Protokoll 69. Verhandlungstag – 18. Dezember 2013

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Einziger Zeuge des 69. Prozesstages war Prof. Dr. Siegfried Mundlos, der Vater von Uwe Mundlos. Er wurde zu der Beziehung seines Sohnes zu und Uwe befragt und sollte seine Wahrnehmung der politischen Haltung seines Sohnes und dessen Aktivitäten schildern. Siegfried Mundlos geriet während seiner Aussage immer in Konflikt mit dem Vorsitzenden Richter Manfred Götzl. Die Befragung von Siegfried Mundlos wurde an diesem Tag nicht beendet, sondern  am nächsten Verhandlungstag fortgesetzt.

Zeuge:

  • Prof. Dr. Siegfried Mundlos, Vater von Uwe Mundlos

Der Beginn des heutigen Verhandlungstages wird mehrfach verschoben. Um 10.32 betritt der Senat schließlich den Saal. Nach der Präsenzfeststellung teilt Richter Götzl mit, dass die vorgesehene Videovernehmung der Zeugin Charlotte E. aus technischen Gründen heute nicht stattfindet.

Einziger Zeuge ist heute also Prof. Dr. Siegfried Mundlos, Vater von Uwe Mundlos. Mundlos ist 67 Jahre alt und pensioniert, früher war er als Professor für Informatik tätig. Götzl belehrt den Zeugen. Mundlos sagt: „Ich habe das verstanden und werde auch möglichst mich nur an Tatsachen halten.“ Götzl fordert Mundlos auf, zunächst selbstständig zu den persönlichen Verhältnissen und der Entwicklung seines Sohnes und dessen Beziehung zu Beate Zschäpe und Uwe Böhnhardt zu berichten. Offenbar will Mundlos ein Papier verlesen, Götzl bittet ihn aber, auf Aufzeichnungen zu verzichten. Mundlos beginnt, er wolle einige Erörterungen und Dinge vorausschicken, die nicht direkt zur Zeugenaussage gehören. Auf Götzls Frage, worum es gehe, erwidert Mundlos, er wolle um die Berücksichtigung der Unschuldsvermutung in der Presse wie auch bei den Prozessbeteiligten bitten. Götzl unterbricht ihn, Mundlos sei nicht dafür da, solche Stellungnahmen abzugeben, es gehe um das Beweisthema. Mundlos: „Lassen Sie mich einen Satz aussprechen.“ Götzl verweist auf sein Fragerecht, worauf Mundlos sagt, er gehe gerne darauf ein. Götzl erwidert, Mundlos bestimme nicht, wie der Gang des Verfahrens laufe. Mundlos spricht weiter, er habe im Vorfeld dieses Termins eine Aussage von Generalbundesanwalt Dr. Range hören müssen, wonach die wesentlichen Beweise schon erbracht seien und alles andere müsse man als Verschwörungstheorien ansehen. Götzl unterbricht, Mundlos solle hier als Zeuge über Tatsachen berichten, Spekulationen und Beweiswürdigung würden von ihm nicht erwartet. Es gehe nur um die Themen, für die er geladen sei. Mundlos sagt, er wolle die Sache nicht in die Länge ziehen, es gehe ihm darum, dass alles ans Licht gebracht werde, und dass alle Dinge zur Aufklärung herangezogen werden. Götzl wiederholt, es sei nicht Mundlos’ Aufgabe als Zeuge, das Verfahren zu betreiben, woraufhin Mundlos erwidert, er sei ja nicht nur Zeuge, sondern auch „Verletzter”. Er müsse sich jetzt seit 15 Jahre anhören, dass hier eine Bombenwerkstatt existiert habe, die habe es aber nicht gegeben. Dann berichtet er.

Sein Sohn sei 1973 geboren, habe ganz normal den Kindergarten besucht und sei sehr hilfsbereit zu seinem behinderten, zwei Jahre älteren Bruder gewesen. Dann habe er die Oberschule in Jena-Nord besucht mit guten bis sehr guten Schulergebnissen. Kurz vor 1990 habe Uwe ihn, Siegfried Mundlos, sehr unterstützt beim Kampf für eine behindertengerechte Wohnung. Uwe sei auch mit demonstrieren gegangen gegen die Stasi: „Er wäre durchaus als systemkritischer Kämpfer durchgegangen.“ Da sein Sohn sehr ehrlich gewesen sei, habe er „natürlich“ Schwierigkeiten gekriegt, es habe körperliche Auseinandersetzungen mit anderen Leuten gegeben, so dass er in den rechten Bereich abgedriftet sei. Uwe habe dann eine Lehre begonnen bei Carl Zeiss als Datenverarbeitungskaufmann, die er im Frühjahr 1994 erfolgreich abgeschlossen habe. 1991 oder 1992 habe er Zschäpe kennengelernt, seine erste Freundin. Zschäpe wäre, so Siegfried Mundlos, lieber mit einem etwas neutraler gekleideten jungen Mann in die Disco gegangen. Er habe als Vater gedacht, dass es Beate vielleicht gelänge, Uwe von der rechten Szene weg zu bringen. Die Behauptungen von und des Sozialarbeiters „und ehemaligen Stasi-Manns Thomas Grund“, dass Uwe Mundlos schon vor 1990 ein „Fascho“ gewesen sei, würden nicht stimmen. 1992 bis zur Armeezeit Mitte 1994 seien sein Sohn und Zschäpe befreundet gewesen, sein Sohn habe teilweise bei Zschäpe gewohnt. 1994 habe Beate dann Uwe Böhnhardt als Freund kennengelernt. Die jungen Leute hätten unterschiedliche Bedingungen gehabt, viele hätten finanzielle Probleme gehabt, die Eltern seien teilweise arbeitslos gewesen. Die Autorität von „Polizei und Ordnungsmacht“ sei auch geschwunden, so dass „Verfehlungen wie leichte Diebstähle“ um sich gegriffen hätten, „sinnlose Randalierereien und sowas“. Sein Sohn habe das nicht nötig gehabt, habe das bei seinen Freunden verhindern wollen, was nicht immer geglückt sei. Damit die jungen Leute sich nicht von „Rattenfängern“ für „dumme Ideen“ fangen lassen, habe er, so Mundlos, versucht, ihnen Freizeitangebote zu bieten. Z. B. habe er Beate, Uwe und einem befreundeten Pärchen ermöglicht, in den Campingurlaub zu fahren für vier bis fünf Wochen in Krakow am See in Mecklenburg. Er habe in der Umgebung von Zeitz einen Tagebaustausee gefunden und gesagt, sie sollten dorthin fahren, da könne man schwimmen, zelten und Lagerfeuer machen, dann könnten die jungen Leute keinen Unsinn mehr machen. Er habe in bescheidenem Umfang versucht, ihnen vernünftige Alternativen zu zeigen: „Und das ist auch gut angenommen worden.“

Er wisse aus Erzählungen, dass die Jugendlichen auch später noch selbstständig an den See gefahren seien. Dann sagt Mundlos: „Jetzt kommt die Sache mit dem rechten Gedankengut.“ Das habe ihn geärgert, er müsse aber betonen, so Mundlos, dass Zschäpe, solange er sie gekannt habe, alles andere als rechts gewesen sei. Er habe sie sogar eher „dem linken Spektrum“ zugeordnet. Außerdem habe Zschäpe einen rumänischen Vater, er habe „Fremdenhass“ bei ihr nie beobachtet. Er glaube, dass Zschäpe gerne Kindergärtnerin geworden wäre, sie habe aber Gärtnerin lernen müssen, das sei nicht der Wunschberuf gewesen. Mundlos: „Sie könnte mich jetzt korrigieren, aber sie sagt ja leider nichts.“ Sein Sohn sei bis Frühjahr 1995 bei der Armee gewesen, dort habe er sein Äußeres und seine Gesinnung nicht geändert. Er habe weiter Bomberjacke und Stiefel getragen. Er, Siegfried Mundlos, gehe aber mit der Abschlussbeurteilung des Kommandeurs überein, dass sein Sohn damals noch nicht so tief drin gewesen sei, dass er nicht hätte „zurückrudern“ können. Die Geschichte, die „in der Presse hochgekocht“ worden sei, dass Uwe im August 1994 in Chemnitz wegen verfassungsfeindlicher Symbole angeklagt worden sei, sei ein echter Übergriff der Staatsanwaltschaft, so Mundlos. Er selbst sei aus dem Urlaub gekommen und habe gesehen, dass Uwe im Portemonnaie eine Visitenkarte mit einem Bild von Charlie Chaplin aus „Der große Eroberer“ [vermutlich „Der große Diktator”]gehabt habe. Er habe Uwe gesagt, das mache nur Ärger, es gebe Leute, die den Witz nicht verstehen würden, aber Uwe habe das trotzdem mitgenommen.

