema?“ He.: „Nicht dass ich wüsste.“ Götzl: „Die Waffen, die an der Wand hingen, haben Sie ihn darauf angesprochen?“ He.: „Ja, so ein Morgenstern oder ein Schwert. Das haben doch einige Leute in der Wohnung hängen oder da stehen. [phon.]“

Götzl: „Wie war die politische Einstellung von Uwe Böhnhardt? „He.: „Ich denke schon in die rechte Richtung, nationale Ecke so.“ Götzl: „Woran machen Sie das fest?“ He.: „An äußeren Sachen.“ Auf Nachfrage sagt He.: „Ja, militant, Springerstiefel, Bomberjacke, Glatze. In den 90er Jahren sind wir alle so rumgelaufen, war ja nicht unüblich gewesen.“ Götzl: „Und davon abgesehen?“ He.: „Er hat sich halt mit Rudolf Heß befasst, mit Geschichte allgemein, und kannte sich dahingehend recht gut aus, vom damaligen Blickpunkt zumindest.“ Götzl fragt, ob politische Ziele besprochen wurden. He.: „Nicht wirklich. Ich denke, Politik war damals nie so das ganz große Thema gewesen. Für mich stand Party im Vordergrund, ab und zu mal ’ne Demo war okay.“ Götzl fragt nach einer Beschreibung von Mundlos. He.: „Ähnlich eigentlich. Hat auch mal einen lustigen Spruch auf den Lippen gehabt, war ein lustiger Gesell.“ Götzl: „Vom Äußeren her?“ He.: „Genauso wie beim Böhnhardt.“ He. verneint, bei Mundlos mal Waffen gesehen zu haben.

Götzl: „War in Diskussionen mal die Anwendung von Gewalt Thema, bei Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos?“ He.: „Jetzt so jemand aufs Maul hauen, das ist nie gefallen. Da habe ich sie für vernünftiger gehalten als irgendwelche Assiglatzen. Die zwei und Herr Wohlleben waren nicht so eingestellt, die waren eher auf der ruhigen Schiene.“ Götzl: „Können Sie Herrn Wohlleben beschreiben?“ He.: „Selbiges. War immer lustig, Optimist. Ob er es jetzt noch ist, weiß ich nicht. Viele Jahre nicht mehr gesehen. Aber ich fand ihn immer sympathisch.“ Götzl: „Und Frau Zschäpe?“ He.: „Wenn alle zusammen waren, auch viel gelacht. Nicht traurig, immer lebensfroh, immer Quatsch gemacht. Vielleicht ein bisschen ruhiger gewesen.“ Götzl: „Wie war denn Frau Zschäpes Verhältnis zu Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos. He.: „Ja, freundschaftlich, kumpelhaft.“ Götzl: „Wie stand sie zu Ihnen?“ He.: „Beate jetzt? Kumpel. Freunde halt. Freunde, Kumpel. Kumpel, Freunde.“

Götzl: „Das Verhältnis von Frau Zschäpe zu Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, war das enger als zu Ihnen beispielsweise?“ He.: „Ja, die drei, wenn die zusammen waren, waren sie immer dicker miteinander gewesen, konnten sich aufeinander verlassen. Und es war selten gewesen, dass einer alleine aufgetaucht ist, nach meinem Empfinden.“ Götzl: „Haben Sie irgendwann etwas gehört, dass es da Probleme zwischen den drei Personen gegeben hätte?“ He.: „Nicht dass ich wüste. Was man gehört hat, war, dass sie mal zusammen waren, die Beate mit dem Mundlos und mal [phon.] mit dem Böhnhardt. Normalerweise ist es, wenn es vorbei ist, ist es vorbei, und trifft man sich nicht mehr. Aber die drei waren halt immer zusammen.“

Götzl: „Wie hat sich Wohlleben damals gekleidet?“ He.: „Normal, vielleicht mal Springerstiefel, ansonsten würde ich sagen: normal.“ Götzl fragt nach weiteren Personen, die engeren Kontakt zu Böhnhardt, Mundlos, Zschäpe gehabt haben. He.: „Da hätte ich mehr mit denen zusammen sein müssen, um das mitzukriegen. Ich denke, Herr Kapke und der Holger, weiß ich den Nachnamen nicht, doch: Gerlach. Und ansonsten wüsste ich jetzt nicht, wer da regelmäßig Kontakt hatte.“ He. bejaht, zu kennen. Götzl: „Was können Sie zu ihm sagen?“ He.: „Ja, Schluckspecht. Er hat eine Zeit gehabt, da hat er viel getrunken. Und ich habe ihn kennengelernt in der ÜAG [Überbetriebliche Ausbildungsgesellschaft].“ Götzl: „Wie stand er zu Frau Zschäpe?“ He.: „Ich glaube, die waren irgendwie verwandt.“