Einen Tag später seien drei Polizisten in die Wohnung seines behinderten Sohnes gekommen und hätten erzählt, dass Uwe in Chemnitz mit Propagandamaterial erwischt worden sei und sie einer Hausdurchsuchung zustimmen sollten. Der „Polizeioffizier“ habe die Wohnung stürmen lassen wollen. Die Polizisten hätten sich dann den Rucksack seines Sohnes angeguckt und hätten mehrere Kassetten mit Musik, AC/DC und Udo Lindenberg, gefunden und seien zufrieden gewesen. Er sei dann nach Chemnitz gefahren, um seinen Sohn abzuholen. Er sei Sonntagabend gegen Mitternacht in Chemnitz angekommen und da seien 30-40 junge Leute entlassen worden. Er habe Uwe gesagt, dass er ihn mitnehme. Es habe aber noch der Hund von Stefan A. [siehe Protokolle zum 61. und 62. Verhandlungstag]abgeholt werden müssen, „der war auch inhaftiert“. Er habe dann angeboten, das am nächsten Tag zu machen, aber „die Jenenser“ hätten nicht mit ihm fahren wollen. Er habe dann herausgefunden, dass das ein „absoluter Übergriff“ der Staatsanwaltschaft gewesen sei, denn es sei nur eine einzelne Visitenkarte gewesen. Und mit diesem Ereignis habe man seinen Sohn noch über zwei Jahre drangsaliert. Weil er die Widerspruchsfrist um einen Tag versäumt habe, habe man ihm zu Unrecht 720 Euro „aufgedrückt”. Er, Siegfried Mundlos, habe das im Schäfer-Bericht [Gutachten von Gerhard Schäfer zum Verhalten der Thüringer Behörden und Staatsanwaltschaften bei der Verfolgung des „Zwickauer Trios”], als einzige Eintragung seines Sohns gelesen.

Mundlos fragt, ob irgendwelche Leute von der Presse da seien, woraufhin Götzl erwidert, er sei momentan der Fragende, Mundlos solle sich auf ihn konzentrieren. Mundlos: „Ich will mir ersparen, die einzelnen Zeitschriften anzuschreiben.“ Es werde über dieses Ereignis immer falsch berichtet. Er habe sich sehr gefreut, dass Uwe die Chance wahrgenommen habe, ab September 1995 in Ilmenau sein Abitur nachzumachen. In seiner Bewerbungsschrift für das Kolleg stehe, dass er seine Kenntnisse als Datenverarbeitungskaufmann nutzen wolle, um nach dem Abitur in Richtung Betriebswirtschaft zu studieren. Er habe, so Mundlos, die Hoffnung gehabt, dass sich Uwe so weiter aus der rechten Szene lösen könne, er den „Schleier vor den Augen“ verliere. Leider habe das nicht geklappt. Er stelle sich die Frage, was da schief gelaufen sei, so Siegfried Mundlos. Einerseits seien da Uwes „alte Bekannte“ wie André K. und Tino Brandt. Dann spricht Mundlos davon, dass der über 200.000 DM in Tino Brandt gesteckt habe und der damit junge Leute habe überzeugen können, mal zu einem Konzert in Bayern zu fahren. Und Brandt habe sich gleichzeitig ans Telefon gehängt und seinem V-Mann-Führer gesagt, in Heilsberg sei Konzert. Immer wenn Brandt eingeladen habe, sei Punkt 24 Uhr die Polizei gekommen und habe Kontrollen gemacht. Es sei gesagt worden, man könne die Uhr danach stellen. Götzl fragt Mundlos, ob er das aus eigenem Erleben, eigenen Beobachtungen bekunden könne. Mundlos verweist auf eine Zeugenaussage, die er gelesen habe. Götzl erwidert, es gebe genug Informationen, die Mundlos hier bekunden könne, die er selbst erlebt oder selbst gehört habe. Mundlos sagt: „Sie wollen mir signalisieren, dass Tino Brandt geladen wird.“ Götzl widerspricht, er wolle Mundlos gar nichts signalisieren. Mundlos sagt, er habe aber mit eigenen Augen so ein Protokoll gesehen und mache jetzt weiter damit. Götzl unterbricht Mundlos. Mundlos sagt, Götzl habe gefragt, wie sein Sohn dazu gekommen ist, und die Ursache sei eindeutig. Götzl unterbricht wieder und ermahnt Mundlos beim Beweisthema zu bleiben, es gehe jetzt um die Beziehungen zu Zschäpe und Böhnhardt. Mundlos: „Lassen Sie mich doch mal aussprechen, dann erfahren Sie alles.“

Sein Sohn habe, so Mundlos, Böhnhardt schon vor 1994 mal gesehen, aber erst nach der Armeezeit habe er gesehen, dass, wenn sein Sohn aus Ilmenau heim gekommen sei, sofort Zschäpe und Böhnhardt da gewesen seien und an seinem Sohn dran gehangen hätten. Und da er nun erfahren habe, dass sich Böhnhardt und Zschäpe inzwischen stärker in die rechte Szene hinein gearbeitet hätten, sei das die eine Verbindung in die rechte Szene. Die andere sei über André K. und Brandt gelaufen. Wohlleben habe in dem Kreis, den er gesehen habe, weniger eine Rolle gespielt. Die andere Verbindung sei die Betreuung eines Gefangenen gewesen, . Der habe einen großen Einfluss auf seinen Sohn gehabt. Er, Siegfried Mundlos, habe darin eine Art Sozialarbeit gesehen. Aus Akten von Polizei und Presse wisse er, dass Böhnhardt und Mundlos am Wochenende auf Demos gefahren seien. In einer Intervention fordert Götzl Siegfried Mundlos auf, das auszuführen, was er aus eigener Kenntnis wisse. Mundlos fährt fort, sein Sohn habe ab 1996 in Jena eine eigene Wohnung gehabt. Aber schon als er noch bei den Eltern gewohnt habe, habe er bemerkt, dass Uwe am Computer einen Brief an einen Häftling geschrieben habe. Da sei der Name St. erwähnt worden, der sei aus dem Chemnitzer Raum und er, Siegfried Mundlos, habe gespürt, dass St. großen Einfluss auf seinen Sohn ausgeübt habe. Götzl fragt, woran er das gespürt habe. Wenn ein junger Mann sich viel Zeit nehme und einen Brief schreibe, dann sei das ein Hinweis. Und wenn sein Sohn über den Mann gesprochen habe, habe er den Eindruck gehabt, dass er eine gewisse Ehrfurcht vor St. gehabt habe. Er meine damit, sein Sohn habe Dinge, die St. gesagt habe, ernster genommen. Auf die Frage von Götzl nach Beispielen, konnte Mundlos keine nennen.

Wo St. in Haft gewesen sei, wisse er nicht: „Aber fragen Sie doch die Frau Zschäpe.“ Götzl sagt, Mundlos sei jetzt als Zeuge dran, das wirke ein bisschen „läppisch”. St. sei, so Mundlos, ja auch im Gefängnis besucht worden und da sei sein Sohn nicht alleine gewesen, sondern ein, zwei Leute mit gewesen, die St. sehr genau kennen würden, besser als Uwe: „Aber das wissen Sie ja besser als ich.“ Götzl ermahnt Mundlos erneut, er solle sich an das halten, was er selber erfahren habe. Mundlos fährt trotzdem fort, er habe über die Presse erfahren, dass St. eine V-Person des LKA Berlin gewesen sein und angeblich auch den Sprengstoff geliefert habe. Götzl fordert Mundlos erneut auf, er solle bei dem Verhältnis seines Sohnes zu Böhnhardt und Zschäpe bleiben. Die hätten seinen Sohn fast jedes Wochenende kurz nachdem er angekommen sei, mit dem Auto abgeholt, und sein Sohn sei dann zu den beiden „raus gesaust”, das habe er nicht verstanden. Götzl fragt, ob Böhnhardt denn der neue Freund von Zschäpe gewesen sei. Er wisse nur, dass sein Sohn das mal kurz geäußert habe.

Siegfried Mundlos beißt in einen Apfel, der schon seit Beginn der Vernehmung vor ihm liegt. Götzl sagt, wenn Mundlos Hunger habe, mache er jetzt zehn Minuten Pause. Es folgt eine Unterbrechung bis 11.39 Uhr.

Danach fragt Götzl, ob Mundlos frisch gestärkt sei. Mundlos sagt, das sei nicht gegen Götzls Autorität gerichtet gewesen, seine Kehle sei rau gewesen. Götzl erwidert, Mundlos solle sagen, wenn er eine Pause brauche, er mache „das Geschäft“ schon eine ganze Weile, aber Mundlos sei der erste Zeuge, „der hier seine Brotzeit ausgepackt hat”. Mundlos will eine Urkunde aus der Armeezeit seines Sohnes überreichen, die zeige „dass der Panzergrenadier Mundlos bei der Armee nicht nur negativ bewertet wurde.“ Götzl wiederholt, es gehe jetzt um das Verhältnis von Uwe Mundlos zu Zschäpe und Böhnhardt. Mundlos beginnt zu antworten, aber Götzl unterbricht und sagt, Mundlos kenne die Frage noch gar nicht. Götzl will wissen, wie häufig Mundlos in der Zeit von 1992 bis 1994, als Zschäpe mit seinem Sohn befreundet gewesen sei, Kontakt zu Zschäpe gehabt habe. Zschäpe sei regelmäßig zu Besuch gekommen, habe auf die Kinder seiner Cousine aufgepasst, sei bei vielen familiären Anlässen dabei gewesen, so Mundlos. Und Uwe habe bei Beate und ihrer Mutter gewohnt von etwa Mitte bis Ende 1992 bis März 1994. Götzl fragt, ob Uwe dann auch zu Besuch bei ihnen gewesen sei in der Zeit. Mundlos sagt, Uwe sei, „wie das bei jungen Männern ist”, gekommen, wenn die Wäsche schmutzig gewesen sei, dann habe die Mutter das waschen müssen. Und Uwe und Beate seien wenigstens einmal in der Woche mit in die Waldgaststätte zum Essen gefahren. Auf Frage Götzls sagt Mundlos, der Umgang der beiden sei nett und gleichberechtigt gewesen, „wenn sie das so hören wollen”. Götzl sagt, er wolle gar nichts hören.

Die beiden seien sehr viel herum gereist, so Siegfried Mundlos, er wisse, dass sie einmal „in der ČSR“ gewesen seien, wo genau wisse er nicht. Wo sie sonst gewesen seien, wisse er auch nicht, aber sie hätten gemerkt, dass sie verreisen, weil sie sich noch verabschiedet hätten. Der Grund für den Umzug zu Zschäpe sei gewesen, dass sie näher zusammen hätten wohnen wollen, wie es bei jungen Leuten üblich sei, wenn sie auch mal intimer werden wollten. Da sei es nicht so schön, wenn man kein eigenes Zimmer habe. Auf Nachfrage sagt Mundlos, sein Sohn habe später schon ein eigenes Zimmer gehabt, aber seine Frau hätte das nicht gerne gesehen, wenn Beate eingezogen wäre. In der Wohnung der Zschäpes sei er nie gewesen, so Mundlos. Sein Sohn sei einfach umgezogen: „Der Familienrat ist da nicht befragt worden.“

Auf Frage zur Situation in der Familie sagt Mundlos, er habe eine Frau und einen behinderten Sohn, der sei Rollstuhlfahrer und brauche einen ständigen Betreuer. Deswegen würden sie, die Eltern, über der Wohnung des behinderten Sohnes wohnen. Warum die Beziehung mit Zschäpe geendet sei, könne er nicht sagen, so Mundlos. Er habe seinen Sohn nur darauf angesprochen, dass er sich noch mit Zschäpe und Böhnhardt treffe, weil er das komisch gefunden habe. Aber Uwe habe nichts weiter dazu gesagt. Uwe sei 1994, noch während der Armeezeit, gekommen und habe gesagt, er wolle wieder bei ihnen einziehen, so hätten sie davon erfahren. Und einen Tag später, so Mundlos, sei die Polizei gekommen und habe den Rucksack durchsucht. Götzl fragt, ob Mundlos keinen Anlass gesehen habe, nachzufragen. Uwe habe gesagt, dass Zschäpe einen neuen Freund habe, so Mundlos, über den neuen Freund habe er nicht mit seinem Sohn geredet.

Götzl sagt, zur politischen Einstellung von Uwe Mundlos von 1992 bis 1994 habe es bisher von Siegfried Mundlos nur Äußerungen zu Springerstiefeln und Bomberjacken gegeben, und es sei noch die Rede von Kassetten gewesen. Mundlos sagt, er habe in der Zeit bis Frühjahr 1995 gar nichts wahrgenommen, nur die „Chemnitzer Geschichte“. Dabei habe er sich gewundert, dass sein Sohn das Angebot, ihn mit nach Hause zu nehmen, nicht angenommen habe. Das liege wohl am Charakter des Sohnes, der sei ziemlich ehrlich gewesen und habe viel von Kameradschaft gehalten und vielleicht habe er sich gedacht, dass die Chemnitzer denken, sei seien „Weicheier”. Götzl bittet um eine konkretere Beschreibung. Um Mitternacht seien da in Chemnitz 30, 40 junge Leute aus dem Polizeigewahrsam gekommen. Er habe da keine Demo und keine Fahnen wahrgenommen, so Mundlos. Er habe Uwe und die ein, zwei Jenenser angesprochen, ob er sie mit nach Hause nehmen solle, aber die hätten bei ihren Chemnitzer Freunden übernachten wollen. Gekannt habe er den Besitzer des Hundes, Stefan A. Götzl fragt, woher er den gekannt habe. Mundlos: „Wenn Sie es noch nicht wissen, das ist der Cousin der Beate Zschäpe.“ Zschäpe und Stefan A. hätten früher miteinander gespielt und Dummheiten gemacht, das wisse er von seinem Sohn. Auf Nachfrage berichtet Mundlos, dass er durch Zufall mitbekommen habe, dass Stefan A. Tippgeber gewesen sei für die Polizei. Sein Sohn habe sich eine „Rangelei“ mit einem jungen Mann geliefert, da sei es zur Anzeige gekommen und zu einem Täter-Opfer-Ausgleich. Er selbst sei dann bei der Familie des Opfers gewesen und habe sich persönlich entschuldigt. Von der Mutter habe er erfahren, dass die Polizei nur durch einen Tipp des Stefan A. habe zugreifen können. Götzl hakt nach. Mundlos sagt, sein Sohn und noch ein Beteiligter, den Namen nenne er nicht, hätten jemanden umgerempelt und der andere junge Mann habe dem Opfer noch die Geldbörse geklaut. Götzl fragt, wer das Opfer gewesen sei. Er wisse gar nicht, ob er das sagen dürfe, so Mundlos, er könne es Götzl ja unter vier Augen sagen. Götzl erwidert, es gehe hier darum, mit welchen Personen Uwe Mundlos damals Kontakt hatte, er wolle wissen, wie das Opfer hieß. Mundlos sagt, dann wolle er einen Zeugenbeistand. Götzl sagt, er sehe nicht, wo Mundlos hier Schwierigkeiten bekommen sollte. Mundlos sagt, der Mann heiße Gr. [phon.], der andere Beteiligte heiße H. [vermutlich , Anmerkung nsu-watch].
Das Verhältnis seines Sohnes zu Stefan A. sei gut gewesen, bis Uwe mitbekommen habe, dass Stefan A. klaue, über die Maßen trinke und sich damit brüste, dass er der Polizei ab und zu einen Tipp gebe, weil das nützlich sein könne. Danach habe sich sein Sohn von Stefan A. getrennt. Diese Informationen habe er von seinem Sohn, so Mundlos. An sich sei Stefan A. „nicht nur ein schlechter Kerl”, aber er habe ein bisschen zu viel getrunken und den Boden unter den Füßen verloren.

Götzl fragt, ob Mundlos mit seinem Sohn über dessen politische Einstellung gesprochen habe. Das bestätigt Mundlos, beispielsweise wenn er erfahren habe, dass André K. wieder „so eine Klebeaktion“ oder eine Demo anmelden wollte. Das habe er von seinem Sohn erfahren, als der ihn nach einer Leiter gefragt habe. Er habe ihm die Leiter verweigert. Er habe seinen Sohn gefragt: „Meinst du, wenn ihr an die Macht kommen werdet, dass dann keine Fachleute gebraucht werden?“ Er habe Uwe gefragt, ob der André K. dann „Medizinprofessor“ oder „Gesundheitsminister“ sein könne. Er habe sich damals nur gewundert, woher sein Sohn die Gewissheit genommen habe. Er habe dann erfahren, wie viel Geld der VS da rein gesteckt habe, dass dann die jungen Leute hätten überzeugt werden können, nach Bayern oder Chemnitz zu fahren. Vom eigenen Geld hätten die das, so Mundlos, gar nicht geschafft. In Rudolstadt habe Tino Brandt, so Mundlos weiter, 80 -Mitglieder dadurch geworben, dass er ihnen die Mitgliedsbeiträge gezahlt habe. Dann sagt Mundlos: „Sie können deshalb den Verfassungsschutz aus diesem Prozess nicht ausgliedern.“

Götzl will wissen, worum es bei der erwähnten Klebeaktion André K.s gegangen sei. K. habe regelmäßig Vorstellungen gehabt, dass Plakate geklebt oder Demonstrationen angemeldet werden sollten. Auch sein Sohn, Böhnhardt und vermutlich auch Zschäpe seien beauftragt worden, doch mal „die und die Aktion“ bei der Stadtverwaltung anzumelden. Plakate habe er nicht gesehen, so etwas komme ihm nicht ins Haus. Sein Sohn habe ihn gefragt, ob er ihm ein Leiter oder einen Anhänger zur Verfügung stelle. Mundlos: „Ich habe gesagt, ich bin doch nicht bekloppt.“ Er habe, so Mundlos, zu DDR-Zeiten schon erlebt, wie die Stasi einen rein gelegt habe. Götzl sagt, Mundlos habe die Vorstellungen seines Sohnes als unrealistisch bewertet und fragt, welche Vorstellungen das gewesen seien. Das seien „laienhafte Vorstellungen“ gewesen, antwortet dieser, dass die jungen Leute in der Lage wären, einen Staat zu übernehmen, z. B. durch einen erfolgreichen Wahlkampf. Das sei „Traumdenken“ gewesen. Wenn sie dann an der politischen Macht seien, hätten ja schon einige erlebt, dass sie zum „Buhmann“ werden, wenn sie die Wünsche der Bevölkerung nicht erfüllen könnten. Sein Sohn sei ziemlich naiv gewesen, so Mundlos. Er habe, so Mundlos auf Nachfrage Götzls, seinem Sohn gesagt, das sei vollkommen unrealistisch, aber er habe das nicht klären können. Götzl fragt, ob denn inhaltlich über das, was Uwe gedacht hat, gesprochen worden sei. Mundlos sagt, sein Sohn habe ein hohes soziales Bewusstsein gehabt; dass viele Eltern seiner Freunde finanziell zu kämpfen gehabt hätten, das habe ihn gestört. Es habe schwere soziale Umwertungen nach der Wende gegeben, so dass man durchaus verstehen könne, dass so mancher die Orientierung vorübergehend verloren habe. Götzl sagt, es geht ihm darum, eine Vorstellung zu bekommen von den Gesprächen. Mundlos: „Da fällt mir jetzt nichts dazu ein.“ Götzl fragt, was Mundlos mit der Beschreibungen „naiv“ meine. Mundlos nennt ein Beispiel aus der Vorwendezeit. Da habe er, Siegfried Mundlos, die Fahrerlaubnis machen wollen, sei vorher zum Üben mit dem Auto seines Schwiegervaters gefahren und sein Sohn habe in der Straßenbahn gegenüber seiner Frau angefangen, dass der Vater schon ohne Fahrerlaubnis gefahren sei. Der sei so naiv gewesen, dass er nicht begriffen habe, dass Dinge manchmal verschwiegen werden müssten. Götzl fragt, wie alt Uwe da gewesen sei. Mundlos sagt: „Fünf Jahre alt.“