Vorhalt aus He.s eigener polizeilicher Vernehmung: Ich habe nach meiner Festnahme am nächsten Tag versucht, Böhnhardt zu erreichen, aber sein Telefon war ausgeschaltet. He.: „Kann möglich sein.“ Götzl: „Haben Sie eine Erinnerung?“ He.: „Kann möglich sein, aber ich weiß es nicht mehr. Habe ich auch bei der Polizei gesagt, dass ich das nicht mehr genau weiß.“ Götzl: „Wie gut kannten Sie Holger Gerlach?“ He.: „Er war halt auch mit auf Demonstrationen gewesen und bei Partys mit.“ Götzl: „Waren Sie mit ihm befreundet?“ He.: „Kumpelhaft. Er ist ja, glaube ich, auch dann irgendwann weggezogen aus Jena und da war der Kontakt auch gleich weg.“ Götzl: „Können Sie ihn beschreiben?“ He.: „Ruhig. Und tolpatschig. Aber ansonsten war er immer so ein Ruhiger gewesen.“ Götzl: „Kennen Sie Carsten Schultze?“ He.: „Kann sein.“ He.: „Was bedeutet das?“ He.:
„Es kamen viele Leute, es gingen viele Leute. Wie gesagt, es waren mehrere Gruppen, wo ich unterwegs war. Ich habe Tausende Namen im Kopf. Selbst auf Baustelle muss ich mir auch 20 Namen merken. Namen sind für mich Schall und Rauch. Kann sein, ich weiß es nicht mehr.“ Götzl sagt, dass Schultze in der letzten Reihe sitzt. He.: „Kann sein.“

Vorhalt: Juliane Walther kenne ich; ich hatte mal mit ihr eine kurze Beziehung; sie war auch mal mit Ralf Wohlleben liiert, sie müsste damals 18, 19 Jahre alt gewesen sein. He.: „Dass ich mit Juliane Walther zusammen war? Bin der Meinung, eher nicht, sie aber halt schon.“ [phon.] Götzl: „Haben Sie diese Äußerung bei der Polizei getan? Das ist ja Ihre Aussage bei der Polizei. He.: „Ist mir schon klar, aber ich bin trotzdem der Meinung, dass das keine Beziehung war. Das war ein bisschen Händchenhalten und Knutschen, das macht keine Beziehung aus für mich.“ Götzl: „Hier ist auch die Rede, dass sie auch mit Ralf Wohlleben liiert war, wie war das von der Reihenfolge?“ He.: „Das müsste wenn dann nach mir gewesen sein.“ Es folgt eine Unterbrechung bis 11:10 Uhr.

Danach sagt Götzl: „Dann setzen wir fort. Nochmal ein kurzer Abschnitt aus Ihrer Vernehmung beim BKA. Vielleicht vorweg die Nachfrage: Waren Sie mal bei einer Gerichtsverhandlung in Erfurt?“ He.: „Kann sein, ja.“ Götzl: „Was heißt: kann sein?“ He.: „Ich glaube, das war damals vom Roeder, glaube ich. Da hatten wir Transparente aufgehangen.“ Götzl: „Wer war da noch dabei?“ He.: „Böhnhardt, Mundlos, Wohlleben, Kapke, ich glaube mein Bruder, das war’s?“ Götzl: „Und Frau Zschäpe?“ He.: „Kann sein, weiß ich nicht.“ Vorhalt: Mal bei Verhandlung in Erfurt mit meinem Bruder Robert He., Andre Kapke, Böhnhardt, Mundlos, Zschäpe. He.: „Ja, kann sein, dass Frau Zschäpe dabei war.“ Vorhalt: Wir waren damals mit dem roten Hyundai von Uwe Böhnhardt unterwegs. He.: „Das kann ein Hyundai gewesen sein, ja.“

Zschäpe-Verteidiger RA Grasel fragt, ob He. noch wisse, ob sie zur Gerichtsverhandlung in Erfurt mit einem oder zwei Autos gefahren sind. He.: „Können zwei gewesen sein, weiß ich nicht.“ Grasel: „Sie sagten, dass Frau Zschäpe ein freundschaftliches, kumpelhaftes Verhältnis zu Böhnhardt und Mundlos gehabt habe, es war auch kurz die Rede von einer Beziehung. Wissen Sie da noch Näheres?“ He.: „Nein, kann ich nichts dazu sagen.“ Grasel: „Woran machen Sie Ihre Aussage fest, dass Sie glauben, dass eine Beziehung bestand?“ He.: „Wird halt viel geredet, ich habe mal gehört, dass die zusammen waren irgendwie.“ Grasel fragt, in welcher Wohnung Waffen, u.a. ein Morgenstern, an der Wand gehangen hätten. He.: „Glaube, beim Böhnhardt. Er hat geduscht und ich habe gewartet.“ Grasel fragt, wo das gewesen sei. He.: „Sagte ich vorher schon: die Bonhoeffer, bei seinen Eltern.“ Grasel: „Es war die Rede in der Hauptverhandlung und es entspricht auch der Einlassung meiner Mandantin, dass Uwe Böhnhardt in ihrer Wohnung an der Wand Waffen aufhängte. Ist das denkbar?“ Götzl beanstandet: „Ist es denkbar!“ He. antwortet: „Kann möglich sein. Ich war, ein, zwei Mal bei ihr in der Wohnung.“ Grasel: „Haben Sie bei ihr auch Waffen an der Wand wahrgenommen?“ He.: „Kann sein, ich weiß es nicht.“

Grasel: „Juliane Walther soll einen Schlüssel zur Wohnung Zschäpe gehabt haben. Wie ist sie dazu gekommen?“ He.: „Kann ich nur mutmaßen, dass sie von Herrn Böhnhardt in der Schule den Schlüssel bekommen hat.“ Grasel: „Zum Zeitpunkt des Untertauchens, hatten Sie da nur einen Personalausweis oder auch einen Reisepass?“ He.: „Keinen Reisepass, nur Personalausweis.“ Grasel: „Und als Sie festgenommen wurden, haben Sie ihren Ausweis vorgezeigt?“ He.: „Nehme ich an, ja.“ Grasel: „Sind Sie sich sicher, dass Sie damals den Personalausweis in Besitz hatten?“ He.: „Weiß ich nicht genau. Kann sein, nee, sicher bin ich mir nicht.“ Grasel: „Was gibt es für eine Alternative?“ He.: “ Keine Ahnung.“ Grasel: „Da muss er ja sonst irgendwo anders gewesen sein.“ He.: „Ich weiß es nicht. Kann sein, dass er mir gestohlen wurde und ich einen neuen beantragt habe. Ich weiß es nicht.“ Grasel: „Wir haben ja auch gehört, dass man zur Wohnung Zschäpe und Mundlos gefahren ist, um Kleidung abzuholen. Naheliegende Frage: Haben Sie auch Kleidung zur Verfügung gestellt?“ He.: „Nicht dass ich wüsste.“ Grasel:“ Abseits von Kleidung: einen Rucksack oder Schlafsack?“ He.: „Möglich ist es, aber ich glaube nicht.“

NK-Vertreter RA Schön fragt, ob He. sich erinnere, ob er in seiner Vernehmung aus 2012 Angaben gemacht hat über den Zeitraum des Untertauchens nach dem des Trios. He.: „Nein.“ Vorhalt: Frage: Ist Ihnen bekannt, wer das Trio beim Untertauchen und danach unterstützt hat? – Antwort: Da habe ich keine Ahnung. Wenn man in der Szene gefragt hat, hatte auch niemand eine Ahnung davon. Ich war interessiert, was passiert ist, aber nie Antworten bekommen. Ich habe Wohlleben gefragt, weil er ganz dicke mit denen war, aber er meinte sinngemäß, er weiß nicht, wo die sind. Schön: „Können Sie sich erinnern?“ He.: „Nach wie vor nein.“ Schön fragt, ob He. das ggü. der Polizei so angegeben hat. He.: „Wenn das drinne steht, dann ja. Ich weiß nicht mehr, was ich 2012 gesagt habe.“