Götzl fragt, wie das in den späteren Lebensjahren gewesen sei. Als Uwe ihm die Person Tino Brandt geschildert habe, da hätten bei ihm, Siegfried Mundlos, schon die Alarmglocken geläutet. Er habe sich gewundert, dass Uwe nicht auf die Idee gekommen sei, dass hinter Brandt, der ständig Transportfahrzeuge gesponsert und immer genug Geld gehabt habe, jemand stehen könne, der das finanziert. Götzl fragt, in welcher Zeit das gewesen sei. Mundlos sagt: „Mit Sicherheit schon so ab ’93.“ Uwe habe auch erzählt, der Tino Brandt kenne Innenminister Dewes und Roewer [damals thüringischer VS-Präsident]. Das habe ihn, Siegfried Mundlos, gewundert, aber er habe nichts dazu gesagt, weil er keine Beweise gehabt habe und sein Sohn das Brandt gleich erzählt hätte. Götzl fragt, was Mundlos mit „soziales Bewusstsein“ meine. Sein Sohn, so Mundlos, habe seinen Freunden versucht zu helfen. Mundlos schildert, dass sich Uwe mit der 17-jährigen Freundin, die mit in Mecklenburg im Urlaub gewesen sei, auseinandergesetzt habe, als die den Urlaub eigenständig habe verlängern wollen. Da habe Uwe ein „moralisches Verantwortungsgefühl“ gehabt.

Dann spricht Mundlos davon, dass Frau Böhnhardt seinen Sohn geschickt habe, um Uwe Böhnhardt aus der Drückerkolonne zu holen [siehe Protokolle zum 57., 58. und 59. Verhandlungstag]. Sein Sohn sei Uwe Böhnhardt wohl öfters mal zur Seite gesprungen. Götzl fragt nach weiteren Beispielen. Mundlos sagt, das gehe jetzt aber hart gegen Frau Böhnhardt. Wegen  „dem sogenannten Puppentorso“ habe es einen Prozess gegen Uwe Böhnhardt gegeben. Im Rahmen des Prozesses habe Frau Böhnhardt bei ihm, Siegfried Mundlos, angerufen, ob sein Sohn sie zu dieser Gerichtsverhandlung fahren könne, obwohl sie gewusst habe, dass das in die Schulzeit fiel. Im Nachhinein habe er von seinem Sohn erfahren, Frau Böhnhardt wollte, dass sein Sohn Uwe Böhnhardt ein Gefälligkeitsalibi gebe. Frau Böhnhardt habe also junge Leute angestiftet zu einer strafbaren Handlung. Er habe das auch als Strafanzeige an die Bundesanwaltschaft geschickt, die hätten das an Thüringen verwiesen und es sei wegen Verjährung eingestellt worden. Götzl fragt, ob Uwe Mundlos Initiativen unternommen habe, um Uwe Böhnhardt von der Drückerkolonne zurückzuholen. Das könne er nicht sagen, es habe ihn nur geärgert, dass „diese Frau Böhnhardt“ immer junge Leute dazu bewege, „für ihren Sohn die Kohlen aus dem Feuer zu holen“. Er habe der Presse entnommen, so Mundlos auf Nachfrage, dass junge Leute dazu bewegt habe, Geld „für ihr Rippchen“ zu transferieren. Götzl sagt, ihn interessiere, was Mundlos aus eigener Kenntnis sagen könne. Mundlos sagt, er habe zwei Beispiele genannt, mehr wisse er gerade nicht. Die Information über die Drückerkolonne habe er von seinem Sohn. Das sei ein Beispiel dafür, dass Frau Böhnhardt Leute dazu angestiftet habe, für ihren Sohn da zu sein, obwohl sie gewusst habe, dass ihr Sohn „ein absoluter Zeitzünder“ sei. Götzl fragt Siegfried Mundlos, nach dem Ergebnis des Gesprächs mit seinem Sohn. Er sei froh gewesen, dass sein Sohn das heil überlebt hat, man schalte bei so etwas eigentlich die Polizei ein. Das sei auf jeden Fall vor 1998 gewesen, sagt Mundlos auf Frage von Götzl.

Es folgt die Mittagspause bis 13.47 Uhr.

Nach der Pause fragt Götzl, was Mundlos mit „Zeitbombe“ in Bezug auf Uwe Böhnhardt meine. Mundlos antwortet mit einer Gegenfrage: „Kennen Sie den Schäfer-Bericht?“ Götzl erwidert, Mundlos stelle hier keine Fragen. Mundlos: „Ich wollte für alle Beteiligten das Prozedere abkürzen.“ Dann sagt er, Böhnhardt habe ab 1988 „systematisch eine kriminelle Laufbahn begonnen“, sei 1993 inhaftiert worden und als er 1994 aus der Haft entlassen worden sei, habe er innerhalb kürzester Zeit wieder für drei Jahre Strafen angehäuft. Mit dem jungen Mann sei also „irgendwas schief gelaufen“, deshalb habe er gesagt, der sei eine tickende Zeitbombe gewesen. Und ihm, Siegfried Mundlos, hätten damals Bekannte aus der Szene gesagt, der Uwe Böhnhardt sei ein ganz gefährlicher Mensch, ein „Psychopath“, bei dem man vorsichtig sein müsse. Auf Frage von Götzl sagt Mundlos, das habe ihm z. B. Alexander Ha. gesagt, einer der Freunde seines Sohnes. Diese Dinge habe Familie Böhnhardt „systematisch verschwiegen”. Sein Sohn habe damals, 1995, nicht gewusst, wer ihm da als „hilfebedürftige Person“ zur Seite gestellt worden sei. Götzl sagt, das habe er, Siegfried Mundlos, aber doch gegenüber seinem Sohn ansprechen müssen. Darauf erwidert Mundlos: „Sie sind ein kleiner Klugsch//“ Götzl wird laut und sagt: „Was fällt Ihnen ein, mich so anzugehen?“ Mundlos: „Was fällt Ihnen ein, mich so anzugehen?“ Nach einem Streit darum, ob Mundlos als „Dr.“ oder als „Prof.“ anzusprechen ist, sagt Mundlos, ihm seien „diese ganzen Entwicklungen“ aus dem Schäfer-Bericht bekannt geworden, sonst habe er das nirgends gesehen.

Götzl sagt, er habe extra nachgefragt, ob Mundlos persönlich mit Leuten aus der Szene gesprochen habe, das habe er bejaht und Alexander Ha. genannt, dann habe er, Götzl, berechtigterweise gefragt, warum Mundlos nicht mit seinem Sohn darüber gesprochen habe. Mundlos sagt, die Frage sei nicht berechtigt, es gebe Unterlagen. Um Unterlagen gehe es nicht, sagt Götzl, der dann seine Frage wiederholt. Zur damaligen Zeit seien diese ganzen Entwicklungen hier nicht bekannt gewesen, sagt Mundlos, und er müsse doch nicht jedes Gespräch, das er mit den Freunden seines Sohnes führe, nochmal mit dem Sohn durchgehen. Dann sagt er, Götzl tue hier „so arrogant”. Götzl: „Ich warne Sie, ich lasse mir das von Ihnen nicht bieten.“ Mundlos: „Herr Prof. Mundlos.“ Darauf sagt Götzl, er sage weiterhin „Dr. Mundlos”. Götzl insistiert, die Frage sei noch immer nicht beantwortet. Mundlos wiederholt, dass er nicht jedes Gespräch mit Freunden seines Sohnes mit seinem Sohn nochmal durchdiskutiert habe. Dann fragt Götzl, ob Alexander Ha. der einzige gewesen sei, mit dem Mundlos darüber gesprochen habe. Mundlos sagt, er habe keinen Grund gesehen, mit anderen Personen über die Gefährlichkeit des Uwe Böhnhardt zu sprechen.