RA Narin: „Den André Kapke kennen Sie. Haben Sie sich mit ihm nach dem Untertauchen mal über den Verbleib von Böhnhardt, Mundlos, Zschäpe unterhalten?“ He.: „Kann möglich sein, dass ich ihn mal gefragt habe, ob er vielleicht wüsste, wo die zwei hin sind oder drei. Hat er gesagt: Nein. Aber da kann ich mich nicht mehr dran erinnern. Es wusste ja niemand was.“ He. bejaht, Tibor Re. zu kennen aus Jena. Narin: „Okay, können Sie sagen, ob Uwe Böhnhardt auch einen Spitznamen hatte?“ He.: „Böhni, dächte ich.“ Narin: „Und weitere?“ He.: „Nicht dass ich wüsste.“ Narin: „Sie wurden vom Vorsitzenden schon zu Waffen befragt. War irgendwann auch mal Sprengstoff im Gespräch?“ He.: „Nicht dass ich wüsste.“ Narin: „Haben Sie mitbekommen, ob eine Bombe zum Beispiel gebaut wurde?“ He.: „Nein.“ Narin: „Von Böhnhardt?“ He.: „Nein.“ Narin sagt, He. sei bei seiner Vernehmung gefragt worden, ob er den Ort Oberweißbach kenne. He.: „Sagt mir nichts.“ Narin: „Kennen Sie den David Fe.?“ He.: „Ich kenne einen Fe. aus Jena, ob der David heißt, kann ich nicht sagen.“ Narin: „Woher?“ He.: „Vom Fußball.“ Vorhalt aus He.s Vernehmung: Frage: Was können Sie zu Fe., David sagen? – Antwort: Ich kannte einen Fe. oder Pf. aus dem Südviertel, aber auch bloß vom Trinken. Narin: „Ist das derselbe?“ He.: „Ich denke schon. “ Narin; „Wann hatten Sie zuletzt Kontakt zu ihm?“ He.: „Vor drei Jahren, vier Jahren vielleicht.“ Narin: „In welchem Kontext?“ He.: „Fußball, bei Einheit 04 Jena.“ He. verneint zu wissen, in welcher Beziehung Fe. zu Wohlleben steht.

Narin: „Sie wurden auch gefragt, ob Sie oder einen ‚Ace‘ kennen. Kennen Sie einen ?“ He.: „Mittlerweile Jein. Denn ich hatte 2012 einen Auftraggeber gehabt und da war er der Angestellte. Mittlerweile habe ich auch keinen Kontakt mehr. Ich habe 2012, 2013 für einen Herrn T., hieß der glaube ich, gearbeitet. Da war Angestellter.“ Narin: „Wissen Sie was zu politischen Aktivitäten von ihm?“ He.: „Nicht das ich wüsste.“ Narin: „Hatten Sie ein Facebook-Konto?“ He.: „Kurzweilig ja. Lange her.“ Narin: „Haben Sie da politische Schriften mit geteilt?“ He.: „Nicht dass ich wüsste.“ Narin: „Sagt Ihnen Ronny We. oder ‚Tuffy‘ was?“ He.: „Tuffy ja.“ Narin: „In welchem Kontext?“ He.: „Skinhead halt.“ Narin: „Waren Sie auf Facebook mit ihm befreundet?“ He.: „Kann möglich sein .“ Narin: „Was heißt das?“ He.: „Ich hatte über 400 [phon.] Kontakte.“ Narin: „Haben Sie mit ihm politische Schriften Artikel des geteilt?“ He.: „Weiß ich nicht.“ Narin: „‚Die Wertigkeit von Toten in Deutschland‘, 14.03.2013?“ He.: „Sagt mir nichts. Also möglich ist es, dass ich was geteilt habe. Ich habe Facebook verlassen, weil ich am Wochenende abends was genascht habe und da habe ich vieles geteilt. Das weiß ich nicht mehr. Möglich ist es.“ NK-Vertreter RA Kuhn: „Haben Sie mal auf einem Gartengrundstück in Kahla an Wehrsportübungen teilgenommen?“ He.: „Nicht dass ich wüsste. Da gab es mal einen Garten, ja. Aber Wehrsport?“ Kuhn: „Haben Sie Erkenntnisse, dass da Wehrsportübungen stattgefunden haben?“ He.: „Nicht dass ich wüsste: Ich glaube, da gab es mal eine Übernachtung [phon.], aber das war es auch schon.“