Auf die Frage, was Mundlos mit „Abdriften in den rechten Bereich“ meine, antwortet Mundlos, sein Sohn habe sich optisch so gekleidet „wie man landläufig das einteilt, Rechte, Linke, Punks“. Sein Sohn habe Springerstiefel und Bomberjacke getragen. Götzl fragt, ob es sonstige Umstände gegeben habe, an denen er das gemerkt habe. Mundlos: „Ich habe solch engen Kontakt nicht gehabt zu meinem Sohn, dass wir da einen Diskussionsabend gehabt hätten. Aber manche Dinge haben mir tatsächlich nicht gefallen, das gebe ich zu, ja.“ Götzl fragt, wie der Kontakt ausgesehen habe. Mundlos antwortet: „Ich war der Vater und das war mein Sohn.“ Auf die Frage, ob es dazu nicht mehr zu sagen gebe, erwidert Mundlos, dann müsse er wieder ausholen. Er, Siegfried Mundlos, habe in den letzten Schuljahren regelmäßig die Klasse seines Sohnes unterstützt, indem er Computerlehrgänge gegeben, Projekte gestaltet, elektronische Maschinen und Blockhütten gebaut habe, damit die Klasse und sein Sohn Vorteile haben. In dieser Zeit sei sein Sohn „das, was man ein systemkritisches Kind nennen könnte“ gewesen. Er habe Uwe einmal ein in der DDR erschienenes Buch über die Autowerke Sachsenring in Zwickau gezeigt, in dem dargelegt worden sei, dass die Sowjetunion nach dem Krieg der DDR-Landwirtschaft 50 Traktoren hingestellt habe, aber im gleichen Jahr das Werk in Zwickau noch demontiert worden sei. Sein Sohn habe das gelesen und in einem Aufsatz niedergeschrieben. Auf die Weise habe es sein Sohn verstanden, sich zum Ende der DDR „so richtig in die systemkritische Ecke hinein zu manövrieren”. Außerdem habe Uwe „seinen Vater unterstützt, als der für Wohnraum für seinen behinderten Sohn gekämpft hat”. Er, Siegfried Mundlos, habe das „Glück oder das Pech“ gehabt, eine Großmutter im Westen zu haben, die er zum  90. Geburtstag habe besuchen dürfen. Er habe seinem Sohn eine Armbanduhr mit Taschenrechner mitgebracht und da habe es geheißen, sein Sohn solle mit dieser Uhr nicht in die Schule kommen. Im Gegensatz zu den Aussagen von Thomas Grund, „genannt Kaktus“, sei sein Sohn kein „Fascho“ gewesen, sondern ein „systemkritischer Schüler“. Die anderen Eltern hätten ihre Kinder gewarnt vor Kontakten zu seinem Sohn, auch die Eltern des Andreas Re. Dessen Mutter habe vor der Wende eine Karriere in der SED-Kreisleitung gemacht, die sei dann zusammen gebrochen. Deswegen habe es da Differenzen gegeben und sein Sohn sei in eine Dorfdisco gelockt worden, wo er „in seiner dämlichen Kleidung“ von neun Leuten zusammengeschlagen worden sei. Das habe ihm sein Sohn berichtet. Damit sein Sohn keine Selbstjustiz übe, habe er das bei der Polizei angezeigt. Doch da sei nichts herausgekommen, weil sich Andreas Re., der wahrscheinlich an der Vorbereitung beteiligt gewesen sei, nicht bereit gefunden habe, auszusagen.

Bis zur Wende sei sein Sohn „systemkritisch“ gewesen und habe bei den Demonstrationsmärschen gegen die Stasi teilgenommen. Danach sei er „merkwürdigerweise“ mit gewaltbereiten Leuten zusammen gekommen, habe gerne Kräftige an seiner Seite gesehen und die seien „mehr vom rechten Sektor“ gewesen. Da habe er die Beate kennengelernt, die sei damals nicht rechts gewesen, der sei es sogar lästig gewesen, einen Freund zu haben, der durch sein Outfit „sofort als Rechter geortet“ werde, denn das sei ja heute so, auch wenn man „eine ganz harmlose Seele“ sei. Götzl fragt, woraus Mundlos entnehme, dass das Zschäpe lästig gewesen sei. Wenn sie mit Uwe ins „Casablanca“ habe gehen wollen, habe sie ihn von oben bis unten angeguckt und ihm „indirekt gesagt“, ob er nicht mal was anderes anziehen könne, so Mundlos. Sein Sohn habe sich aber nichts sagen lassen. Auch Freunde von ihm hätten ihm gesagt, wenn er so mitkomme, sei Ärger vorprogrammiert. Sein Sohn sei von neun Leuten zwischen 1992 und 1994 zusammengeschlagen worden, antwortet Mundlos auf Götzls Nachfrage. Zu den politischen Ansichten Zschäpes könne er nichts sagen, so Mundlos. Er habe sie „von einer relativ weiten Entfernung“ als normales junges Mädchen eingeschätzt, die eher zum linken als zum rechten Spektrum tendiere. Sie sei ins „Casablanca“ gegangen, wo eher Linke, Punks und Alternative zum Tanzen hingegangen seien.

Götzl fragt nach dem Verhältnis zu seinem Sohn. Mundlos antwortet, das sei immer sehr gut gewesen. Er habe vielleicht nicht genügend Zeit gehabt, habe sich aber regelmäßig um die Dinge gekümmert, die seinen Sohn angingen und habe ihm Dinge direkt ins Gesicht gesagt, die er falsch gefunden habe, wie z. B. die Kleidung. Bei manchen Sachen habe sein Sohn nicht auf ihn reagiert. Götzl fragt, was Mundlos mit „manche Sachen“ meine. Mundlos sagt, er habe den Umfang der Aktivitäten im rechten Sektor erst durch die Protokolle der Polizei und der Journalisten erfahren. Dass sein Sohn in Süddeutschland oder in Sachsen gewesen oder wegen Teilnahme an Demos aufgefallen sei, das habe er nicht gewusst. Götzl fragt, ob es einen Zeitpunkt der Veränderung des Verhältnisses gegeben habe. Sie hätten immer ein gutes Verhältnis gehabt, so Mundlos, und als sich sein Sohn entschlossen habe, sein Abitur zu machen, habe er daraus geschlussfolgert, „dass er doch etwas klarer denkt“. Das Verhältnis zur Mutter sei ebenfalls sehr gut gewesen, seine Frau sei eine freundliche Frau. Und selbst 1998, als er geflohen sei, habe es keinen Grund gegeben, vor ihm, dem Vater, oder der Mutter zu fliehen. „Und in der Familie gibt es keinen Grund, dass er in die rechte Szene abgedriftet ist.“ Er habe es immer bedauert, dass der Opa so früh gestorben sei, denn der, so Mundlos, hätte seinem Sohn aus dem „Dritten Reich“ erzählen können. Er selber habe einen Großvater gehabt, der im Ersten Weltkrieg sein Bein verloren und gesagt habe: „Siegfried, im Krieg verliert immer der kleine Mann, der ist immer der Dumme.“ Das habe ihm gereicht, um „diese ganze Idiotie“ dauerhaft begriffen zu haben.

Götzl will wissen, ob sein Sohn mit der Mutter darüber diskutiert habe. Mundlos sagt, sie hätten nicht groß politisch diskutiert, sie hätten einen Sohn zu betreuen, da habe es viel Arbeit gegeben und sie hätten angenommen, dass Uwe das aus eigenem Verstand begreift. Das Verhältnis von Uwe zu seinem behinderten Bruder sei rührend gewesen, er habe sich unwahrscheinlich stark gekümmert. Was sie ihm da vorwerfen könnten, sei, dass er 1998, als er auf die Flucht gegangen ist, nicht daran gedacht habe, dass er eines Tages vielleicht Hilfestellung für seinen Bruder liefern müsse, wenn die Eltern nicht mehr so rüstig seien. Götzl fragt, wer die jungen Leute waren, die Mundlos zu Campingplatz und See gefahren habe. Mundlos sagt, das sei keinesfalls eine Gruppe von Rechten gewesen. Der Cousin [Stefan A.] sei dabei gewesen, aber auch ein junger Mann, der gern zur Armee gegangen wäre, „der gerne dem Staat gedient hätte”, der das aber nicht gekonnt habe, und dessen Freundin, „ein ganz normales Mädel ohne extremen Einschlag nach links oder rechts“. Er habe denen „Starthilfe“ gegeben, damit sie sich mit anderen Dingen beschäftigen als bei einem Kiosk die Scheiben einzuschlagen. Götzl fragt, ob diese Verbindungen noch angehalten hätten. Mundlos sagt, das müsse Zschäpe beantworten. Die Jugendlichen hätten sich da wie Camper verhalten, gegrillt, gebadet, „ihre Spielchen gemacht”. Von rechts habe er da niemanden gesehen, aber er sei später auch nicht mehr dahin gefahren Außer Stefan A. könne er keine Namen mehr nennen, so Mundlos.

Götzl fragt erneut nach dem Gedankengut von Uwe Mundlos. Siegfried Mundlos spricht wieder vom Outfit des Sohnes. Und außerdem habe es Aktionen gegeben, die er für sinnlos gehalten habe. Aber die Inhalte der Demos kenne er nicht mehr im Einzelnen. Er wisse, so Mundlos, nur noch, dass die jungen Leute von André K. aufgefordert worden seien, bei der Stadtverwaltung Anmeldungen zu machen. Götzl fragt nach dem Verhältnis seines Sohnes zu André K. K. sei sowas wie der Führer der Gruppierung gewesen, die man in Jena als () bezeichnet habe. Die Fage, ob der THS Gesprächsthema zwischen Mundlos und seinem Sohn gewesen sei, verneint Mundlos. Seinem Sohn sei gar nicht bewusst gewesen, dass er dazu gezählt wurde. Ihm erscheine es so, als ob der Begriff „doch eher in einer Schreibstube entwickelt“ worden sei. Die ganze Struktur sei den jungen Leuten mit Sicherheit nicht bewusst gewesen. Götzl fragt nach konkreten Demonstrationen, nach Zielen und Botschaften. Mundlos sagt, er habe die Sache immer praktisch behandelt. Einmal habe sein Sohn auf Druck von André K. eine Demo in der Leipziger Straße anmelden sollen, neben der Kaufhalle, in der seine Frau gearbeitet habe. Da habe er seinem Sohn gesagt, dass er ihn das Wochenende mit auf eine Wanderung in den Thüringer Wald nehme und, wenn die Polizei die Jugendlichen wieder festnehmen wolle fürs Wochenende „nach Polizeiaufgabengesetz“, dann sei er, Uwe Mundlos, nicht dabei. Die Demo sei dann nicht zustande gekommen. Das sei seine „bescheidene Art“ gewesen, sich gegen solche Dinge zu wehren. Sein Sohn sei erleichtert darüber gewesen. Götzl fragt, wie es dann mit André K. weiter gegangen sei. Mundlos sagt, das Problem sei nicht gelöst worden, der Kontakt seines Sohnes zu André K. sei bestehen geblieben. Auf Frage von Götzl sagt Mundlos, sein Sohn habe noch nicht so tief in der Szene gesteckt, das sei die Bewertung seines Kommandeurs bei der Bundeswehr gewesen. Der habe „eine menschlich gesehen ordentliche Beurteilung“ getroffen, die er, Siegfried Mundlos, sich zum Vorbild genommen habe. Mit der Einschätzung sei nicht die Gesinnung gemeint, sondern die Verwurzelung im rechten Umfeld, dass junge Leute beispielsweise Mitwisser von Straftaten seien, dass sie beim Austreten Racheakte treffen würden und dergleichen. Seine Einschätzung sei gewesen, sein Sohn sei damals noch nicht erpressbar gewesen und habe noch austreten können.