Der psychiatrische SV Prof. Dr. Saß: „Wie war es damals auf den Partys mit dem Alkoholkonsum?“ He. sagt, es habe in seinen Augen zwei Gruppen gegeben, die eine habe ordentlich gebechert [phon.], die andere habe sich eher zurückgehalten. Saß fragt, wie es mit Böhnhardt, Mundlos, Zschäpe ausgesehen habe. He.: „Wie vorhin schon erwähnt: Meines Erachtens haben sie sich zurückgehalten.“ Saß fragt, ob es bei allen ähnlich gewesen sei oder es jemanden gegeben habe, der stärker getrunken hat. He.: „Meiner Meinung nach eigentlich nicht. Vielleicht mal ein Bier oder zwei.“ Saß: „Wurde auch Rauschgift konsumiert damals?“ He.: „Nicht dass ich wüsste.“ Saß fragt zu Zschäpes psychischer Verfassung, ob sie mal in auffälliger Weise traurig, ängstlich, zurückgezogen, bedrückt gewesen sei. He.: „Da ist mir nichts aufgefallen.“ Saß: „Ist gut. Danke.“ Wohlleben-Verteidiger RA Nahrath fragt, ob He. zwischen 1996 und 2000 mal von Geheimdiensten angesprochen worden sei. He.: „Nein, niemals.“ Der Zeuge wird entlassen. Es folgt die Mittagspause bis 12:34 Uhr.

Danach sagt Götzl: „Frau Zschäpe, Sie hatten ja erklärt, dass Sie grundsätzlich Fragen des Gerichts beantworten werden. Mir geht es um Fragen zu persönlichen Verhältnissen, einige nur, und dann auch um Fragen zur Einlassung selbst. Zu den persönlichen Verhältnissen: In der Erklärung, Seite 32, hatten Sie auf Alkoholkonsum nach 2006 abgestellt. Haben Sie vor 2006 Alkohol konsumiert, gegebenenfalls wie häufig, welche Mengen und wie war die Wirkung auf Sie?“ Zschäpe-Verteidiger RA Grasel: „Wir haben das besprochen und meine Mandantin fühlt sich nach wie vor nicht in der Lage, die Fragen unmittelbar und selbst zu beantworten, zur Person und zur Sache. Sie hegt einfach die Sorge, aufgrund der Umstände, dass es ihr nicht möglich ist, die Worte so zu wählen, dass es nicht zu Fehl – oder Missinterpretationen kommen kann.“ Daher wolle Zschäpe, so Grasel, die Fragen mit ihm oder RA Borchert erörtern, die Antworten besprechen und die Fragen dann durch ihn, Grasel, beantworten lassen. Es sei ihnen durchaus bewusst, dass das nicht üblich ist, aber es sei zulässig. Grasel weiter: „Es ist auch nicht das Ansinnen Frau Zschäpes, die Hauptverhandlung in die Länge zu ziehen. Aber angesichts der Vorwürfe und der vierjährigen U-Haft ist es ihr schlicht nicht möglich, die Fragen ad hoc zu beantworten.“ Götzl: „Dann würde ich Sie bitten die Fragen aufzuschreiben und mit der Mandantin zu besprechen.“ Götzl: „Dann würde mich, Frau Zschäpe, interessieren: Haben Sie Drogen konsumiert und gegebenenfalls wie häufig, welche Mengen, wie ist die Wirkung gegebenenfalls auf Sie gewesen? Soll schriftlich dazu geantwortet werden?“ Grasel: „Die wird beantwortet werden.“

Dann beginnt Götzl nach und nach und langsam seine Fragen vorzutragen:

Sind Sie ernsthaft erkrankt im Laufe Ihres Lebens und waren Sie ggf. in ärztlicher Behandlung? Das würde auch einschließen Unfälle, psychische Erkrankungen.

Mir geht es dann um die Erklärung selbst. Hier sind einige Punkte, zu denen nachgefragt werden soll, was Sie damit meinen. Ich werde vorgehen anhand auch der Erklärung:

Seite 4:
 
Wer gehörte zur „Clique, die sich regelmäßig an der ‚Schnecke‘ traf“?

Welche Wohnung haben Sie nach der Wohnung Ernst-Zielinski-Straße 42 bewohnt? Haben Sie in der Schomerusstraße gewohnt?
 
Welche politische Einstellung hatte Uwe Böhnhardt? Wie war seine Einstellung zu Waffen und Gewalt?

Welche politische Einstellung hatte Uwe Mundlos? Wie war seine Einstellung zu Waffen? Wie war seine Einstellung zur Frage der Anwendung von Gewalt?

Zur Seite 5 ihrer Einlassung; ich knüpfe jeweils an Formulierungen an, die Sie verwendet haben, was sie damit meinen:

Wer waren Uwe Böhnhardts Freunde, denen Sie sich immer mehr zuwandten?