Mundlos’ Stimme klingt heiser und Götzl fragt, ob es von der Stimme her noch gehe. Mundlos sagt, es gehe noch, er wolle jetzt „zum Kern der Sache“ kommen. Götzl fragt, welcher das sei. Mundlos sagt, das sei, dass man das Trio bewusst habe fliehen und nach Chemnitz gehen lassen. Götzl fragt danach, dass Mundlos während der Zeit, in der sein Sohn im Ilmenau-Kolleg war, auf andere Freunde gehofft habe. Mundlos antwortet, er habe gehofft, dass Uwe, wenn er sein Abitur schaffen würde, vielleicht ein Studium in einer anderen Region aufnehmen würde und sich so leichter aus dem rechten Umfeld lösen könne. Sein Sohn habe ihm einmal berichtet, wenn er zum Joggen in den Wald gefahren sei, habe es nicht lange gedauert bis ein Auto gekommen sei und man ihn beobachtet habe, „um ihn psychisch unter Druck zu setzen“. Selbst in der Armeezeit habe sich der VS nicht gescheut, ihm nachzusetzen. Die „Art Psychoterror“ habe dann dazu geführt, dass André K. und Uwe Böhnhardt auf den Hof der Polizei in Jena gegangen seien und sich Zivilfahrzeuge notiert hätten. Die beiden seien dann geschnappt und reingezogen worden und hätten „Hiebe“ bekommen. Der „Psychoterror des VS“ habe, so Mundlos, dazu beigetragen, Leute wie Böhnhardt und wahrscheinlich auch seinen Sohn, „noch irrer zu machen“. Dann sagt er in Richtung der Bundesanwaltschaft: „Ganz dick unterstrichen, auch für die Herren von der Bundesanwaltschaft.“

Götzl sagt, er wolle nochmal an die rechten Ideen des Sohnes anknüpfen und nach den Inhalten fragen. Mundlos: „Da gab es keine Inhalte weiter.“ Er habe keine größeren Themen gesehen oder gehört und sie hätten sich auch nicht darüber unterhalten. Götzl hakt nach, was denn die Dinge gewesen seien, die ihm missfallen hätten. Mundlos sagt, er habe sich kleidungsmäßig den Aufzug anders vorgestellt, sich mehr Zurückhaltung von seinem Sohn erwartet und, dass er sich nicht „von jedem Hansel für so einen Scheiß da gewinnen lässt“. Sein Sohn sei vielseitig interessiert gewesen, sagt Mundlos auf Frage, z. B. sei er gerne Rad gefahren mit Freunden. Außerdem habe er sich für „Computerei“ interessiert. Sein Sohn habe eine Reihe von Hobbys gehabt, Waffen seien da nicht dabei gewesen. Auf Frage von Götzl nennt Mundlos zwei eigene Wohnungen seines Sohnes, eine in Cospeda und eine in der Leipziger Straße in Jena, diese habe sein Sohn Mitte 1997 bezogen. Wann sein Sohn André K. kennengelernt hat, wisse er nicht, so Mundlos. habe nicht zum engeren Freundeskreis gehört. Er habe Wohlleben näher kennengelernt, denn dieser habe seinem Sohn sein Auto als Fluchtauto gegeben. Er, Siegfried Mundlos, habe sich bereit erklärt, Wohlleben zur Arbeit in Rothenstein zu fahren und wieder abzuholen bis dessen Auto wieder da sei. In diesen eineinhalb Wochen habe er von Wohlleben den Eindruck bekommen, der würde sich auf „solche Dummheiten wie diese Bombengarage“ nicht einlassen. Wohlleben sei ihm überlegter erschienen, habe seine Arbeit sehr ernst genommen und habe die Vorstellung gehabt, man könne in einer Demokratie über Wahlen und eine Partei zu einer gewissen Macht kommen. Wohlleben sei ja auch Stadtratsmitglied in Jena-Winzerla gewesen, und er, Mundlos, habe von ihm einen gemäßigten Einruck gehabt. Er habe nicht mit Wohlleben über den Aufenthaltsort seines Sohnes gesprochen, so Mundlos auf Frage von Götzl, er habe den Eindruck gehabt, Wohlleben habe mit dieser Sache nichts zu tun. Götzl hakt nach, worauf Mundlos erwidert: „Wenn ich vielleicht mal ein paar Sätze ohne Störung sagen darf.“ Götzl erwidert, ihn würde aber die Antwort auf seine Frage interessieren, die Frage scheine Mundlos nicht angenehm zu sein. Diese Schlussfolgerung sei falsch, so Mundlos. Er habe den Eindruck gehabt, Wohlleben habe bis auf das Tauschen des Autos nichts damit zu tun.
Götzl fragt noch einmal, ob Mundlos Wohlleben nicht nach dem Aufenthaltsort seine Sohnes gefragt habe. Mundlos: „Selbstverständlich, er hat gesagt, er weiß nichts davon und mit so einem Scheiß hätte er nichts zu tun.“ Auf Frage, warum er Wohlleben nach eineinhalb Wochen nicht mehr gefahren habe, antwortet Mundlos, er sei mit seinem zweiten Sohn immer mal abends herum gefahren und sie hätten das Auto in einer Straße stehen sehen und das einem „Abschnittsbevollmächtigten“ bzw. Streifenpolizisten und am nächsten Tag dem Zielfahnder Wunderlich gesagt. Die Frage, ob Mundlos nach der Flucht noch einmal Kontakt zu seinem Sohn hatte, verneint Mundlos und fährt fort, er habe den Zielfahnder gefragt, ob er das Fahrzeug in die Fahndung eingebe und Wunderlich habe erwidert, das gehe aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht, weil das Auto einer Tante von Wohlleben gehöre.

Dann sagt Mundlos, dass aber seine Kreditkarte zum Erfolg bei der Fahndung habe führen sollen. Er sei da skeptisch gewesen und habe gesagt, er stelle seine Kreditkarte nur zur Verfügung, wenn er schriftlich bekomme, dass sie für die Fahndung wichtig sei. Götzl fragt, wofür Mundlos die Karte habe zur Verfügung stellen sollen. Anhand der Abhebungen habe, antwortet Mundlos, erkannt werden sollen, wo das Trio sei. Die Kreditkarte habe er einer Juliane W. geben sollen, die sei ihm komisch vorgekommen, mittlerweile wisse er, dass sie eine V-Person des VS war. Auf Frage, ob er Juliane W. gekannt habe, antwortet Mundlos, die sei bei der Hausdurchsuchung dabei gewesen und habe seine Kreditkarte an das Trio bringen sollen. Er habe sich gesagt, wenn diese Person die Kreditkarte überbringen solle, dann müsse die doch abgeschöpft werden. Götzl fragt, wie Juliane W. zu seinem Sohn gestanden habe. Die sei da zum ersten Mal aufgetaucht, so Mundlos, er habe auch keine Ahnung, wie Juliane W. zu Wohlleben oder André K. gestanden habe. Götzl fragt, ob Mundlos Informationen über den Aufenthaltsort des Sohnes erhalten habe. Mundlos sagt, er habe keinen Kontakt mehr mit seinem Sohn gehabt und habe nicht gewusst, wo er sich aufhält.

Dann fragt Mundlos: „Aber dürften wir die Sache mit dem Fluchtfahrzeug zu Ende bringen?“ Götzl wiederholt erneut, Mundlos solle auf seine Fragen antworten. Mundlos gibt an, wenn er es gewusst hätte, dann hätte er seinen Sohn überredet, sich zu stellen, „damit diese Propagandalüge mit der Garage aufgedeckt wird“. Götzl fragt, ob Mundlos Kontakt zur Familie Böhnhardt aufgenommen habe, was der bejaht. Wenige Tage nach der Flucht hätten sie das Auto von Uwe Böhnhardt gesehen, es sei gerade von der Polizei kontrolliert worden. Aber der Fahrer sei ein anderer junger Mann gewesen. Sie hätten Familie Böhnhardt aufgesucht und sie habe geschildert, dass der Beweggrund für die Flucht die Uwe Böhnhardt drohende Gefängnisstrafe von zweieinhalb Jahren gewesen sei. Frau Böhnhardt habe das „herzzerreißend“ geschildert. Familie Böhnhardt habe ihnen gesagt, dass die drei in Mecklenburg bei Verwandten der Böhnhardts Unterschlupf gefunden hätten und er habe sich gedacht, dass sie da nicht verhungern würden und keine Beschaffungskriminalität zu erwarten sei. Aber leider habe Familie Böhnhardt sie sträflich belogen. Weder die Grüße, die sie an seine Frau habe überbringen sollen, habe sie ausgerichtet, noch habe sie erzählt, dass es ein Rückholangebot gab, das angeblich gescheitert sei, weil sein Sohn nicht habe zurückkommen wollen. Die Rückholung sei daran gescheitert, dass Familie Böhnhardt von der Staatsanwaltschaft verlangt habe, die zweieinhalb Jahre Haft wegfallen zu lassen. Bei „der Beate“ und seinem Sohn hätten noch keine Gerichtsverhandlungen vorgelegen, während Uwe Böhnhardt rechtskräftig verurteilt gewesen sei. Mundlos weiter: „Die Familie Böhnhardt hat uns schwerstens enttäuscht.“ Insbesondere ärgere sie, dass die Böhnhardts sie nicht über das Rückholangebot informiert und ihnen die Möglichkeit genommen hätten, auf ihren Sohn, Uwe Mundlos, einzuwirken: „Alles was sie [Brigitte Böhnhardt] geschildert hat, vermutlich auch hier, das ist ja alles zugunsten von ihr geschildert.“ Familie Böhnhardt habe vier Jahre lang den Kontakt gehalten und das Schlimme sei, sie habe junge Leute da mit rein gezogen. Denn jeder Kurier, „der bei der Lehrerin Böhnhardt aufgeschlagen ist”, habe sich strafbar gemacht, aber das sei der Frau nicht klar geworden. „Und das nennt sich Lehrerin.“ Wenn man von den zehn Morden absehe, dann habe Brigitte Böhnhardt, um ihrem Sohn ein paar Jahre Freiheit zu gewähren, „Beate Zschäpe und Uwe Mundlos als Ammen“ eingesetzt, die sich damit ihre Zukunft versaut hätten. Er habe, so Mundlos, von Frau Böhnhardt verlangt, dass er auch mal telefonisch mit seinem Sohn sprechen darf. „Das hat sie abgelehnt, in unverschämter Art und Weise. Diese herzzerreißende Mutterrolle trifft nicht zu.“ Götzl fragt, was er mit „unverschämt“ meine. Das Unverschämte sei, dass sie es so darstelle, als habe sie die Grüße seines Sohnes an seine Mutter ausgerichtet. Als er, Siegfried Mundlos, gesagt habe, er wolle mit seinem Sohn sprechen, habe sie das verwehrt und sei „pampig“ geworden. Mundlos: „Diese Frau ist unterste Schublade für mich.“ Götzl fragt, von wem er das mit Mecklenburg erfahren habe. Mundlos sagt, das habe er von Brigitte und Jürgen Böhnhardt erfahren. Es könne auch sein, dass das nur einer von beiden gesagt habe. Er habe nicht nachgehakt, sondern sei so vertrauensselig gewesen, dass er „das Märchen“ geglaubt habe. Er selbst habe nicht mit André K. darüber gesprochen, aber seine Frau, so Mundlos auf Frage. Da habe André K. gesagt, Beate und Uwe [Mundlos] könnten sich doch stellen, die hätten doch nichts verbrochen. Seine Frau habe Wohlleben sicher gekannt, so Mundlos. Götzl fragt, ob seine Frau Informationen erhalten habe. Mundlos sagt, seine Frau habe nur Gerüchte gehört, sie seien bei der Fremdenlegion : „Aber die rochen schon so nach Verfassungsschutz, dass ich darauf gar nicht eingegangen bin.“

Götzl fragt, ob sich ihr Sohn im Januar 1998 von ihm oder seiner Frau verabschiedet habe. Das verneint Mundlos, da sei André K. um Uwe herum gewesen, es habe nur ein kurzes Telefonat gegeben, in dem sein Sohn gesagt habe, er wolle sich verabschieden. Mundlos sagt, er hätte sich über eine Viertelstunde Gespräch gefreut. Dann sagt Mundlos: „Jetzt fragen Sie ruhig, warum ich das Wort Propagandalüge verwende bei der Garage.“ Götzl sagt, er frage jetzt nach der Flucht, das Verfahren werde hier durchaus ernsthaft geführt und Mundlos müsse ihnen hier nicht Akten erklären. Nach erneutem Hinweis, er solle beim Thema Telefongespräch bleiben, sagt Mundlos, er habe dann bis 2011 nichts mehr von seinem Sohn gehört. Götzl fragt, ob es Bemühungen gegeben habe, Kontakt aufzunehmen. Er habe 1998 einen Rechtsanwalt eingeschaltet, der sich an die Staatsanwaltschaft Gera gewandt habe, der wiederum kein Lebenszeichen von den dreien bekannt gewesen sei. Und dann sei 2001 ein Schreiben über die vorläufige Einstellung des Verfahrens erfolgt. Dann berichtet Mundlos von einem Bericht in der MDR-Sendung „Kripo Live“, wonach „drei gefährliche Bombenterroristen beinahe Kinder in die Luft gesprengt hätten“. Er habe den Sender angerufen, um herauszufinden, von wem diese Info stammte. Sie, Familie Mundlos, hätten nämlich per Zufall über einen Bekannten herausgefunden, dass im Koffer nur ein leeres Alurohr gesteckt habe. Zunächst seien die verschiedenen Theatergruppen angefragt worden, ob der Koffer eine Requisite sei, es habe sich aber niemand gefunden. Der Chef des Theaters habe den Koffer dann dem LKA übergeben und da sei daraus ein Koffer mit einem Rohr geworden, das angeblich 10 Gramm TNT enthalten habe. Und in der Sendung sei es ein Koffer geworden, der Kinder in die Luft hätte sprengen können. Aber es sei, wenn man schon an die Öffentlichkeit gehe, nicht gesagt worden, dass man aus der Adressliste habe schließen müssen, dass das Trio im Raum Chemnitz untergekommen sei.

Götzl unterbricht Mundlos und sagt, dass er sich manchmal frage, ob Mundlos überhaupt auf seine Fragen eingehen wolle. Das wolle er, erwidert Mundlos. Und weiter: „Sie wollen mich abbügeln.“ Götzl erwidert, er höre nichts davon, was Mundlos gemacht habe, um in Kontakt zu seinem Sohn zu kommen. Mundlos sagt, er habe nachfragen wollen, wieso das mit der Bombe verbreitet worden sei, aber nicht, dass Uwe Böhnhardt wegen seiner Haft gesucht werde und warum in der Sendung der Raum, wo die Bevölkerung aktiviert werden sollte, nicht angegeben worden sei. Er habe, so Mundlos weiter, nach dem Anruf keine Information bekommen, auf wen beim LKA das zurückgehe. Auf die Frage, was das mit dem Kontakt zu seinem Sohn zu tun habe, antwortet Mundlos: „Gut, dann machen wir weiter.“ Er habe, so Mundlos, eine Vermisstenmeldung aufgeben, das sei aber erst nach der Einstellung der Fahndung möglich gewesen. Er habe aber nichts weiter mitbekommen. Und, so Mundlos, der Gothaer Polizeichef habe 2011, das sei schon fast ein Wunder, sofort beim Anblick des einen Toten gesagt, da müsse die Vermisstenmeldung Mundlos angefordert werden. Götzl fragt, ob Mundlos mal Kontakt zu Thomas St. gesucht habe, was Mundlos verneint. Man habe ihm, so Mundlos weiter, auch die Adressliste aus der Garage nicht zur Verfügung gestellt. Götzl fragt, ob er denn ansonsten mal versucht habe, seinen Sohn zu kontaktieren, über Handy oder über Freunde oder Bekannte. Das verneint Mundlos. Weil die Familie Böhnhardt ihm erklärt habe, dass die drei nach Mecklenburg gegangen seien, habe er den Gedanken, in Chemnitz und Sachsen zu gucken, fallen gelassen. Den habe er gehabt, weil er ja schon 1994 die Jenaer von Chemnitz habe nach Hause holen wollen, ihm sei auch noch das Neubaugebiet in Erinnerung geblieben. Mundlos sagt, wenn die Familie Böhnhardt ihm das nicht geschildert hätte, hätte er mal ein oder zwei Arbeitstage geopfert, um sich dort kundig zu machen. Es sei leider so, dass er dieser „Eingebung“ nicht gefolgt sei. Aber er habe keinen Fehler gemacht, weil das die Zielfahndung ja auch gewusst habe. Götzl fragt, was es mit André K. und einem Mountainbike auf sich habe. Mundlos sagt, bei der Hausdurchsuchung seines Sohnes hätten sie anschließend die Wohnung seines Sohnes auszuräumen (aufzuräumen?) gehabt und da sei ihnen aufgefallen, dass eine ganze Reihe Gegenstände fehlten. Sie hätten gedacht, die seien vielleicht beschlagnahmt worden. Weil ihm die Dinge schon damals „spanisch vorgekommen“ seien, habe er eine Dienstaufsichtsbeschwerde gestellt, weil man die drei habe abtauchen lassen. Man hätte, so Mundlos, damals die Möglichkeit gehabt, das Trio so lange festzuhalten bis die Durchsuchung beendet gewesen wäre. Sein Anwalt sei da auch nicht weiter gekommen. Bei der Gelegenheit habe er festgestellt, dass das Mountainbike seines Sohnes fehlte. Die Leute im LKA in Erfurt seien sehr freundlich gewesen, er sei da im Büro der Staatsschutzabteilung gelandet. Das vermute er, denn er habe an der Wand Aktenordner „des Kreises, den man heute THS nennt“ gesehen. Und „der Offizier“ habe ihm plastisch die Delinquenten geschildert, ohne Namen zu nennen, so dass er gewusst habe, um wen es geht. Er, Mundlos, habe Zschäpe erkannt und André K. Der Beamte habe ihm auch „diese Rudolstädter Geschichte“ geschildert, wo „das Denkmal besudelt“ worden sei. Außerdem sei ihm gesagt worden, „der etwas dicklichere“ sei dabei schon „fast umgekippt“. Dann habe der Polizist gesagt, wenn er seinen Sohn treffen sollte, solle er ihm sagen, dass man ihm eine Kronzeugenregelung gewähren könne. Es seien dann Worte wie „Braune Armee Fraktion“ gefallen. Den Tipp mit André K. habe er für nützlich befunden. Er sei zur Wohnung von Andre K. gefahren und habe gesagt, man habe ihm geschildert, André K. sei ein Verräter, der Verrat werde geliebt, aber nicht der Verräter. Er habe André K. dann gefragt, wo das Fahrrad sei. Eine Stunde später sei das Rad wieder aufgetaucht und da habe er geschlussfolgert, „der André“ sei „doch ein ordentlicher Kerl“.