Dann auch bezogen auf Seite 5: Wer waren die vier bis fünf Personen, aus denen die KS Jena bestand?

Dann ist die Frage: Wann stieß zu Ihrer Gruppe?

Es geht auf Seite 6 mit Tino Brandt weiter: Welche „weiteren Gruppierungen“ koordinierte Tino Brandt? Was meinen Sie mit der Formulierung: „unser Einsatz wurde intensiver“?

Dann haben Sie auf Seite 7 und 10 Formulierungen verwendet, da will ich wissen was Sie meinen: Was meinen Sie konkret mit „verfälschender Berichterstattung in der Presse“?

Und zu dem Thema Garage: Wer hatte Schlüssel zur Garage?

Dann habe ich noch Fragen an Sie zur Darstellung Seite 15, anknüpfend an Ihre Formulierungen:
Auf welche Art und Weise haben Böhnhardt und Mundlos Ihnen gegenüber „deutlich zu verstehen gegeben,“ dass Sie Ihnen „in gewisser Weise misstraut“ haben? Was ist mit „in gewisser Weise“ gemeint?

Dann zur Seite 16 Ihrer Erklärung: Welche Vorstellungen hatten Böhnhardt und Mundlos hinsichtlich einer Auswanderung nach Südafrika?

Dann ist hier auf dieser Seite der Kontakt zu RA Eisenecker angesprochen. In dem Zusammenhang möchte ich fragen: Wie kam der Kontakt zu RA Dr. Eisenecker zustande? Wie sah der Kontakt zu RA Dr. Eisenecker aus? „Teilte mir einige Wochen später telefonisch mit“ – Wie erfolgte die telefonische Kontaktaufnahme RA Eiseneckers mit Ihnen?

Seite 19/20, da geht es auch um eine Formulierung, die von Ihnen verwendet wurde und danach will ich Sie fragen: Was hat Uwe Mundlos berichtet, „was rund drei Monate zuvor passiert war“. Dann noch zur Seite 20: Was haben Sie, Frau Zschäpe, von Uwe Böhnhardt erfahren, was Uwe Mundlos mit den Äußerungen gemeint hat, es sei „eh alles verkackt“ und er wolle es zum „knallenden Abschluss bringen“? Des weiteren möchte ich Sie fragen: Können Sie die vorgetragenen Argumente näher ausführen, die Sie schlagwortartig beschrieben haben mit „Perspektivlosigkeit, Gefängnis und insgesamt bestehende Frustration“?

Dann zur Seite 21 Ihrer Erklärung: Wie sah die gezeigte Pistole aus? Ich würde Sie bitten, sie zu beschreiben. Und ich möchte Sie in den Zusammenhang fragen, worauf Ihre Vermutung gründet, dass am 18.12.1998 eine andere Pistole verwendet wurde?

Zur Seite 22 Ihrer Erklärung: Woraus entnehmen Sie, Frau Zschäpe, dass Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos Ihnen „zwar vertrauten, aber eben nicht zu 100 Prozent“?

Dann zur Seite 23, da möchte ich Sie fragen: Was sprachen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos über Köln? Und des weiteren möchte ich Sie fragen: Welche Umstände veranlassten Sie bei Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos nachzufragen, ob sie etwas mit dem Bombenanschlag in der zu tun hätten? Im dritten Absatz erwähnten Sie, Mundlos und Böhnhardt seien „arbeitsteilig tätig“ gewesen, wenn Sie selbst beim Joggen gewesen wären. Da möchte ich Sie fragen: Was bedeutet, sie seien „arbeitsteilig tätig“ gewesen?

Seite 25: Da sprechen Sie davon, dass Sie „resigniert“ hätten. Was meinen Sie damit, dass Sie „resigniert“ hätten? Dann des weiteren möchte ich Sie fragen, anknüpfend an Ihre Formulierungen: Welche „inhaltlosen Floskeln“ wurden von den beiden auf die Frage nach dem Warum verwendet? Des weiteren die Frage, wie sich Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos in „ausländerfeindlicher Richtung“ geäußert hätten? Wie war der Inhalt der Hetzlieder, „wie sie einst an der ‚Schnecke‘ gegrölt wurden“? Und zum vorletzten Absatz: Was meinen Sie mit der Feststellung: „die beiden brauchten mich nicht, ich brauchte sie“?

Dann geht es mir um ein Gespräch, Seite 28, da würde mich interessieren: Was heißt, dass Sie stundenlang auf beide eingeredet hätten? Da wäre die Frage: Können Sie Einzelheiten des Gesprächs schildern?

Dann Seite 33 der Erklärung, da ging es um den Vorhalt: „‚Warum habt ihr die Waffen nicht in
einem Waffengeschäft geraubt?‘ Als Antwort erhielt ich nur Ausflüchte.“ Welche Antworten bezeichnen Sie hier als Ausflüchte?

Dann zur Seite 34. Da wäre meine Frage: Welche Beweise konkret hatten Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im Hinblick auf die Vernichtung angesprochen? Also anknüpfend an Ihre Formulierung, die Sie hier gebraucht haben.

Dann, wenn wir weitergehen in Ihrer Erklärung und zur Seite 36 kommen: Wer war bei der Abholung des Wohnmobils am 25.10.2011 dabei? Wer fuhr nach Leipzig? Welche Personen fuhren nach Leipzig? Was war der Zweck der Fahrt nach Leipzig?

Dann auch die Frage: Über welchen Radiosender haben Sie erfahren, dass ein Wohnmobil entdeckt worden sei? Und ich möchte anknüpfend an ihre Ausführungen hier auch nachfragen: Aufgrund welcher Umstände waren Sie sich „sofort sicher, dass dieses Wohnmobil die beiden betraf und sie sich getötet hatten“? Wie war der Tag, 04.11.2011, bis dahin verlaufen? Ich möchte Sie auch danach fragen, ob Sie an diesem Tag Kontakt, telefonischen Kontakt zu Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hatten.

Wenn wir in der Erklärung weitergehen zur Seite 44, anknüpfend an eine Formulierung, die hier gebraucht wurde: Aufgrund welcher Umstände kommen Sie zu der Aussage, dass sich Uwe Böhnhardt „niemals einer anderen Person untergeordnet“ hätte?

Auf Seite 50 bezeichnen Sie Holger Gerlach als spielsüchtig: Welche Umstände und Einzelheiten sind Ihnen dazu bekannt?

Dann hätte ich noch weitere Fragen an Sie:

Wurden Sie nach Ihrer Flucht, nach Ihrem Untertauchen, außer von Starke und Rothe, die Sie erwähnt haben, von weiteren Personen unterstützt? Ggf. wann, von wem und auf welche Art und Weise? Welche Rolle hatte André Kapke im Kontakt zu Ihnen sowie zu Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt?

Dann möchte ich Sie fragen: Hatten Sie Kontakt zu und ggf. ab wann, wie häufig, auf welche Art und Weise?

Dann möchte ich Sie auch fragen: Was wissen Sie über die Herkunft der Waffen in der Wohnung in der Frühlingsstraße?

Dann die Frage: Wo haben Sie sich nach dem Inbrandsetzen der Wohnung Frühlingsstraße im Einzelnen aufgehalten? Waren Sie in Eisenach?

Was wissen Sie über die Herstellung und den Vertrieb des Spiels „“?

Dann wäre die Frage an Sie, ob Sie Informationen haben und ggf. welche zu einem Anschlag in Nürnberg, bei dem eine Taschenlampe Verwendung gefunden hat oder haben soll.

Dann zu Heilbronn: Haben Sie Informationen zur Auswahl der beiden Polizeibeamten als Opfer in Heilbronn?

Wie beschreiben Sie die Persönlichkeiten und das Verhalten Uwe Böhnhardts und Uwe Mundlos Ihnen gegenüber und auch Dritten gegenüber?

Dann auch die Frage an Sie, Frau Zschäpe: Wie war das persönliche Verhältnis zwischen Ihnen dreien und dann auch jeweils zwischen Ihnen und Uwe Böhnhardt, zwischen Ihnen und Uwe Mundlos sowie zwischen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos?

Des weiteren die Frage: Hatten Sie nach Ihrer Flucht im Januar 1998 Kontakt zur Familie Böhnhardt? Kam es zu Treffen?

Hatten Sie sowie Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt Bahncards und wofür benötigten Sie diese ggf.?

Schließlich möchte ich Sie auch fragen, mit welchen Namen Sie, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos sich untereinander angesprochen haben.