Götzl kommt noch einmal auf die Kreditkarte zu sprechen. Mundlos sagt, er habe seine Kreditkarte nicht zur Verfügung gestellt, weil er nicht schriftlich bekommen habe, dass sie zur Fahndung nötig sei. Außerdem habe er schon zu DDR-Zeiten bemerkt, wie die Stasi Leute rein gelegt habe. Er hätte, so Mundlos weiter, dann vielleicht zwei oder drei Jahre später Ärger bekommen, zu erklären, wo die ganzen Buchungen herkommen. Mundlos sagt, wenn er eine schriftliche Erklärung bekommen hätte, hätte er die Karte „ohne Wenn und Aber“ zur Verfügung gestellt. Zu Uwe Böhnhardt habe er kein Verhältnis gehabt, so Mundlos auf Frage. Er habe keinen Anlass gesehen, mit dem neuen Freund der Beate zu sprechen. Allerdings solle es, wie sein Sohn ihm vor der Flucht gesagt habe, schon wieder aus gewesen sein: „Weil, Beate, du sollst ja mit dem St. gegangen sein.“ Von dem St. sei ja in der Presse zu lesen, dass er den Sprengstoff in der Garage geliefert habe. Uwe Böhnhardt sei nie in ihrer Wohnung gewesen. Einmal habe sein Sohn ihn gebeten, einen Lebenslauf von Uwe Böhnhardt auszudrucken. Da sei nicht an einer Stelle ein Hinweis auf Böhnhardts Vorstrafen gewesen. Deswegen nehme er auch an, dass sein Sohn bei Uwe Böhnhardt nicht mehr als die Spitze des Eisbergs gesehen habe.
Götzl hält aus der Vernehmung von Siegfried Mundlos vor, der habe Uwe Böhnhardt als unberechenbar und gewalttätig bezeichnet. Mundlos sagt, es sei aus Bekanntenkreisen bekannt gewesen, dass Uwe Böhnhardt immer mit einem Messer bewaffnet umher gelaufen sei. Er habe schon Alexander Ha. genannt, aber er habe auch von seinem Sohn gehört, dass der Böhnhardt aus dem offenen Autofenster auf seine an einer Haltestelle wartende Freundin geschossen habe. Er habe sich immer geärgert, dass sein Sohn immer von Frau Böhnhardt eingesetzt worden sei, um Uwe Böhnhardt „aus irgendwelcher Scheiße“ zu holen. Einmal sei Uwe Böhnhardt mit einem Transporter bei Hermsdorf in den Straßengraben gefahren, da habe sein Sohn helfen müssen. Sein Sohn habe für Böhnhardt die Amme spielen müssen und es habe ihn, Siegfried Mundlos, gewundert, dass sein Sohn das gemacht und seine Schulpflichten dabei vernachlässigt habe. Dann sagt Siegfried Mundlos: „Der Uwe Böhnhardt war schon ein Problemkind.“ Auf Frage von Götzl sagt Mundlos, Uwe Böhnhardt habe sich teilweise gekleidet wie der eineiige Zwilling seines Sohnes. Beide hätten braune Hemden, Stiefel und „so eine Hose“ getragen. Er habe seinem Sohn regelmäßig gesagt, es sei doch kein Fasching, der habe dann betroffen geguckt. Götzl hält vor, Mundlos habe ausgesagt, dass er oft mit seinem Sohn gesprochen habe, aber der sei wie vernebelt gewesen. Das bestätigt der Zeuge. Sie hätten gesprochen, aber nicht länger diskutiert. Wenn jemand nicht diskutieren wolle, so Mundlos, dann bringe das sowieso nichts. Götzl hält vor, dass sich Mundlos laut Aussage gewundert habe, dass sein Sohn auf Rudolf Heß gestoßen sei. Mundlos sagt, sein Sohn habe sich wie ein „Rudolf-Heß-Fan“ benommen. Aber wenn man sich die Adressliste anschaue, dann sei auch klar, wie die Kontakte zustande gekommen seien. Tino Brandt habe einen Hinweis vom Bayerischen VS bekommen, dass da eine Heß-Feier stattfinde und habe dann Busse ausgerichtet und dann sei man dahin gefahren. Mundlos weiter: „Die materielle, aber auch ideelle Unterstützung des VS muss betont werden.“ Und „im Rahmen dieses Netzes“ sei sein Sohn erstmals hingewiesen worden auf solche Veranstaltungen und habe Literatur bekommen wo Heß verklärt werde. Götzl fragt, ob es solche Gespräche gegeben habe, die Mundlos jetzt schildere. Nein, sagt Mundlos, das vermute er. Götzl verliest die Aussage, dass Mundlos glaube, dass sein Sohn einmal zum Rudolf-Heß-Gedenktag gefahren sei. Das liege zu weit zurück, so Mundlos, aber er wisse, dass Uwe zu solchen Veranstaltungen gefahren sei. Er habe aber von Journalisten Polizeiprotokolle bekommen, wo Uwe überall hingefahren sei. Götzl fragt, ob er diese Protokolle gewollt habe, was Mundlos verneint, die seien ihm förmlich aufgedrängt worden. Der Reporter Scheuermann vom „Spiegel“ habe ihn angerufen, er sei am Freitag in Jena. Und er habe gedacht, wenn er so wichtige Informationen habe, die aufklären könnten, was hinter den Verbrechen stehe, dann komme er gleich nach der Vorlesung in den „Schwarzen Bären“ [Hotel in Jena]. Dann habe ihm der Journalist „solche Berge von Protokollen“ gezeigt, einiges sei wirklich neu gewesen, anderes unwichtig. Er habe Scheuermann gesagt, er wolle nicht, dass da etwas veröffentlicht wird und eine Woche später habe er gelesen: „Professor Mundlos will sich bei den Opfern entschuldigen”. Dann sagt Mundlos, er wolle ganz kurz einen Satz an die Opfer richten. Mundlos sagt, er sei voll davon überzeugt, dass man diese Sache aufklären müsse. Er könne versichern, dass er ganz tief mitempfinden könne, welche Schmerzen die Opfer empfinden, dass ihre Angehörigen getötet wurden. Er könne erst ruhig leben, wenn er ganz genau wisse, „was hinter der Sauerei steckt“. Und an „die Herren von der Bundesanwaltschaft“ gerichtet sagt Mundlos, sie könnten das nur aufklären, wenn sie auch nach dem Verfassungsschutz fragen würden. Weiter sagt Mundlos: „Das deutsche Volk wird Ihnen diese Sache nie abkaufen.“ OStA Weingarten unterbricht, Mundlos sei nicht hier, um „Volksreden“ zu halten. Mundlos sagt, wieder in Richtung der Angehörigen, egal was die Ursachen seien, er fühle mit ihnen, wisse, dass sie unbedingt Aufklärung wollen und sehe auch, wie „hartleibig“ sich die BAW in dieser Angelegenheit stelle. Dann sagt er, das sei nicht zum Lachen, es seien zehn Tote zu beklagen, „das heißt eigentlich zwölf Tote”.

Götzl hält vor, dass Mundlos angegeben habe auf dem Schreibtisch seines Sohnes in Ilmenau habe ein Bild von Heß gestanden. Das sei so gewesen, sagt Mundlos, darüber habe er sich gewundert. Götzl will wissen, ob er das seinem Sohn gegenüber thematisiert habe. Mundlos: „Ich hätte es ihm wegnehmen können, aber das hätte nichts gebracht.“ Sein Sohn hätte von sich aus zu der Erkenntnis kommen müssen, dass das das falsche Idol sei. Er habe all das getan, was er als Möglichkeiten gesehen habe, um seinen Sohn langfristig von diesem Weg abzubringen. Die Möglichkeiten der Einflussnahme seien bei einem erwachsenen Mensch aber beschränkt. Götzl sagt, er unterbreche jetzt, um morgen fortzufahren. Mundlos sagt: „Mit dem Apfel wollte ich nicht Ihre Autorität untergraben. Na gut, ist erledigt, Schwamm drüber.”

Nachdem Siegfried Mundlos den Saal verlassen hat, verschiebt Götzl die Videovernehmung der Zeugin E. auf Freitag. Der für Freitag vorgesehen Zeuge André K. ist abgeladen.

Der Verhandlungstag endet um 16.11 Uhr.

Auf dem Blog NSU-Nebenklage der Anwälte Alexander Hoffmann und Dr. Björn Elberling heißt es zum Verhandlungstag:

„Vater Mundlos bemüht sich verzweifelt, jede Schuld und Verantwortung von seinem Sohn und seiner Familie abzuwehren. Sein Sohn sei nur durch den Kontakt zu V-Leuten des Verfassungsschutzes und zu Uwe Böhnhardt nach rechts geraten. Er selbst habe alles ihm Mögliche getan, seinen Sohn von dessen Weg wegzuholen. Die Staatsanwaltschaft habe „die Drei“ zu Unrecht verfolgt, daher seien diese in den Untergrund gegangen. Auch die Verantwortung für das weitere Geschehen verortet er bei staatlichen Stellen und fordert mehrfach die Bundesanwaltschaft auf, das staatliche Handeln in die Beweisaufnahme einzubeziehen.“

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