Dann sagt Götzl: „Das wären jetzt die Fragen, die ich an Sie hätte. Wie wollen Sie es handhaben? Wollen Sie auf die Fragen eingehen?“ RA Grasel: „Wir werden den Fragenkatalog in den nächsten Tagen abarbeiten. Ich befürchte, dass wir es nicht vor Donnerstag schaffen, sondern nach der Weihnachtspause.“

Dann fragt Götzl, ob vom Senat noch Fragen seien. Nachdem der Senat keine Fragen hat, richtet sich Götzl an die BAW: „Sind von Ihrer Seite Fragen?“ OStAin Greger: „Meine erste Frage lautet: Wurden in den Jahren 1998 bis 2011 weitere, über die in der Anklage benannten, Wohnungen oder Unterkunftsmöglichkeiten, etwa Wohnwägen oder Lager, genutzt? Wenn ja, welche? Hatten Sie, Frau Zschäpe, oder die verstorbenen Uwe Böhnhardt oder Uwe Mundlos näheren Kontakt zu weiteren bislang hier noch nicht als Zeugen vernommenen Personen? Wenn ja, zu welchen? Welche Kenntnisse hatte Susann Eminger von den Taten?“

Götzl: „Sind von Seiten der Verteidigung Zschäpe selbst Fragen?“ Es gibt offenbar keine Fragen. Götzl: „Von Seiten der weiteren Verteidiger?“ Carsten Schultzes Verteidiger RA Hösl stellt die Frage, ob sich Zschäpe an die von Schultze beschriebene Begebenheit des Treffens in Chemnitz erinnere. Hösl weiter: „Wenn ja, beschreiben Sie sie. Und erinnern Sie sich an gegebenenfalls früher stattgefundene Treffen? Beschreiben Sie die, falls Sie sich erinnern.“ Schultzes Verteidiger RA Pausch fragt, ob Zschäpe allgemein Erkenntnisse zu Schultze habe. Außerdem stellt er die Frage, ob Zschäpe wisse, wie die Kommunikation nach Jena stattgefunden hat in der Zeit nach dem Untertauchen, ob sie dazu Erkenntnisse habe und was sie berichten könne.

Nachdem es offenbar aus den Reihen der anderen VerteidigerInnen keine Fragen gibt, geht es mit der NK weiter. RA Scharmer: „Es wird Fragen geben, das ist naturgemäß so. Ich hätte aber gern erst mal die Antworten auf Ihre Fragen gehört. Das Prozedere ist für alle Beteiligten nicht gerade praktikabel.“ SV Saß: „Ich benötige auch zuerst die Antworten, um weitere Fragen zu stellen.“ NK-Vertreter RA Kienzle: „Uns geht das auch so, der Nebenklage Yozgat, wir würden uns das ausdrücklich vorbehalten, wenn es so gewollt ist.“ Weitere NK-Vertreter_innen behalten sich Fragen vor.  Danach fragt Götzl noch einmal in Richtung von Zschäpe und Grasel: „Habe ich das richtig verstanden: Heute werden keine Fragen beantwortet?“ Nachdem das bestätigt wird, fragt Götzl, ob es für heute noch Anträge oder Erklärungen gebe. Niemand meldet sich. Der Verhandlungstag endet um 13:08 Uhr.
Das Blog „nsu-nebenklage“:

„[He.] hatte zusammen mit der ehemaligen Freundin von Wohlleben versucht, diesen aus Erfurt abzuholen, aus der Wohnung von Zschäpe Kleidung geholt und war dann mit Böhnhardts Auto herumgefahren, um die Polizei zu verwirren. Der genaue Ablauf der Aktion wurde auch durch diese Befragung nicht deutlich, weil auch dieser Zeuge offensichtlich bemüht war, möglichst wenig preiszugeben. Immerhin wurde erneut deutlich, dass die Gruppe damals davon ausging, dass auch Wohlleben von den geplanten Festnahmen betroffen sein würde, und dieser daher in die Flucht einbezogen war. Ob Wohlleben selbst ursprünglich auch abtauchen wollte, bleibt allerdings weiterhin unklar. […] Insgesamt beschränkte sich der Vorsitzende auf relativ wenige Fragen, die sich aus der Erklärung aufdrängen. Es wird deutlich, dass er kein langandauerndes schriftliches Befragespielchen durchführen will. Die anderen Prozessbeteiligten gaben nur wenige Fragen ‚zu Protokoll‘ Zschäpes – wohl auch, weil RA Grasel ja ausdrücklich erklärt hatte, dass ausschließlich Fragen des Gerichts und der Verteidiger der Mitangeklagten beantwortet werden sollen.“
http://www.nsu-nebenklage.de/blog/2015/12/15/15-12-2015/

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